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Marktentwicklung: Sonstiges Gemüse (CN 0709) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifposten 0709 umfasst eine breite Palette frischer oder gekühlter Gemüseerzeugnisse, die nicht in den spezifischeren Positionen 0701–0708 erfasst sind — darunter Spargel, Auberginen, Pilze, Paprika und Peperoni, Spinat, Kürbisse, Artischocken sowie diverse sonstige Gemüsesorten. Als Restposition (Residual Heading) fasst diese Codenummer somit eine Vielzahl hochwertiger Gemüseprodukte zusammen, die saisonal und klimatisch bedingt einen erheblichen internationalen Handelsstrom ausmachen.

Im Zeitraum 2015 bis 2025 vollzog sich bei diesem Produktsegment eine bemerkenswerte Entwicklung: Die EU konnte ihre Position als Nettoexporteur ausbauen und das Handelsbilanzüberschuss von rund 671 Mio. EUR auf fast 847 Mio. EUR steigern. Gleichzeitig verschoben sich die Handelsströme — sowohl was die Herkunftsländer der Importe als auch die Zielmärkte der Exporte betrifft — teils erheblich. Preisanstiege spielten dabei eine ebenso zentrale Rolle wie geopolitische und klimatische Einflussfaktoren. Der vorliegende Bericht analysiert die wichtigsten Dynamiken und interpretiert die zugrundeliegenden Daten.


I. Wachstum durch Preisgetriebene Wertschöpfung bei Stagnation der Mengen

Die EU als wachsender Nettoexporteur

Die EU verzeichnete im gesamten Betrachtungszeitraum ein durchgehend positives Handelsbilanzüberschuss bei CN 0709. Die Exporte überstiegen die Importe sowohl im Wert als auch — mit wenigen Ausnahmen — in der Menge. Das Überschuss wuchs von 671 Mio. EUR (2015) auf 847 Mio. EUR (2025), was einem Anstieg von 26,1 % entspricht.

Preiseffekte als Haupttreiber der Exportwertsteigerung

Die Exporte der EU stiegen im Wert um 45,6 % (von 1,33 Mrd. EUR auf 1,94 Mrd. EUR), während die exportierte Menge nur um 3,4 % zunahm (von 778.349 t auf 804.601 t). Die entscheidende Erklärung liegt in der Exportpreisentwicklung: Der durchschnittliche Ausfuhrpreis erhöhte sich von 1.710 EUR/t auf 2.408 EUR/t — ein Plus von 40,8 %.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (EUR) 1.331 Mio. 1.938 Mio. +45,6 %
Exportmenge (t) 778.349 804.601 +3,4 %
Exportpreis (EUR/t) 1.710 2.408 +40,8 %

Dieses Muster deutet auf eine deutliche Aufwertung der exportierten Produkte hin — sei es durch eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Sortimenten, durch Inflationsübertragung oder durch Engpässe, die höhere Preise ermöglichten.

Importe: Mengenwachstum übertrifft Preisentwicklung

Die Importentwicklung zeigt ein anderes Bild: Der Einfuhrwert stieg um 65,3 % (von 660 Mio. EUR auf 1,09 Mrd. EUR), die Importmenge gar um 49,4 % (von 410.555 t auf 613.189 t). Der Importpreis veränderte sich im Vergleich dazu nur moderat um +10,7 % (von 1.607 EUR/t auf 1.779 EUR/t). Die EU hat also sowohl das Mengenvolumen als auch die Herkunftsstruktur ihrer Importe signifikant ausgeweitet, wobei die Preisentwicklung im Import vergleichsweise moderat blieb.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (EUR) 660 Mio. 1.091 Mio. +65,3 %
Importmenge (t) 410.555 613.189 +49,4 %
Importpreis (EUR/t) 1.607 1.779 +10,7 %

Verschiebung der Preisschere zwischen Export und Import

Der durchschnittliche Exportpreis lag 2015 nur rund 100 EUR/t über dem Importpreis (1.710 vs. 1.607 EUR/t). Bis 2025 hatte sich diese Spanne auf über 600 EUR/t ausgeweitet (2.408 vs. 1.779 EUR/t). Dies lässt sich teilweise durch die Produktpalette erklären: Die EU exportiert tendenziell hochwertigere Gemüseprodukte (etwa Spargel, Pilze, Paprika), während Importe zunehmend mengenstarke Basisprodukte (Paprika/Kürbis aus Drittländern) betreffen. Die Produktaufschlüsselung nach Segmenten bestätigt diese Interpretation.


