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Marktentwicklung: Andere Gewürze (CN 0910) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifcode 0910 umfasst ein breites Spektrum an Gewürzen — darunter Ingwer, Safran, Kurkuma, Thymian, Lorbeerblätter, Curry und diverse andere Gewürze — ausgenommen Pfeffer, Chilis, Vanille, Zimt, Nelken, Muskat, Kardamom und einige weitere Einzelgewürze, die eigene Codes besitzen. Die Analyse des EU-Außenhandels mit Nicht-EU-Ländern im Zeitraum 2015 bis 2025 zeigt eine Phase erheblicher Veränderungen: Die EU hat sich in diesem Marktsegment von einem Nettoimporteur mit moderatem Defizit zu einem stark importabhängigen Markt entwickelt. Die Importe haben sich nahezu verdoppelt, während die Exporte nur moderat wuchsen. Gleichzeitig haben sich sowohl die Lieferantenstruktur als auch die produktspezifischen Dynamiken — angeführt von Ingwer und Kurkuma — grundlegend verschoben.

Weitere Details zum erfassten Warenkorb finden sich in der Übersicht zum Produkt CN 0910.


1. Verdopplung der Importe und Erweiterung des Handelsdefizits

1.1 Die EU-Importe stiegen von 2015 bis 2025 um über 80 %

Der Gesamtwert der EU-Importe aus Drittländern entwickelte sich von 280,8 Mio. € (2015) auf 507,7 Mio. € (2025), was einem Anstieg von 80,8 % entspricht. Parallel dazu stieg das Importvolumen von 110.787 Tonnen auf 191.950 Tonnen (+73,3 %). Der durchschnittliche Importpreis blieb mit einem Anstieg von lediglich 4,4 % (von 2.534 €/t auf 2.645 €/t) weitgehend stabil, was darauf hindeutet, dass das Wertwachstum primär volumengetrieben war — die EU importierte schlicht deutlich mehr Gewürze.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert 280,8 Mio. € 507,7 Mio. € +80,8 %
Importmenge 110.787 t 191.950 t +73,3 %
Importpreis 2.534 €/t 2.645 €/t +4,4 %
Exportwert 179,8 Mio. € 209,2 Mio. € +16,4 %
Exportmenge 38.743 t 31.436 t −18,9 %
Exportpreis 4.639 €/t 6.648 €/t +43,3 %

Gesamtübersicht Handelsströme

1.2 Exporte wuchsen im Wert, schrumpften jedoch im Volumen

Im Gegensatz zu den Importen entwickelten sich die EU-Exporte deutlich schwächer: Der Exportwert stieg lediglich um 16,4 % auf 209,2 Mio. €, während das Exportvolumen sogar um 18,9 % auf 31.436 Tonnen sank. Dies führte zu einem signifikanten Preisanstieg bei Exporten (+43,3 % auf 6.648 €/t), der auf eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produkten und Verarbeitungsstufen hindeutet.

1.3 Das Handelsdefizit vergrößerte sich auf fast 300 Mio. €

Aus der divergierenden Entwicklung resultierte eine massive Ausweitung des Handelsdefizits von −101,0 Mio. € (2015) auf −298,5 Mio. € (2025) — eine Verschlechterung um 195,5 %. Die EU ist in diesem Segment zunehmend auf Drittlandslieferungen angewiesen. Die wachsende Nachfrage nach Gewürzen — verstärkt durch veränderte Ernährungsgewohnheiten und den Boom bestimmter Produkte wie Ingwer und Kurkuma — übersteigt die Fähigkeit der EU, diese über eigene Exporte und Veredelung auszugleichen.


2. Strukturwandel der Handelspartnerschaften: Aufstieg Brasiliens und Perus, Bedeutungsverlust des Vereinigten Königreichs

2.1 China blieb der dominante Lieferant, aber das Wachstum kam aus Südamerika

China war im gesamten Zeitraum der wichtigste EU-Lieferant für Gewürze der Kategorie 0910 und steigerte seine Lieferungen von 74,4 Mio. € auf 135,8 Mio. € (+82,6 %). Die mit Abstand dynamischsten Wachstumsraten zeigten jedoch südamerikanische Lieferanten:

Lieferant 2015 2025 Veränderung
China 74,4 Mio. € 135,8 Mio. € +82,6 %
Indien 27,3 Mio. € 62,9 Mio. € +130,9 %
Brasilien 8,0 Mio. € 41,9 Mio. € +422,9 %
Peru 12,9 Mio. € 39,7 Mio. € +207,8 %
Türkei 14,7 Mio. € 28,3 Mio. € +92,9 %
Vereinigtes Königreich 33,6 Mio. € 17,7 Mio. € −47,4 %
Nigeria 6,7 Mio. € 2,8 Mio. € −58,1 %

Top-Handelspartner nach Wert

2.2 Brasilien und Peru als neue Schlüssellieferanten

Brasilien verfünffachte seine Exporte in die EU nahezu (von 8,0 Mio. € auf 41,9 Mio. €) und Peru verdreifachte seine Lieferungen (von 12,9 Mio. € auf 39,7 Mio. €). Beide Länder profitierten vom stark wachsenden Ingwer- und Kurkumabedarf der EU. Brasilien ist hierbei sowohl für Ingwer als auch für Kurkuma ein bedeutender Produzent, Peru insbesondere für Ingwer. Der extrem hohe Variationskoeffizient bei Brasilien (CV = 0,63) und Peru (CV = 0,46) zeigt jedoch, dass diese Lieferbeziehungen noch relativ volatil und möglicherweise anfällig für Ernte- und Preisschwankungen sind.

