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Marktentwicklung: Muskatnüsse Kardamomen (CN 0908) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifcode 0908 (Muskatnüsse, Muskatblüte, Amomen und Kardamomen) umfasst eine heterogene Gruppe tropischer Gewürze, die für die EU ein klassisches Importprodukt darstellen. Im Zeitraum 2015 bis 2025 stiegen die EU-Importe dieses Warenkorbs von 63,5 Mio. EUR auf 98,3 Mio. EUR (+54,8 %), während die exportierten Werte von 11,9 Mio. EUR auf 20,3 Mio. EUR (+71,0 %) wuchsen. Die Handelsbilanz blieb durchgehend negativ und weitete sich von −51,6 Mio. EUR auf −78,0 Mio. EUR aus. Diese Zahlen deuten auf einen Markt hin, der nicht nur mengenmäßig, sondern insbesondere preislich dynamisch war — mit tiefgreifenden Verschiebungen bei Lieferanten, Produktsegmenten und der Wertschöpfungskette.


1. Preisgetriebenes Wachstum: Der Wertzuwachs übersteigt die Mengenentwicklung deutlich

1.1 Importpreise stiegen deutlich schnelter als Importvolumen

Der Vergleich der Anfangs- und Endwerte zeigt ein klares Muster: Während die importierte Menge im Zeitraum 2015–2025 um 22,5 % von 6.380 t auf 7.819 t zunahm, stieg der Importwert um 54,8 % auf 98,3 Mio. EUR. Der durchschnittliche Importpreis erhöhte sich demnach von 9.950 EUR/t auf 12.570 EUR/t (+26,3 %). Der Preisanstieg war somit der dominante Wachstumstreiber — er erklärt rund die Hälfte der gesamten Wertsteigerung.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importvolumen (t) 6.380 7.819 +22,5 %
Importwert (EUR) 63.483.997 98.284.531 +54,8 %
Importpreis (EUR/t) 9.950 12.570 +26,3 %

Quelle: Übersicht CN 0908

1.2 Auf der Exportseite ist der Preiseffekt noch ausgeprägter

Die EU exportierte 2015 1.007 t und 2025 nur 1.054 t (+4,7 %) — mengenmäßig also kaum Wachstum. Der Exportwert stieg dennoch von 11,9 Mio. EUR auf 20,3 Mio. EUR (+71,0 %). Der durchschnittliche Exportpreis verdichtete sich von 11.775 EUR/t auf 19.232 EUR/t (+63,3 %). Dies legt nahe, dass die EU als Veredelungsstandort fungiert: Gewürze werden importiert, in der EU verarbeitet (gemahlen, portioniert, verpackt) und zu deutlich höheren Stückpreisen wieder ausgeführt.

1.3 EU-Exporte erzielen systematisch höhere Preise als Importe

Kennzahl Importpreis 2025 Exportpreis 2025 Exportprämie
Durchschnitt (EUR/t) 12.570 19.232 +53 %

Die Exportpreise liegen 2025 im Schnitt über 50 % über den Importpreisen. Diese Differenz spiegelt die Wertschöpfung durch Weiterverarbeitung innerhalb der EU wider und erklärt, warum der Handelsbilanzdefizit sich mengenmäßig weit weniger stark ausweitet als wertmäßig.


2. Diversifizierung der Bezugsquellen: Guatemalas Aufstieg und Indonesiens relativer Bedeutungsverlust

2.1 Die Importkonzentration nahm deutlich ab

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für die Importe nach Wert fiel von 4.184 (2015) auf 2.809 (2025), was einem Rückgang von 32,9 % entspricht. Ein HHI unter 2.500 gilt als moderat konzentriert; der Markt hat sich also in Richtung größerer Lieferantenpluralität bewegt. Die Abhängigkeit von einzelnen Herkunftsländern ist gesunken.

HHI (Importe, Wert) 2015 2025 Veränderung
Indexwert 4.184 2.809 −32,9 %

Quelle: Konzentrationsanalyse

2.2 Guatemala: Vom Nischenlieferanten zum zweitgrößten Importpartner

Die spektakulärste Veränderung vollzog sich bei Guatemala. Der mittelamerikanische Staat — weltweit größter Kardamomproduzent — steigerte seine Exporte in die EU von 7,3 Mio. EUR (2015) auf 35,2 Mio. EUR (2025), ein Plus von 379,3 %. Guatemala stieg damit vom fünftgrößten zum zweitgrößten Lieferanten der EU auf, noch vor Vietnam, Grenada und Indien.