II. Neuausrichtung der Handelsbeziehungen und geopolitische Brüche

Der Aufstieg der Türkei und Marokkos als dominierende Importpartner

Die größten Veränderungen auf der Importseite vollzogen sich bei den Hauptherkunftsländern. Marokko blieb über den gesamten Zeitraum der wichtigste Importpartner der EU, mit einem Anstieg von 175 Mio. EUR auf 308 Mio. EUR (+76,3 %). Die weitaus spektakulärste Entwicklung zeigte jedoch die Türkei: Der Importwert vervierfachte sich nahezu von 81 Mio. EUR auf 271 Mio. EUR (+232,3 %). Südafrika verzeichnete ebenfalls ein bemerkenswertes Wachstum von 5,4 Mio. EUR auf 19,9 Mio. EUR (+266,5 %).

Partnerland Import 2015 Import 2025 Veränderung
Marokko 175 Mio. EUR 308 Mio. EUR +76,3 %
Türkei 81 Mio. EUR 271 Mio. EUR +232,3 %
Peru 105 Mio. EUR 103 Mio. EUR −1,3 %
Vereinigtes Königreich 35 Mio. EUR 22 Mio. EUR −36,0 %
Israel 63 Mio. EUR 25 Mio. EUR −60,0 %
Nordmazedonien 12 Mio. EUR 15 Mio. EUR +20,4 %
Südafrika 5 Mio. EUR 20 Mio. EUR +266,5 %

Rückgänge bei Israel und dem Vereinigten Königreich

Gleichzeitig verloren zwei traditionelle Handelspartner an Bedeutung: Israel verzeichnete einen Rückgang von 60 % (von 63 Mio. EUR auf 25 Mio. EUR), das Vereinigte Königreich — nunmehr als Drittland — einen Rückgang von 36 % (von 35 Mio. EUR auf 22 Mio. EUR). Der Rückgang bei Israel ist vermutlich mit saisonalen und politischen Faktoren sowie zunehmender Konkurrenz aus Nordafrika zu erklären. Beim Vereinigten Königreich spiegelt sich der Brexit-Effekt wider: Als die EU-27 nach dem Austritt als Handelspartner getrennt erfasst wurden, sank die Bedeutung des UK als Importquelle.

Exportzielmarkt Nr. 1: Das Vereinigte Königreich

Das Vereinigte Königreich ist mit großem Abstand der wichtigste Exportmarkt der EU für CN 0709. Der Exportwert stieg von 765 Mio. EUR auf 1.238 Mio. EUR (+61,9 %). Auch die Schweiz (+49,5 % auf 272 Mio. EUR), Norwegen (+30,7 % auf 124 Mio. EUR) und die Vereinigten Arabischen Emirate (+51,5 % auf 36 Mio. EUR) verzeichneten Zuwächse.

Exportpartner Export 2015 Export 2025 Veränderung
Vereinigtes Königreich 765 Mio. EUR 1.238 Mio. EUR +61,9 %
Schweiz 182 Mio. EUR 272 Mio. EUR +49,5 %
Norwegen 95 Mio. EUR 124 Mio. EUR +30,7 %
Belarus 45 Mio. EUR 5 Mio. EUR −88,2 %
Vereinigte Staaten 82 Mio. EUR 26 Mio. EUR −69,0 %
Ukraine 4 Mio. EUR 25 Mio. EUR +553,2 %
VA Emirate 24 Mio. EUR 36 Mio. EUR +51,5 %

