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Marktentwicklung: Milch Honig Eier tierische Erzeugnisse (CN 04) — 2015–2025

Einleitung

Der Handel der Europäischen Union mit Nicht-EU-Ländern im Bereich Milch, Milcherzeugnisse, Eier, natürlicher Honig und andere genießbare Waren tierischen Ursprungs (Zollkapitel 04) hat sich zwischen 2015 und 2025 sowohl wert- als auch mengenmäßig deutlich verändert. Der vorliegende Bericht analysiert die Haupttreiber dieser Entwicklung, beleuchtet die Verschiebung von Handelsströmen und arbeitet strukturelle Besonderheiten sowie Schockereignisse heraus. Als Datengrundlage dienen ausschließlich die im verknüpften Dashboard hinterlegten Jahreswerte.


Starkes nominales Exportwachstum bei stagnierenden Mengen: Der Preis als Haupttreiber

Die EU-Ausfuhren erreichen 2025 mit 20,3 Mrd. Euro einen neuen Höchststand und wachsen wertmäßig um fast 60 Prozent gegenüber 2015.

Zwischen 2015 und 2025 stiegen die Extra-EU-Exporte von 12,75 Mrd. EUR auf 20,28 Mrd. EUR – ein Zuwachs von 59,0 %. Bereits ab 2022 lag der Wert durchgehend über 19 Mrd. EUR und erreichte 2025 den Spitzenwert der betrachteten Periode. Der Handelsbilanzüberschuss weitete sich parallel von 10,56 Mrd. EUR auf 16,87 Mrd. EUR aus (+59,7 %). Die detaillierte Übersicht findet sich im Trade Overview.

Die Ausfuhrmenge erhöht sich im gleichen Zeitraum nur um knapp 7 Prozent, der implizite Durchschnittspreis steigt hingegen um 49 Prozent.

Die exportierte Menge wuchs von 5,44 Mio. t auf 5,80 Mio. t (+6,7 %). Der aus Wert und Menge errechnete Einheitspreis kletterte von 2 345 EUR/t auf 3 496 EUR/t (+49,0 %) und erreichte 2025 sein Maximum. Damit war die Wertsteigerung fast vollständig preisgetrieben; die physische Ausfuhrmenge verharrte nahezu auf dem Niveau des Jahres 2019 (6,19 Mio. t). Dies deutet auf eine deutliche Aufwertung des exportierten Warenkorbs hin, die durch gestiegene Weltmarktpreise für Milchfette und Käse begünstigt wurde.

Besonders dynamisch entwickeln sich die Exporte in die USA, nach Korea und in die Schweiz, während das Vereinigte Königreich als größter Einzelmarkt stabil bleibt und China nach einem Zwischenhoch an Dynamik verliert.

Die sieben größten Exportpartner vereinen auch 2025 den Großteil des Wertes auf sich. Das Vereinigte Königreich bleibt mit einem Ausfuhrwert von 4,60 Mrd. EUR (2025) der mit Abstand wichtigste Abnehmer, wuchs jedoch unterdurchschnittlich (+47,6 %). Überproportional legten die Lieferungen in die USA (+102,4 %), nach Korea (+203,6 %) und in die Schweiz (+92,3 %) zu. China verzeichnete nach einem Höchststand 2021 einen Rückgang und lag 2025 mit 1,30 Mrd. EUR nur noch moderat über dem Wert von 2015 (+53,8 %). Die übrigen Bestimmungsländer („Other“) steigerten ihren Anteil deutlich.

Exportpartner Wert 2015 (Mrd. EUR) Wert 2025 (Mrd. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 3,11 4,60 +47,6 %
China 0,84 1,30 +53,8 %
USA 1,04 2,11 +102,4 %
Saudi-Arabien 0,48 0,73 +51,6 %
Algerien 0,41 0,46 +11,9 %
Korea, Rep. 0,24 0,74 +203,6 %
Schweiz 0,44 0,84 +92,3 %
Übrige 6,19 9,52 +53,8 %

Quelle: Top Partners by Value


Importe wachsen mengenstärker als Exporte – Diversifizierung und neue Lieferanten aus der Ukraine

Die EU-Importe steigen wertmäßig um 56 Prozent, die importierte Menge wächst jedoch um fast 26 Prozent – der Preiseffekt ist geringer als auf der Exportseite.

