Live-Daten erkunden

Marktentwicklung: Andere tierische Fette und Öle (CN 1506) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifposten 1506 erfasst tierische Fette und Öle sowie deren Fraktionen, die weder chemisch modifiziert noch den spezielleren Unterpositionen (z. B. Schweinefett 1501, Rindertalg 1502, Fischöle 1504 oder Wollfett 1505) zugeordnet sind. Damit handelt es sich um eine Restkategorie, die unter anderem bestimmte technische und industriell genutzte tierische Fette umfasst. Der Gesamtüberblick zeigt, dass der EU-Außenhandel mit diesem Produkt im Zeitraum 2015–2025 erhebliche strukturelle Veränderungen durchlaufen hat: Die EU entwickelte sich von einem nahezu ausgeglichenen Handelspartner zu einem deutlichen Nettoexporteur, wobei sich sowohl die Handelsvolumina als auch die Preisstrukturen fundamental verschoben haben.


1. Exportboom bei fallenden Preisen: Die EU als wachsender Nettoexporteur

Die Exportmengen sind um mehr als das Siebenfache gestiegen

Im Zeitraum 2015 bis 2025 entwickelten sich die EU-Exporte von CN 1506 außerordentlich dynamisch. Die Exportwerte stiegen von 31,5 Mio. € auf 68,0 Mio. € (+115,8 %). Noch deutlicher fällt das Mengenwachstum aus: Die exportierte Menge vergrößerte sich von 8.651 t auf 66.896 t, was einem Anstieg von 673,3 % entspricht. Gleichzeitig sank der durchschnittliche Exportpreis von 3.644 €/t auf 1.017 €/t (−72,1 %). Dieses Muster – starkes Mengenwachstum bei gleichzeitigem Preisverfall – deutet darauf hin, dass die EU zunehmend günstigere, mengenorientierte Exportsegmente dieses Produktbereichs bedient, möglicherweise im Bereich industrieller oder futtermittelbezogener Anwendungen.

Die Importe wachsen moderat, bleiben aber mengenmäßig begrenzt

Im Gegensatz zu den Exporten blieb das Importwachstum mengenbezogen deutlich bescheidener. Die importierte Menge stieg lediglich von 14.100 t auf 15.533 t (+10,2 %). Der Importwert jedoch erhöhte sich von 9,3 Mio. € auf 24,0 Mio. € (+157,9 %), bedingt durch einen starken Preisanstieg von 659 €/t auf 1.544 €/t (+134,1 %). Dies zeigt, dass die EU zwar mengenmäßig kaum mehr importiert, die eingekauften Fette und Öle aber teurer geworden sind – ein Hinweis auf eine Verschiebung hin zu hochwertigeren oder knapper gewordenen Nischenprodukten.

Die EU hat sich vom Nettodefizit zum deutlichen Handelsüberschuss entwickelt

Die Handelsbilanz entwickelte sich über den Betrachtungszeitraum erheblich. Im Jahr 2015 betrug der Überschuss 22,2 Mio. €. Im Zeitverlauf schwankte die Bilanz jedoch stark: Der niedrigste Wert lag bei −95,8 Mio. € (ein ausgeprägtes Defizit), der höchste bei 50,1 Mio. € (2025: 44,1 Mio. €). Die Phase des Nettodefizits dürfte in die Jahre 2019–2020 gefallen sein, als die Importwerte mit einem Spitzenwert von 100,3 Mio. € die Exporte deutlich überstiegen. Seitdem hat sich die Bilanz wieder stark erholt, sodass die EU 2025 erneut einen signifikanten Überschuss verzeichnete. Die Netto-Importabhängigkeit lag 2025 bei −6,7 %, was die Position der EU als Nettexporteur bestätigt.


2. Konzentration der Exporte auf die USA und Diversifizierung der Importquellen

Die Vereinigten Staaten sind zum dominanten Exportmarkt aufgestiegen

Die Partneranalyse zeigt eine dramatische Konzentration der EU-Exporte auf die USA. Der Exportwert in die Vereinigten Staaten stieg von 17,4 Mio. € (2015) auf 62,7 Mio. € (2025), was einem Plus von 260,8 % entspricht. Damit entfielen 2025 über 92 % der gesamten EU-Exporte von CN 1506 auf die USA. Dies spiegelt sich auch in der steigenden Konzentration (HHI) wider: Der Export-HHI-Wert erhöhte sich von 5.338 auf 8.562 (+60,4 %). Werte in dieser Größenordnung deuten auf eine hohe Marktabhängigkeit von einem einzelnen Partner hin. Ein erhebliches Preis-Schock-Ereignis wurde 2019 bei den Exporten in die USA festgestellt, als der durchschnittliche Exportpreis um 282,2 % nach oben schoss und dabei 90,2 % des Exportwertes betraf. Dies könnte mit einer vorübergehenden Angebotsverknappung in den USA oder einer regulatorischen Änderung zusammenhängen.

Der Exportmarkt zeigt eine zunehmende Polarisierung

Während die USA an Bedeutung gewannen, verloren traditionelle europäische Partner an Gewicht. Die Exporte in das Vereinigte Königreich sanken von 2,9 Mio. € auf 0,25 Mio. € (−91,3 %), was mit dem Brexit und den damit verbändenen Handelsbarrieren zusammenhängen dürfte. Gleichzeitig stiegen die Exporte nach Serbien von 59.303 € auf 2,7 Mio. € (+4.504 %) und nach Taiwan von 764 € auf 121.198 €. Auf der EU-Berichterstattungsebene sticht insbesondere die Niederlande hervor, die als Exporteur von 452.177 € auf 62,4 Mio. € (+13.699 %) anwuchs und damit fast den gesamten EU-Exportzuwachs in die USA erklären dürfte. Spanien hingegen, 2015 noch mit 25,8 Mio. € größter EU-Exporteur, fiel 2025 auf nur noch 15.355 € zurück.