Lieferant Importwert 2015 (EUR) Importwert 2025 (EUR) Veränderung
Indonesien 39.504.484 37.020.868 −6,3 %
Guatemala 7.334.572 35.154.686 +379,3 %
Vietnam 7.424.498 7.445.026 +0,3 %
Indien 1.424.694 4.515.192 +216,9 %
Sri Lanka 1.524.088 2.814.101 +84,6 %
Vereinigtes Königreich 1.523.975 2.838.588 +86,3 %
Grenada 3.034.542 1.976.070 −34,9 %

Quelle: Länderpartner (Importe)

2.3 Indonesien verteidigt die Führungsposition, verliert aber Marktanteile

Indonesien blieb über den gesamten Zeitraum der wichtigste Einzellieferant der EU, doch sein Anteil am Gesamtimportwert sank erheblich. Der Wert stagnierte nominal (39,5 Mio. EUR → 37,0 Mio. EUR; −6,3 %), während der Gesamtmarkt um 54,8 % wuchs. Indonesiens Marktanteil fiel damit von rund 62 % auf unter 38 %. Indonesien ist traditionell der Hauptlieferant für Muskatnüsse und Muskatblüte — Produkte, die im Verhältnis zum stark wachsenden Kardamomsegment an Bedeutung verloren.

2.4 Die Volatilität variiert stark zwischen den Lieferanten

Die Variationskoeffizienten (CV) der Importwerte zeigen, dass Indonesien mit einem CV von nur 0,078 der stabilste Lieferant ist, während Länder wie Tansania (CV 1,51) und die Türkei (CV 0,71) sehr schwankungsanfällig sind. Guatemala, obwohl stark wachsend, zeigt mit einem CV von 0,187 eine moderate Volatilität — ein Zeichen für zunehmende Handelsverflechtung.

Lieferant CV (Importwert) Stabilitätsbewertung
Indonesien 0,078 Sehr stabil
Guatemala 0,187 Moderat stabil
Grenada 0,265 Moderat
Sri Lanka 0,110 Stabil
Vietnam 0,647 Volatil
Tansania 1,514 Sehr volatil

Quelle: Volatilitätsanalyse

2.5 Die Niederlande und Deutschland dominieren den EU-Binnenmarkt

Auf Empfängerseite innerhalb der EU sind die Niederlande mit 39,2 Mio. EUR der größte Importeur (2025), gefolgt von Deutschland (24,7 Mio. EUR). Beide Länder wuchsen im Einklang (+41 %). Bemerkenswert ist der Anstieg Schwedens von 1,6 Mio. EUR auf 6,0 Mio. EUR (+275 %) sowie Italiens und Frankreichs um jeweils über 65 %.

EU-Mitgliedstaat Importwert 2015 (EUR) Importwert 2025 (EUR) Veränderung
Niederlande 27.802.956 39.239.049 +41,1 %
Deutschland 17.492.499 24.661.168 +41,0 %
Italien 6.584.539 10.986.998 +66,9 %
Frankreich 3.798.283 6.781.308 +78,5 %
Schweden 1.586.502 5.952.125 +275,2 %
Spanien 1.866.981 3.637.857 +94,9 %
Belgien 2.395.784 2.407.355 +0,5 %

Quelle: EU-Reporter (Importe)

Die Spezialisierungsanalyse bestätigt die zentrale Rolle der Niederlande: Mit einem RSCA-Wert von 0,559 und einem RCA von 3,54 weisen sie die höchste Exportspezialisierung innerhalb der EU auf — ein Hinweis auf ihre Funktion als zentraler Umschlag- und Veredelungsort für tropische Gewürze in Europa.


3. Struktureller Wandel im Produktmix: Kardamom verdrängt die Muskatnuss als wertmäßig dominantes Segment

3.1 Der Anteil von Kardamom am Importwert hat sich verdreifacht

Die Analyse der Produktsegmente zeigt eine fundamentale Verschiebung innerhalb der Warengruppe 0908. Der Anteil von Kardamom und Amomen (090831 + 090832) am gesamten Importwert stieg von 15,8 % (2015) auf 48,7 % (2025). Umgekehrt sank der Anteil der Muskatnüsse (090811 + 090812) von 67,9 % auf 35,5 %. Muskatblüte (090821 + 090822) verlor ebenfalls leicht an Anteil.

Produktsegment Importwert 2015 (EUR) Anteil 2015 Importwert 2025 (EUR) Anteil 2025
Muskatnüsse (090811 + 090812) 43.125.889 67,9 % 34.867.763 35,5 %
Muskatblüte (090821 + 090822) 10.350.292 16,3 % 15.505.528 15,8 %
Kardamom/Amomen (090831 + 090832) 10.007.817 15,8 % 47.911.240 48,7 %

3.2 Kardamompreise stiegen dramatisch — insbesondere für ganze Samen

Der Preisanstieg bei Kardamom war der mit Abstand größte Einzeltreiber der gesamten Marktentwicklung. Der Importpreis für ganze Kardamomsamen (090831) explodierte von 6.808 EUR/t (2015) auf 21.306 EUR/t (2025) — ein Plus von 213 %. Damit hat sich Kardamom vom günstigsten zum teuersten Produktsegment innerhalb von CN 0908 entwickelt.

