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Marktentwicklung: Olivenöl (CN 1510) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zeitraum 2015–2025 für den Zolltarifcode 1510 — „Öle und ihre Fraktionen, ausschließlich aus Oliven und durch andere als die unter der Pos. 1509 genannten Verfahren gewonnen, auch raffiniert, jedoch chemisch unmodifiziert, einschl. Mischungen dieser Öle und Fraktionen mit Ölen oder Fraktionen der Pos. 1509". Übersicht und Definitionen

Es handelt sich hierbei um Olivenöl der EU-Kategorien 6, 7 und 8 — insbesondere raffiniertes Olivenöl, Oliventresteröl sowie Mischungen mit nativem Olivenöl (Pos. 1509). Es umfasst zwei Unterpositionen:

CN-Code Beschreibung
151010 Rohes Oliventresteröl der „EU-Kategorie 6", ausschließlich aus Oliven gewonnen, unbehandelt
151090 Andere Öle und ihre Fraktionen der „EU-Kategorien 7 und 8", einschl. Mischungen mit Ölen der Pos. 1509

Die EU ist im Segment CN 1510 ein struktureller Nettoexporteur. Der Saldo des Warenhandels betrug im Jahr 2025 rund 241 Mio. EUR und stieg über den gesamten Betrachtungszeitraum um 51,7 % an. Gleichzeitig war die heimische Produktion durch erhebliche Preisanstiege gekennzeichnet, während die Produktionsmengen deutlich zurückgingen. Der Markt ist durch eine hohe Preisvolatilität, konzentrierte Importquellen und eine zunehmende regionale Diversifizierung der Exportmärkte geprägt.

Übersichts-Dashboard


1. Preisgetriebenes Wachstum bei stagnierenden Mengen — Der Mengen-Preis-Gap als zentrales Strukturmerkmal

Die EU-Exporte im Segment CN 1510 verzeichneten zwischen 2015 und 2025 ein beachtliches Wertwachstum von 50,2 % (von 178,0 Mio. EUR auf 267,4 Mio. EUR). Dieses Wachstum wurde jedoch nicht durch eine entsprechende Ausweitung der Handelsvolumina erzielt, sondern fast vollständig durch steigende Preise getragen.

Die Exportpreisentwicklung als Haupttreiber

Das Exportvolumen wuchs im selben Zeitraum lediglich um 11,7 % (von 77.254 t auf 86.285 t), während der durchschnittliche Exportpreis um 34,5 % stieg — von 2.305 EUR/t auf 3.099 EUR/t. Der Preishöchstwert wurde mit 4.396 EUR/t erreicht. Handelsübersicht

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert 178,0 Mio. EUR 267,4 Mio. EUR +50,2 %
Exportmenge 77.254 t 86.285 t +11,7 %
Exportpreis 2.305 EUR/t 3.099 EUR/t +34,5 %

Gleichlauf heimischer Produktionspreise

Die EU-Inlandsproduktion von Olivenöl (alle Kategorien) unterlag dem gleichen Preistrend. Während die Produktionsmenge im Zeitraum 2015–2025 um 29,0 % sank (von 544.000 t auf 386.100 t), stieg der Produktionswert um 58,7 % (von 835 Mio. EUR auf 1.325 Mio. EUR). Produktionsvolumina

Dies deutet auf einen marktweiten Angebotsdruck hin — vermutlich verursacht durch klimatische Ertragseinbußen in den wichtigsten Anbauregionen des Mittelmeerraums (insbesondere Dürreperioden in Spanien, Italien und Griechenland), der sich in steigenden Preisen niederschlug, ohne dass die mengenmäßige Nachfrage entsprechend zurückging.

