Marktentwicklung: Pfeffer und Paprika (CN 0904) — 2015–2025
Einleitung
Der Zolltarifcode 0904 ist eine Sammelposition, die vier Unterpositionen umfasst: Pfeffer der Gattung Piper — sowohl in ganzer (090411) als auch gemahlener Form (090412) — sowie Früchte der Gattungen Capsicum und Pimenta (Paprika, Chilis, Piment), ebenfalls in ganzer (090421) und gemahlener oder zerkleinerter Form (090422).
Im Zeitraum 2015 bis 2025 entwickelte sich der EU-Außenhandel mit diesen Gewürzen entlang mehrerer struktureller Linien. Die Importmengen stiegen um 35,8 % auf 190.042 t, die Exportmengen um 39,9 % auf 57.464 t. Die Importwerte wuchsen dabei nur um 5,5 % auf 727,7 Mio. EUR, was auf deutlich gesunkene durchschnittliche Importpreise (−22,3 %) zurückzuführen ist. Die Exportwerte hingegen stiegen um 40,4 % auf 272,9 Mio. EUR, bei nahezu unveränderten Exportpreisen (+0,3 %). Die Handelsbilanz weist ein anhaltendes Defizit auf, das sich von −495,3 Mio. EUR auf −454,8 Mio. EUR leicht verengte.
Im Folgenden werden die drei zentralen Marktdynamiken analysiert: die divergente Preis- und Produktentwicklung zugunsten von Capsicum, die geografische Neuausrichtung der Handelsströme sowie der Aufstieg Spaniens zur EU-Verarbeitungsdrehscheibe.
1. Capsicum als Wachstumsmotor: Divergente Preis- und Volumenentwicklungen
1.1 Die Importpreise für Pfeffer durchliefen eine extreme Boom-Bust-Phase, während Capsicum-Preise bemerkenswert stabil blieben
Die Preisentwicklungen der vier Unterpositionen von CN 0904 verliefen im untersuchten Zeitraum höchst unterschiedlich. Der durchschnittliche Importpreis für ganzen Pfeffer (090411) stürzte von 9.076 EUR/t im Jahr 2015 auf lediglich 2.614 EUR/t im Jahr 2020 ab — ein Rückgang von 71 %. Dieser dramatische Preisverfall ist auf die massive Ausweitung der Pfefferproduktion in Vietnam zurückzuführen, das in den 2010er-Jahren zum weltweit größten Pfefferexporteur aufstieg und die Weltmärkte mit Überangebot flutete. Auch der Importpreis für gemahlenen Pfeffer (090412) sank im selben Zeitraum von 7.108 EUR/t auf 3.321 EUR/t (−53 %). Ab 2021 setzte eine deutliche Erholung ein: Der Preis für ganzen Pfeffer erreichte 2025 wieder 6.854 EUR/t, lag damit aber immer noch 24,5 % unter dem Ausgangsniveau.
Im Gegensatz dazu blieben die Importpreise für Capsicum-Produkte bemerkenswert stabil. Getrocknete ganze Paprika (090421) wurden 2015 zu 2.166 EUR/t und 2025 zu 2.304 EUR/t importiert (+6,4 %). Gemahlene Paprika (090422) verzeichneten einen moderaten Anstieg von 1.901 auf 2.208 EUR/t (+16,1 %). Selbst während der Pandemie 2020 lagen die Capsicum-Preise nur marginal unter dem Ausgangsniveau.
