Marktentwicklung: Frische Hülsenfrüchte (CN 0708) — 2015–2025
Einführung
Der Zolltarifcode 0708 erfasst Hülsenfrüchte, auch ausgelöst, frisch oder gekühlt — darunter vor allem Bohnen (070820), Erbsen (070810) sowie sonstige Hülsenfrüchte (070890). Die Europäische Union ist bei diesem Produktsegment ein ausgeprägter Nettoimporteur: Im Jahr 2025 beliefen sich die Einfuhren auf rund 386 Mio. EUR, während die Ausfuhren lediglich bei knapp 24 Mio. EUR lagen. Der Umfang und die Definitionen des untersuchten Zeitraums umfassen die Jahre 2015 bis 2025.
Über den gesamten Beobachtungszeitraum zeigt sich ein ambivalentes Bild: Während die Einfuhren mengenmäßig rückläufig sind, gestalten sich die Strukturverschiebungen — insbesondere beim wichtigsten Exportpartner Vereinigtes Königreich — als tiefgreifend. Gleichzeitig haben sich Lieferantenketten und Preisniveaus erheblich verändert.
I. Rückläufige Einfuhren bei steigenden Preisen — eine strukturelle Verschiebung
Die Importentwicklung der EU bei frischen Hülsenfrüchten zeigt über den Zeitraum 2015–2025 einen klaren Mengenrückgang bei gleichzeitig steigenden Durchschnittspreisen.
Der Importmarkt schrumpft mengenmäßig deutlich
Die Gesamthandelsübersicht dokumentiert einen Rückgang der EU-Einfuhren von 189.125 t (2015) auf 158.139 t (2025), was einem Minus von 16,4 % entspricht. Im Wert sanken die Einfuhren von 416 Mio. EUR auf 386 Mio. EUR (−7,3 %). Der geringere Rückgang im Wert gegenüber der Menge spiegelt die Preisentwicklung wider:
| Indikator | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importmenge (t) | 189.125 | 158.139 | −16,4 % |
| Importwert (EUR) | 416.096.201 | 385.562.925 | −7,3 % |
| Durchschnittspreis (EUR/t) | 2.200 | 2.438 | +10,8 % |
Bohnen dominieren die Importstruktur, Erbsen verlieren
Die Produktsegment-Aufschlüsselung zeigt, dass Bohnen (CN 070820) mit Abstand das wichtigste Importprodukt sind — sowohl mengen- als auch wertmäßig. Der Mengenanteil der Bohnen an den Gesamteinfuhren lag 2025 bei rund 90 % (142.459 t). Erbsen (CN 070810) machten lediglich 12.908 t aus, und sonstige Hülsenfrüchte (CN 070890) 2.771 t.
| Teilprodukt | Menge 2015 (t) | Menge 2025 (t) | Veränderung | Wert 2025 (EUR) | Preis 2025 (EUR/t) |
|---|---|---|---|---|---|
| Bohnen (070820) | 170.745 | 142.459 | −16,6 % | 332.027.890 | 2.331 |
| Erbsen (070810) | 16.563 | 12.908 | −22,1 % | 49.625.137 | 3.844 |
| Sonstige (070890) | 1.816 | 2.771 | +52,6 % | 3.909.898 | 1.411 |
Interessant ist, dass Erbsen den mit Abstand höchsten Durchschnittspreis erzielen (3.844 EUR/t), während Bohnen deutlich darunter liegen (2.331 EUR/t). Bohnenpreise sind über den Zeitraum um rund 12,6 % gestiegen, Erbsenpreise um 6,8 %.
Morocco ist der unangefochtene Hauptlieferant
Die Partnerländer-Analyse zeigt, dass Marokko 2025 mit 239 Mio. EUR rund 62 % der gesamten EU-Einfuhren abdeckte — ein leichter Rückgang von 248 Mio. EUR im Jahr 2015 (−3,4 %). Kenia (57 Mio. EUR, −7,8 %) und Ägypten (31 Mio. EUR, −15,2 %) folgen mit deutlichem Abstand.
| Lieferant | Wert 2015 (EUR) | Wert 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Marokko | 247.813.841 | 239.329.223 | −3,4 % |
| Kenia | 62.102.970 | 57.246.248 | −7,8 % |
| Ägypten | 36.159.548 | 30.659.136 | −15,2 % |
| Senegal | 16.596.112 | 24.413.074 | +47,1 % |
| Guatemala | 19.662.178 | 2.500.943 | −87,3 % |
Bemerkenswert ist der starke Rückgang der Importe aus Guatemala (−87,3 %) und dem Vereinigten Königreich (−86,9 %), während Senegal als Lieferant stark zulegen konnte (+47,1 %). Die Importkonzentration (HHI) stieg leicht von 3.909 auf 4.199 (+7,4 %), was auf eine zunehmende Konzentration der Importe auf wenige Lieferanten hindeutet.
