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Marktentwicklung: Frischer Kohl (CN 0704) — 2015–2025

Einführung

Der Zolltarifcode CN 0704 erfasst frischen oder gekühlten Kohl der Gattung Brassica — darunter Blumenkohl (Karfiol), Brokkoli, Rosenkohl, Kohlrabi, Wirsingkohl und ähnliche Arten. Der Beobachtungszeitraum 2015 bis 2025 war durch drei übergreifende Entwicklungen geprägt: ein stark preisgetriebenes Exportwachstum bei gleichzeitig rückläufigen Exportmengen, eine geografische Neuordnung der Handelsströme infolge geopolitischer Umbrüche — insbesondere des Brexits und des Krieges in der Ukraine — sowie divergierende Preis- und Mengendynamiken in den einzelnen Produktuntergruppen.

Die Europäische Union ist im Segment frischer Kohl ein ausgeprägter Nettoexporteur: Im Jahr 2025 überstiegen die Exporte (448,5 Mio. EUR) die Importe (72,3 Mio. EUR) um ein Vielfaches, mit einem positiven Handelsbilanzüberschuss von 376,2 Mio. EUR. Bemerkenswert ist, dass keine PRODCOM-Produktionsdaten für diesen CN-Code vorliegen, sodass die folgende Analyse ausschließlich auf Außenhandelsdaten basiert.


1. Preisgetriebenes Wachstum bei sinkenden Mengen — Das Wertemengen-Paradoxon des EU-Kohlexports

Die EU erzielt trotz sinkender Exportmengen deutlich höhere Exporterlöse — ein Indiz für erhebliche Kostensteigerungen.

Über den Beobachtungszeitraum stieg der Gesamtwert der EU-Kohlexporte von 281,6 Mio. EUR (2015) auf 448,5 Mio. EUR (2025), was einem Zuwachs von 59,3 % entspricht. Im gleichen Zeitraum sank das Exportvolumen jedoch von 338.710 t auf 275.795 t (−18,6 %). Der durchschnittliche Exportpreis verdoppelte sich nahezu: von 831 EUR/t auf 1.626 EUR/t (+95,6 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert 281,6 Mio. EUR 448,5 Mio. EUR +59,3 %
Exportmenge 338.710 t 275.795 t −18,6 %
Durchschn. Exportpreis 831 EUR/t 1.626 EUR/t +95,6 %

Quelle: EU-Handel mit frischem Kohl (CN 0704)

Auch bei den Importen überwiegt der Preisanstieg, wenngleich die Importmenge hier moderat zugenommen hat.

Die EU-Importe von frischem Kohl stiegen im Wert von 34,8 Mio. EUR auf 72,3 Mio. EUR (+107,8 %), bei einer Mengenzunahme von 63.579 t auf 86.811 t (+36,5 %). Der Importpreis erhöhte sich von 547 EUR/t auf 833 EUR/t (+52,2 %). Der Handelsbilanzüberschuss blieb mit 376,2 Mio. EUR im Jahr 2025 robust und wuchs gegenüber 2015 um 52,4 %.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert 34,8 Mio. EUR 72,3 Mio. EUR +107,8 %
Importmenge 63.579 t 86.811 t +36,5 %
Durchschn. Importpreis 547 EUR/t 833 EUR/t +52,2 %
Handelsbilanz 246,8 Mio. EUR 376,2 Mio. EUR +52,4 %

Quelle: EU-Handel mit frischem Kohl (CN 0704)

Die Preisentwicklung spiegelt agrarische Inputkostensteigerungen und gestiegene Transportkosten wider.

Die nahezu Verdopplung der Exportpreise bei gleichzeitigem Mengenrückgang deutet auf eine Angebotsverknappung bzw. Kostensteigerung in der europäischen Produktion hin. Energiekosten, Düngemittelpreise und Arbeitskosten sind in der EU-Landwirtschaft über den Beobachtungszeitraum deutlich gestiegen. Zudem führten die COVID-19-Pandemie (ab 2020) und der russische Angriffskrieg auf die Ukraine (ab 2022) zu Lieferkettenstörungen und zusätzlichen Kostenimpulsen. Dass der Preisanstieg bei den Exporten (+95,6 %) fast doppelt so hoch ausfällt wie bei den Importen (+52,2 %), legt nahe, dass Drittländer ihre Wettbewerbsfähigkeit im Preis teils besser behaupten konnten — etwa durch niedrigere Produktionskosten in südlichen Nachbarländern.