Importpreise blieben vergleichsweise stabil

Im Gegensatz dazu stieg der durchschnittliche EU-Importpreis nur um 2,0 % (von 1.091 EUR/t auf 1.112 EUR/t). Die Importpreise liegen damit deutlich unter den Exportpreisen, was auf die Zusammensetzung der Importe (vorwiegend Rohes Oliventresteröl zu niedrigeren Preisen) und die Herkunftsländer zurückzuführen ist.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert 19,1 Mio. EUR 26,3 Mio. EUR +38,0 %
Importmenge 17.497 t 23.682 t +35,4 %
Importpreis 1.091 EUR/t 1.112 EUR/t +2,0 %

Die Importpreisentwicklung war dabei nicht linear: der Tiefstwert lag bei nur 579 EUR/t, der Höchstwert bei 2.152 EUR/t — eine erhebliche Schwankungsbreite, die auf episodische Lieferunterbrechungen und Qualitätsschwankungen hindeutet.


2. Konzentrierte Importquellen, diversifizierte Exportmärkte — Die geopolitische Topografie des EU-Handels

Ein auffälliges Strukturmerkmal des CN-1510-Handels ist die Asymmetrie zwischen der hohen Konzentration der Importquellen und der zunehmenden Diversifizierung der Exportdestinationen.

Importe: Nordafrika dominiert

Die EU-Importe werden von drei Ländern dominiert: Tunesien, Marokko und — zunehmend — der Türkei. Handelspartner

Partnerland Importwert 2015 Importwert 2025 Veränderung
Tunesien 11,2 Mio. EUR 17,5 Mio. EUR +55,5 %
Marokko 7,2 Mio. EUR 7,0 Mio. EUR −1,8 %
Türkei 173 EUR 296.000 EUR +170.885 %
Albanien 46 EUR 530.000 EUR +1.152.159 %
Chile 25.321 EUR 89.340 EUR +252,8 %

Tunesien war in fast allen Jahren der mit Abstand wichtigste Importeur und stellte 2025 Importe im Wert von 17,5 Mio. EUR bereit. Marokko blieb als zweiter Partner relativ stabil. Der dramatische Anstieg der Importe aus der Türkei (von 173 EUR auf 296.000 EUR) und aus Albanien (von 46 EUR auf 530.000 EUR) signalisiert eine Diversifikation der EU-Bezugsquellen, wenngleich diese von einem extrem niedrigen Ausgangsniveau starteten.

Hohe Konzentration der Importe (HHI)

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert lag 2015 bei 4.878 und 2025 bei 5.118 (+4,9 %). Ein HHI über 2.500 gilt als hochkonzentriert. Die EU-Importe sind somit in hohem Maße von wenigen Lieferländern abhängig — ein potenzielles Lieferrisiko, insbesondere angesichts der Klimaanfälligkeit der Olivenproduktion in Nordafrika. Konzentration

Exporte: Breite geografische Streuung

Im Gegensatz dazu sind die EU-Exporte deutlich diversifizierter. Der HHI nach Wert sank von 734 (2015) auf 501 (2025), was einer Abnahme um 31,7 % entspricht. Handelspartner

Exportziel Exportwert 2015 Exportwert 2025 Veränderung
USA 33,8 Mio. EUR 36,5 Mio. EUR +7,9 %
VAE 20,5 Mio. EUR 17,4 Mio. EUR −15,3 %
UK 12,8 Mio. EUR 13,2 Mio. EUR +3,0 %
Mexiko 3,1 Mio. EUR 24,1 Mio. EUR +686,3 %
Saudi-Arabien 6,1 Mio. EUR 15,6 Mio. EUR +157,9 %
Russland 7,0 Mio. EUR 9,4 Mio. EUR +35,5 %
Indien 12,7 Mio. EUR 4,6 Mio. EUR −64,2 %

Besonders bemerkenswert ist der sprunghafte Anstieg der Exporte nach Mexiko (+686,3 %), Saudi-Arabien (+157,9 %) und Russland (+35,5 %). Demgegenüber steht ein Rückgang der Exporte nach Indien (−64,2 %), was auf veränderte Handelsströme oder regulatorische Hindernisse hindeuten könnte.

