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Marktentwicklung: Kaffee Tee Gewürze (CN 09) — 2015–2025

Einleitung

Der EU-Außenhandel mit Kaffee, Tee, Mate und Gewürzen (KN-Code 09) hat sich im Zeitraum 2015 bis 2025 durch ein bemerkenswertes Wertwachstum bei weitgehend stabilen Handelsvolumina geprägt. Die Gesamtübersicht zeigt, dass sich der Importwert von rd. 10,4 Mrd. EUR auf rd. 21,0 Mrd. EUR mehr als verdoppelte (+103,1 %), während die importierte Menge lediglich um 10,8 % stieg. Die Exporte entwickelten sich ähnlich: Der Wert wuchs von 2,3 Mrd. EUR auf 4,5 Mrd. EUR (+96,9 %) bei einem Mengenwachstum von nur 21,0 %. Diese Diskrepanz zwischen Wert- und Mengenentwicklung ist das zentrale Strukturmerkmal des Berichtszeitraums und verweist auf eine fundamentale Verteuerung der Rohstoffe. Der Handelsbilanzsaldo verschlechterte sich von −8,1 Mrd. EUR auf −16,5 Mrd. EUR (−104,9 %).

Der Warenkorb CN 09 umfasst zehn Unterpositionen, darunter Kaffee (0901), Tee (0902), diverse Gewürze (0904–0910) sowie Mate (0903). Die Produktübersicht zeigt, dass Kaffee (0901) mit großem Abstand das dominante Segment ist.


1. Preisschocks statt Mengenwachstum — die Verteuerung der Grundnahrungsmittel

1.1 Der Wertanstieg wird überwiegend durch Preiseffekte getrieben

Die zentrale Erkenntnis der Datenanalyse ist, dass das starke Wertwachstum im Außenhandel nahezu vollständig auf Preissteigerungen zurückzuführen ist, nicht auf gestiegene Handelsvolumina.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importe – Wert 10.362 Mio. EUR 21.048 Mio. EUR +103,1 %
Importe – Menge 3.174.623 t 3.518.139 t +10,8 %
Importe – Preis 3.264 EUR/t 5.983 EUR/t +83,3 %
Exporte – Wert 2.290 Mio. EUR 4.508 Mio. EUR +96,9 %
Exporte – Menge 425.827 t 515.158 t +21,0 %
Exporte – Preis 5.377 EUR/t 8.749 EUR/t +62,7 %

Quelle: Gesamtübersicht

Während die Mengen nur moderat zunahmen, stiegen die Importpreise im Durchschnitt um 83,3 % und die Exportpreise um 62,7 %. Die EU konnte die gestiegenen Einfuhrkosten somit nicht vollständig an Drittmärkte weitergeben.

1.2 Kaffee als Haupttreiber der Preisentwicklung

Kaffee (0901) ist mit Abstand das größte Segment und hat die Preisentwicklung des Gesamtmarktes maßgeblich bestimmt.

Segment Importpreis 2015 (EUR/t) Importpreis 2025 (EUR/t) Veränderung
Kaffee (0901) 3.133 6.379 +103,6 %
Pfeffer/Capsicum (0904) 4.927 3.829 −22,3 %
Tee (0902) 3.853 5.181 +34,4 %
Ingwer/Safran/Kurkuma (0910) 2.534 2.645 +4,4 %
Sonstige Gewürze (0909) 1.981 3.150 +59,0 %
Zimt (0906) 2.432 3.923 +61,3 %
Muskatnüsse/Kardamom (0908) 9.950 12.570 +26,3 %

Quelle: Produktsegment-Aufschlüsselung

Der Kaffee-Importpreis hat sich im Betrachtungszeitraum nahezu verdoppelt (von 3.133 auf 6.379 EUR/t). Dies ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: ungünstige Witterungsbedingungen in den Hauptanbauländern Brasilien und Vietnam, steigende globale Nachfrage sowie gestiegene Logistik- und Energiekosten. Der stärkste Preisanstieg bei Kaffee-Importen wurde 2024–2025 verzeichnet (von 4.542 auf 6.379 EUR/t), was auf eine Verschärfung des globalen Kaffee-Engpesses hindeutet.

Im Gegensatz dazu sank der Importpreis für Pfeffer und Capsicum (0904) um 22,3 % — ein Hinweis auf ein Überangebot oder eine Verschiebung der Nachfrage in diesem Segment.