| Segment | 2015 (EUR/t) | 2020 — Tiefpunkt (EUR/t) | 2025 (EUR/t) | Veränderung 2015–2025 |
|---|---|---|---|---|
| 090411 – Pfeffer, ganz | 9.076 | 2.614 | 6.854 | −24,5 % |
| 090412 – Pfeffer, gemahlen | 7.108 | 3.321 | 7.041 | −0,9 % |
| 090421 – Capsicum, ganz | 2.166 | 2.081 | 2.304 | +6,4 % |
| 090422 – Capsicum, gemahlen | 1.901 | 1.677 | 2.208 | +16,1 % |
Quelle: Produktsegmentvergleich
1.2 Capsicum-Produkte haben den Pfeffer als mengenmäßig dominierende Importkategorie überholt
Während die Importmenge für ganzen Pfeffer (090411) über den gesamten Zeitraum praktisch stagnierte (49.921 t → 49.879 t; −0,1 %), verzeichneten die Capsicum-Produkte ein kräftiges Wachstum. Am stärksten entwickelte sich gemahlene Paprika (090422), deren Importvolumen von 30.818 t auf 55.822 t (+81,1 %) stieg. Auch ganze getrocknete Paprika (090421) legten von 49.184 t auf 69.922 t (+42,2 %) zu. In Summe machten Capsicum-Produkte 2025 bereits 66,1 % der Importmenge aus (2015: 57,2 %).
| Segment | 2015 (t) | 2025 (t) | Veränderung | Anteil 2025 |
|---|---|---|---|---|
| 090411 – Pfeffer, ganz | 49.921 | 49.879 | −0,1 % | 26,2 % |
| 090412 – Pfeffer, gemahlen | 10.042 | 14.420 | +43,6 % | 7,6 % |
| 090421 – Capsicum, ganz | 49.184 | 69.922 | +42,2 % | 36,8 % |
| 090422 – Capsicum, gemahlen | 30.818 | 55.822 | +81,1 % | 29,4 % |
| Gesamt | 139.965 | 190.042 | +35,8 % | 100 % |
Quelle: Produktsegmentvergleich
Auf der Exportseite ist die Dominanz von Capsicum noch ausgeprägter: Gemahlene Paprika (090422) machten 2025 mit 179,7 Mio. EUR bereits 65,9 % des gesamten EU-Exportwerts aus (2015: 38,8 %), bei einem Volumenwachstum von 26.076 t auf 46.694 t (+79,1 %). Gleichzeitig sanken die Exportmengen in allen anderen Segmenten — ganzer Pfeffer (090411) verlor 25,1 %, gemahlener Pfeffer (090412) ebenfalls 25,1 % und ganze getrocknete Paprika (090421) sogar 47,5 %. Die EU hat sich damit zunehmend auf die Verarbeitung von getrocknetem Capsicum zu gemahlenem Paprika spezialisiert.
1.3 Die Handelsbilanz verbesserte sich zeitweise deutlich, verschlechtert sich aber zuletzt wieder
Die EU weist im Handel mit CN 0904 grundsätzlich ein strukturelles Defizit auf, da die Importe die Exporte deutlich übersteigen. Im Jahr 2015 betrug das Defizit 495,3 Mio. EUR. Durch den starken Rückgang der Pfefferimportpreise und ein vorübergehend günstiges Preis-Niveau verengte sich die Lücke auf ein Minimum von −198,6 Mio. EUR. Da jedoch die Importvolumina — insbesondere bei Capsicum — weiter wuchsen und sich die Pfefferpreise ab 2021 wieder erholten, lag das Defizit 2025 bei −454,8 Mio. EUR. Die Verbesserung gegenüber 2015 beträgt damit lediglich 8,2 %.
2. Geografische Neuausrichtung der Beschaffungs- und Absatzmärkte
2.1 Vietnam und China festigen ihre Vormachtstellung, während traditionelle Lieferanten an Boden verlieren
Die Importpartnerstruktur der EU hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental verschoben. Vietnam und China, die beiden größten Lieferanten, haben ihren gemeinsamen Anteil an den EU-Importen von 47,3 % (325,9 Mio. EUR) auf 63,7 % (463,3 Mio. EUR) ausgeweitet. Vietnam blieb mit einem Anstieg von 212,3 Mio. EUR auf 282,4 Mio. EUR (+33,0 %) der mit Abstand wichtigste Lieferant. China vergrößerte seinen Importwert sogar um 59,2 % von 113,6 Mio. EUR auf 180,9 Mio. EUR und löste Brasilien als zweitwichtigsten Partner ab.
