Live-Daten erkunden

Marktentwicklung: Zimt (CN 0906) — 2015–2025

Einführung

Der Zimthandel der Europäischen Union mit Drittländern hat sich im Zeitraum 2015–2025 erheblich dynamisiert. Die Gesamtübersicht zeigt, dass die Importe von 33,9 Mio. € (2015) auf 70,0 Mio. € (2025) stiegen (+106,4 %), während die Einfuhrmengen lediglich von 13.952 t auf 17.849 t wuchsen (+27,9 %). Dieser deutliche Unterschied zwischen Wert- und Mengenentwicklung spiegelt einen substanziellen Preisanstieg wider: Der durchschnittliche Importpreis kletterte von 2.432 €/t auf 3.923 €/t (+61,3 %). Auch die Ausfuhren entwickelten sich positiv – von 8,6 Mio. € auf 16,8 Mio. € (+97,0 %) –, konnten das rasch wachsende Handelsdefizit jedoch nicht kompensieren. Die Handelsbilanz verschlechterte sich von −25,4 Mio. € auf −53,2 Mio. €. Der folgende Bericht beleuchtet die wesentlichen strukturellen Veränderungen dieses Marktes.


1. Vietnam als neuer Hauptakteur: Strukturelle Umwälzung der Lieferantenlandschaft

Der Aufstieg Vietnams zum zweitgrößten EU-Lieferanten

Die Länderanalyse der Importe enthüllt eine der bemerkenswertesten Entwicklungen im untersuchten Zeitraum: Vietnam stieg von einem Importwert von lediglich 1,8 Mio. € (2015) auf 17,7 Mio. € (2025) auf – ein Anstieg von fast 900 %. Damit hat sich Vietnam vom fünftgrößten zum zweitgrößten Lieferanten der EU entwickelt und nähert sich dem langjährigen Marktführer Indonesia an, der im gleichen Zeitraum von 18,0 Mio. € auf 23,3 Mio. € wuchs (+29,4 %).

Lieferant 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Indonesia 18,0 23,3 +29,4 %
Viet Nam 1,8 17,7 +899,5 %
Sri Lanka 7,4 11,7 +57,1 %
China 1,6 6,7 +327,3 %
Madagascar 2,9 6,6 +126,7 %

Diversifizierung der Importquellen

Die zunehmende Bedeutung Chinas (+327,3 %) und Madagaskars (+126,7 %) sowie der bemerkenswerte Aufstieg Tansanias (von 2.836 € auf 815.513 €) unterstreichen den Trend zur Diversifizierung. Dies spiegelt sich auch im Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) wider: Die Importkonzentration sank von 3.426 (2015) auf 2.208 (2025), was einem Rückgang von 35,6 % entspricht. Die EU hat ihre Zimtimporte somit erheblich breiter gestreut und die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten reduziert. Bemerkenswert ist, dass die Schwankungsanalyse bei Vietnam einen Variationskoeffizienten von 0,54 zeigt – relativ volatil, was auf ein noch nicht vollständig etabliertes Handelsmuster hindeuten könnte.

Hauptimportländer innerhalb der EU

Innerhalb der EU sind die Niederlande mit 20,3 Mio. € der größte Importeur, gefolgt von Deutschland (17,5 Mio. €) und Spanien (8,7 Mio. €). Deutschland verzeichnete dabei das stärkste Wachstum (+209,9 %), was auf die zunehmende Bedeutung Deutschlands als Distributionszentrum für Gewürze in Europa hindeuten könnte.


2. Gemahlener Zimt dominiert das Mengenwachstum: Produktsegmentanalyse

Ground cinnamon als Wachstumstreiber

Die Produktaufschlüsselung zeigt eine klare Verschiebung in der Zusammensetzung der Zimtimporte. Der gemahlene Zimt (CN 090620) entwickelte sich zum dominanten Wachstumstreiber:

Segment Beschreibung Menge 2015 (t) Menge 2025 (t) Wachstum
090620 Gemahlener/zerteilter Zimt 4.105 9.510 +131,6 %
090619 Ganzer Zimt (ohne Ceylon) 6.450 5.162 −20,0 %
090611 Ceylon-Zimt, ganz 3.397 3.177 −6,5 %

Gemahlener Zimt machte 2025 mit 9.510 t bereits 53,3 % der gesamten Einfuhrmenge aus (2015: 29,4 %). Im Wert stieg der Import von gemahlenem Zimt von 8,4 Mio. € auf 32,0 Mio. € (+282,5 %) – die stärkste Wertentwicklung aller Segmente.

Höhere Preise bei Ceylon-Zimt

Die Preisanalyse nach Segmenten offenbart eine klare Preishierarchie. Ceylon-Zimt (090611) wird durchgehend am höchsten bewertet, was auf die geringere Verfügbarkeit und die höhere Qualitätsperzeption dieses „echten" Zimts zurückzuführen ist:

Segment Importpreis 2015 (€/t) Importpreis 2025 (€/t)
090611 (Ceylon) 3.538 5.318
090619 (andere, ganz) 2.100 4.088
090620 (gemahlen) 2.037 3.368

Besonders beachtlich sind die Exportpreise für Ceylon-Zimt: Hier stieg der Preis von 9.490 €/t auf 19.093 €/t – eine Verdopplung, die auf den zunehmenden Verarbeitungsmehrwert im EU-Export hindeutet.

