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Marktentwicklung: Fette und Öle (CN 15) — 2015–2025

Introduction

Der Außenhandel der Europäischen Union mit Fetten und Ölen (Zolltarif-Code 15) hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend verändert. Während die gehandelten Mengen nur moderat zunahmen, stiegen die Werte sowohl bei Ein- als auch bei Ausfuhren um über 70 Prozent, getrieben von starken Preissteigerungen. Das strukturelle Handelsdefizit weitete sich deutlich aus. Gleichzeitig verschoben sich die Gewichte unter den Handelspartnern: Die Ukraine stieg zum wichtigsten Lieferanten auf, China verzehnfachte seine Exporte in die EU, und auf der Exportseite wurden die USA und Norwegen zu zentralen Wachstumsmärkten. Der vorliegende Bericht analysiert diese Dynamiken anhand der verfügbaren Handelsdaten und identifiziert die wesentlichen Triebkräfte.

Die Daten entstammen dem Dashboard Overview und den dort verfügbaren Detailansichten. Alle zitierten Werte beziehen sich auf den Extra-EU-Handel der EU‑27 (ohne Intra-EU-Ströme).

Preisdynamik und wachsendes Handelsdefizit: Mengen stagnieren, Werte explodieren

Import- und Exportpreise steigen um über 60 Prozent, während die Mengen nahezu konstant bleiben

Der Gesamtwert der EU-Importe stieg von 9,17 Mrd. EUR im Jahr 2015 auf 16,56 Mrd. EUR im Jahr 2025 – ein Plus von 80,5 %. Die Exporte legten im selben Zeitraum um 72,5 % auf 10,33 Mrd. EUR zu. Diese Wertsteigerungen gehen jedoch fast ausschließlich auf Preiseffekte zurück: Die importierte Menge wuchs lediglich um 11,4 %, die exportierte Menge sogar nur um 4,9 %.

Indikator (2015 → 2025) Importe Exporte
Wert (Mrd. EUR) 9,17 → 16,56 5,99 → 10,33
Veränderung Wert +80,5 % +72,5 %
Menge (Mio. t) 11,33 → 12,62 4,16 → 4,37
Veränderung Menge +11,4 % +4,9 %
Durchschnittspreis (EUR/t) 809 → 1 312 1 439 → 2 366
Veränderung Preis +62,2 % +64,5 %

Quelle: Gesamtüberblick

Die Entkopplung von Menge und Wert reflektiert einen globalen Preisanstieg für pflanzliche Öle und Fette, der durch wetterbedingte Ernteausfälle, hohe Nachfrage im Biodieselsektor, logistische Engpässe und geopolitische Verwerfungen – insbesondere den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine – angefacht wurde. Die Importpreise erreichten 2022 mit 1 448 EUR/t ihren Höhepunkt, die Exportpreise mit 2 481 EUR/t.

Das strukturelle Handelsdefizit der EU hat sich im letzten Jahrzehnt fast verdoppelt

Die EU ist bei Fetten und Ölen struktureller Nettoimporteur. Das Handelsbilanzdefizit vergrößerte sich von 3,18 Mrd. EUR (2015) auf 6,22 Mrd. EUR (2025), eine Verschlechterung um 95,6 %. Im Jahr 2022 – dem Jahr mit den höchsten Weltmarktpreisen – erreichte das Defizit mit 9,03 Mrd. EUR seinen vorläufigen Rekord. Die wachsende Lücke unterstreicht die hohe Importabhängigkeit der EU bei Rohstoffen für die Lebensmittel-, Futtermittel- und Oleochemieindustrie.

Verschiebung der Lieferantenlandschaft: Ukraine, China und Diversifizierung

Die Ukraine löst Indonesien als führenden Lieferanten ab und erreicht einen Marktanteil von über 20 Prozent

Die fünf größten Einfuhrpartner veränderten ihre Ränge grundlegend. Indonesien, 2015 noch klarer Spitzenreiter (2,63 Mrd. EUR), fiel bis 2025 auf 2,18 Mrd. EUR zurück (−17,3 %). Dagegen steigerte die Ukraine ihre Lieferungen von 0,59 Mrd. EUR auf 3,44 Mrd. EUR (+485 %) und wurde damit zum bedeutendsten Lieferanten.