Spanien als dominanter EU-Exporteur

Innerhalb der EU dominiert Spanien den CN-1510-Export mit einem Volumen von 200,6 Mio. EUR im Jahr 2025 (Anstieg um 65,8 % gegenüber 2015). Italien folgt mit 56,2 Mio. EUR, Griechenland und Portugal sind weitere relevante Exporteure. EU-Reporter

EU-Mitgliedstaat Exportwert 2015 Exportwert 2025 Veränderung
Spanien 120,9 Mio. EUR 200,6 Mio. EUR +65,8 %
Italien 47,6 Mio. EUR 56,2 Mio. EUR +18,0 %
Griechenland 4,7 Mio. EUR 4,7 Mio. EUR +0,6 %
Portugal 2,9 Mio. EUR 3,1 Mio. EUR +8,8 %
Polen 672.356 EUR 965.367 EUR +43,6 %

Die Spezialisierungsindizes (RSCA) bestätigen diese Struktur: Griechenland (RSCA = 0,94), Portugal (0,82) und Spanien (0,74) weisen die höchsten komparativen Vorteile im Olivenölsektor auf, während die nordeuropäischen Mitgliedstaaten (z. B. Schweden, Österreich, Belgien) keinerlei Spezialisierung aufweisen. Spezialisierung


3. Preisvolatilität und Angebotschocks — Krisen als Treiber der Marktentwicklung

Der CN-1510-Markt zeichnet sich durch eine erhebliche Preis- und Volumenvolatilität aus, die sowohl die Import- als auch die Exportseite betrifft.

Hohe Schwankungsintensität bei Importquellen

Die Variationskoeffizienten (CV) der Importpartner liegen überwiegend über 1,0, was auf extreme Schwankungen hindeutet. Volatilität

Importpartner Variationskoeffizient (CV)
VAE 2,81
China 2,49
Mexiko 1,75
Syrien 1,69
Türkei 1,66
USA 1,33
Chile 1,02
Albanien 0,94
UK 0,73
Marokko 0,42
Tunesien 0,36

Tunesien und Marokko weisen als wichtigste Importquellen die niedrigsten CV-Werte auf (0,36 bzw. 0,42), was auf vergleichsweise stabile Lieferbeziehungen hindeutet. Demgegenüber stehen die neuen oder unbeständigen Quellen wie VAE (2,81) und China (2,49) mit extremen Schwankungen.

Preischocks im Nahen Osten (2022)

Im Jahr 2022 wurden mehrere signifikante Preischocks bei EU-Exporten in den Nahen Osten festgestellt: Angebotschocks

Zielland Schocktyp Anormalitätswert Preisänderung Anteil am Exportwert
Oman Preis 267,5 +73,9 % 1,8 %
Kuwait Preis 115,1 +59,0 % 3,4 %
Israel Preis 35,7 +111,2 % 1,2 %

Diese Schocks fielen in das Jahr 2022, in dem der globale Olivenölmarkt durch extreme Dürre in Südeuropa und einen historischen Produktionsrückgang in Spanien (dem weltweit größten Produzenten) stark getroffen wurde. Die Preisexplosionen in diesen Zielländern spiegeln die globale Angebotsverknappung wider, die auch zu den beobachteten Höchstpreisen bei EU-Exporten führte.

Stabile Exportziele, volatile Importquellen

Ein wichtiges Strukturmerkmal ist die Asymmetrie der Volatilität zwischen Export- und Importseite: Die wichtigsten EU-Exportziele (USA, UK, Japan) weisen CV-Werte zwischen 0,18 und 0,21 auf und sind damit deutlich stabiler als die Importpartner. Dies spricht für ausgereifte Handelsbeziehungen auf der Exportseite, während die Importseite stärker von saisonalen und klimatischen Schwankungen der nordafrikanischen Produktion abhängt.