2.3 Der Brexit-Effekt: Das Vereinigte Königreich als rückläufiger Handelspartner

Das Vereinigte Königreich verlor seine Rolle als drittgrößter Importeur von EU-Gewürzen: Die Importe sanken von 33,6 Mio. € (2015) auf 17,7 Mio. € (2025), ein Rückgang um 47,4 %. Nach dem Brexit und dem Ende der Zollunion verlagerten sich Handelsströme — das Vereinigte Königreich importiert zunehmend direkt aus Drittländern statt über die EU. Die extreme Volatilität (CV = 0,68) und der im Zeitraum 2021 festgestellte Preisschock (Anstieg um 65,7 %) unterstreichen die Handelsverwerfungen in dieser Übergangsphase.

2.4 Die Handelskonzentration bei Importen nahm leicht ab

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert sank von 1.459 (2015) auf 1.287 (2025), was eine leichte Diversifizierung der Importquellen anzeigt. Die EU hat sich also nicht nur stärker, sondern auch breiter aufgestellt. Bei den Exporten blieb der HHI nahezu unverändert (865 → 887), was auf stabile Absatzmärkte hindeutet.

Handelskonzentration (HHI)

2.5 Die Niederlande und Spanien dominieren innerhalb der EU

Innerhalb der EU waren die Niederlande mit großem Abstand der wichtigste Importeur (von 93,0 Mio. € auf 220,9 Mio. €, +137,5 %), was ihre Rolle als Handels- und Logistikdrehscheibe widerspiegelt. Spanien (58,6 Mio. € → 87,8 Mio. €, +49,8 %) und Deutschland (42,7 Mio. € → 73,4 Mio. €, +71,8 %) folgten. Bei den Exporten innerhalb der EU waren die Niederlande (35,4 Mio. €) und Spanien (70,7 Mio. €) ebenfalls führend, wobei Spanien die Niederlande als größten EU-Exporteur überholte.

EU-Mitgliedstaaten als Importeure/Exporteure


3. Produktdynamik: Ingwer als Volumentreiber, Kurkuma als stärkster Wachstumsmotor und Safran als hochvolatiler Nischenmarkt

3.1 Ingwer (ganz) dominiert das Importvolumen und wuchs um fast 90 %

Das mit Abstand größte Teilprodukt innerhalb von CN 0910 ist Ingwer, weder gemahlen noch sonst zerkleinert (CN 091011). Das Importvolumen stieg von 69.184 Tonnen (2015) auf 130.505 Tonnen (2025), ein Anstieg von 88,6 %. Der Importwert entwickelte sich von 98,0 Mio. € auf 211,8 Mio. € (+116,2 %). Damit entfielen 2025 rund 42 % des gesamten Importwerts und 68 % des Importvolumens auf dieses Einzelprodukt.

Der Preis für Ingwer (ganz) schwankte zwischen 1.069 €/t (2016) und 2.008 €/t (2023), was auf Ernteschwankungen und Nachfrageeffekte zurückzuführen ist. Der Anstieg auf 2.008 €/t im Jahr 2023 und der Rückgang auf 1.623 €/t im Jahr 2025 deuten auf eine zwischenzeitliche Angebotsverknappung hin, die sich mittlerweile entspannte.

Ingwer, gemahlen oder zerkleinert (CN 091012) wuchs von 5.234 t auf 8.396 t (+60,4 %), blieb aber volumenmäßig deutlich kleiner. Der Exportpreis für gemahlenen Ingwer stieg deutlich auf 7.062 €/t (2025), was auf eine höhere Wertschöpfung durch Verarbeitung in der EU hindeutet.

3.2 Kurkuma: Das dynamischste Teilprodukt mit verdreifachtem Volumen

Kurkuma (CN 091030) verzeichnete das stärkste relative Wachstum aller Teilprodukte: Das Importvolumen stieg von 8.947 Tonnen auf 20.666 Tonnen (+131 %), der Importwert von 18,1 Mio. € auf 51,1 Mio. € (+182,3 %). Der Kurkuma-Boom spiegelt den globalen Gesundheits- und Superfood-Trend wider, der auch in der EU zu einer stark gesteigerten Nachfrage führte.

Der Kurkuma-Preis stieg von 2.020 €/t (2015) auf 2.471 €/t (2025), wobei der Anstieg insbesondere 2024 (2.470 €/t) und 2025 stattfand. Die Hauptlieferanten für Kurkuma sind traditionell Indien und in zunehmendem Maße auch andere tropische Herkunftsländer.

