Live-Daten erkunden

Marktentwicklung: Müllerei und Malzprodukte (CN 11) — 2015–2025

Einführung

Der Warenabschnitt CN 11 umfasst ein breites Spektrum an verarbeiteten Agrarprodukten, darunter Weizen- und Getreidemehle, Grieß, Malz, Stärke, Inulin sowie Weizenkleber. Die EU ist in diesem Segment ein bedeutender Globalakteur — sowohl als Exporteur als auch als Importeur. Im Zeitraum von 2015 bis 2025 durchlief der Markt erhebliche strukturelle Veränderungen, die von geopolitischen Schocks, Preissteigerungen und einer Neuausrichtung der Handelsbeziehungen geprägt waren. Dieser Bericht analysiert die wichtigsten Entwicklungen auf Basis der verfügbaren Handelsdaten.


1. Preisgetriebenes Exportwachstum: Steigende Werte trotz stagnierender Mengen

Die Exportentwicklung der EU im Segment CN 11 zeigt über den gesamten Betrachtungszeitraum ein bemerkenswertes Muster: Während die exportierte Menge nahezu unverändert blieb, stiegen die Exportwerte und -preise erheblich an.

Die EU als Nettoexporteur mit wachsender Handelsspanne

Die EU weist über den gesamten Zeitraum einen deutlichen Handelsbilanzüberschuss auf, der sich von rd. 2,48 Mrd. EUR (2015) auf 3,47 Mrd. EUR (2025) erhöhte — ein Plus von 40,1 %. Die Netto-Importabhängigkeit lag durchgehend im negativen Bereich (zwischen −10,2 % und −15,6 %), was die Rolle der EU als Nettoexporteur unterstreicht.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mrd. EUR) 2,81 4,00 +42,0 %
Exportmenge (Mio. t) 5,45 5,35 −1,8 %
Exportpreis (EUR/t) 517 747 +44,6 %
Importwert (Mio. EUR) 339 530 +56,3 %
Importmenge (Mio. t) 0,51 0,69 +34,8 %
Importpreis (EUR/t) 660 765 +15,9 %

Preisspitzen im Gefolge des Ukrainekriegs

Besonders auffällig ist der starke Preisanstieg ab 2021/2022. Die durchschnittlichen Exportpreise erreichten mit rd. 903 EUR/t im Jahr 2022 ihren Höhepunkt — ein Anstieg von 75 % gegenüber 2015. Auch die Importpreise erreichten 2022 mit 806 EUR/t ihren Maximalwert. Diese Entwicklung spiegelt die globalen Lieferengpässe und Energiepreissteigerungen wider, die durch den Krieg in der Ukraine ausgelöst wurden.

Preisschocks wurden insbesondere bei den EU-Exporten nach Brasilien (Abnormitätsindex 13,9, Preissprung +36 %), Guatemala (11,9, +58,9 %) und Serbien (10,6, +44,7 %) identifiziert, die jeweils 2022 ihren Höhepunkt erreichten.

EU-interne Produktionsentwicklung stützt Exporte

Die inländische Produktion der EU stieg im Betrachtungszeitraum mengenmäßig um 13,7 % (von rd. 48,3 Mrd. kg auf 54,9 Mrd. kg), während der Produktionswert sogar um 92 % zunahm (von 13,2 Mrd. EUR auf 25,3 Mrd. EUR). Die Divergenz zwischen mengen- und wertmäßiger Entwicklung bestätigt die durchgängige Preissteigerungstendenz auch auf der Erzeugerebene.


2. Diversifizierung und neue Handelspartner: Strukturwandel in der EU-Handelslandschaft

Ein zweiter zentraler Befund betrifft die Veränderung der Handelspartnerstruktur — sowohl auf der Import- als auch auf der Exportseite.

Zunehmende Importdiversifizierung

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert fiel von 3.008 (2015) auf 1.736 (2025) — ein Rückgang von 42,3 %. Auch der mengenbezogene HHI sank um 46,1 %. Diese Entwicklung zeigt eine deutliche Diversifizierung der Importquellen. Neben dem Vereinigten Königreich als traditionell wichtigstem Importpartner gewannen vor allem ost- und südosteuropäische sowie asiatische Partner an Bedeutung.

