Marktentwicklung: Schellack Gummen Harze Pflanzensäfte (CN 13) — 2015–2025
Einleitung
Der Zolltarifcode 13 (CN 13) umfasst Schellack, natürliche Gummen, Harze, Gummiharze, Balsame, Oleoresine sowie Pflanzensäfte, Pflanzenauszüge, Pektinstoffe, Agar-Agar und andere pflanzliche Schleim- und Verdickungsstoffe. Diese Warengruppe bildet eine vielfältige Palette von Roh- und Halbfertigprodukten, die in Branchen wie Lebensmittelindustrie, Pharmazie, Kosmetik und Technik verwendet werden. Der vorliegende Marktbericht analysiert den EU-Außenhandel (Handel mit Drittländern) im Zeitraum von 2015 bis 2025 und beleuchtet die wesentlichen strukturellen Veränderungen, Preis- und Mengendynamiken sowie die Verschiebungen bei Handelspartnern und innerhalb der EU.
Produktübersicht und Definitionen
1. Preisgetriebene Wertschöpfung: Steigende Exportwerte trotz stagnierender Mengen
1.1. Die EU erzielt deutlich höhere Exportpreise bei leicht rückläufigen Volumina
Der auffälligste Trend im gesamten Betrachtungszeitraum ist die fundamentale Entkopplung von Exportwert und Exportmenge. Während der Exportwert von 1,147 Mrd. EUR (2015) auf 1,652 Mrd. EUR (2025) stieg — ein Plus von 44,0 % — ging die Exportmenge gleichzeitig von 127.353 Tonnen auf 122.471 Tonnen leicht zurück (−3,8 %). Dieses Muster lässt sich vollständig durch den Anstieg der durchschnittlichen Exportpreise erklären, die von 9.007 EUR/t auf 13.490 EUR/t kletterten (+49,8 %). Gesamtübersicht Handelsströme
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (EUR) | 1.147.146.864 | 1.652.404.516 | +44,0 % |
| Exportmenge (t) | 127.353 | 122.471 | −3,8 % |
| Exportpreis (EUR/t) | 9.007 | 13.490 | +49,8 % |
1.2. Der Preisunterschied zwischen den Teilsegmenten CN 1302 und CN 1301 ist beträchtlich
Die disaggregierte Produktanalyse zeigt, dass das Segment CN 1302 (Pflanzensäfte, Pflanzenauszüge, Pektinstoffe, Agar-Agar und andere Schleim- und Verdickungsstoffe) die dominante Komponente darstellt — sowohl mengen- als auch wertmäßig. Bei den Exporten belief sich CN 1302 auf 86.211 Tonnen im Wert von 1,413 Mrd. EUR, während CN 1301 (Schellack, natürliche Gummen und Harze) 33.701 Tonnen im Wert von 209 Mio. EUR umfasste. Bemerkenswert ist die enorme Preisdifferenz: CN 1302-Exporte wurden 2025 durchschnittlich mit 16.385 EUR/t gehandelt, CN 1301 hingegen mit nur 6.201 EUR/t. Der Exportpreis für CN 1302 stieg seit 2015 um 85,3 % (von 8.841 EUR/t), während CN 1301 einen Preisanstieg von 71,3 % verzeichnete (von 3.619 EUR/t). Segmentvergleich nach Produkt
1.3. Die Importpreise stiegen moderater als die Exportpreise
Im Gegensatz zu den Exporten wuchs die Importmenge deutlich — von 206.218 Tonnen (2015) auf 271.833 Tonnen (2025), ein Plus von 31,8 %. Der Importwert erhöhte sich von 913,8 Mio. EUR auf 1.398,9 Mio. EUR (+53,1 %), wobei der durchschnittliche Importpreis von 4.431 EUR/t auf 5.146 EUR/t anstieg (+16,1 %). Dieses Muster ist konsistent mit einer wachsenden EU-Nachfrage nach pflanzlichen Roh- und Zwischenprodukten, die zu niedrigeren Preisen als die EU-Exporte gehandelt werden — ein Hinweis auf die höhere Veredelungsstufe der EU-Ausfuhren.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importwert (EUR) | 913.778.819 | 1.398.878.813 | +53,1 % |
| Importmenge (t) | 206.218 | 271.833 | +31,8 % |
| Importpreis (EUR/t) | 4.431 | 5.146 | +16,1 % |
2. Asiatische und afrikanische Lieferanten gewinnen an Bedeutung, China festigt seine Position