Die Importseite ist deutlich diversifizierter geworden

Im Gegensatz zu den Exporten hat sich die Importseite im selben Zeitraum diversifiziert. Der Import-HHI-Wert sank von 3.470 auf 1.582 (−54,4 %). Die wichtigsten Importpartner 2025 waren das Vereinigte Königreich (4,4 Mio. €), Serbien (4,4 Mio. €), die Vereinigten Staaten (5,2 Mio. €) und die Schweiz (2,9 Mio. €). Auffällig ist der Anstieg der Importe aus den USA von praktisch null (270 € im Jahr 2015) auf 5,2 Mio. €, was auf eine zunehmende wechselseitige Verflechtung hindeutet. Gleichzeitig brachen die Importe aus Mexiko von 145.259 € auf 139 € (−99,9 %) ein. Innerhalb der EU waren Deutschland (5,1 Mio. €), Belgien (10,3 Mio. €) und die Slowakei (3,3 Mio. €) die wichtigsten Importländer im Jahr 2025.


3. Volatilität, Schocks und strukturelle Verschiebungen in der Produktion

Hohe Preisschwankungen kennzeichnen insbesondere die Exportseite

Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass die Exportpreise gegenüber mehreren Partnern erheblichen Schwankungen unterlagen. Besonders betroffen waren die Handelsbeziehungen mit Chile (Variationskoeffizient 2,82), China (2,35), Südkorea (1,94) und den USA (1,71). Auf der Importseite wiesen Mexiko (VK 2,24), die USA (2,13) und Argentinien (1,69) die höchsten Schwankungen auf. Der festgestellte Preis-Schock bei den Exporten in die USA im Jahr 2019 (Anomalie-Score 2,0, Preissprung +282,2 %) war das markanteste einzelne Ereignis des gesamten Zeitraums. In diesem Jahr lag der Exportpreis bei 4.295 €/t – dem Höchstwert im gesamten Zeitraum – und fiel in den Folgejahren wieder stark ab.

Die EU-Produktion ist mengenmäßig leicht zurückgegangen, der Produktwert aber erheblich gestiegen

Die inländische Produktion von CN 1506 sank mengenmäßig von 864.409 t auf 780.000 t (−9,8 %), wobei der Produktionswert gleichzeitig von 289 Mio. € auf 630 Mio. € (+117,8 %) anstieg. Die durchschnittliche Produktionseinheit stieg damit von rund 334 €/t auf rund 807 €/t. Der Höchststand der Produktionsmenge lag bei 1,68 Mio. t (mit einem Spitzenwert von 1,11 Mrd. €), der Tiefststand bei 425.773 t. Diese Entwicklung spiegelt eine Verschiebung in der Produktionsstruktur wider: entweder wurden mengenintensive, günstigere Teilprodukte zurückgefahren, oder die verbleibende Produktion konzentriert sich auf höherwertige Fraktionen.

Spezialisierung und Handelsintensität variieren stark zwischen den EU-Mitgliedstaaten

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass die Slowakei (RSCA 0,71), Kroatien (0,66), Frankreich (0,55) und Belgien (0,35) die stärkste Spezialisierung bei CN 1506 aufweisen. Frankreich hielt dabei einen Anteil von 26,6 % an der gesamten EU-Produktion dieses Erzeugnisses, gefolgt von Belgien mit 17,5 % und den Niederlanden mit 12,4 %. Am anderen Ende des Spektrums weisen Finnland (RSCA −1,00), Tschechien (−1,00), Schweden (−1,00) und Österreich (−1,00) praktisch keine Spezialisierung auf. Die Handelsintensität der EU stieg von 1,0 % auf 11,4 %, und die Exportneigung erhöhte sich von 0,65 % auf 9,0 % – beides klare Indikatoren für die wachsende außenwirtschaftliche Orientierung dieses Produktsegments.


Fazit

Der EU-Außenhandel mit anderen tierischen Fetten und Ölen (CN 1506) hat sich zwischen 2015 und 2025 in mehrfacher Hinsicht grundlegend gewandelt. Der auffälligste Trend ist der massive Anstieg der Exportmengen (+673 %), der allerdings mit einem erheblichen Preisverfall (−72 %) einherging und sich stark auf den US-Markt konzentriert. Die Niederlande haben sich dabei zum zentralen europäischen Drehkreuz entwickelt, während traditionelle Exporteure wie Spanien an Bedeutung verloren. Auf der Importseite hat eine Diversifizierung stattgefunden, und die Handelsbilanz pendelte zwischen erheblichem Defizit und deutlichem Überschuss, bevor sie sich 2025 bei einem Überschuss von 44,1 Mio. € stabilisierte. Die hohe Konzentration der Exporte auf die USA (HHI 8.562) birgt jedoch ein erhebliches Risiko bei möglichen Handelskonjunkturen oder regulatorischen Änderungen. Gleichzeitig ist die EU-Produktion mengenmäßig leicht rückläufig, was langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des Sektors in Frage stellen könnte, sofern dieser Trend anhält.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

Wenn Sie Beratung zur europäischen Handelspolitik benötigen oder Vertretung für Ihre Interessen in Brüssel, kontaktieren Sie mich bitte unter support@tradedashboard.eu. Sie finden meinen Lebenslauf unter dieser Adresse.