Rückläufiger Ganz-Zimt trotz stabiler Ceylon-Preise

Der Rückgang ganzer Zimtsorten bei gleichzeitigem Wachstum des gemahlenen Segments deutet auf eine Verschiebung der Nachfrage hin: Die Lebensmittelverarbeitung und der Convenience-Trend begünstigen vorgefertigte Zimtprodukte. Die relativ stabile Menge bei Ceylon-Zimt (090611) – trotz deutlicher Preisanstiege – spricht für eine beständige Nischennachfrage, die weniger preissensitiv ist.


3. Steigende Preise und Schocks: Volatilität und Herausforderungen

Globaler Preistrend nach oben

Die durchschnittlichen Importpreise stiegen im gesamten Zeitraum kontinuierlich an, mit einem besonders starken Anstieg zwischen 2020 und 2022. Der Spitzenwert wurde 2022 mit 4.882 €/t erreicht, bevor die Preise bis 2025 auf 3.923 €/t moderat zurückgingen. Auch die Exportpreise folgten diesem Trend und erreichten 2025 mit 8.225 €/t ihren Höchststand im Zeitraum.

Identifizierte Preisschocks

Die Analyse von Angebotschocks identifizierte drei signifikante Ereignisse:

Partner Schocktyp Richtung Abnormalität Preisänderung Zeitpunkt
Canada Preis Export 10,2 +92,6 % 2021
Viet Nam Preis Export 5,6 +112,2 % 2022
Albanien Preis Export 2,0 +25,4 % 2017

Der auffälligste Schock betraf die Exportpreise nach Kanada im Jahr 2021 (Abnormalitätswert: 10,2), wo sich die Preise fast verdoppelten. Dies könnte mit pandemiebedingten Lieferkettenunterbrechungen und erhöhten Transportkosten zusammenhängen. Der Vietnam-Schock im Jahr 2022 korreliert mit der globalen Inflationsphase und den Energiepreisspitzen nach dem Beginn des Ukraine-Konflikts.

Volatilitätsunterschiede zwischen Handelspartnern

Die Schwankungsintensität variiert erheblich zwischen den Handelspartnern. Bei den Importen weisen Tansania (CV: 0,75) und Israel (CV: 0,75) die höchste Volatilität auf, während Indonesien als Hauptlieferant relativ stabil agiert (CV: 0,29). Bei den Exporten zeigt das Vereinigte Königreich als größter Abnehmer eine bemerkenswert geringe Schwankung (CV: 0,12), was auf ein etabliertes und verlässliches Handelsverhältnis hindeutet.

Exportmärkte: Nachfrage aus Drittländern wächst robust

Die Exportanalyse nach Ländern zeigt, dass die EU ihre Zimt-Exporte insbesondere in die Schweiz (+314,4 %), nach Norwegen (+193,6 %) und in die Russische Föderation (+171,0 %) stark ausbauen konnte. Innerhalb der EU waren Österreich (+462,2 %) und Spanien (+309,9 %) die dynamischsten Wachstumsmärkte. Die Spezialisierungsanalyse zeigt, dass Estland (RSCA: 0,71) und die Niederlande (RSCA: 0,45) die stärkste komparative Spezialisierung im Zimtexport aufweisen.


Schlussfolgerung

Der EU-Zimtmarkt hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend gewandelt. Drei zentrale Trends prägen diese Entwicklung: Erstens die geopolitische Umstrukturierung der Lieferketten – insbesondere der Aufstieg Vietnams als Alternative zu Indonesia – und eine damit einhergehende erhebliche Diversifizierung der Importquellen (HHI-Rückgang um 35,6 %). Zweitens die qualitative Verschiebung hin zu gemahlenem Zimt als dominierendem Segment, was auf veränderte Konsumenten- und Industriebedürfnisse verweist. Drittens ein durchgängiger Preisauftrieb, der die Handelswerte stärker steigen ließ als die Mengen und das Handelsdefizit auf 53,2 Mio. € ausweitete.

Die Preisanstiege sind teilweise auf pandemiebedingte und geopolitische Schocks zurückzuführen, wie die identifizierten Abnormalitäten bei Exportpreisen nach Kanada und Vietnam belegen. Die EU bleibt ein Nettoimporteur mit wachsender Nachfrage, wobei die Niederlande und Deutschland als Drehkreuze fungieren. Die gestiegene Diversifizierung der Lieferanten erhöht zwar die Resilienz des Marktes, bringt aber auch neue Volatilitätsrisiken mit sich – wie die hohe Schwankung bei aufstrebenden Lieferanten wie Tansania und Vietnam zeigt.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

Wenn Sie Beratung zur europäischen Handelspolitik benötigen oder Vertretung für Ihre Interessen in Brüssel, kontaktieren Sie mich bitte unter support@tradedashboard.eu. Sie finden meinen Lebenslauf unter dieser Adresse.