1.3 Exportpreise zeigen eine ähnliche Aufwärtsdynamik

Auch die EU-Exportpreise stiegen erheblich, wenn auch schwächer als die Importpreise:

Segment Exportpreis 2015 (EUR/t) Exportpreis 2025 (EUR/t) Veränderung
Kaffee (0901) 5.797 10.377 +79,0 %
Tee (0902) 7.920 12.896 +62,8 %
Gewürze (0910) 4.639 6.648 +43,3 %
Pfeffer/Capsicum (0904) 4.733 4.749 +0,3 %
Muskatnüsse/Kardamom (0908) 11.775 19.232 +63,3 %

Quelle: Produktsegment-Aufschlüsselung

Die EU exportiert tendenziell aufbereitete bzw. veredelte Kaffee- und Teeerzeugnisse, was die höheren Exportpreise gegenüber den Importpreisen erklärt (10.377 EUR/t vs. 6.379 EUR/t bei Kaffee). Die EU-Produktion stieg im Wert um 81,9 % (von 8,7 Mrd. EUR auf 15,9 Mrd. EUR), während die Produktionsmenge sogar leicht sank (−1,7 %) — ein weiterer Beleg für die vorherrschende Preisdominanz.


2. Brasilien als zentraler Lieferant — zunehmende Konzentration der Einfuhren

2.1 Brasilien und Vietnam dominieren die EU-Kaffeeimporte

Die Partneranalyse zeigt eine klare Konzentration der EU-Importe auf wenige Herkunftsländer, wobei Brasilien die unangefochtene Spitzenposition einnimmt.

Rang Partnerland Importwert 2015 (Mio. EUR) Importwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
1 Brasilien 2.536 6.519 +157,0 %
2 Vietnam 1.371 3.278 +139,1 %
3 Honduras 588 992 +68,7 %
4 Indien 467 859 +83,7 %
5 Kolumbien 566 1.178 +108,1 %
6 Uganda 263 1.268 +382,6 %
7 China 387 526 +35,8 %

Quelle: Top-Handelspartner

Brasilien lieferte 2025 Waren im Wert von 6,5 Mrd. EUR — ein Plus von 157 % gegenüber 2015. Damit entfielen rd. 31 % aller EU-Importe in diesem Warenkorb auf ein einziges Land. Besonders auffällig ist der Anstieg bei Uganda (+382,6 %), das sich vom mittleren Lieferanten zu einem der Top-7-Partner entwickelte, sowie bei Kolumbien (+108,1 %). Beide Länder sind bedeutende Kaffeeproduzenten, was die Dominanz des Segments 0901 in der Gesamtbetrachtung unterstreicht.

2.2 Die Importkonzentration nimmt zu

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 1.110 (2015) auf 1.409 (2025) — eine Zunahme um 26,9 %. Obwohl der absolute Wert noch unter der Schwelle für eine hochkonzentrierte Marktstruktur liegt, signalisiert der Trend eine zunehmende Abhängigkeit von wenigen Lieferländern. Der HHI nach Volumen blieb mit rd. 1.389 auf 1.424 (+2,5 %) relativ stabil, was bedeutet, dass die Konzentrationszunahme bei den Werten vor allem durch die Preisentwicklung bei den Hauptlieferanten bedingt ist — insbesondere durch den Kaffee-Preisanstieg in Brasilien.

2.3 Exporte werden breiter gestreut, Importe enger

Im Gegensatz zu den Importen zeigen die EU-Exporte eine zunehmende Diversifizierung. Der Export-HHI sank von 1.132 auf 852 (−24,7 %). Die wichtigsten Exportmärkte blieben stabil:

Rang Zielland Exportwert 2015 (Mio. EUR) Exportwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
1 USA 470 807 +71,7 %
2 Vereinigtes Königreich 507 790 +55,8 %
3 Schweiz 208 415 +99,7 %
4 Russland 154 250 +61,8 %
5 Ukraine 68 236 +246,9 %
6 Norwegen 87 156 +78,8 %
7 Indien 14 29 +102,3 %

Quelle: Top-Handelspartner (Exporte)

Die Ukraine verzeichnete mit +246,9 % das stärkste Exportwachstum, was teilweise auf die EU-Unterstützungsmaßnahmen im Kontext des Krieges und den Wegfall traditioneller Lieferketten zurückzuführen sein dürfte.

2.4 Deutschland dominiert den EU-Binnenmarkt

Innerhalb der EU ist Deutschland der mit Abstand wichtigste Importeur und Exporteur von Kaffee, Tee und Gewürzen.

Land Importe 2025 (Mio. EUR) Exporte 2025 (Mio. EUR)
Deutschland 6.784 1.214
Italien 3.553 1.181
Niederlande 1.932 467
Spanien 1.876 392
Frankreich 2.471 250

Quelle: EU-Binnenmarkt-Reporter

Die Niederlande verzeichneten das stärkste Importwachstum (+272,5 %), was auf die Rolle des Hafens Rotterdam als zentrale europäische Drehscheibe für Rohkaffee- und Gewürzimporte hindeutet. Italien wies das stärkste Exportwachstum auf (+127,3 %), was mit der hohen Spezialisierung des Landes auf Kaffee-Röstung und -Veredelung zusammenhängt: Laut Spezialisierungsanalyse weist Italien einen RSCA-Wert von 0,286 auf — der zweithöchste aller EU-Mitgliedstaaten nach Bulgarien (0,356).