2.1. China ist der mit Abstand wichtigste Importpartner der EU
Mit einem Importvolumen von 375,2 Mio. EUR im Jahr 2025 (+122,5 % gegenüber 168,7 Mio. EUR in 2015) hat China seine Stellung als wichtigster Lieferant der EU im Segment CN 13 massiv ausgebaut. Der Anteil Chinas am gesamten EU-Importwert belief sich auf rund 26,8 %, was die starke Abhängigkeit der EU von chinesischen Lieferungen in diesem Bereich unterstreicht. Top-Importpartner nach Wert
| Lieferant | 2015 (EUR) | 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| China | 168.658.290 | 375.233.916 | +122,5 % |
| Indien | 127.988.537 | 226.068.345 | +76,6 % |
| Sudan | 69.378.025 | 94.617.062 | +36,4 % |
| Vereinigtes Königreich | 54.999.875 | 52.904.084 | −3,8 % |
| Tschad | 13.485.249 | 47.664.883 | +253,5 % |
| Brasilien | 26.653.114 | 36.134.438 | +35,6 % |
| Vietnam | 66.384 | 22.729.389 | +34.139 % |
2.2. Vietnam und Tschad sind die dynamischsten neuen Lieferanten
Besonders auffällig ist der dramatische Anstieg der Importe aus Vietnam, die von praktisch null (66.384 EUR in 2015) auf 22,7 Mio. EUR in 2025 explodierten — ein Zuwachs von über 34.000 %. Vietnam hat sich damit innerhalb eines Jahrzehnts zu einem signifikanten Lieferanten entwickelt, was auf die zunehmende Integration des Landes in globale Agrar- und Naturstoff-Lieferketten hindeuten kann. Ebenso bemerkenswert ist die Entwicklung der Importe aus dem Tschad (+253,5 % von 13,5 Mio. EUR auf 47,7 Mio. EUR), die auf das wachsende Interesse an afrikanischen Naturharzen und Gummiprodukten hinweist. Die Volatilität bei vietnamesischen Importen ist außergewöhnlich hoch (Variationskoeffizient von 1,38), was auf eine noch instabile, aber stark wachsende Handelsbeziehung schließen lässt. Volatilitätsanalyse
2.3. Die Exportziele der EU verschieben sich: Wachstum in den USA und Schweiz, Rückgang in Russland
Auf der Exportseite sind die Vereinigten Staaten mit 389,9 Mio. EUR (2025) das mit Abstand wichtigste Ziel der EU-Ausfuhren, obwohl der Wert gegenüber dem Spitzenjahr 2022 (624,7 Mio. EUR) bereits wieder deutlich gesunken ist. Ein bemerkenswerter Anstieg zeigt sich bei den Exporten in nicht näher spezifizierte Länder und Gebiete (von 19,7 Mio. EUR auf 198,6 Mio. EUR, +909 %), was teilweise auf geänderte Meldemethoden oder militärische/geheime Lieferungen zurückzuführen sein könnte. Die Schweiz entwickelte sich zu einem zunehmend wichtigen Handelspartner (+72,3 %), während die Exporte in die Russische Föderation um 46,3 % sanken — von 73,5 Mio. EUR auf 39,5 Mio. EUR. Dieser Rückgang ist vermutlich auf die nach 2022 verschärften Sanktionsregelungen und Handelsbeschränkungen zurückzuführen. Top-Exportpartner nach Wert
| Abnehmer | 2015 (EUR) | 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigte Staaten | 274.403.582 | 389.946.229 | +42,1 % |
| N.n. Länder | 19.690.770 | 198.589.183 | +908,5 % |
| Vereinigtes Königreich | 86.232.885 | 101.123.105 | +17,3 % |
| China | 62.792.841 | 94.031.732 | +49,7 % |
| Schweiz | 46.210.575 | 79.626.581 | +72,3 % |
| Mexiko | 38.791.537 | 59.147.340 | +52,5 % |
| Russische Föderation | 73.539.315 | 39.514.397 | −46,3 % |
3. Steigende Markt-Konzentration und wachsende Spezialisierung innerhalb der EU
3.1. Die Importkonzentration nimmt zu, die Exportkonzentration bleibt moderat
