Marktentwicklung: Fette und Öle (CN 15) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union (EU) im Wirtschaftszweig CN 15 – „Tierische, pflanzliche oder mikrobielle Fette und Öle und Erzeugnisse ihrer Spaltung; genießbare verarbeitete Fette; Wachse tierischen oder pflanzlichen Ursprungs“ – im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die Daten umfassen den Handel der EU mit Drittländern. Die Analyse zeigt einen starken Anstieg der Handelswerte bei weitgehend stabiler Handelsmenge, was auf erhebliche Preissteigerungen hindeutet. Gleichzeitig haben sich die Handelsströme und die geoökonomische Abhängigkeit der EU signifikant verändert. Die Gesamtdatenübersicht bildet die Grundlage dieser Untersuchung.
1. Steigende Handelswerte bei tendenziell stabiler Mengenentwicklung: Eine Preisgetriebene Dynamik
Die Handelswerte (in EUR) für CN 15 sind zwischen 2015 und 2025 deutlich gestiegen, während die Handelsmengen (in Tonnen) nur moderat zunahmen. Dies kennzeichnet eine primär preisgetriebene Dynamik des Marktes.
Die Importentwicklung übertraf die Exportentwicklung sowohl im Wert als auch in der Menge
Die Importe der EU in diesen Produktbereich entwickelten sich dynamischer als die Exporte. Der Importwert stieg um 80,6% von 9,17 Mrd. EUR (2015) auf 16,56 Mrd. EUR (2025). Die importierte Menge erhöhte sich im gleichen Zeitraum lediglich um 11,4% von 11,33 Mio. Tonnen auf 12,62 Mio. Tonnen. Dies führt zu einem starken Anstieg des durchschnittlichen Importpreises. Die detaillierten Handelsströme verdeutlichen diese Diskrepanz.
Die negative Handelsbilanz der EU hat sich erheblich vertieft
Aufgrund des stärkeren Wachstums der Importe gegenüber den Exporten verschlechterte sich die Handelsbilanz der EU für Fette und Öle signifikant. Das Defizit vertiefte sich von ca. -3,18 Mrd. EUR im Jahr 2015 auf ca. -6,23 Mrd. EUR im Jahr 2025, eine Verschlechterung um 95,7%. Im Jahr 2022 erreichte das Defizit mit über -9 Mrd. EUR seinen Höhepunkt.
Die EU-weite Binnenproduktion von Fetten und Ölen ist stark gewachsen
Parallel zum Handel wuchs auch die EU-eigene Produktion im Zeitraum 2015-2025 erheblich. Die Produktionsmenge (in kg) stieg um 89,1%, der Produktionswert sogar um 231,8%. Diese starke Steigerung der Wertschöpfung im Binnenmarkt steht im Kontrast zur sich vertiefenden Handelsabhängigkeit, was auf eine zunehmende Spezialisierung und Differenzierung der Produkte hindeutet.
2. Veränderte Handelspartnerlandschaft und steigende geoökonomische Verwundbarkeit
Die Herkunft der Importe und die Zielmärkte der Exporte haben sich zwischen 2015 und 2025 gewandelt. Dies führte zu einer veränderten Konzentration und neuen Risikoprofilen.
Ukraine und China sind zu zentralen, volatilen Importquellen aufgestiegen
Die wichtigsten Importpartner blieben Indonesien und Malaysia. Jedoch verzeichneten Ukraine und China das stärkste Wachstum. Die Importe aus der Ukraine stiegen um 485,0% auf einen Wert von 3,44 Mrd. EUR im Jahr 2025, was sie zum drittgrößten Lieferanten machte. Die Importe aus China wuchsen sogar um 1.401,3%. Beide Partner weisen jedoch eine hohe Volatilität (Variationskoeffizient) auf, wie die Volatilitätsanalyse zeigt, was auf ein erhöhtes Versorgungsrisiko hindeutet.
| Partnerland (Importe) | Importwert 2015 (Mrd. EUR) | Importwert 2025 (Mrd. EUR) | Veränderung (%) |
|---|---|---|---|
| Indonesien | 2,63 | 2,18 | -17,3 |
| Malaysia | 1,55 | 2,26 | 46,1 |
| Ukraine | 0,59 | 3,44 | 485,0 |
| China | 0,07 | 1,06 | 1.401,3 |
Quelle: Top-Handelspartner nach Wert
Die Konzentration der EU-Importe hat abgenommen, jene der Exporte zugenommen
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für den Wert der Importe sank von 1.330 (2015) auf 952 (2025), was eine Diversifizierung der Importquellen anzeigt. Im Gegensatz dazu stieg der HHI für Exporte von 746 auf 901, was auf eine stärkere Konzentration der Exportmärkte hindeutet. Die Konzentrationsanalyse liefert hierzu detaillierte Werte.
