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Marktentwicklung: Gemüse (CN 07) — 2015–2025

Einführung

Der Handel der Europäischen Union mit Gemüse, Pflanzen, Wurzeln und Knollen für Ernährungszwecke (Zollkapitel 07) hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend verändert. Die vorliegende Analyse untersucht auf Basis von Handelsdaten der Europäischen Kommission die Dynamik von Exporten, Importen, Handelspartnern, Produktsegmenten sowie Versorgungssicherheit und Preisentwicklungen. Im Zentrum stehen die Verschiebung der Handelsbilanz, die veränderte geografische Ausrichtung der Einfuhren und der strukturelle Wandel im Warenkorb.

Wachsendes Handelsvolumen und schrumpfender Überschuss

Der Gesamthandel mit Gemüse ist im Berichtszeitraum erheblich gewachsen, doch die Dynamik von Ausfuhren und Einfuhren hat den traditionellen Überschuss der EU spürbar verringert.

Importe wachsen doppelt so schnell wie Exporte – die Handelsbilanz schmilzt

Der Wert der Ausfuhren stieg von 5,29 Mrd. EUR (2015) auf 7,29 Mrd. EUR (2025), ein Plus von 37,8 %. Die Ausfuhrmenge ging dagegen um 5,0 % auf 6,27 Mio. Tonnen zurück, sodass der Anstieg vollständig preisgetrieben war (+45,0 %). Die Einfuhren legten wertmäßig um 79,1 % auf 6,72 Mrd. EUR zu, die Menge wuchs um 56,3 % auf 5,30 Mio. Tonnen; die Importpreise erhöhten sich um 14,6 %. Der Handelsbilanzüberschuss sank von 1,54 Mrd. EUR (2015) auf 0,57 Mrd. EUR (2025) – ein Rückgang um 62,9 %.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Ausfuhrwert (Mrd. EUR) 5,292 7,293 +37,8 %
Ausfuhrmenge (Mio. t) 6,596 6,269 -5,0 %
Einfuhrwert (Mrd. EUR) 3,754 6,723 +79,1 %
Einfuhrmenge (Mio. t) 3,390 5,297 +56,3 %
Handelsbilanz (Mrd. EUR) 1,538 0,570 -62,9 %

Diese Entwicklung spiegelt eine stärkere Integration der EU in den Weltmarkt für Gemüse wider. Die Nettoimportabhängigkeit, die 2015 noch bei +1,9 % (leichte Nettoimportposition) lag, wechselte bis 2025 auf −1,7 % – die EU ist also im Saldo Nettoexporteur geblieben, jedoch mit immer knapperem Vorsprung.

Eigenproduktion wächst, kann aber mit der Importnachfrage nicht Schritt halten

Die EU-Produktion von Gemüse nahm zwischen 2015 und 2024 mengenmäßig um 42,7 % auf 5,92 Mrd. Tonnen und wertmäßig um 81,7 % auf 7,64 Mrd. EUR zu (Produktionsdaten). Gleichzeitig stieg die Außenhandelsintensität von 19,5 % auf 31,2 % (+60 %), und die Exportquote kletterte von 9,9 % auf 19,2 % (+93 %). Die wachsende Produktion wurde also immer stärker in den Außenhandel gelenkt, während gleichzeitig die Importe noch rascher wuchsen.

Verschiebung der Handelspartner: Alte Stärken, neue Abhängigkeiten

Die geografische Struktur des Gemüsehandels zeigt eine bemerkenswerte Polarisierung: Während das Vereinigte Königreich seine Rolle als mit Abstand wichtigster Exportkunde behauptet, konzentrieren sich die Importe zunehmend auf wenige Lieferanten aus dem Mittelmeerraum und Asien.

Exporte bleiben stark auf das Vereinigte Königreich fixiert

Die EU-Ausfuhren werden vom britischen Markt dominiert: 2015 flossen 2,57 Mrd. EUR, 2025 bereits 3,49 Mrd. EUR dorthin (+35,8 %). Der Anteil des UK an den Gesamtexporten blieb bei rund 48 %, was den HHI-Konzentrationsindex für Exporte auf dem hohen Niveau von ca. 2 500 Punkten stabil hielt (−1,5 %). Weitere wichtige Abnehmer sind die Schweiz, Norwegen und die USA, die alle deutliche Zuwächse verzeichneten. Dagegen gingen die Lieferungen nach Ägypten um 12,8 % zurück.

Importe verlagern sich nach Nordafrika und in die Türkei

Auf der Importseite ist die Konzentration spürbar gestiegen: Der HHI kletterte von 904 auf 1 102 (+22 %). Die mit Abstand größte Bezugsquelle ist Marokko, dessen Lieferungen von 815 Mio. EUR auf 1,69 Mrd. EUR (+107 %) wuchsen. Ägypten (+224,6 %), die Türkei (+221,5 %) und China (+56,5 %) folgten mit ähnlich dynamischen Zuwächsen. Die Einfuhren aus dem Vereinigten Königreich brachen dagegen um 29,4 % ein, während Russland als Lieferant nach 2022 nahezu bedeutungslos wurde (−45 %). Diese Verschiebung spiegelt sowohl verbesserte Handelsabkommen mit Mittelmeerländern als auch geopolitische und logistische Faktoren wider.

