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Marktentwicklung: Schmalz und Talg (CN 1503) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zeitraum 2015 bis 2025 für den Zolltarif CN 1503 (Schmalzstearin, Schmalzöl, Oleostearin, Oleomargarin und Talgöl, weder emulgiert, vermischt noch anders verarbeitet). Die Produktübersicht zeigt, dass sich der EU-Außenhandel in diesem Zeitraum fundamental verändert hat: Aus einer nahezu ausgeglichenen Handelsbilanz wurde ein massives Exportüberschuss, getrieben von einem rasanten Anstieg der Ausfuhren bei gleichzeitiger Stagnation der Einfuhren.


1. Vom Importeur zum Nettoexporteur: Die fundamentale Neuausrichtung des EU-Handels

Die Exportexplosion übertroff die Importentwicklung bei Weitem

Der Gesamtüberblick offenbart eine bemerkenswerte Asymmetrie zwischen Export- und Importentwicklung:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert 2,5 Mio. € 43,6 Mio. € +1.656 %
Exportmenge 4.935 t 44.065 t +793 %
Exportpreis 503 €/t 990 €/t +97 %
Importwert 2,6 Mio. € 12,2 Mio. € +375 %
Importmenge 3.309 t 14.812 t +348 %
Importpreis 774 €/t 822 €/t +6 %

Die Exporte wuchsen somit in Wert um das 4,4-Fache stärker als die Importe. Die Handelsbilanz entwickelte sich von einem leicht negativen Saldo (−78.000 € im Jahr 2015) auf ein Plus von 31,4 Mio. € im Jahr 2025 — eine Veränderung von über 40.000 %.

Der Preisverlauf spiegelt unterschiedliche Marktdynamiken wider

Während die Exportpreise sich nahezu verdoppelten (+97 %), blieben die Importpreise weitgehend stabil (+6 %). Dies deutet darauf hin, dass die EU auf der Exportseite zunehmend hochwertigere Produkte oder knappere Güter absetzte, während die Importseite preisstabil blieb — ein Hinweis auf unterschiedliche Produktsegmente oder Verhandlungsmacht.

Die EU ist heute eindeutig ein Nettoexporteur

Der Netto-Importabhängigkeits-Indikator bestätigt den Strukturwandel: Lag die Netto-Importabhängigkeit 2015 bei nur −1,3 % (also nahezu ausgeglichen), so sank sie bis 2025 auf −130,3 % — die EU exportiert CN 1503 also mehr als doppelt so stark, wie sie importiert. Gleichzeitig stieg die Exportneigung von 7,3 % auf 72,4 %, und die Handelsintensität von 12,5 % auf 76,2 %. Die EU ist heute bei diesem Produkt stark außenhandelsoffen und exportorientiert.


2. Konzentration auf das Vereinigte Königreich und Irlands dominante Rolle

Das Vereinigte Königreich beherrscht den Handel nahezu monopolistisch

Die Partnerländer-Analyse zeigt eine extreme Konzentration:

Partnerland Importwert 2025 Exportwert 2025 Anteil am jeweiligen Gesamtfluss
Vereinigtes Königreich 12,2 Mio. € 43,6 Mio. € ~100 % (Importe & Exporte)
Schweiz 43 € 15 € vernachlässigbar
USA 2.862 € 672 € < 0,01 %
Philippinen 14.575 € 0,03 %

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) liegt für Importe bei 9.995 und für Exporte bei 9.980 (auf einer Skala von 0 bis 10.000). Das entspricht einem faktischen Monopol: Das Vereinigte Königreich ist Handelspartner, Lieferant und Abnehmer in einer Person.

Irland ist der zentrale Produzent und Exporteur innerhalb der EU

Die Mitgliedstaaten-Analyse verdeutlicht Irlands herausragende Stellung:

EU-Mitgliedstaat Exportwert 2025 Importwert 2025 Spezialisierung (RSCA)
Irland 42,6 Mio. € 8,3 Mio. € 0,94 (extrem spezialisiert)
Niederlande 925.000 € 34 € 0,17
Spanien 96.000 € 32 € −1,00
Deutschland 6.773 € 2.635 €

Irland allein steht für nahezu den gesamten EU-Exportüberschuss. Die Spezialisierungsanalyse bestätigt dies: Irlands RCA-Wert beträgt 32,0 — ein außergewöhnlich hoher Wert, der bedeutet, dass Irland bei CN 1503 über 30-mal stärker spezialisiert ist als der EU-Durchschnitt. Irland produziert 66,8 % der EU-Produktion bei diesem Produkt, obwohl es nur 2,1 % des EU-Gesamthandels ausmacht.