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe stieg von 900 auf 1.208 (+34,2 %), was auf eine zunehmende Konzentration der Importe auf wenige Hauptlieferanten hindeutet. Insbesondere China und Indien haben ihre Marktanteile ausgeweitet, während kleinere Lieferanten an relativer Bedeutung verloren haben. Der Export-HHI blieb mit einem Anstieg von 870 auf 968 (+11,3 %) vergleichsweise moderat, was eine breitere Streuung der EU-Exportziele widerspiegelt. Konzentrationsanalyse HHI
| Index | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| HHI Importe (Wert) | 900 | 1.208 | +34,2 % |
| HHI Exporte (Wert) | 870 | 968 | +11,3 % |
| HHI Importe (Menge) | 1.545 | 1.082 | −30,0 % |
| HHI Exporte (Menge) | 720 | 800 | +11,2 % |
3.2. Frankreich und Spanien sind die exportstärksten EU-Mitgliedstaaten
Innerhalb der EU zeigt sich eine klare Rangfolge bei den Exportleistungen. Frankreich führt mit 458,3 Mio. EUR Exportwert (+56,5 % gegenüber 2015), gefolgt von Deutschland mit 336,7 Mio. EUR (+20,0 %) und Spanien mit 319,4 Mio. EUR (+92,6 %). Spanien verzeichnete damit den stärksten relativen Zuwachs unter den großen Exporteuren. Auf der Importseite ist Deutschland mit 299,9 Mio. EUR der größte Importeur, dicht gefolgt von Frankreich (273,2 Mio. EUR), wobei die Niederlande den mit Abstand stärksten Zuwachs verzeichneten (+167,3 %). Top-Reporter Exporte | Top-Reporter Importe
3.3. Die Spezialisierung innerhalb der EU ist ungleich verteilt
Die Analyse der Revealed Symmetric Comparative Advantage (RSCA) für 2025 zeigt, dass Spanien (RSCA = 0,513, RCA = 3,11) und Frankreich (RSCA = 0,507, RCA = 3,06) eine deutliche Spezialisierung im Segment CN 13 aufweisen. Deutschland (RCA = 1,19) liegt leicht über dem Durchschnitt, während Länder wie Malta (RCA = 0,006), Ungarn (RCA = 0,026) und Rumänien (RCA = 0,038) kaum in diesem Segment aktiv sind. Dies deutet darauf hin, dass die EU-Produktion und -Veredelung von Schellack, Harzen und Pflanzenauszügen in wenigen Mitgliedstaaten konzentriert ist — vor allem in den südwesteuropäischen Ländern mit traditionell starker Lebensmittel- und Naturstoffindustrie. Spezialisierungsanalyse
| EU-Mitgliedstaat | RCA (2025) | RSCA (2025) | Exportanteil |
|---|---|---|---|
| Spanien | 3,11 | 0,513 | 18,0 % |
| Frankreich | 3,06 | 0,507 | 23,9 % |
| Zypern | 2,58 | 0,441 | 0,08 % |
| Deutschland | 1,19 | 0,088 | 25,3 % |
| Irland | 1,07 | 0,033 | 2,2 % |
Schlussfolgerung
Der EU-Außenhandel mit Waren des Zolltarifcodes 13 hat sich im Zeitraum 2015–2025 durch drei zentrale Dynamiken geprägt: Erstens haben steigende Preise — insbesondere bei exportierten Pflanzenauszügen und Verdickungsstoffen (CN 1302) — zu einem deutlichen Anstieg der Handelswerte geführt, obwohl die physischen Volumina weitgehend stabil blieben oder sogar leicht zurückgingen. Zweitens haben sich die Handelspartnerstrukturen signifikant verschoben: China hat seine Dominanz als Lieferant weiter ausgebaut, während neu hinzugekommene Lieferanten wie Vietnam und der Tschad an Bedeutung gewonnen haben. Die Importkonzentration ist spürbar gestiegen. Auf der Exportseite sind die USA weiterhin das wichtigste Ziel, während Russland an Bedeutung verloren hat. Drittens zeigt sich innerhalb der EU eine zunehmende Spezialisierung, wobei Frankreich und Spanien die komparativen Vorteile in diesem Segment am stärksten ausprägen. Insgesamt bildet CN 13 einen Markt mit wachsendem Wert, zunehmender internationaler Verflechtung und sich verteilenden Risiken durch höhere Konzentration bei den Importquellen.