Demgegenüber verloren mehrere traditionelle Lieferanten erheblich an Bedeutung:
| Partnerland | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vietnam | 212,3 | 282,4 | +33,0 % |
| China | 113,6 | 180,9 | +59,2 % |
| Brasilien | 117,7 | 73,4 | −37,6 % |
| Indien | 70,0 | 42,1 | −39,8 % |
| Indonesien | 87,1 | 33,0 | −62,1 % |
| Peru | 10,5 | 10,7 | +1,7 % |
| Thailand | 2,8 | 1,2 | −57,6 % |
Quelle: Top-Handelspartner nach Wert
Am stärksten betroffen ist Indonesien, dessen Exporte in die EU um 62,1 % von 87,1 Mio. EUR auf nur noch 33,0 Mio. EUR schrumpften. Auch Thailand (−57,6 %), Indien (−39,8 %) und Brasilien (−37,6 %) verloren deutlich. Diese Verschiebung spiegelt sowohl die Wettbewerbsvorteile vietnamesischer und chinesischer Produzenten (Kosten, Logistik, Produktionsvolumen) als auch möglicherweise klimatische Ertragseinbußen in traditionellen Anbauregionen wider.
2.2 Die EU-Exportmärkte wachsen breit gestreut, mit den USA als dynamischstem Absatzmarkt
Im Gegensatz zu den Importen verlief das Exportwachstum breit gestreut über verschiedene Zielmärkte. Alle sieben wichtigsten Exportpartner verzeichneten Zuwächse:
| Zielmarkt | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| USA | 52,3 | 87,8 | +67,7 % |
| Vereinigtes Königreich | 50,6 | 54,1 | +7,0 % |
| Russland | 13,4 | 16,3 | +22,0 % |
| Schweiz | 11,6 | 14,5 | +25,3 % |
| Kanada | 6,1 | 8,7 | +44,2 % |
| Australien | 5,3 | 6,9 | +30,7 % |
| Ägypten | 1,7 | 3,1 | +81,6 % |
Quelle: Top-Handelspartner nach Wert
Die USA haben sich mit einem Plus von 67,7 % (von 52,3 Mio. EUR auf 87,8 Mio. EUR) zum mit Abstand wichtigsten Exportmarkt entwickelt und das Vereinigtes Königreich überholt, das mit lediglich +7,0 % nur moderat wuchs. Ägypten (+81,6 %) und Kanada (+44,2 %) zeigen ebenfalls starkes Wachstum, wenngleich auf niedrigerem Niveau. Der Anteil der sieben wichtigsten Exportziele am Gesamtexportwert sank leicht von 72,6 % auf 70,1 %, was auf eine leichte Diversifizierung der Absatzmärkte hindeutet.
2.3 Preisvolatilität und Versorgungsschocks konzentrieren sich auf einzelne Handelspartner
Die Preisvolatilität, gemessen am Variationskoeffizienten (CV), variiert zwischen den Handelspartnern erheblich. Auf der Importseite weisen Thailand (CV 0,54) und Indonesien (CV 0,17 im Vergleich zu 0,31) eine überdurchschnittliche Schwankung auf, während China (CV 0,19) und Indien (CV 0,17) als große Lieferanten relativ stabile Preise bieten. Auf der Exportseite fällt das Vereinigtes Königreich durch seine außergewöhnliche Preisstabilität auf (CV 0,07), während Algerien (CV 0,45) und Norwegen (CV 0,33) höhere Schwankungen zeigen.
Zwischen 2015 und 2025 wurden drei nennenswerte Preisversorgungsschocks identifiziert:
| Ereignis | Typ | Richtung | Zeitpunkt | Abnormalität | Preisänderung | Anteil am Gesamtwert |
|---|---|---|---|---|---|---|
| China | Preis | Import | 2022 | 13,7 | +31,3 % | 34,1 % |
| Japan | Preis | Export | 2021 | 30,5 | +15,6 % | 2,3 % |
| Australien | Preis | Export | 2022 | 11,4 | +25,3 % | 3,5 % |
Der mit Abstand bedeutsamste Schock betraf die EU-Importe aus China im Jahr 2022: Mit einer abnormalen Preisverschiebung von 31,3 % und einem Anteil von 34,1 % am gesamten Importwert dürfte dieser Schock mit Chinas strikter Null-COVID-Politik, Lieferkettenstörungen und steigenden Produktionskosten zusammenhängen. Der Japan-Schock bei den Exporten (Abnormalität 30,5) hatte zwar die höchste statistische Auffälligkeit, betraf aber nur 2,3 % des Exportwerts.