Geopolitische Brüche: Belarus und die USA

Zwei Exportmärkte verloren dramatisch an Bedeutung: Belarus sank von 45 Mio. EUR auf 5 Mio. EUR (−88,2 %) — ein Rückgang, der mit den Sanktionen nach der politischen Krise ab 2020 und dem Krieg in der Ukraine zusammenhängt. Ebenfalls deutlich rückläufig waren die Exporte in die USA (−69,0 % von 82 Mio. EUR auf 26 Mio. EUR), was möglicherweise mit handelspolitischen Spannungen und veränderten Lieferketten erklärt werden kann. Demgegenüber stiegen die Exporte in die Ukraine um 553 % — ein Anstieg, der sowohl mit der vertieften EU-Integration des Landes als auch mit der Notwendigkeit nach dem Kriegsausbruch 2022 zusammenhängt.

Konzentration der Handelsströme nimmt zu

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) zeigt für Importe einen Anstieg von 1.278 auf 1.575 (+23,2 %) und für Exporte von 3.663 auf 4.376 (+19,5 %). Die Handelsströme konzentrieren sich somit zunehmend auf weniger Partner — sowohl bei den Einfuhren (Marokko und Türkei als dominante Quellen) als auch bei den Ausfuhren (Vereinigtes Königreich als Hauptabnehmer). Dies erhöht die Abhängigkeit von einzelnen Partnern und damit die Anfälligkeit für politische oder klimatische Störungen.


III. Dynamische Segmentverschiebungen und erhöhte Volatilität

Paprika und Peperoni (070960) als dominierendes Segment

Das Segment der Früchte der Gattungen Capsicum und Pimenta (070960) ist das mengen- und wertmäßig größte Produktsegment sowohl im Import als auch im Export. Auf der Importseite stieg die Menge von 224.850 t auf 358.686 t (+59,5 %), der Wert von 268 Mio. EUR auf 568 Mio. EUR (+112 %). Auch bei den Exporten blieb die Menge relativ stabil (rund 300.000–330.000 t), der Wert stieg jedoch von 524 Mio. EUR auf 752 Mio. EUR (+43,7 %). Die stark steigenden Importpreise (von 1.193 EUR/t auf 1.585 EUR/t) deuten auf eine zunehmende Importabhängigkeit bei gleichzeitig wertvollerem Handel hin.

Rückgang des Pilzsegments im Import

Ein bemerkenswerter Gegenpol bildet das Segment Pilze und Trüffeln (070959): Die Importmenge sank von 15.952 t auf 10.868 t (−31,9 %), der Importwert sogar von 81 Mio. EUR auf 33 Mio. EUR (−59,0 %). Die Exporte von Speisepilzen der Gattung Agaricus (070951) entwickelten sich hingegen stabiler: Die Menge sank leicht von 141.733 t auf 117.393 t, doch der Wert stieg von 231 Mio. EUR auf 330 Mio. EUR (+42,8 %) — ein klares Zeichen für steigende Exportpreise bei Pilzen (von 1.631 EUR/t auf 2.812 EUR/t).

Wachstumsmärkte: Kürbis und Spinat

Zwei Segmente verzeichneten überdurchschnittliches Wachstum. Der Import von Kürbissen (070993) stieg von 73.462 t auf 114.824 t (+56,3 %) und im Wert von 73 Mio. EUR auf 104 Mio. EUR (+43,3 %). Noch dynamischer entwickelte sich der Handel mit Spinat (070970): Die Exportmenge verdoppelte sich von 17.480 t auf 35.086 t (+100,7 %), der Wert stieg von 35 Mio. EUR auf 79 Mio. EUR (+125,4 %). Dies spiegelt veränderte Ernährungsgewohnheiten und die wachsende Nachfrage nach grünem Blattgemüse wider.