3.3 Safran: Geringes Volumen, extreme Preisdynamik und hohe Volatilität

Safran (CN 091020) zeigt ein völlig anderes Bild. Das Importvolumen sank drastisch von 506 Tonnen (2015) auf lediglich 152 Tonnen (2025) — ein Rückgang von 70 %. Gleichzeitig explodierten die Preise: Von 124.411 €/t (2015) auf 538.018 €/t (2025), was einem Anstieg von über 332 % entspricht.

Jahr Safran-Importvolumen (t) Safran-Importpreis (€/t)
2015 506 124.411
2017 650 102.138
2019 588 69.395
2021 146 243.593
2023 152 366.579
2025 152 538.018

Der dramatische Einbruch der Safran-Mengenimporte — bei gleichzeitigem Preisanstieg — deutet auf eine Verknappung des Angebots hin, möglicherweise verstärkt durch Klimaeffekte in den Hauptanbauländern (Iran, Afghanistan) sowie Qualitäts- und Betrugsprobleme im Safranhandel. Die starken Preisschwankungen (der Exportpreis sank 2019 sogar auf 182.607 €/t) unterstreichen die extreme Volatilität dieses Nischenmarktes. Der Importwert von Safran blieb dennoch hoch bei 81,7 Mio. € (2025), was Safran trotz geringer Mengen zum zweitwertvollsten Einzelprodukt in dieser Kategorie macht.

Produktsegmentvergleich

3.4 Gewürzmischungen und „andere Gewürze": Preisgetriebene Exportentwicklung

Gewürzmischungen (CN 091091) sind das wichtigste Exportprodukt der EU in diesem Segment, wobei das Exportvolumen von 17.466 Tonnen auf 8.727 Tonnen sank (−50 %), der Exportpreis jedoch von 3.726 €/t auf 7.590 €/t stieg (+103,7 %). Die EU exportiert also weniger, aber hochwertigere Mischungen — ein Hinweis auf die Verlagerung hin zu Premium- und Convenience-Produkten.

„Andere Gewürze" (CN 091099) verzeichneten ebenfalls steigende Preise bei sinkenden Exportmengen (8.030 t → 6.071 t; Preis 5.269 €/t → 7.916 €/t). Der Importpreis für dieses Segment stieg moderater von 2.996 €/t auf 3.850 €/t.

3.5 Preisschocks: Brasilien 2023 und Belarus 2020

Im Zeitraum 2015–2025 wurden mehrere signifikante Preisschocks identifiziert. Der stärkste war ein Importpreisschock bei Brasilien im Jahr 2023 (Anomaliegrad 14,9, Preisanstieg 56,1 %), der bei einem Importwertanteil von 11,0 % erhebliche Auswirkungen hatte — möglicherweise verursacht durch Ernteausfälle oder Nachfrageeffekte im brasilianischen Ingweranbau. Ein Importpreisschock aus dem Vereinigten Königreich 2021 (Anomaliegrad 12,5, Preisanstieg 65,7 %) korrespondiert mit den Brexit-Handelsverwerfungen. Bei den Exporten fiel ein extremer Preisschock nach Belarus im Jahr 2020 (Anomaliegrad 141,8) auf, der jedoch bei nur 1,4 % Wertanteil begrenzte Bedeutung hatte.

Preisschocks im Detail


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Gewürze der Kategorie CN 0910 hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental verändert. Drei zentrale Trends prägen die Entwicklung:

Erstens: Ein starkes, volumengetriebenes Importwachstum, das zu einer Verdopplung des Handelsdefizits führte. Die EU importierte 2025 knapp 192.000 Tonnen Gewürze dieser Kategorie — ein Zeichen für die steigende Bedeutung dieser Produkte in der europäischen Ernährung.

Zweitens: Eine deutliche Verschiebung der Lieferantenstruktur — weg vom Vereinigten Königreich (Brexit-Effekt) und Nigeria, hin zu Brasilien und Peru als neuen, wachstumsstarken Lieferanten. Die Handelskonzentration nahm leicht ab, was auf eine breitere Diversifizierung der Beschaffungsquellen hindeutet.

Drittens: Produktspezifische Dynamiken, die von Ingwer als Mengen- und Kurkuma als Wachstumstreiber dominiert werden, während Safran als hochpreisige Nische extreme Volatilität aufweist. Gleichzeitig verschiebt sich die EU-Exportseite hin zu hochwertigeren, weiterverarbeiteten Produkten (Gewürzmischungen, gemahlener Ingwer), was auf eine zunehmende Spezialisierung der europäischen Gewürzindustrie hindeutet.

Insgesamt ist die EU in diesem Marktsegment zunehmend importabhängig, diversifiziert ihre Bezugsquellen und verlagert eigene Exporte auf höherwertige Verarbeitungsstufen. Die Abhängigkeit von wenigen großen Lieferanten — allen voran China und Indien — sowie die hohe Preissensitivität bei Nischenprodukten wie Safran bleiben dabei zentrale Risikofaktoren.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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