Abnehmende Handelsintensität und Exportneigung

Sowohl die Handelsintensität als auch die Exportneigung der EU im Segment CN 1510 sind rückläufig: Handelsintensität Exportneigung

Indikator 2015 2025 Veränderung
Handelsintensität 34,6 % 29,1 % −15,8 %
Exportneigung 32,2 % 26,3 % −18,2 %

Der Rückgang der Exportneigung bei gleichzeitigem Wertwachstum der Exporte deutet darauf hin, dass die EU einen wachsenden Anteil der Produktion im Binnenmarkt absorbiert — vermutlich bedingt durch die sinkende Produktionsmenge und die steigende heimische Nachfrage. Die Netto-Importabhängigkeit verbesserte sich leicht (von −40,0 % auf −29,0 %), wobei die EU weiterhin ein signifikanter Nettoexporteur bleibt. Netto-Importabhängigkeit

Produktsegmentanalyse: Oliventresteröl als Nischenimport

Die Aufschlüsselung nach Unterpositionen zeigt, dass der Handel nahezu vollständig vom Segment 151090 (raffinierte Öle, Mischungen) dominiert wird, während 151010 (rohes Oliventresteröl) nur einen marginalen Anteil stellt. Produktsegmente

Importe nach Unterposition (2022–2025):

Jahr 151010 (Tresteröl) 151090 (Raffiniert/Mischungen)
2022 20.428 t / 29,3 Mio. EUR 287 t / 0,9 Mio. EUR
2023 19.211 t / 34,8 Mio. EUR 120 t / 0,5 Mio. EUR
2024 23.591 t / 49,9 Mio. EUR 380 t / 1,7 Mio. EUR
2025 23.363 t / 25,1 Mio. EUR 319 t / 1,2 Mio. EUR

Exporte nach Unterposition (2022–2025):

Jahr 151090 (Raffiniert/Mischungen) 151010 (Tresteröl)
2022 88.105 t / 257,8 Mio. EUR 3.948 t / 11,2 Mio. EUR
2023 73.377 t / 268,8 Mio. EUR 2.422 t / 7,3 Mio. EUR
2024 77.576 t / 342,2 Mio. EUR 1.893 t / 7,1 Mio. EUR
2025 84.012 t / 260,4 Mio. EUR 2.273 t / 7,0 Mio. EUR

Bei den Exporten dominiert 151090 mit über 97 % der Menge. Interessanterweise liegen die Exportpreise für Tresteröl (151010) in den letzten Jahren nahe bei denen von raffiniertem Öl (151090), was auf eine Aufwertung dieses Segments hindeuten könnte — oder auf veränderte Qualitäts- und Verarbeitungsstandards.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für CN 1510 zeichnet sich im Zeitraum 2015–2025 durch drei zentrale Dynamiken aus:

  1. Preisgetriebenes Wachstum: Das beachtliche Wertwachstum der Exporte (+50,2 %) wurde fast ausschließlich durch steigende Preise (+34,5 %) erzielt, während die Mengen nur moderat zunahmen (+11,7 %). Dies spiegelt den globalen Angebotsdruck im Olivenölsektor wider — insbesondere durch klimatische Ertragseinbußen in den wichtigsten Produzentenländern.

  2. Asymmetrische Handelsstruktur: Die EU ist ein stabiler Nettoexporteur mit stark diversifizierten Absatzmärkten (HHI von 501), aber hoch konzentrierten Importquellen (HHI von 5.118). Tunesien und Marokko dominieren die Importseite. Diese Konzentration birgt strategische Risiken, die durch die Klimaanfälligkeit der nordafrikanischen Olivenproduktion verstärkt werden.

  3. Sinkende Produktionsmengen, steigende Wertschöpfung: Die EU-Produktion von Olivenöl sank um 29,0 % auf 386.100 t, während der Produktionswert um 58,7 % auf 1,325 Mrd. EUR anstieg. Dies deutet auf eine fundamentale Verschiebung des Marktgleichgewichts hin, in der Olivenöl zunehmend zu einem knapperen und teureren Gut wird.

Insgesamt zeigt die Analyse, dass der CN-1510-Markt trotz seiner relativen Nische innerhalb des EU-Außenhandels durch beachtliche strukturelle Veränderungen gekennzeichnet ist — getrieben durch klimatische Herausforderungen, geopolitische Verwerfungen und eine sich wandelnde globale Nachfrage nach hochwertigen Speiseölen.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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