Der Brexit als Strukturbruch

Das Zusammenspiel ist bemerkenswert: Irland exportiert massiv in das Vereinigte Königreich — ein Handel, der nach dem Brexit (seit 2021) zum Drittlandshandel wurde. Die Exporte aus Irland stiegen von 2,0 Mio. € (2015) auf 42,6 Mio. € (2025) — ein Anstieg von über 2.000 %. Gleichzeitig sanken Deutschland (−97 %), Frankreich (−69 %) und Italien (−86 %) als Exporteure, während die Niederlande (+708 %) und Spanien (+62 %) leicht zulegten. Die Marktkonzentration der Exporte verschärfte sich entsprechend: Der HHI stieg von 7.551 auf 9.980.


3. Preisschocks, Volatilität und schrumpfende EU-Produktion

Zwei signifikante Preisschocks prägten den Zeitraum

Die Schock-Analyse identifiziert zwei bemerkenswerte Ereignisse:

Zeitpunkt Richtung Partner Preisänderung Abnormalitäts-Score
2018 Exporte Vereinigtes Königreich +106,5 % 6,8
2022 Importe Vereinigtes Königreich +92,6 % 9,7

Der Preisanstieg bei den Exporten nach Großbritannien im Jahr 2018 könnte mit regulatorischen Vorkehrungen zum bevorstehenden Brexit zusammenhängen. Der noch stärkere Preisschock bei Importen aus dem Vereinigten Königreich im Jahr 2022 — mit einer Abnormalität von 9,7 (dem höchsten Wert im Datensatz) — fällt in die Phase nach dem vollzogenen Brexit und der weltweiten Inflationswelle.

Die Volatilität variiert stark zwischen den Handelspartnern

Die Volatilitätsanalyse zeigt deutliche Unterschiede im Variationskoeffizienten (CV):

Partner CV Importe CV Exporte
Vereinigtes Königreich 0,41 (stabil) 1,57 (volatil)
Norwegen 2,57 (sehr volatil)
Schweiz 1,73 (volatil) 0,68 (stabil)
Philippinen 0,43 (stabil)

Die Importe aus dem Vereinigten Königreich sind trotz des Preisschocks von 2022 mengenmäßig relativ stabil geblieben (CV = 0,41), was auf eine beständige Nachfragebasis hindeutet. Die Exporte dagegen schwanken stärker (CV = 1,57), was mit dem raschen Wachstum und der Konzentration auf einen einzigen Abnehmer zusammenhängt.

Die EU-Produktion schrumpft mengenmäßig, steigt aber im Wert

Die Produktionsdaten zeigen einen geglätteten Trend:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge 81,4 Mio. kg 47,6 Mio. kg −41,5 %
Produktionswert 26,0 Mio. € 61,6 Mio. € +137,0 %

Die Menge sank um über 40 %, während der Wert sich mehr als verdoppelte. Dies ergibt eine ungefähre Verdreifachung des Produktionspreises pro Kilogramm — ein Trend, der sowohl steigende Rohstoffpreise (Talg, tierische Fette) als auch eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Verarbeitungsstufen widerspiegeln könnte.


Schlussfolgerung

Die Handelsentwicklung von CN 1503 im Zeitraum 2015–2025 lässt sich als drei parallele Transformationsprozesse zusammenfassen:

  1. Strukturelle Neuausrichtung: Die EU wandelte sich von einem nahezu ausgeglichenen Handelspartner zu einem dominanten Nettoexporteur mit einem Überschuss von über 31 Mio. € — getrieben vor allem durch eine Vervierfachung der Exporte.

  2. Extreme Konzentration: Sowohl Importe als auch Exporte sind auf das Vereinigte Königreich konzentriert (HHI nahe 10.000). Innerhalb der EU ist Irland der dominante Produzent und Exporteur mit einem RCA von 32,0. Diese enge Verflechtung mit einem einzigen Drittland birgt ein erhebliches Konzentrationsrisiko.

  3. Preisanstieg bei schrumpfender Produktion: Die EU-Produktion fiel mengenmäßig um 42 %, stieg aber wertmäßig um 137 % — ein Hinweis auf steigende Preise und möglicherweise eine Qualitäts- oder Sortenverschiebung. Gleichzeitig verdoppelten sich die Exportpreise, während die Importpreise weitgehend stabil blieben.

Für die Zukunft stellt sich die Frage, ob die extreme Abhängigkeit vom Vereinigten Königreich als Handelspartner und Irland als Produzent Bestand hat — insbesondere angesichts regulatorischer Änderungen nach dem Brexit und möglicher Nachfrageverschiebungen in den Märkten für tierische Fette.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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