3. Verarbeitungsmacht Spanien und zunehmende Importkonzentration
3.1 Spanien hat sich zum führenden EU-Verarbeiter und -Exporteur von Gewürzen entwickelt
Die innergemeinschaftliche Handelsstruktur hat sich im untersuchten Zeitraum grundlegend verändert, wobei Spanien die bemerkenswerteste Transformation durchlaufen hat. Spaniens Importe von Drittländern stiegen von 98,8 Mio. EUR auf 159,9 Mio. EUR (+61,9 %), die Exporte in Drittländer sogar von 72,3 Mio. EUR auf 157,1 Mio. EUR (+117,3 %). Damit hat sich Spanien sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten zum zweitwichtigsten EU-Mitgliedstaat entwickelt — bei den Exporten überholt es Deutschland sogar deutlich.
Spaniens Spezialisierungskoeffizient (RCA) von 4,22 im Jahr 2025 bedeutet, dass der Anteil der Gewürzausfuhren am gesamten spanischen Exportportfolio mehr als viermal so hoch ist wie im EU-Durchschnitt. Der standardisierte Spezialisierungsindikator (RSCA 0,62) bestätigt diese Sonderstellung. Das Muster deutet auf eine effiziente Wertschöpfungskette hin: Spanien importiert getrocknetes Capsicum — insbesondere aus Nordafrika und Südamerika — verarbeitet es zu gemahlenem Paprika und exportiert dieses in Drittmärkte, allen voran in die USA.
| Mitgliedstaat | RCA (2025) | RSCA (2025) | Anteil am EU-Gewürzexport |
|---|---|---|---|
| Spanien | 4,22 | 0,62 | 24,5 % |
| Lettland | 3,65 | 0,57 | 1,2 % |
| Estland | 2,28 | 0,39 | 0,8 % |
| Niederlande | 1,43 | 0,18 | 20,7 % |
| Rumänien | 1,34 | 0,14 | 2,2 % |
Quelle: Spezialisierung der Mitgliedstaaten
3.2 Deutschland und die Niederlande verlieren Marktanteile, Österreich gewinnt hinzu
Während Spanien an Boden gewann, verloren die traditionell großen EU-Handelsmitgliedstaaten an Bedeutung. Deutschlands Importe sanken von 260,4 Mio. EUR auf 241,0 Mio. EUR (−7,4 %), die Exporte sogar von 37,5 Mio. EUR auf 23,5 Mio. EUR (−37,3 %). Noch stärker betroffen sind die Niederlande, deren Exporte von 22,6 Mio. EUR auf 12,1 Mio. EUR (−46,6 %) einbrachen.
| Mitgliedstaat | Importe 2015 (Mio. EUR) | Importe 2025 (Mio. EUR) | Veränderung | Exporte 2015 (Mio. EUR) | Exporte 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Deutschland | 260,4 | 241,0 | −7,4 % | 37,5 | 23,5 | −37,3 % |
| Spanien | 98,8 | 159,9 | +61,9 % | 72,3 | 157,1 | +117,3 % |
| Niederlande | 123,8 | 108,8 | −12,1 % | 22,6 | 12,1 | −46,6 % |
| Frankreich | 71,6 | 64,2 | −10,3 % | 27,2 | 28,1 | +3,4 % |
| Italien | 30,3 | 27,7 | −8,6 % | 6,5 | 8,0 | +23,2 % |
| Polen | 18,5 | 21,5 | +16,0 % | 8,7 | 5,5 | −36,7 % |
| Schweden | 19,4 | 14,8 | −23,8 % | — | — | — |
Quelle: EU-Mitgliedstaaten im Drittlandshandel
Besonders hervorzuheben ist Österreich, dessen Exporte in Drittländer von 6,2 Mio. EUR auf 17,4 Mio. EUR (+179,8 %) zulegten — das stärkste relative Wachstum aller EU-Mitgliedstaaten.