Die Netto-Importabhängigkeit der EU ist signifikant gestiegen
Die Netto-Importquote (Net Import Reliance) entwickelte sich von -5,6% (2015, d.h. Nettoexporteur) auf 8,0% (2025). Der Höchststand wurde 2022 mit 15,1% erreicht. Dies signalisiert eine zunehmende strukturelle Abhängigkeit der EU von Drittlandslieferungen für diese Gütergruppe, wie die Vulnerabilitätsindikatoren belegen.
3. Segmentierte Preisentwicklung und identifizierbare Versorgungschocks
Die Preisentwicklung variierte stark zwischen den einzelnen Produktsegmenten innerhalb von CN 15. Zudem wurden im Zeitraum signifikante preisliche Schockereignisse beobachtet.
Palmöl bleibt das mengenmäßig wichtigste Importsegment, verliert aber an Dominanz
Palmöl (CN 1511) war 2025 mit 3,14 Mio. Tonnen noch immer das mengenmäßig größte Importprodukt. Sein Anteil an der gesamten Importmenge ging jedoch zurück, da die Mengen bei anderen Ölen, wie Sonnenblumenöl (CN 1512) und chemisch modifizierten Fetten/Ölen (CN 1518), stärker zunahmen. Die Preise für Palmöl stiegen von 629 EUR/t (2015) auf 1.137 EUR/t (2025).
Sonnenblumenöl und chemisch modifizierte Fette verzeichneten das stärkste Preiswachstum
Besonders stark gestiegen sind die Preise für Sonnenblumenöl und seine Fraktionen (CN 1512). Der Importpreis erhöhte sich von 805 EUR/t im Jahr 2015 auf 1.146 EUR/t im Jahr 2025, mit einem Höchststand von 1.474 EUR/t im Krisenjahr 2022. Noch deutlicher war der Preisanstieg bei chemisch modifizierten Fetten und Ölen (CN 1518), deren Importpreis von 567 EUR/t auf 1.036 EUR/t stieg. Die Produktsegment-Aufschlüsselung gibt einen vollständigen Überblick über die Entwicklung der einzelnen CN-Codes.
Identifizierte Preis-Schocks unterstreichen die Anfälligkeit der Märkte
Die Analyse zeigt mehrere signifikante Preis-Schocks. Besonders hervorzuheben ist der massive Preisanstieg bei Importen aus der Ukraine im Jahr 2021 (Anomalie-Score 12.2, Preisänderung +63,8%). Dieses Ereignis fiel mit dem Beginn der globalen Energie- und Nahrungsmittelkrise zusammen. Ein weiterer, wenn auch kleinerer, Exportpreis-Schock wurde 2022 für Mexiko beobachtet. Diese identifizierten Schocks verdeutlichen die hohe Sensitivität der Märkte für Fette und Öle gegenüber geopolitischen und makroökonomischen Störungen.
Schlussfolgerung
Zwischen 2015 und 2025 hat sich der EU-Markt für Fette und Öle (CN 15) durch einen preisgetriebenen Anstieg der Handelswerte, eine Vertiefung der negativen Handelsbilanz und eine erhöhte Netto-Importabhängigkeit charakterisieren lassen. Die Handelspartnerlandschaft hat sich verschoben, mit der Ukraine und China als neuen, aber volatilen Schlüssellieferanten. Während die Binnenproduktion der EU stark wuchs, konnte dies die wachsende externe Abhängigkeit nicht kompensieren. Die identifizierten Preis-Schocks, insbesondere im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise, belegen die geoökonomische Verwundbarkeit der EU in diesem für die Ernährungs- und Industriebasis wichtigen Sektor. Zukünftige Entwicklungen werden maßgeblich von globalen Angebotsschwankungen, Nachfrageverschiebungen und geopolitischen Rahmenbedingungen abhängen.