Top-7-Einfuhrpartner (Wert in Mio. EUR) 2015 2025 Veränderung
Ukraine 587 3 436 +485,0 %
Malaysia 1 549 2 264 +46,1 %
Indonesien 2 632 2 178 −17,3 %
China 71 1 061 +1 401,3 %
Philippinen 426 966 +126,7 %
Vereinigtes Königreich 470 628 +33,6 %
Guatemala 130 447 +245,1 %

Quelle: Handelspartner

Der Anstieg der ukrainischen Exporte ist auf massive Ausfuhren von Sonnenblumenöl zurückzuführen, die trotz des Krieges über alternative Logistikrouten (Donauhäfen, Schiene) aufrechterhalten wurden. Gleichzeitig spiegelt die höhere Bedeutung weiterer Akteure eine bewusste Diversifizierung wider: Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) der Importkonzentration sank von 1 330 auf 952 (−28,4 %), die EU bezieht ihre Fette und Öle heute aus einem breiteren Länderspektrum als 2015 (Konzentration).

Chinesische Importe verzeichnen einen Anstieg um mehr als 1 400 Prozent

China steigerte seine Ausfuhren von Fetten und Ölen in die EU von lediglich 71 Mio. EUR (2015) auf 1,06 Mrd. EUR (2025). Das entspricht einem Zuwachs von 1 401 %. Haupttreiber sind chemisch modifizierte Öle und Fette (CN 1518) sowie eine zunehmende Rolle Chinas als Raffineriestandort. Die Mengenexplosion war mit einer sehr hohen Volatilität verbunden: Der Variationskoeffizient der chinesischen Einfuhrmengen liegt bei 0,77 – dem mit Abstand höchsten Wert unter den Top-Partnern (Volatilität). Dies weist auf eine noch schwankende, stark projektgetriebene Handelsbeziehung hin.

Die USA und Norwegen werden zu stark wachsenden Exportmärkten, während Exporte nach Südafrika und Algerien zurückgehen

Auf der Exportseite sticht das Wachstum der USA hervor: Die EU-Ausfuhren dorthin erhöhten sich von 0,96 Mrd. EUR auf 2,24 Mrd. EUR (+132,9 %). Auch Norwegen (+150,1 % auf 835 Mio. EUR) und das Vereinigte Königreich (+56,1 % auf 1,61 Mrd. EUR) gewannen stark an Bedeutung. Gleichzeitig verringerten sich die Exporte nach Südafrika (−25,7 %) und Algerien (−47,2 %) deutlich.

Top-7-Exportpartner (Wert in Mio. EUR) 2015 2025 Veränderung
USA 960 2 235 +132,9 %
Vereinigtes Königreich 1 032 1 610 +56,1 %
Norwegen 334 835 +150,1 %
Marokko 260 371 +42,6 %
China 276 350 +26,5 %
Südafrika 160 119 −25,7 %
Algerien 183 97 −47,2 %

Diese Verschiebungen machten die Exportstruktur leicht konzentrierter: Der HHI der Exporte stieg von 746 auf 901 (+20,7 %). Haupttreiber ist die starke Ausweitung in wenige, hochpreisige Märkte, vor allem die USA.

Exporttrumpf Olivenöl und der Wandel der EU-Produktspezialisierung

Olivenöl ist das mit Abstand wertvollste Exportgut und verzeichnet einen Preissprung von über 35 Prozent

Die Warengruppe 15 umfasst zahlreiche Öle und Fette, doch ein Produkt ragt auf der Ausfuhrseite heraus: Olivenöl (CN 1509) erzielte 2025 einen Ausfuhrwert von 4,48 Mrd. EUR – das entspricht fast 43 % aller EU-Exporte dieser Kategorie. Gegenüber 2015 (2,29 Mrd. EUR) hat sich der Wert fast verdoppelt, getragen von einem erheblichen Preisanstieg (von 4 252 EUR/t auf 5 753 EUR/t). Die ausgeführte Menge stieg von 538 000 t auf 778 000 t (+44,6 %).

Ausfuhrwaren (Top‑5 nach Wert 2025) Wert 2015 (Mio. EUR) Wert 2025 (Mio. EUR) Preis 2025 (EUR/t)
Olivenöl (1509) 2 289 4 478 5 753
Sonnenblumenöl (1512) 531 860 1 303
Margarine u.ä. (1517) 541 985 2 370
Andere pflanzliche Fette (1515) 335 793 3 632
Sojaöl (1507) 818 669 1 032

Quelle: Produktvergleich

Olivenöl profitiert von einem weltweit wachsenden Premiummarkt und mehreren klimabedingt knappen Ernten in den Hauptanbaugebieten, was die Preise seit 2022 stark ansteigen ließ. Die Preisspitze 2024 mit 9 162 EUR/t fällt mit dem im Dashboard identifizierten Preisschock für Mexiko-Exporte zusammen (Abnormalität 26,3), was indirekt die angespannte globale Versorgungslage belegt (Preisschocks).