3.3 Die Konzentration der EU-Importquellen hat deutlich zugenommen
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für die Importkonzentration nach Wert stieg von 1.785 auf 2.304 (+29,1 %). Während ein HHI unter 1.500 als unkonzentriert gilt und Werte über 2.500 eine hohe Konzentration anzeigen, bewegt sich die EU-Importstruktur damit am oberen Ende der moderaten Konzentration und nähert sich der Schwelle zur hohen Konzentration. Noch deutlicher fällt der Anstieg bei der volumenbasierten Konzentration aus: Der HHI nach Menge erhöhte sich von 2.178 auf 2.956 (+35,7 %), was bereits eine hohe Konzentration signalisiert.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| HHI Importe (nach Wert) | 1.785 | 2.304 | +29,1 % |
| HHI Importe (nach Menge) | 2.178 | 2.956 | +35,7 % |
| HHI Exporte (nach Wert) | 1.542 | 1.556 | +0,9 % |
| HHI Exporte (nach Menge) | 1.622 | 1.807 | +11,4 % |
Quelle: Handelskonzentration (HHI)
Im Gegensatz dazu blieb die Exportkonzentration nahezu unverändert (HHI nach Wert: 1.542 → 1.556; +0,9 %). Die EU exportiert ihre Gewürze somit in eine breite Palette von Märkten, bezieht ihre Rohstoffe aber zunehmend aus weniger Quellen. Dieses asymmetrische Muster birgt ein nicht zu unterschätzendes geopolitisches und Lieferkettenrisiko: Eine Störung der Produktion oder des Exports in Vietnam oder China — den beiden Ländern, die 2025 gemeinsam 63,7 % der EU-Importe ausmachten — hätte erhebliche Auswirkungen auf die europäische Gewürzversorgung.
Schlussfolgerung
Der EU-Außenhandel mit Pfeffer und Paprika (CN 0904) hat sich im Zeitraum 2015–2025 entlang dreier zentraler Achsen transformiert.
Erstens hat sich Capsicum als dominante Wachstumskategorie etabliert. Die Importmengen für gemahlene Paprika (+81,1 %) und ganze getrocknete Paprika (+42,2 %) wuchsen weit stärker als die des stagnierenden Pfeffers. Gleichzeitig durchliefen die Pfefferpreise eine extreme Boom-Bust-Phase mit einem Rückgang von über 70 % bis 2020 und einer anschließenden Teilrückgewinnung, während Capsicum-Preise bemerkenswert stabil blieben. Die EU hat sich dabei zunehmend auf die Verarbeitung von getrocknetem Capsicum zu gemahlenem Paprika spezialisiert — ein Segment, das 2025 bereits zwei Drittel des gesamten Exportwerts ausmachte.
Zweitens haben sich die Beschaffungsquellen deutlich verschoben. Vietnam und China haben ihre gemeinsame Dominanz auf fast zwei Drittel der EU-Importe ausgeweitet, während traditionelle Lieferanten wie Indonesien, Brasilien und Indien erheblich an Boden verloren. Die Exportmärkte blieben hingegen breiter gestreut, mit den USA als dynamischstem Wachstumsmarkt.
Drittens hat eine Umstrukturierung innerhalb der EU stattgefunden. Spanien ist zur zentralen Verarbeitungs- und Exportdrehscheibe aufgestiegen, während Deutschland und die Niederlande an Gewicht verloren. Die zunehmende Konzentration der Importquellen (HHI-Anstieg von 1.785 auf 2.304) stellt ein potenzielles Lieferkettenrisiko dar, das angesichts der wachsenden Abhängigkeit von nur zwei asiatischen Hauptlieferanten besondere Aufmerksamkeit erfordert.