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Marktentwicklung: Wurzelgemüse (CN 0706) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union (EU) für frisches oder gekühltes Wurzelgemüse (Zolltarifnummer 0706) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die betrachtete Produktgruppe umfasst unter anderem Karotten, Rote Bete, Sellerie und Rettiche. Die Analyse basiert auf Jahresdaten der EU-Handelsstatistik mit Drittländern. Im Mittelpunkt stehen die langfristigen Trends bei Handelsvolumen, Wert und Preisentwicklung, die sich verändernde Struktur der Handelspartner sowie spezifische Markterschütterungen.

1. Stabile Exportwerte trotz sinkender Mengen: Die EU als Nettoexporteur

Die EU hat im Zeitraum 2015–2025 ihre Position als Nettoexporteur von Wurzelgemüse beibehalten und sogar ausgebaut. Der Handelsbilanzüberschuss ist im betrachteten Zeitraum um 35,2 % gestiegen. Allerdings verbirgt sich hinter dieser positiven Entwicklung eine komplexe Dynamik aus Preis- und Mengeneffekten.

Der steigende Exportwert basiert auf höheren Preisen, nicht auf mehr Handelsvolumen

Der Gesamtwert der EU-Exporte stieg zwischen 2015 und 2025 moderat um 5,8 % auf 105,3 Mio. EUR. Gleichzeitig sank das exportierte Volumen um 19,2 % auf 136.745 Tonnen. Diese Diskrepanz erklärt sich durch einen deutlichen Preisanstieg um 31,0 % auf 770 EUR pro Tonne. Dies deutet auf eine qualitative Aufwertung der Exporte, gestiegene Produktionskosten oder eine Nachfrage nach höherwertigen Produkten hin.

Kennzahl (Exporte) 2015 2025 Veränderung
Wert (EUR) 99,5 Mio. 105,3 Mio. +5,8 %
Menge (Tonnen) 169.221 136.745 -19,2 %
Preis (EUR/t) 588 770 +31,0 %

(Quelle: Allgemeiner Überblick – EU-Handelsentwicklung)

Die Importe von Wurzelgemüse sind rückläufig

Im Gegensatz zu den Exporten sind sowohl der Wert als auch die Menge der EU-Importe über den gesamten Zeitraum gesunken. Der Importwert sank um 14,3 % auf 50,7 Mio. EUR, während die importierte Menge um 11,5 % auf 100.653 Tonnen zurückging. Auch der durchschnittliche Importpreis verringerte sich leicht um 3,2 % auf 504 EUR pro Tonne. Dies führt zu dem erwähnten wachsenden Handelsbilanzüberschuss.

Kennzahl (Importe) 2015 2025 Veränderung
Wert (EUR) 59,1 Mio. 50,7 Mio. -14,3 %
Menge (Tonnen) 113.674 100.653 -11,5 %
Preis (EUR/t) 520 504 -3,2 %

(Quelle: Allgemeiner Überblick – EU-Handelsentwicklung)

2. Eine sich wandelnde Landschaft der Handelspartner

Die Zusammensetzung der wichtigsten Handelspartner für Wurzelgemüse hat sich zwischen 2015 und 2025 erheblich verändert, was sich in einer deutlichen Verschiebung der Handelsströme zeigt.

Bei den Exporten: Dominanz des Vereinigten Königreichs und Wachstum neuer Märkte

Das Vereinigte Königreich blieb mit Abstand der wichtigste Exportpartner der EU, dessen Anteil sich aber leicht verringerte. Bemerkenswert ist das explosionsartige Wachstum der Exporte in die Ukraine (+3.950 %), die 2025 zum zweitwichtigsten Exportmarkt aufstiegen. Gleichzeitig sind traditionelle Märkte wie Belarus (-89,9 %) und Norwegen (-42,3 %) an Bedeutung verloren.

Wichtigste Exportpartner (Wert) 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 55,3 Mio. 60,2 Mio. +8,9 %
Ukraine 0,26 Mio. 10,5 Mio. +3.950,1 %
Schweiz 8,4 Mio. 8,3 Mio. -1,4 %
Norwegen 6,9 Mio. 4,0 Mio. -42,3 %

(Quelle: Wichtigste Handelspartner nach Wert)

Bei den Importen: Starker Rückgang aus Israel, Aufstieg der Türkei und Ägyptens

Auf der Importseite hat sich die Abhängigkeit von Israel drastisch verringert (Wert -86,5 %). An dessen Stelle sind die Türkei (+380,9 %) und insbesondere Ägypten als neue, bedeutende Lieferanten getreten. Der Wert der Importe aus Ägypten stieg von unter 52.000 EUR auf über 4,3 Mio. EUR an, was einem prozentualen Anstieg von über 8.300 % entspricht. Der Handel mit Serbien entwickelte sich ebenfalls dynamisch.