Spanien und Italien führen das Exportgeschäft an, Deutschland büßt Anteile ein

Die führenden Exporteure unter den EU-Mitgliedstaaten sind Spanien und Italien, die 2025 zusammen über 5,4 Mrd. EUR ausführten. Spanien steigerte seine Exporte um 101,6 % auf 3,27 Mrd. EUR, Italien um 87,1 % auf 2,14 Mrd. EUR. Dagegen gingen die deutschen Ausfuhren um 15,3 % zurück (von 606 Mio. EUR auf 513 Mio. EUR), während Portugal (+90,3 %) und Dänemark (+79,0 %) kräftig zulegten.

Top-7-Exporteure (Wert in Mio. EUR) 2015 2025 Veränderung
Spanien 1 622 3 269 +101,6 %
Italien 1 143 2 138 +87,1 %
Niederlande 762 1 013 +33,0 %
Deutschland 606 513 −15,3 %
Frankreich 378 592 +56,5 %
Portugal 275 523 +90,3 %
Dänemark 298 534 +79,0 %

Quelle: Berichtsländer

Die Betrachtung der Spezialisierungsgrade (RSCA) bestätigt dieses Bild: Griechenland (RSCA 0,64), Spanien (0,46) und Bulgarien (0,46) sind am stärksten auf Fette und Öle spezialisiert, während Deutschland (−0,29) und viele nördliche Mitglieder unterdurchschnittlich aufgestellt sind (Spezialisierung). Die mediterrane Prägung der Branche hat sich in der Dekade weiter verfestigt.

Importseitig verliert Palmöl an Gewicht, verarbeitete Öle und Sonnenblumenöl gewinnen

Das Importportfolio wird nach wie vor von Palmöl (CN 1511) dominiert, doch sein Anteil schrumpft: Die eingeführte Menge sank von 6,61 Mio. t auf 3,14 Mio. t (−52,5 %), der Wert ging von 4,16 Mrd. EUR auf 3,57 Mrd. EUR (−14,2 %) zurück. Gleichzeitig stiegen die Mengen bei chemisch modifizierten Fetten (1518) um fast das Dreifache und bei Sonnenblumenöl (1512) von 0,89 Mio. t auf 2,37 Mio. t. Wertmäßig legte Sonnenblumenöl von 0,72 auf 2,72 Mrd. EUR zu.

Einfuhrwaren (Top‑5 nach Wert 2025) Menge 2015 (Tsd. t) Menge 2025 (Tsd. t) Wert 2025 (Mio. EUR)
Palmöl (1511) 6 611 3 140 3 570
Sonnenblumenöl (1512) 890 2 374 2 721
Modifizierte Fette (1518) 652 2 585 2 677
Kokos-/Palmkernöl (1513) 1 249 1 158 2 234
Andere pflanzliche Fette (1515) 318 395 944

Die rückläufigen Palmölimporte korrespondieren mit Nachhaltigkeitsdebatten und regulatorischen Initiativen (z. B. EU-Entwaldungsverordnung), während die starke Ausweitung von Sonnenblumenöl direkt mit der geopolitischen Öffnung gegenüber der Ukraine zusammenhängt. Die Rubrik 1518 (gekochte, oxidierte oder chemisch modifizierte Öle) gewinnt als industrielle Zwischenprodukte für die Oleochemie und Biodieselproduktion an Bedeutung und trägt zur Diversifizierung des Importmixes bei.

Conclusion

Der EU-Handel mit Fetten und Ölen (CN 15) zeigt im Zeitraum 2015–2025 eine ausgeprägte Scherenbewegung: Die gehandelten Mengen blieben nahezu unverändert, die Werte stiegen jedoch durch einen lang anhaltenden Preisschub massiv. Das Handelsbilanzdefizit verdoppelte sich beinahe, was die strukturelle Importabhängigkeit der EU unterstreicht. Die Lieferketten wurden grundlegend neu geordnet: Die Ukraine überholte Indonesien als wichtigsten Lieferanten, China drang mit großen Mengen in den EU-Markt vor, und die Bezugsquellen wurden insgesamt breiter. Auf der Exportseite erwies sich Olivenöl – insbesondere aus Spanien und Italien – als Premiummotor, der die Ausfuhrerlöse trotz sinkender Mengen bei vielen anderen Ölen steigen ließ. Für politische Analysten und Marktakteure bleibt entscheidend, wie sich die geopolitische Lage in der Schwarzmeerregion, die Preissensitivität der Olivenölmärkte und die EU-Regulierung zu Nachhaltigkeit und Entwaldung auf die künftige Handelsstruktur auswirken werden.