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Marktentwicklung: Kartoffeln (CN 0701) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union (EU) für frische oder gekühlte Kartoffeln (Zolltarifnummer CN 0701) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die EU ist traditionell ein bedeutender Produzent und Exporteur von Kartoffeln, jedoch zeigt die Analyse eine zunehmende Verflechtung mit Drittlandsmärkten. Der Zeitraum war durch schwankende Ernten, steigende Preise und eine Verschiebung der Handelsströme geprägt. Der Fokus liegt auf der Entwicklung von Exporten und Importen, der Veränderung der wichtigsten Handelspartner sowie den zugrunde liegenden Preisdynamiken und Angebotsschocks.

1. Wachsende Importe und preisgetriebene Exportentwicklung

Der Handelswert der EU bei Kartoffeln zeigt gegenläufige Trends: Während die Exportmengen leicht rückläufig sind, sind die Importe stark gestiegen, angetrieben durch deutlich höhere Preise.

Die Importe verdoppelten sich im Wert, trotz weniger stark wachsender Mengen

Die EU-Importe von Kartoffeln (CN 0701) haben sich im Wert von 169 Mio. EUR im Jahr 2015 auf 324 Mio. EUR im Jahr 2025 mehr als verdoppelt (+91,2%). Dieser starke Anstieg wird sowohl durch eine höhere Importmenge (von ca. 456.000 t auf ca. 718.000 t, +57,4%) als auch durch gestiegene Durchschnittspreise (von 371 EUR/t auf 451 EUR/t, +21,4%) verursacht. Die Importe konzentrieren sich stark auf Speisekartoffeln (CN 070190), die 2025 98,5% des Importvolumens ausmachten (Handelsübersicht).

Die Exporte blieben mengenstabil, doch die Erlöse stiegen preisbedingt

Die Exportmengen der EU blieben im betrachteten Zeitraum relativ stabil und lagen 2025 bei 1,30 Mio. Tonnen (2015: 1,47 Mio. t, -11,2%). Der Exportwert stieg dennoch um 26,9% auf 690 Mio. EUR an. Dieser Anstieg ist fast vollständig auf gestiegene Preise zurückzuführen, die von 370 EUR/t auf 529 EUR/t (+42,9%) kletterten (Handelsübersicht). Dies deutet auf eine erhöhte Nachfrage nach oder Knappheit von hochwertigen EU-Kartoffeln auf dem Weltmarkt hin.

Der Handelsüberschuss blieb nominal hoch, ist aber unter Druck

Trotz des starken Importwachstums wies die EU 2025 weiterhin einen positiven Handelsüberschuss von 366 Mio. EUR auf (2015: 374 Mio. EUR). Der Überschuss erreichte jedoch 2022 mit 448 Mio. EUR einen Spitzenwert und ist seitdem rückläufig. Die wachsenden Importe, insbesondere aus Nordafrika und dem Nahen Osten, fressen die traditionelle Exportdominanz der EU zunehmend auf (Handelsübersicht).

2. Strukturelle Verschiebung der Handelspartner

Die Zusammensetzung der wichtigsten Handelspartner für die EU hat sich zwischen 2015 und 2025 signifikant verändert, mit neuen Schwerpunkten im Nahen Osten und Afrika.

Nordafrikanische und nahöstliche Staaten gewannen als Importquellen stark an Bedeutung

Ägypten wurde zum mit Abstand wichtigsten Importeur in die EU und erhöhte seinen Exportwert an die EU von 46 Mio. EUR (2015) auf 151 Mio. EUR (2025), was einem Anstieg von 225,5% entspricht. Israel etablierte sich als zweitwichtigster Lieferant mit einem Wert von 77 Mio. EUR. Bemerkenswert ist das extreme Wachstum aus Ländern wie der Türkei (+15.817%) und Bosnien und Herzegovina (+1.962%), die von einer sehr niedrigen Basis aus starteten. Im Gegensatz dazu blieb das traditionelle Importvolumen aus dem Vereinigten Königreich relativ stabil (Top-Partner nach Wert).