Wichtigste Importpartner (Wert) 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 21,3 Mio. 12,4 Mio. -41,8 %
Türkei 3,0 Mio. 14,3 Mio. +380,9 %
Israel 22,1 Mio. 3,0 Mio. -86,5 %
Ägypten 0,05 Mio. 4,3 Mio. +8.314,5 %
Serbien 0,5 Mio. 2,6 Mio. +400,8 %

(Quelle: Wichtigste Handelspartner nach Wert)

Die EU-Länder als Exporteure: Niederlande führend, Polen mit starkem Wachstum

Innerhalb der EU dominieren die Niederlande, Spanien und Frankreich den Export. Auffällig ist das starke Wachstum der polnischen Exporte (+257,6 %) sowie der dänischen Exporte (+102,5 %), die sich zu wichtigen Exporteuren entwickelt haben. Die Exporte aus Frankreich sind hingegen rückläufig.

(Quelle: Wichtigste Reporterländer nach Wert (Exporte))

3. Volatile Märkte, Preisdruck und sich verändernde Konzentration

Hinter den aggregierten Trends zeigen die Daten für bestimmte Partnerländer und Zeiträume eine erhebliche Volatilität und spezifische Markterschütterungen (Shocks).

Hohe Volatilität bei Handelsströmen mit geopolitisch sensiblen Partnern

Der Handel mit einigen Partnerländern unterliegt extremen Schwankungen. Dies spiegelt sich im Variationskoeffizienten (CV) wider. Besonders volatil sind die Importe aus Ägypten (CV: 1,66), Belarus (CV: 1,54) und der Ukraine (CV: 1,19). Auch die Exporte in die Ukraine (CV: 1,46) und nach Israel (CV: 1,53) weisen eine sehr hohe Volatilität auf. Diese Schwankungen können mit Ernteausfällen, politischen Konflikten oder Handelsrestriktionen zusammenhängen.

(Quelle: Volatilitätsanalyse)

Identifizierte Markterschütterungen (Supply Shocks) im Zeitverlauf

Die Datenanalyse hat einige signifikante, abnormale Preis- oder Mengenverschiebungen identifiziert:

  • Import-Preisschock Israel (2022): Ein extrem abnormaler Preisanstieg (Abnormalität: 35,7) führte zu einem Preissprung von 34,3 % für israelische Importe, was 31,7% des Importwertes in diesem Jahr betraf. Dies könnte mit Dürreperioden oder Lieferkettenproblemen zusammenhängen.
  • Export-Preisschock Ukraine (2020): Ein starker Preisanstieg um 114,1 % in ukrainische Exporte fiel mit dem Beginn der COVID-19-Pandemie zusammen.
  • Export-Preisschock Côte d'Ivoire (2023): Ein ungewöhnlicher Preisanstieg um 59,0 % für Exporte nach Côte d'Ivoire.

(Quelle: Identifizierte Markterschütterungen)

Verschiebung der Marktkonzentration

Die Konzentration des Handels, gemessen am Herfindahl-Hirschman-Index (HHI), hat sich bei Importen und Exporten gegenläufig entwickelt:

  • Importe: Die Konzentration hat stark abgenommen (HHI von 2801 auf 1654, -41,0 %). Die EU bezieht Wurzelgemüse also aus einer breiteren Basis von Lieferländern als noch 2015.
  • Exporte: Die Konzentration hat leicht zugenommen (HHI von 3302 auf 3587, +8,6 %). Dies weist darauf hin, dass die EU-Exporte auf einige wenige Kernmärkte (wie das Vereinigte Königreich) gestützt sind, während die Lieferantenbasis breiter ist.

(Quelle: Konzentrationsanalyse (HHI))

Spezialisierungsmuster innerhalb der EU

Basierend auf Daten von 2025 zeigt die Spezialisierungsanalyse (RSCA), dass insbesondere Dänemark (RSCA: 0,50) und die Niederlande (RSCA: 0,42) eine sehr starke komparative Spezialisierung im Export von Wurzelgemüse aufweisen. Italien folgt mit ebenfalls hoher Spezialisierung (RSCA: 0,40). Am anderen Ende der Skala weisen Länder wie Irland (RSCA: -0,99) und Rumänien (RSCA: -0,94) eine extreme Spezialisierung im Import auf.

(Quelle: Spezialisierungsanalyse der EU-Länder)

Schlussfolgerung

Zusammenfassend zeigt die Analyse des EU-Wurzelgemüsehandels (CN 0706) zwischen 2015 und 2025 ein Bild der Anpassung und Neuausrichtung. Die EU hat ihren Handelsbilanzüberschurch ausgebaut, dies jedoch weniger durch steigende Exportmengen als durch höhere Preise. Die Handelspartnerlandschaft hat sich signifikant verändert: Während der Handel mit Israel und dem Vereinigten Königreich zurückging, sind die Türkei, Ägypten und die Ukraine zu wichtigen neuen Akteuren geworden. Der Markt zeigte sich durchgehend volatil, mit teils drastischen Preis- und Mengenschocks, die oft mit geopolitischen oder makroökonomischen Ereignissen zusammenhängen. Die interne Spezialisierung innerhalb der EU blieb relativ stabil, wobei die Niederlande und Dänemark ihre Rolle als exportstarke Produzenten behaupteten. Insgesamt deutet die Entwicklung auf einen zunehmend globalisierten, preissensiblen und von externen Schocks anfälligen Markt für frisches Wurzelgemüse innerhalb der EU hin.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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