2. Geopolitische Umbrüche und die regionale Neuordnung der Handelsströme

Die Importe kommen zunehmend aus dem westlichen Balkan und der Türkei, was die Lieferantenbasis erheblich diversifiziert hat.

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) der Importkonzentration sank von 2.751 (2015) auf 1.832 (2025), was einem Rückgang von 33,4 % entspricht. Die Importe bewegten sich damit von einem hochkonzentrierten in einen mäßig konzentrierten Markt. Treiber dieser Diversifizierung sind insbesondere Lieferanten aus dem westlichen Balkan und der südlichen Nachbarschaft:

Lieferant Importwert 2015 Importwert 2025 Veränderung
Nordmazedonien 7,5 Mio. EUR 22,4 Mio. EUR +197,5 %
Albanien 0,5 Mio. EUR 10,1 Mio. EUR +1.937,4 %
Türkei 2,0 Mio. EUR 8,1 Mio. EUR +306,4 %
Marokko 3,0 Mio. EUR 6,2 Mio. EUR +107,2 %
Ägypten 1,4 Mio. EUR 3,5 Mio. EUR +153,8 %
Vereinigtes Königreich 15,9 Mio. EUR 15,0 Mio. EUR −6,0 %
Serbien 0,5 Mio. EUR 0,7 Mio. EUR +50,9 %

Quelle: Handelspartner nach Wert

Besonders auffällig ist die Dynamik Albaniens, das seine Kohlexporte in die EU um das Zwanzigfache steigerte und vom quantitativ unbedeutenden Lieferanten zum fünftgrößten Importpartner aufstieg. Nordmazedonien und die Türkei profitierten ebenfalls stark — begünstigt durch geografische Nähe, günstigere Produktionskosten sowie bestehende Handelsabkommen mit der EU. Nordmazedonien wurde mit 22,4 Mio. EUR zum mit Abstand größten einzelnen Importpartner.

Die Exportkonzentration auf das Vereinigte Königreich hat sich weiter verstärkt.

Während die Importe sich diversifizierten, konzentrierten sich die EU-Exporte noch stärker auf wenige Märkte. Der HHI der Exportkonzentration stieg von 4.760 auf 5.551 (+16,6 %) und blieb damit im Bereich hoher Konzentration. Das Vereinigte Königreich war 2025 mit 327,3 Mio. EUR das mit Abstand wichtigste Abnehmerland und nahm 73,0 % des gesamten EU-Exportwerts ab (2015: 67,3 %).

Bestimmungsland Exportwert 2015 Exportwert 2025 Veränderung
Vereinigtes Königreich 189,5 Mio. EUR 327,3 Mio. EUR +72,7 %
Schweiz 27,4 Mio. EUR 54,5 Mio. EUR +99,0 %
Norwegen 19,6 Mio. EUR 30,1 Mio. EUR +53,8 %
Ukraine 0,7 Mio. EUR 16,4 Mio. EUR +2.401,5 %
Belarus 17,5 Mio. EUR 0,4 Mio. EUR −97,7 %
Serbien 2,4 Mio. EUR 4,2 Mio. EUR +76,0 %
Vereinigte Arabische Emirate 5,9 Mio. EUR 1,3 Mio. EUR −77,6 %

Quelle: Handelspartner nach Wert

Die drei wichtigsten nicht-europäischen Abnehmer — Vereinigtes Königreich, Schweiz und Norwegen — nahmen zusammen über 91 % des EU-Exportwerts ab. Diese extreme Konzentration birgt ein erhebliches Marktrisiko, zumal ein Preisschock im Jahr 2023 im Importfluss aus dem Vereinigten Königreich detektiert wurde (Preisrückgang von 20,4 %, Abnormalitätswert: 2,3, Anteil am Importwert: 37,3 %), was auf mögliche Anpassungen im bilateralen Handel nach dem Ende der Brexit-Übergangsphase hindeuten könnte.