Algerien und die Schweiz entwickelten sich zu dynamischen Absatzmärkten für EU-Exporte

Algerien war 2025 das wichtigste Exportziel der EU für Kartoffeln mit einem Wert von 89 Mio. EUR (+23,0% gegenüber 2015). Die Schweiz verzeichnete das mit Abstand stärkste prozentuale Wachstum (+229,4%) und importierte 2025 EU-Kartoffeln im Wert von 33 Mio. EUR. Traditionelle Märkte wie Senegal und der UK verloren hingegen an relativer Bedeutung (Top-Partner nach Wert).

Innerhalb der EU sind die Niederlande unangefochten der Exporteur, Importe verteilen sich breiter

Die Niederlande sind der dominierende EU-Exporteur von Kartoffeln in Drittländer mit einem Exportwert von 377 Mio. EUR im Jahr 2025, was einem Marktanteil von über 50% entspricht. Im Import hingegen haben mehrere Mitgliedstaaten ihre Beschaffung stark ausgeweitet. Spanien (+129%), Griechenland (+194%) und Slowenien (+520%) wiesen die höchsten Wachstumsraten bei den Importen aus Drittländern auf (Top-Reporter nach Wert).

3. Preissteigerungen, Angebotsvolatilität und regionale Spezialisierung

Der Kartoffelmarkt war von erheblichen Preissteigerungen und -schwankungen geprägt, die auf Angebotsengpässe und regionale Spezialisierungsmuster hindeuten.

Preisschocks und hohe Volatilität kennzeichneten den Importmarkt

Die Einfuhrpreise für Kartoffeln stiegen insgesamt, wobei besonders bei den Lieferanten Israel und Ägypten auffällige Preisschocks zu beobachten waren. Der Importpreis aus Israel sprang 2019 um 60% (Anomaliewert 21,4). Bei den Importen aus Ägypten lag der Preis 2022 um 23,3% über dem erwarteten Wert. Die hohe Volatilität (gemessen am Variationskoeffizienten) bei Lieferanten wie der Türkei (CV: 1,09) oder Marokko (CV: 0,83) zeigt ein instabiles Angebot (Angebots-Schocks).

Die Nachfrage nach Saatgutkartoffeln ist hochpreisig und weniger volatil

Das Segment der Pflanz- bzw. Saatkartoffeln (CN 070110) zeigt eine interessante Dynamik. Die Importpreise für Saatgut waren mit 802 EUR/t (2025) fast doppelt so hoch wie für Speisekartoffeln (446 EUR/t). Obwohl die Importmengen für Saatgut stark schwankten (von 26.500 t auf 10.500 t), blieb der Preis vergleichsweise stabil, was auf eine konstante, hochspezialisierte Nachfrage hindeutet (Produktsegment-Aufschlüsselung).

Zypern und Frankreich besitzen eine hohe Spezialisierung im Kartoffelhandel

Lage- und Komparativvorteilsanalyse (RSCA) für 2025 zeigen, dass Zypern (RSCA: 0,95) und Frankreich (RSCA: 0,60) innerhalb der EU die höchste Spezialisierung im Kartoffelhandel aufweisen. Zypern ist dabei ein großer Nettoexporteur trotz kleiner Produktionsbasis. Im Gegensatz dazu sind Länder wie Irland (RSCA: -0,99) oder Malta (-0,98) stark importabhängig. Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe blieb moderat (ca. 3.300), während die Exportkonzentration der EU nach außen sehr niedrig (HHI: 412) und noch leicht rückläufig war, was auf eine diversifizierte Exportbasis hindeutet (Spezialisierung).

Fazit

Die EU-Kartoffelbranche durchlebt zwischen 2015 und 2025 eine Phase der Anpassung an neue globale Gegebenheiten. Trotz leicht rückläufiger Exportmengen konnten die Exporteure von deutlichen Preissteigerungen profitieren. Gleichzeitig hat sich die EU zu einem immer wichtigeren Markt für Kartoffeln aus Nordafrika und dem Nahen Osten entwickelt, was den Handelsüberschuss unter Druck setzt. Die Märkte sind dabei von hoher Volatilität und gelegentlichen Preisschocks geprägt, insbesondere bei Lieferanten aus Ägypten und Israel. Zukünftige Entwicklungen werden maßgeblich von den Ernteerträgen in der EU und den exportstarken Partnerländern, den globalen Energiekosten für die Lagerhaltung und möglichen Handelsverwerfungen abhängen. Die wachsende Nachfrage nach hochwertigem Saatgut unterstreicht weiterhin die technologische Stärke der EU in der Kartoffelzüchtung.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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