Volatilität bei Drittlandslieferanten

Die Variationskoeffizienten (CV) der Importpartner zeigen eine erhebliche Schwankungsintensität. Israel (CV 0,64), Ägypten (0,61), Südafrika (0,56) und Albanien (0,54) weisen die höchsten Schwankungen auf. Bei den Exporten ist Belarus (CV 1,03) — bedingt durch den drastischen Einbruch — der volatilste Partner, gefolgt von Albanien (0,77) und den USA (0,75). Die Lieferketten mit geostrategisch instabilen oder saisonal stark schwankenden Partnern unterliegen damit erheblichen Unsicherheiten.

Identifizierte Preisschocks

Die Analyse einzelner Schockereignisse identifizierte mehrere extreme Preisschwankungen: Bei den Importen aus Tunesien trat 2023 ein signifikanter Preisschock auf (Abnormalität 2.438, Preissenkung von 10,5 %). Ebenfalls auffällig war ein extrem starker Preisanstieg bei Importen aus Chile im Jahr 2019 (Anstieg von 1.295 %, allerdings bei nur 0,1 % Wertanteil). Diese Ereignisse unterstreichen die Vulnerabilität gegenüber kurzfristigen Marktdisruptionen.

Spezialisierung innerhalb der EU

Die Spezialisierungsanalyse nach EU-Mitgliedstaaten zeigt ein klares Muster: Spanien ist mit Abstand der spezialisierteste Produzent und Exporteur (RSCA 0,73, RCA 6,47), gefolgt von den Niederlanden (RSCA 0,26) und Griechenland (RSCA 0,24). Auf der anderen Seite stehen Malta, Irland und Finnland als am wenigsten spezialisierte Mitgliedstaaten. Innerhalb der EU ist Spanien der wichtigste Importeur von CN-0709-Waren (Anstieg von 97 Mio. EUR auf 265 Mio. EUR, +173 %), was auf seine Rolle als Veredelungs- und Re-Export-Standort hindeutet. Bei den Exporten sind die Niederlande (560 Mio. EUR) und Spanien (616 Mio. EUR) die führenden Mitgliedstaaten.


Schlussfolgerung

Der EU-Handel mit frischem Gemüse der Kategorie CN 0709 hat sich im Zeitraum 2015–2025 entlang mehrerer zentraler Dynamiken entwickelt:

  1. Preisgetriebene Wertschöpfung: Die EU konnte ihren Handelsüberschuss trotz nahezu stagnierender Exportmengen deutlich steigern — ein Indiz für eine qualitative Aufwertung der Handelsströme und steigende Preise im europäischen Gemüsesektor.

  2. Geopolitische Neuausrichtung: Die Handelsbeziehungen haben sich verschoben: Die Türkei und Marokko sind zu zentralen Importpartnern aufgestiegen, während Israel und das Vereinigte Königreich als Importquellen an Bedeutung verloren. Auf der Exportseite haben Sanktionen gegen Belarus und handelspolitische Spannungen mit den USA zu deutlichen Rückgängen geführt, während die Ukraine als neuer Absatzmarkt hinzukam.

  3. Konzentrationsrisiken: Die zunehmende Konzentration der Handelsströme — sowohl bei den Importen auf Marokko und die Türkei als auch bei den Exporten auf das Vereinigte Königreich — birgt strategische Risiken. Politische Veränderungen, Klimaschwankungen oder Handelsstreitigkeiten in diesen Schlüsselmärkten könnten erhebliche Auswirkungen haben.

  4. Produktdynamik: Das Segment Paprika/Peperoni dominiert den Handel und wächst sowohl im Import als auch im Export. Der Pilzimport hingegen ist stark rückläufig. Kürbis und Spinat zeigen überdurchschnittliches Wachstum und spiegeln veränderte Nachfragepräferenzen wider.

Insgesamt zeigt die Entwicklung von CN 0709 einen Markt im Wandel: wachsend in der Wertschöpfung, sich verlagernd in seinen Handelspartnern und zunehmend preissensitiv — bei gleichzeitig höherer Konzentration und Volatilität. Für politische Entscheidungsträger und Marktteilnehmer ergibt sich daraus die Notwendigkeit, Lieferketten zu diversifizieren und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Gemüseproduktion angesichts steigender globaler Nachfrage zu sichern.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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