Der Krieg in der Ukraine hat die Handelsströme mit Osteuropa dramatisch umgezeichnet.

Besonders auffällig ist der Zusammenbruch der Exporte nach Belarus: von 17,5 Mio. EUR (2015) auf nur noch 0,4 Mio. EUR (2025), was einem Rückgang von 97,7 % entspricht. Dies ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die EU-Sanktionen gegen Belarus seit 2021/2022 zurückzuführen. Im Gegenzug stiegen die Exporte in die Ukraine von 0,7 Mio. EUR auf 16,4 Mio. EUR (+2.401,5 %), was teilweise auf den Wegfall ukrainischer Eigenproduktion infolge des Krieges und auf EU-Unterstützungsmaßnahmen zurückzuführen sein dürfte. Die Volatilitätsanalyse bestätigt diese Instabilität: Belarus weist im Export einen Variationskoeffizienten (CV) von 1,35 und im Import sogar von 1,72 auf — im Gegensatz zu nur 0,07 beim Vereinigten Königreich.


3. Produktsegmente im Wandel — Blumenkohl als Exporttreiber, Mischkohl als Importdominante

Blumenkohl und Brokkoli dominieren den EU-Export mit über 70 % des Exportwerts.

CN 0704 umfasst drei Unterpositionen: 070410 (Blumenkohl/Karfiol und Brokkoli), 070420 (Rosenkohl) und 070490 (sonstiger Kohl, Kohlrabi, Wirsingkohl etc.). Auf der Exportseite machen Blumenkohl und Brokkoli mit 319,3 Mio. EUR im Jahr 2025 über 71 % des Gesamtwerts aus:

Segment Exportwert 2015 Exportwert 2025 Veränderung Anteil 2025
070410 — Blumenkohl/Brokkoli 193,9 Mio. EUR 319,3 Mio. EUR +64,6 % 71,2 %
070490 — Sonstiger Kohl 75,0 Mio. EUR 119,0 Mio. EUR +58,8 % 26,5 %
070420 — Rosenkohl 12,7 Mio. EUR 10,2 Mio. EUR −19,6 % 2,3 %

Quelle: Produktsegmentvergleich

Die Preisentwicklung verläuft dabei je nach Segment sehr unterschiedlich. Der Exportpreis für sonstigen Kohl (070490) verdoppelte sich nahezu von 499 EUR/t auf 1.197 EUR/t (+140,0 %), obwohl die Exportmenge um ein Drittel sank (150.309 t auf 99.455 t, −33,8 %). Blumenkohl und Brokkoli verloren mengenmäßig nur leicht (−5,8 %), der Preis stieg von 1.071 EUR/t auf 1.872 EUR/t (+74,8 %). Rosenkohl als kleinstes Segment blieb preislich nahezu stabil (+1,7 %), verlor aber sowohl an Volumen (−21,0 %) als auch an Wert (−19,6 %).

Sonstiger Kohl bestimmt zu über 70 % den Importwert.

Auf der Importseite zeigt sich ein umgekehrtes Bild: Hier dominiert sonstiger Kohl (070490) mit einem Anteil von 70,3 %:

Segment Importwert 2015 Importwert 2025 Veränderung Anteil 2025
070490 — Sonstiger Kohl 22,0 Mio. EUR 50,8 Mio. EUR +130,9 % 70,3 %
070410 — Blumenkohl/Brokkoli 8,5 Mio. EUR 15,4 Mio. EUR +80,3 % 21,2 %
070420 — Rosenkohl 4,2 Mio. EUR 6,1 Mio. EUR +43,4 % 8,4 %

Quelle: Produktsegmentvergleich

Die Importpreise stiegen über alle Segmente, aber in unterschiedlichem Ausmaß. Der Importpreis für sonstigen Kohl (070490) erhöhte sich von 422 EUR/t auf 708 EUR/t (+67,9 %), für Rosenkohl von 1.038 EUR/t auf 1.482 EUR/t (+42,8 %) und für Blumenkohl/Brokkoli von 1.169 EUR/t auf 1.406 EUR/t (+20,3 %). Auffällig ist, dass der Importpreis für Blumenkohl und Brokkoli (+20,3 %) deutlich schwächer stieg als der Exportpreis (+74,8 %), was auf ein unterschiedliches Preisbildungspotenzial in den jeweiligen Lieferländern hindeutet.