II. Kollaps der EU-Ausfuhren — Brexit als struktureller Wendepunkt
Die mit Abstand auffälligste Entwicklung im Beobachtungszeitraum ist der dramatische Einbruch der EU-Exporte frischer Hülsenfrüchte in Drittländer.
Exporte verlieren mehr als zwei Drittel ihres Volumens
Die EU-Ausfuhren sanken von 33.901 t und 69 Mio. EUR (2015) auf lediglich 10.093 t und 24 Mio. EUR (2025). Das entspricht einem Rückgang von 70,2 % mengenmäßig und 64,7 % wertmäßig. Auffällig ist, dass die Exportpreise gleichzeitig um 18,5 % stiegen (von 2.035 auf 2.412 EUR/t), was auf eine Selektion hin zu hochwertigeren Absatzmärkten oder gestiegene Produktionskosten hindeuten könnte.
| Indikator | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportmenge (t) | 33.901 | 10.093 | −70,2 % |
| Exportwert (EUR) | 68.993.070 | 24.346.412 | −64,7 % |
| Durchschnittspreis (EUR/t) | 2.035 | 2.412 | +18,5 % |
Der Wegfall des britischen Marktes als Katalysator
Die Partnerländer-Daten für Exporte lassen keinen Zweifel daran, dass der Rückgang der EU-Ausfuhren maßgeblich mit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU zusammenhängt. Das Vereinigte Königreich war 2015 mit Abstand der wichtigste Exportmarkt (41 Mio. EUR, entsprechend 60 % der Gesamtausfuhren). Bis 2025 fielen die Ausfuhren dorthin auf 7 Mio. EUR (−83,2 %).
| Exportpartner | Wert 2015 (EUR) | Wert 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 41.238.113 | 6.919.711 | −83,2 % |
| Norwegen | 9.763.714 | 5.710.822 | −41,5 % |
| Schweiz | 9.641.605 | 9.399.075 | −2,5 % |
| Ägypten | 16.600 | 238.050 | +1.334 % |
| USA | 2.599.642 | 34.429 | −98,7 % |
| Indien | 1.571.948 | 284.240 | −81,9 % |
Die Schweiz hat sich als stabiler Absatzmarkt erwiesen (−2,5 %), während die Ausfuhren in die USA nahezu eingestellt wurden (−98,7 %). Die Exportkonzentration (HHI) sank von 4.032 auf 2.882 (−28,5 %), was paradoxerweise auf eine Dekonzentration hindeutet — obwohl die Exporte insgesamt zurückgingen, verteilten sich die verbleibenden Ausfuhren etwas breiter.
Veränderungen in der Exportproduktstruktur
Die Segmentanalyse der Exporte zeigt gravierende Verschiebungen. Bohnenexporte sanken von 18.004 t auf 4.319 t (−76 %). Bei Erbsen fielen die Ausfuhren von 13.551 t auf 3.588 t (−73,5 %). Die Exportpreise bei Bohnen stiegen von 2.605 auf 3.482 EUR/t (+33,6 %), was auf eine zunehmende Premiumpositionierung hindeuten könnte.
III. Marktstruktur, Spezialisierung und Handelsvolatilität
Die Analyse der Marktstruktur und der Preisvolatilität liefert weitere Einblicke in die zugrundeliegenden Dynamiken des EU-Marktes für frische Hülsenfrüchte.
Die EU-Mitgliedstaaten zeigen unterschiedliche Rollen im Import und Export
Die Berichterstattung nach EU-Ländern offenbart eine klare geografische Konzentration: Spanien (150 Mio. EUR), die Niederlande (100 Mio. EUR) und Frankreich (100 Mio. EUR) dominieren die Einfuhren. Spanien konnte seine Importe um 11,7 % steigern, während Frankreich (−17,3 %) und Deutschland (−46,2 %) deutliche Rückgänge verzeichneten.
| EU-Mitgliedstaat | Importe 2015 (EUR) | Importe 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Spanien | 134.638.044 | 150.375.158 | +11,7 % |
| Niederlande | 108.377.780 | 99.595.714 | −8,1 % |
| Frankreich | 120.808.769 | 99.964.016 | −17,3 % |
| Belgien | 17.841.898 | 9.581.493 | −46,3 % |
| Deutschland | 20.050.333 | 10.793.143 | −46,2 % |
| Italien | 4.713.915 | 7.515.908 | +59,4 % |
Spaniens starke Position erklärt sich durch die geografische Nähe zu Marokko — dem mit Abstand wichtigsten Lieferanten — sowie durch das günstige Klima für den Weitervertrieb. Italiens Zuwachs von 59,4 % bei den Importen könnte auf eine zunehmende Nachfrage nach Hülsenfrüchten im Rahmen der Mittelmeerdiät zurückzuführen sein. Auf der Exportseite verloren die Niederlande (−49 %) und insbesondere Belgien (−97,3 %) und Deutschland (−96,2 %) stark an Bedeutung.