Die Einfuhren aus Nicht-EU-Ländern legten von 2,19 Mrd. EUR (2015) auf 3,41 Mrd. EUR (2025) zu (+55,6 %). Die importierte Menge erhöhte sich gleichzeitig von 1,33 Mio. t auf 1,67 Mio. t (+25,7 %), der implizite Einheitspreis stieg von 1 655 EUR/t auf 2 048 EUR/t (+23,8 %). Im Unterschied zu den Exporten spielte die Mengenausweitung eine substanzielle Rolle; der Preisanstieg fiel moderater aus. Das Jahr 2022 markierte mit 3,01 Mrd. EUR ein Zwischenhoch, dem ein leichter Rückgang folgte, bevor 2025 ein neuer Höchstwert erreicht wurde.

Der Konzentrationsindex (HHI) für Importe sinkt um fast 19 Prozent, weil neue Anbieter wie die Ukraine (+777 %) und Norwegen (+225 %) hinzukommen und traditionelle Lieferanten wie das Vereinigte Königreich und die Schweiz an relativem Gewicht verlieren.

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für die Importseite fiel von 3 428 auf 2 786 (–18,7 %), was eine breitere Streuung der Lieferquellen anzeigt. Siehe Concentration HHI. Der Anteil des Vereinigten Königreichs blieb zwar hoch, doch Länder wie die Ukraine (von 0,05 Mrd. EUR auf 0,42 Mrd. EUR, +777 %), Neuseeland (von 0,09 Mrd. EUR auf 0,22 Mrd. EUR, +139 %) und Norwegen (von 0,01 Mrd. EUR auf 0,05 Mrd. EUR, +225 %) gewannen stark an Bedeutung. Dagegen gingen die Einfuhren aus China um 24 % zurück.

Importpartner Wert 2015 (Mrd. EUR) Wert 2025 (Mrd. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 1,20 1,62 +35,2 %
Schweiz 0,42 0,59 +38,7 %
Ukraine 0,05 0,42 +776,6 %
China 0,13 0,10 –24,1 %
Argentinien 0,03 0,05 +45,8 %
Neuseeland 0,09 0,22 +139,4 %
Norwegen 0,01 0,05 +224,5 %

Innerhalb der EU steigern vor allem Frankreich, Italien und Irland ihre Importe kräftig, was auf eine veränderte intra-EU-Warenverteilung hindeutet.

Auf Ebene der EU-Mitgliedstaaten (als Einfuhrländer aus Drittstaaten) verzeichnen Frankreich (+112,4 %), Italien (+103,5 %) und Irland (+48,2 %) die stärksten Zuwächse bei den Importen aus Nicht-EU-Ländern. Deutschland, traditionell größter Importeur, wuchs nur um 9,7 %. Diese Verschiebungen lassen auf eine Neuordnung innergemeinschaftlicher Warenströme schließen – etwa, dass in einigen Mitgliedstaaten vermehrt Rohstoffe oder Halbfertigwaren importiert und weiterverarbeitet werden, bevor die Erzeugnisse in andere EU-Länder gelangen. Die Werte der einzelnen Berichtsstaaten sind im Dashboard unter Top Reporters by Value einsehbar.


Käse und Butter tragen den Exportboom; der Preisschock 2022 prägt die Handelsstruktur nachhaltig

Die Warengruppe Käse (0406) ist 2025 mit über 9 Milliarden Euro das mit Abstand wichtigste Ausfuhrgut, gefolgt von Butter und Milchfetterzeugnissen (0405), deren Wert sich mehr als verdoppelt hat.

Der Exportwert von Käse und Quark (CN 0406) stieg von 5,02 Mrd. EUR (2015) auf 9,07 Mrd. EUR (2025), eine Zunahme um rund 80 %. Butter und sonstige Fettstoffe aus der Milch (CN 0405) explodierten geradezu von 1,00 Mrd. EUR auf 2,28 Mrd. EUR (+128 %). Auch Milchkonzentrate (0402), flüssige Milch (0401), Molkenerzeugnisse (0404) und fermentierte Milchprodukte (0403) legten überdurchschnittlich zu. Die Eierausfuhr (0407) wuchs hingegen nur verhalten. Die detaillierte Produktaufschlüsselung zeigt das Product Segment Comparison.