Spanien ist der unangefochtene Exportmarktführer innerhalb der EU.

Die Spezialisierungsanalyse zeigt, dass innerhalb der EU ein deutliches Nord-Süd-Gefälle besteht. Spanien ist mit einem RCA-Wert von 6,50 und einem RSCA von 0,73 das mit Abstand am stärksten spezialisierte Exportland. Italien (RCA 2,13) und Portugal (RCA 1,70) folgen mit deutlichem Abstand.

EU-Mitgliedstaat Exportwert 2015 Exportwert 2025 Veränderung RCA 2025
Spanien 164,4 Mio. EUR 285,0 Mio. EUR +73,4 % 6,50
Niederlande 40,8 Mio. EUR 57,9 Mio. EUR +41,9 % 1,41
Italien 18,5 Mio. EUR 36,7 Mio. EUR +98,2 % 2,13
Frankreich 22,7 Mio. EUR 28,5 Mio. EUR +25,2 %
Polen 11,6 Mio. EUR 17,1 Mio. EUR +48,3 %
Portugal 2,7 Mio. EUR 9,1 Mio. EUR +237,2 % 1,70

Quelle: EU-Mitgliedstaaten nach Exportwert

Spanien allein deckte 2025 rund 63,5 % des gesamten EU-Exportwerts ab. Zusammen mit Portugal erreicht die iberische Halbinsel 294,1 Mio. EUR bzw. 65,6 % des EU-Exports. Italien zeigte das stärkste prozentuale Wachstum aller großen Exportländer (+98,2 %) und überholte damit Frankreich. Länder mit kälterem Klima wie Irland (RSCA −1,00), Finnland (RSCA −0,92) und Estland (RSCA −0,91) sind dagegen klar importdominiert.


Schlussfolgerung

Der EU-Außenhandel mit frischem Kohl (CN 0704) hat sich zwischen 2015 und 2025 in mehrfacher Hinsicht grundlegend gewandelt. Drei Ergebnisse sind besonders hervorzuheben:

  1. Preisgetriebenes Wachstum: Der starke Anstieg der Exporterlöse (+59,3 %) bei gleichzeitigem Mengenrückgang (−18,6 %) zeigt, dass die Wertschöpfung zunehmend über steigende Preise und nicht über Mengenausweitung generiert wird. Die EU exportiert weniger Kohl, verdient aber deutlich mehr daran — ein Muster, das sich auch bei den Importen abbildet, wenn auch in abgeschwächter Form.

  2. Geopolitische Umbrüche prägen die Handelslandschaft: Die ohnehin hohe Exportabhängigkeit vom Vereinigten Königreich hat sich weiter verstärkt (73 % des Exportwerts im Jahr 2025). Gleichzeitig haben Sanktionen gegen Belarus die Handelsströme drastisch umgezeichnet, während der Krieg in der Ukraine neue Exportchancen eröffnete. Auf der Importseite führte die stärkere Einbindung der westlichen Balkanländer und der Türkei zu einer spürbaren Diversifizierung der Lieferantenbasis.

  3. Strukturelle Asymmetrie zwischen Export und Import: Während Blumenkohl und Brokkoli über 70 % der Exporte ausmachen, dominieren bei den Importen sonstige Kohlsorten (KN 070490). Die Preisentwicklung verläuft je nach Segment sehr heterogen — von einem nahezu stabilen Rosenkohlpreis (+1,7 % im Export) bis hin zu einer Verdopplung der Exportpreise für sonstigen Kohl (+140,0 %).

Die hohe Exportkonzentration auf das Vereinigte Königreich stellt das wohl gravierendste strukturelle Risiko dar. Zukünftige Handelsbarrieren — etwa durch verstärkte SPS-Kontrollen im Rahmen des Windsor-Frameworks — oder eine Konjunkturabschwächung in Großbritannien könnten den EU-Kohlexport erheblich belasten. Die zunehmende Diversifizierung der Importquellen ist hingegen als positiv für die Versorgungssicherheit der EU zu werten.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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