Top-Importpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Marokko 815,3 1.688,5 +107,1 %
Ägypten 238,5 774,0 +224,6 %
Türkei 239,9 771,3 +221,5 %
China 470,4 736,2 +56,5 %
Vereinigtes Königreich 330,1 233,0 -29,4 %

Volatilität und Schocks in schwierigen Zeiten

Die Mengenvolatilität war bei Importen aus Russland (CV 0,98), der Ukraine (0,84) und Ägypten (0,49) besonders hoch. Preisschocks traten vor allem 2022 auf: Die Importpreise aus der Türkei sprangen um 27,5 %, aus Kanada um 47,7 % und aus der Ukraine um 107,6 %. Bei den Exporten verzeichnete Senegal einen Preissprung von 65,3 % im Jahr 2022. Diese Schockereignisse zeigen, wie empfindlich die Lieferketten auf geopolitische Spannungen und wetterbedingte Ausfälle reagieren, selbst bei etablierten Partnern.

Produktmix im Wandel: Frisch, tiefgekühlt und höherwertig

Die Zusammensetzung der gehandelten Gemüsewaren hat sich deutlich verändert. Während frisches Gemüse unverändert dominiert, legten verarbeitete Kategorien sowohl wert- als auch preisseitig deutlich zu.

Frischgemüse (CN 0709) bleibt das Rückgrat des Handels

Sowohl bei den Ausfuhren als auch den Einfuhren ist „anderes Frischgemüse“ (CN 0709) wertmäßig die größte Einzelposition. Die Exporte in dieser Kategorie stiegen von 1,33 Mrd. EUR (2015) auf 1,94 Mrd. EUR (2025), die Importe von 0,66 Mrd. EUR auf 1,09 Mrd. EUR – jeweils getrieben durch einen deutlichen Preisanstieg (Produktvergleich).

Tomaten und Tiefkühlgemüse legen überproportional zu

Die Einfuhr von Tomaten (CN 0702) wuchs wertmäßig von 0,43 Mrd. EUR auf 1,38 Mrd. EUR, wobei sich der Einfuhrpreis von 970 EUR/t auf 1 777 EUR/t (+83 %) nahezu verdoppelte. Tiefkühlgemüse (CN 0710) steigerte den Exportwert von 0,73 Mrd. EUR auf 1,16 Mrd. EUR; der Ausfuhrpreis stieg von 937 EUR/t auf 1 391 EUR/t (+48 %). Diese Segmente spiegeln eine steigende Nachfrage nach ganzjährig verfügbaren und einfach zu verarbeitenden Produkten wider.

Exportwarengruppe (Wert 2025) 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Preisänderung (EUR/t)
Anderes Frischgemüse (0709) 1.331,3 1.937,9 +40,8 %
Tiefkühlgemüse (0710) 725,6 1.163,8 +48,4 %
Kartoffeln (0701) 543,7 689,9 +42,9 %
Tomaten (0702) 687,4 787,1 +68,8 %

Hülsenfrüchte und Knollen: divergierende Preistrends

Bei getrockneten Hülsenfrüchten (CN 0713) ist der Importwert von 0,71 Mrd. EUR auf 1,11 Mrd. EUR gestiegen, während die Mengen nach einem Einbruch 2018 wieder zulegten; der Importpreis schwankte stark. Der Export von Hülsenfrüchten blieb mit 0,28 Mrd. EUR (2025) dagegen bescheiden. Stärkehaltige Wurzeln und Knollen (CN 0714) – etwa Süßkartoffeln – verzeichneten ein kräftiges Einfuhrplus, was auf veränderte Verbraucherpräferenzen hindeutet.

Schlussfolgerung

Der EU-Gemüsehandel hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend gewandelt: Die Einfuhren expandierten deutlich schneller als die Ausfuhren, sodass der traditionelle Handelsüberschuss drastisch schrumpfte. Treiber waren eine steigende Inlandsnachfrage, die selbst eine wachsende Eigenproduktion nicht vollständig decken konnte, sowie kräftige Preissteigerungen bei Tomaten, Tiefkühlgemüse und anderem Frischgemüse. Geopolitisch verlagerten sich die Importe auf wenige, teils volatile Lieferanten in Nordafrika und der Türkei, während die Exporte unverändert stark auf das Vereinigte Königreich fixiert blieben. Die Produktstruktur zeigt eine Höherwertigkeit: Sowohl frische als auch verarbeitete Ware erzielt heute deutlich höhere Preise, was die Wertschöpfung im Handel erhöht, gleichzeitig aber die Versorgungssicherheit anfälliger für externe Schocks macht.