Produkt Preis 2015 (EUR/t) Preis 2025 (EUR/t) Veränderung
090831 — Kardamom, ganz 6.808 21.306 +213,0 %
090832 — Kardamom, gemahlen 12.776 16.703 +30,7 %
090822 — Muskatblüte, gemahlen 12.060 17.254 +43,1 %
090821 — Muskatblüte, ganz 11.139 15.962 +43,3 %
090812 — Muskatnüsse, gemahlen 10.792 7.696 −28,7 %
090811 — Muskatnüsse, ganz 10.567 7.413 −29,9 %

Die Preise für Muskatnüsse sanken hingegen um rund 30 % — ein gegenläufiger Trend, der die Verschiebung der Wertanteile zusätzlich verstärkte. In Kombination mit Guatemalas massivem Ausbau der Kardamomexporte in die EU erklärt dies den dramatischen Anstieg des Importwerts.

3.3 Der Trend zur Weiterverarbeitung verstärkt sich

Innerhalb aller drei Hauptprodukte zeigt sich ein konsistenter Strukturwandel: Produkte in gemahlener/zerkleinerter Form wachsen mengenmäßig schneller als ganze Samen. Bei Muskatnüssen nahm die importierte Menge gemahlener Ware (090812) von 1.592 t auf 2.751 t zu (+72,8 %), während ganze Muskatnüsse (090811) von 2.455 t auf 1.848 t sanken (−24,7 %). Bei Kardamom stieg die gemahlene Variante (090832) von 37 t auf 249 t (+565 %), wenn auch auf niedrigem Niveau. Bei der Muskatblüte zeigte sich ein ähnliches Bild: Gemahlene Muskatblüte (090822) wuchs von 408 t auf 664 t (+63 %), während ganze Muskatblüte (090821) von 488 t auf 254 t sank (−48 %).

Dies deutet darauf hin, dass die Nachfrage in der EU zunehmend in Richtung verarbeiteter, gebrauchsfertiger Gewürzformate verschoben wird — sowohl im Lebensmitteleinzelhandel als auch in der Lebensmittelindustrie.

3.4 Preispreise im Export bestätigen die Veredelungsfunktion

Die EU exportiert verarbeitete Gewürzprodukte durchgehend zu höheren Preisen als sie importiert werden. Besonders auffällig ist dies bei Kardamom: Exportpreis für gemahlenen Kardamom (090832) lag 2025 bei 24.406 EUR/t gegenüber einem Importpreis von 16.703 EUR/t — eine Veredelungsmarge von über 46 %. Bei ganzen Kardamomsamen lag der Exportpreis (23.181 EUR/t) ebenfalls über dem Importpreis (21.306 EUR/t).

Produkt Importpreis 2025 (EUR/t) Exportpreis 2025 (EUR/t) Marge
090832 — Kardamom, gemahlen 16.703 24.406 +46 %
090831 — Kardamom, ganz 21.306 23.181 +9 %
090812 — Muskatnüsse, gemahlen 7.696 12.953 +68 %
090822 — Muskatblüte, gemahlen 17.254 17.543 +2 %

Dies bestätigt die Rolle der EU — insbesondere der Niederlande und Deutschlands — als Drehkreuz für Gewürzverarbeitung und Re-Export.


Fazit

Der EU-Markt für Muskatnüsse, Muskatblüte, Amomen und Kardamomen (CN 0908) hat sich zwischen 2015 und 2025 in dreifacher Hinsicht grundlegend gewandelt:

  1. Preisdominanz über Mengenwachstum: Der Wertzuwachs wurde überwiegend durch steigende Preise getrieben, nicht durch mengenmäßige Expansion. Dies gilt sowohl für Importe als auch — in verstärktem Maße — für Exporte.

  2. Lieferantendiversifizierung: Guatemala ist zum zweitgrößten EU-Lieferanten aufgestiegen und hat gemeinsam mit Indien das zuvor stark auf Indonesien konzentrierte Lieferantengefüge erheblich diversifiziert. Der HHI sank um fast ein Drittel.

  3. Strukturelle Segmentverschiebung: Kardamom hat die Muskatnuss als wertmäßig dominantes Segment innerhalb von CN 0908 abgelöst — ein Trend, der sowohl durch explodierende Kardamompreise als auch durch die Erweiterung der Lieferbasis (Guatemala) getrieben wurde. Gleichzeitig verschiebt sich die Nachfrage hin zu gemahlenen/verarbeiteten Produkten.

Die EU bleibt ein Nettoimporteur mit einem strukturellen Defizit von 78 Mio. EUR (2025), dessen Veredelungsfunktion sich in systematisch höheren Exportpreisen widerspiegelt. Die anhaltende Preisvolatilität bei einigen Lieferanten sowie die starke Konzentration des Kardamomwachstums auf wenige Herkunftsländer bergen mittelfristig Versorgungsrisiken, die eine weitere Diversifizierung der Bezugsquellen ratsam erscheinen lassen.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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