Spezialisierungsmuster innerhalb der EU
Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass Litauen (RSCA: 0,64), Frankreich (0,52) und Spanien (0,46) die stärkste Spezialisierung bei Hülsenfrüchten aufweisen. Frankreich und Spanien vereinen dabei sowohl hohe Produktionsanteile als auch vergleichsweise hohe Spezialisierung. Auf der anderen Seite weisen Finnland (RSCA: −0,99), Irland (−0,99) und Schweden (−0,96) die geringste Spezialisierung auf — sie sind stark nettoimportabhängig.
Preisvolatilität und Versorgungsschocks bei Drittlandslieferanten
Die Volatilitätsanalyse zeigt erhebliche Unterschiede in der Preisstabilität der Lieferanten. Marokko, der wichtigste Partner, weist einen Variationskoeffizienten (CV) von lediglich 0,089 auf — die stabilste Quelle unter den wichtigsten Lieferanten. Demgegenüber stehen Albanien (CV: 1,03) und Simbabwe (CV: 0,26) als hochvolatile Lieferanten.
| Lieferant | Variationskoeffizient (Importwert) | Einordnung |
|---|---|---|
| Marokko | 0,089 | Sehr stabil |
| Kenia | 0,112 | Stabil |
| Senegal | 0,191 | Moderat |
| Ägypten | 0,208 | Moderat |
| Simbabwe | 0,260 | Volatil |
| Guatemala | 0,481 | Sehr volatil |
| Vereinigtes Königreich | 0,813 | Sehr volatil |
| Albanien | 1,027 | Extrem volatil |
Zudem wurden drei signifikante Versorgungsschocks identifiziert:
| Schock | Jahr | Typ | Beschreibung |
|---|---|---|---|
| Ägypten-Exporte (EU→Ägypten) | 2019 | Angebot | Mengeneinbruch um −99,5 % |
| Norwegen-Exporte (EU→Norwegen) | 2020 | Preis | Preisanstieg um +224,8 % |
| Ägypten-Exporte (EU→Ägypten) | 2021 | Preis | Preisanstieg um +194,5 % (Abnormalität: 51,7) |
Der Norwegen-Preisschock von 2020 (Abnormalität: 8,9) fiel mit der COVID-19-Pandemie zusammen, die globale Lieferketten stark beeinträchtigte. Der massive Preis- und Mengenausschlag bei Exporten nach Ägypten könnte mit politischen und wirtschaftlichen Instabilitäten in der Region zusammenhängen.
Schlussfolgerung
Der EU-Markt für frische Hülsenfrüchte (CN 0708) hat sich zwischen 2015 und 2025 in mehrfacher Hinsicht grundlegend verändert:
-
Strukturelle Schrumpfung der Importe: Die mengenmäßig rückläufigen Einfuhren (−16,4 %) bei gleichzeitig steigenden Preisen (+10,8 %) deuten auf eine Verschiebung der Nachfrage oder Angebotsverknappung hin. Bohnen bleiben das dominierende Importprodukt mit über 90 % Mengenanteil.
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Kollaps der Exporte: Der dramatische Rückgang der EU-Ausfuhren (−70 % mengenmäßig) ist vor allem auf den Wegfall des britischen Marktes nach dem Brexit zurückzuführen. Dieser Effekt ist sowohl mengen- als auch strukturell kaum zu überschätzen — das Vereinigtes Königreich verlor seinen Anteil von 60 % an den EU-Exporten.
-
Zunehmende Abhängigkeit von Marokko: Trotz leicht rückläufiger Importe aus Marokko ist die EU mit rund 62 % der Einfuhren hochgradig auf dieses eine Lieferantenland angewiesen. Die stabile Preisentwicklung bei marokkanischen Lieferungen spricht zwar für Zuverlässigkeit, die Konzentrationsrisiken bleiben jedoch bestehen.
Insgesamt zeigt sich ein Markt, der sich von einem exportorientierten Handelsmuster (mit dem UK als wichtigstem Absatzmarkt) hin zu einem fast ausschließlich importgetriebenen Markt entwickelt hat — mit einer wachsenden Abhängigkeit von wenigen nordafrikanischen und ostafrikanischen Lieferanten.