Importpartner Wert 2015 (Mio. EUR) Wert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 181 203 +12,0 %
Ukraine 10,8 40,2 +273,5 %
Serbien 13,4 38,2 +185,6 %
Thailand 20,1 33,9 +68,3 %
Schweiz 8,7 12,9 +48,1 %
Republik Moldau 2,3 7,7 +230,4 %
Norwegen 2,1 2,0 −4,8 %

Osteuropäische Partner als strategische Ergänzung

Besonders hervorzuheben ist der stark steigende Importanteil der Ukraine (+273,5 %) und Serbiens (+185,6 %). Die Ukraine avancierte von einem vergleichsweise kleinen Lieferanten zu einem der wichtigsten Importpartner — ein Trend, der trotz des seit 2022 andauernden Krieges anhielt, was auf die Bedeutung der ukrainischen Getreide- und Stärkeproduktion für die EU hindeutet. Die hohe Volatilität bei ukrainischen Importen (Variationskoeffizient 0,76) spiegelt jedoch die Unsicherheit der Lieferbeziehungen wider.

Stabile Exportstruktur mit leichten Verschiebungen

Auf der Exportseite blieb die Konzentration mit einem HHI zwischen 402 und 477 moderat und relativ stabil (+8,5 %). Das Vereinigte Königreich blieb mit Abstand der wichtigste Exportmarkt (495 Mio. EUR, +47,1 %), gefolgt von den USA (367 Mio. EUR, +38,5 %). Brasilien (+116,7 %) und Japan (+60,1 %) verzeichneten die stärksten Wachstumsraten unter den Top-7-Partnern. Demgegenüber gingen die Exporte nach Angola (−60,6 %) und Vietnam (−35,7 %) deutlich zurück.

Exportpartner Wert 2015 (Mio. EUR) Wert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 336 495 +47,1 %
Vereinigte Staaten 265 367 +38,5 %
N. a. g. Länder 145 239 +64,8 %
Brasilien 79 170 +116,7 %
Japan 102 163 +60,1 %
Angola 117 46 −60,6 %
Vietnam 108 70 −35,7 %

EU-interne Exportmacht konzentriert sich in Kernstaaten

Innerhalb der EU entfielen die Exporte in Drittländer vor allem auf Deutschland (779 Mio. EUR, +17,9 %), Belgien (697 Mio. EUR, +13,2 %) und Frankreich (548 Mio. EUR, +7,5 %). Besonders dynamisch wuchsen die Niederlande (+84,1 %), Dänemark (+148,7 %), Italien (+182,1 %) und Polen (+145,7 %), die sich als zunehmend relevante Exportakteure etablierten.


3. Segmentverschiebungen: Malz dominiert Exporte, Weizenmehlimporte wachsen stark

Die disaggregierte Betrachtung nach einzelnen CN-Unterpositionen offenbart markante Unterschiede in der Dynamik einzelner Produktsegmente.

Malz (CN 1107) und Stärke (CN 1108) als Exportpfeiler

Malz war mit Abstand das wichtigste Exportprodukt mit rd. 2,5 Mio. Tonnen und einem Wert von 1,28 Mrd. EUR im Jahr 2025. Der Exportpreis stieg von 396 EUR/t (2015) auf 508 EUR/t (2025), nach einem Höhepunkt von 640 EUR/t im Jahr 2023. Stärke und Inulin (CN 1108) entwickelten sich zum zweitwichtigsten Exportsegment mit einem Wertanstieg von 583 Mio. EUR auf 926 Mio. EUR (+58,9 %), bei gleichzeitigem Mengenwachstum von 936.000 t auf rd. 1,02 Mio. t (+8,8 %).

Exportsegment Menge 2015 (t) Menge 2025 (t) Wert 2015 (Mio. EUR) Wert 2025 (Mio. EUR) Preis 2015 (EUR/t) Preis 2025 (EUR/t)
Malz (1107) 2.556.612 2.516.273 1.012 1.279 396 508
Stärke/Inulin (1108) 936.261 1.018.267 583 926 623 910
Weizenmehl (1101) 795.151 433.837 287 295 361 679
Weizenkleber (1109) 254.886 357.107 340 486 1.334 1.360
Grieß/Pellets (1103) 324.432 344.331 144 198 444 576
Getreidekörner (1104) 173.045 296.739 94 190 544 639
Kartoffelmehl (1105) 178.481 220.287 189 401 1.060 1.820

Struktureller Rückgang des Weizenmehlexports

Ein auffälliger Trend ist der mengenmäßige Rückgang der Weizenmehlexporte (CN 1101) um 45,4 % — von 795.000 t (2015) auf 434.000 t (2025). Der Exportwert blieb dank erheblicher Preisanstiege (von 361 EUR/t auf 679 EUR/t) nahezu stabil. Dies deutet auf eine Verlagerung hin zu höherwertigen Folgeprodukten (Malz, Stärke, Kleber) sowie auf veränderte Wettbewerbsbedingungen auf globalen Weizenmehlmärkten hin.