3. Wachsende Handelsintensität und Abhängigkeit bei hoher Volatilität

3.1 Die EU wird zunehmend importabhängig

Die Netto-Importabhängigkeit verschärfte sich im Betrachtungszeitraum deutlich. Der Wert sank von −2,9 % (2015) auf −5,0 % (2025), was einer Verschlechterung um 71,5 % entspricht. Parallel dazu stieg die Handelsintensität von 8,0 % auf 26,9 % (+237,4 %), und die Exportneigung von 5,5 % auf 17,6 % (+218,6 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Netto-Importabhängigkeit −2,9 % −5,0 % −71,5 %
Handelsintensität 8,0 % 26,9 % +237,4 %
Exportneigung 5,5 % 17,6 % +218,6 %

Quelle: Verwundbarkeitsanalyse

Die zunehmende Handelsintensität spiegelt die wachsende Einbindung der EU in globale Wertschöpfungsketten wider. Gleichzeitig bedeutet die verschärfte Importabhängigkeit, dass externe Schocks — etwa Ernteausfälle, Exportbeschränkungen oder geopolitische Konflikte — direktere Auswirkungen auf den europäischen Markt haben.

3.2 Uganda, Indonesien und Belarus zeigen die höchste Handelsvolatilität

Die Volatilitätsanalyse (gemessen am Variationskoeffizienten der jährlichen Handelswerte) zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den Handelspartnern.

Importpartner mit höchster Volatilität (CV):

Partnerland Variationskoeffizient
Vereinigtes Königreich 0,483
Indonesien 0,248
Uganda 0,242
Äthiopien 0,224
Honduras 0,157

Exportpartner mit höchster Volatilität (CV):

Partnerland Variationskoeffizient
Belarus 0,493
Türkei 0,449
Indien 0,360
Russland 0,206
Ukraine 0,196

Quelle: Volatilitätsanalyse

Die hohe Volatilität bei Importen aus Uganda und Äthiopien spiegelt die Schwankungen afrikanischer Kaffeeproduktion wider, die stark von Wetterbedingungen abhängig ist. Die hohe Volatilität bei Exporten nach Belarus (CV 0,493) und der Türkei (CV 0,449) deutet auf politisch bedingte Handelsschwankungen hin — bei Belarus dürften Sanktionen eine Rolle spielen.

3.3 Ein Preisexportpreisschock nach Indien im Jahr 2023

Das System identifizierte einen signifikanten Preisschock bei EU-Exporten nach Indien im Jahr 2023. Der Abnormalitätswert von 51,1 und ein Preisanstieg von 18,2 % deuten auf eine außergewöhnliche Verteuerung der EU-Exporte in den indischen Markt hin. Dies könnte mit indischen Importzollanpassungen, Wechselkursschwankungen oder einer geänderten Nachfragestruktur in Indien zusammenhängen. Der Anteil Indias am gesamten EU-Exportwert blieb mit 0,8 % jedoch gering.


Schluss

Die Analyse des EU-Außenhandels mit Kaffee, Tee, Mate und Gewürzen (CN 09) über den Zeitraum 2015–2025 offenbart drei zentrale Dynamiken:

Erstens hat sich der Markt von einem mengengetriebenen zu einem preisgetriebenen Markt gewandelt. Die Verdopplung der Importwerte bei lediglich 10,8 % Mengenwachstum unterstreicht die enorme Verteuerung der Rohstoffe — allen voran von Kaffee, dessen Importpreis sich nahezu verdoppelte.

Zweitens hat sich die Abhängigkeit von wenigen Lieferländern, insbesondere Brasilien, verstärkt. Der HHI für Importe stieg um 27 %, während die Exporte gleichzeitig diversifiziert wurden. Diese Asymmetrie birgt strategische Risiken für die europäische Versorgungssicherheit.

Drittens spiegeln die steigende Handelsintensität und die zunehmende Netto-Importabhängigkeit eine wachsende Verflechtung der EU mit globalen Agrarrohstoffmärkten wider. Die hohe Volatilität bei Schlüsselpartnern wie Uganda, Äthiopien oder Belarus unterstreicht die Notwendigkeit einer diversifizierten Beschaffungsstrategie, um die Resilienz der europäischen Versorgungsketten für diese essenziellen Konsumgüter zu gewährleisten.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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