Produkt (CN) Exportwert 2015 (Mrd. EUR) Exportwert 2025 (Mrd. EUR) Veränderung
Käse/Quark (0406) 5,02 9,07 +80,8 %
Milchkonzentrate (0402) 3,33 3,52 +5,7 %
Flüssigmilch/Rahm (0401) 0,78 1,54 +95,8 %
Molke/Milchbestandteile (0404) 0,92 1,44 +56,1 %
Fermentierte Milch (0403) 0,71 1,20 +69,3 %
Butter/Fettstoffe (0405) 1,00 2,28 +127,7 %
Vogeleier in Schale (0407) 0,64 0,71 +10,8 %

Die Exportpreise für Butter steigen zwischen 2015 und 2025 um 118 Prozent auf über 8.400 Euro je Tonne, bei Milchkonzentraten und Molkereiprodukten sind deutliche Preisaufschläge zu beobachten, während die Honigimportpreise tendenziell sinken.

Die impliziten Einheitspreise der Ausfuhren verdeutlichen den Preisauftrieb. Butter wurde 2025 mit 8 414 EUR/t gehandelt (2015: 3 863 EUR/t), eine Steigerung um 117,8 %. Auch bei Flüssigmilch (+80,8 %), Käse (+47,5 %) und fermentierten Erzeugnissen (+37,9 %) zogen die Preise kräftig an. Auf der Importseite fiel dagegen der Durchschnittspreis für natürlichen Honig (0409) von 2 533 EUR/t auf 1 982 EUR/t (–21,8 %), was auf ein größeres Angebot oder veränderte Qualitäten hindeuten könnte. Butterimporte verzeichneten ebenfalls einen starken Preisanstieg (von 3 016 EUR/t auf 6 635 EUR/t, +120 %), während der Preis für importierten Käse moderater zulegte (+36 %). Die Preisentwicklungen im Zeitverlauf sind ebenfalls im Product Segment Comparison hinterlegt.

Das Jahr 2022 stellt einen markanten Preisschock dar, der insbesondere bei Exporten nach Korea, Algerien und China sowie bei Importen aus dem Vereinigten Königreich zu überdurchschnittlich hohen Einheitswerten führt.

Die Volatilitäts- und Schockanalyse (Volatility und Supply Shocks) zeigt für 2022 mehrere signifikante Preisausschläge. Auf der Exportseite registrierte das Dashboard Preisschocks unter anderem für Korea (Anomalie 42,0; Preisverschiebung +38,5 %), Algerien (+51,1 %), China (+46,3 %) und Japan (+37,4 %). Diese Ereignisse fielen mit dem globalen Preisdruck infolge des Krieges in der Ukraine, hoher Energiekosten und gestörter Lieferketten zusammen. Importseitig war ein Preisschock für Lieferungen aus dem Vereinigten Königreich zu beobachten (Anomalie 4,4; Preisverschiebung +25,8 %), der die durchschnittlichen Einstandspreise 2022 sprunghaft ansteigen ließ und auch in den Folgejahren noch nachwirkte. Gleichzeitig blieb die Mengenvolatilität bei vielen Exportzielen moderat, was die Stabilität der physischen Lieferbeziehungen unterstreicht.

Die Spezialisierung der EU-Mitgliedstaaten auf dieses Warenkapitel ist ungleich verteilt: 2025 weisen kleine Volkswirtschaften die höchsten RCA-Werte auf, darunter Zypern (RCA 9,53), Luxemburg (3,99) und Lettland (3,35), während größere Industrieländer wie Schweden (0,30) oder Ungarn (0,34) geringe Spezialisierung zeigen. Die vollständige Liste ist auf dem Specialisation Dashboard zu finden.


Schlussfolgerung

Der EU-Außenhandel mit Waren des Kapitels 04 ist zwischen 2015 und 2025 durch ein kräftiges nominales Wachstum gekennzeichnet, das überwiegend aus steigenden Preisen resultiert. Die physische Exportmenge stagniert nahezu, während die Importe mengenmäßig deutlich stärker zulegen. Die EU baut ihren Handelsbilanzüberschuss kontinuierlich aus, gestützt auf hochpreisige Erzeugnisse wie Käse und Butter. Gleichzeitig diversifizieren sich die Importquellen spürbar; die Ukraine ist zum drittwichtigsten Lieferanten aufgestiegen. Der prägnante Preisschock des Jahres 2022 hat die Preisniveaus vieler Segmente nachhaltig verschoben und die Resilienz des Sektors getestet. Innerhalb der EU verschieben sich Handels- und Spezialisierungsmuster, wobei insbesondere Irland und Italien als Exporteure an Bedeutung gewinnen. Insgesamt bleibt die EU ein wettbewerbsstarker Nettoexporteur von Milchprodukten, Eiern und Honig, muss sich jedoch auf volatilere Rohstoffmärkte und geopolitisch bedingte Preisschwankungen einstellen.