Kartoffelstärkeprodukte als Preistreiber

Das Segment Kartoffelmehl/-stärke/-pellets (CN 1105) verzeichnete die mit Abstand stärkste Preisentwicklung: Der Exportpreis stieg von 1.060 EUR/t auf 1.820 EUR/t (+71,7 %), bei gleichzeitigem Wertwachstum von 189 Mio. EUR auf 401 Mio. EUR (+112,1 %). Dies spiegelt die gestiegene Nachfrage nach Kartoffelstärke als industrieller Rohstoff sowie mögliche Angebotsengpässe wider.

Importsegmente: Weizenmehl und Hülsenfruchtmehle wachsen am stärksten

Auf der Importseite entwickelten sich Weizenmehlimporte (CN 1101) mengenmäßig von 214.000 t auf 303.000 t (+41,7 %), was auf die steigende EU-Nachfrage nach Spezial- und Ergänzungsmehlen hindeuten kann. Noch dynamischer wuchsen die Importe von Mehl aus Hülsenfrüchten und Wurzelknollen (CN 1106) — mengenmäßig von 21.000 t auf 32.000 t (+49,3 %), wertmäßig sogar von 49 Mio. EUR auf 98 Mio. EUR (+100,5 %). Der Importpreis in diesem Segment stieg auf 3.115 EUR/t und war damit der höchste aller CN-11-Unterpositionen, was auf den Import hochwertiger Spezialprodukte (z. B. Maniok-, Pfeilwurz- und Hülsenfruchtmehle) schließen lässt.

Malzimporte (CN 1107) blieben mengenmäßig relativ stabil (29.653 t → 42.662 t), wiesen aber eine hohe Volatilität auf (mit einem sprunghaften Anstieg auf rd. 91.000 t im Jahr 2017), was auf die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten und temporäre Engpässe hindeutet.


Schlussfolgerung

Der EU-Handel mit Müllerei- und Malzprodukten (CN 11) hat sich im Zeitraum 2015–2025 trotz mengenmäßiger Stagnation der Exporte insgesamt positiv entwickelt. Der Handelsbilanzüberschuss wuchs um 40 % auf 3,47 Mrd. EUR, getrieben vor allem durch Preissteigerungen — insbesondere im Gefolge der globalen Krisen ab 2021/2022. Die EU profitierte dabei von einer hoch diversifizierten und zunehmend spezialisierten Produktionsbasis: Während der mengenmäßige Export von Basisprodukten wie Weizenmehl zurückging, expandierten hochwertigere Segmente wie Malz, Stärke und Kartoffelstärkeprodukte sowohl mengen- als auch wertmäßig.

Auf der Handelspartnerseite vollzog sich ein bemerkenswerter Strukturwandel: Die Importdiversifizierung nahm deutlich zu, wobei osteuropäische Partner wie die Ukraine und Serbien an strategischer Bedeutung gewannen. Die Exportseite blieb hingegen konzentriert auf Kernmärkte (Vereinigtes Königreich, USA), mit wachsender Rolle Brasiliens und Japans. Die Steigerung der Handelsintensität von 13,0 % auf 17,4 % sowie der Exportquote von 12,0 % auf 15,6 % unterstreichen die zunehmende Integration des Sektors in globale Wertschöpfungsketten. Die EU bleibt damit ein wettbewerbsfähiger und resilienter Akteur im globalen Markt für verarbeitete Getreide- und Stärkeprodukte.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

Wenn Sie Beratung zur europäischen Handelspolitik benötigen oder Vertretung für Ihre Interessen in Brüssel, kontaktieren Sie mich bitte unter support@tradedashboard.eu. Sie finden meinen Lebenslauf unter dieser Adresse.