Marktentwicklung: Schellack Gummen Harze Pflanzensäfte (CN 13) — 2015–2025
Einleitung
Die Warenkategorie CN 13 umfasst Schellack, natürliche Gummen, Harze, Gummiharze, Balsame und andere Oleoresine (1301) sowie Pflanzensäfte, -auszüge, Pektinstoffe, Agar-Agar und pflanzliche Verdickungsstoffe (1302). Der vorliegende Bericht analysiert die Entwicklung des Extra-EU-Handels mit diesen Produkten von 2015 bis 2025 anhand des EU Trade Dashboards. Der Handel dieser überwiegend natürlichen Inhaltsstoffe wird von einer starken Preisdynamik und deutlichen Verschiebungen im Partnergefüge geprägt, wie die folgenden drei Abschnitte zeigen.
Wertsteigerung trotz stagnierender Exportmengen – die Preisdynamik als Treiber des Handelswachstums
Die Exportpreise verzeichnen einen Anstieg um 49,8 %, während die Mengen nahezu stagnieren.
Laut Allgemeinem Überblick stieg der EU‑Exportwert von 1,15 Mrd. EUR (2015) auf 1,65 Mrd. EUR (2025), ein Plus von 44,1 %. Im selben Zeitraum schrumpfte die Exportmenge um 3,8 % von 127.352 t auf 122.471 t. Der durchschnittliche Exportpreis kletterte folglich von 9.006 EUR/t auf 13.489 EUR/t (+49,8 %). Das Rekordjahr 2022 mit einem Exportwert von 2,05 Mrd. EUR und einem Preis von 15.948 EUR/t zeigt, dass temporäre Preisspitzen das Wachstum zusätzlich befeuerten.
Der Importwert wächst sowohl mengen- als auch preisbedingt, mit einem Peak im Jahr 2022.
Die Importe verzeichneten ein Wertwachstum von 52,9 % (von 913,6 Mio. EUR auf 1,40 Mrd. EUR). Anders als bei den Exporten war hier ein starkes Mengenwachstum von 31,8 % (206.217 t auf 271.830 t) zu beobachten, während der Importpreis um 16,0 % von 4.430 EUR/t auf 5.138 EUR/t anzog. Im Jahr 2022 erreichten beide Kennziffern mit einem Importwert von 1,64 Mrd. EUR und einer Menge von 367.811 t Höchststände, bevor sie sich in den Folgejahren wieder normalisierten.
Der Handelsbilanzüberschuss der EU bleibt stabil, gestützt durch höherwertige Exporte.
Der EU-Handelsbilanzsaldo belief sich 2015 auf 233 Mio. EUR und 2025 auf 256 Mio. EUR (+9,6 %), wobei 2022 mit 536 Mio. EUR ein vorläufiger Höchstwert erzielt wurde. Der strukturelle Überschuss resultiert aus einem dauerhaft hohen Preisabstand: 2025 lag der Exportpreis bei 13.489 EUR/t gegenüber einem Importpreis von nur 5.138 EUR/t. Dies verdeutlicht die Fähigkeit der EU, niedrigpreisige Rohstoffe zu beziehen und hochpreisig veredelt zu exportieren.
Neue Lieferländer und geopolitische Verwerfungen – das sich wandelnde Partnergefüge
Vietnam entwickelt sich zu einem bedeutenden Importeur mit einer sprunghaften Mengen- und Preisvolatilität.
Die Top-Handelspartner belegen einen kometenhaften Aufstieg Vietnams: Sein Importwert explodierte von 66.384 EUR (2015) auf 22,7 Mio. EUR (2025), ein Plus von 34.139,3 %. Die Analyse der Volatilität und Schocks zeigt einen Variationskoeffizienten der Importmenge von 1,38 – den mit Abstand höchsten Wert aller Partner. Ein Preisschock im Jahr 2017 ließ den Importpreis um 588,7 % auf 5.887 EUR/t schnellen, gefolgt von einer Phase massiver Mengensteigerungen (2022: 95.369 t). Diese extreme Unsicherheit charakterisiert die noch junge Lieferbeziehung.
Die Importe aus China und Indien steigen stark an, während Russland als Exportmarkt an Bedeutung verliert.
China festigte seine Position als wichtigster Importpartner mit einem Wertzuwachs von 122,5 % auf 375,2 Mio. EUR (2025). Auch Indien legte um 76,6 % auf 226,1 Mio. EUR zu. Bei den Exporten zeigte sich eine deutliche Abkehr von Russland: Der Wert sank um 46,3 % von 73,5 Mio. EUR (2015) auf 39,5 Mio. EUR (2025), bedingt durch Handelsrestriktionen. Weitere Importdynamik entstand durch Tschad (+253,5 %) und Sudan (+36,4 %), die vor allem Rohharze und -gummen liefern.
Die Kategorie „nicht spezifizierte Länder“ gewinnt außergewöhnlich an Gewicht.
Der Export in Kategorien, die aus kommerziellen oder militärischen Gründen nicht spezifiziert werden, wuchs um 908,5 % von 19,7 Mio. EUR auf 198,6 Mio. EUR. Dieser sprunghafte Anstieg, der im gesamten Untersuchungszeitraum stabil hoch blieb, deutet auf sensible Lieferungen hin, deren Zielorte vertraulich behandelt werden.
Pflanzenextrakte dominieren das Geschäft – Veredelungsprodukte mit hohem Preisniveau
Pflanzenextrakte (1302) dominieren den Handel mit einem Wertanteil von über 80 %.
Der Vergleich der Produktsegmente zeigt die klare Dominanz der Unterposition 1302 (Pflanzensäfte und -auszüge) gegenüber 1301 (Schellack, Gummen, Harze). Im Jahr 2025 entfielen auf 1302 Importe von 1.135,7 Mio. EUR und Exporte von 1.413,0 Mio. EUR; 1301 erreichte 246,2 Mio. EUR bei den Importen und 209,0 Mio. EUR bei den Exporten. Der Wertanteil von 1302 stieg seit 2015 stetig und macht nun rund 82 % des Einfuhr- sowie 87 % des Ausfuhrwerts aus.
| Warengruppe | Importwert 2015 | Importwert 2025 | Exportwert 2015 | Exportwert 2025 |
|---|---|---|---|---|
| 1302 | 727,9 Mio. EUR | 1.135,7 Mio. EUR | 583,2 Mio. EUR | 1.413,0 Mio. EUR |
| 1301 | 169,5 Mio. EUR | 246,2 Mio. EUR | 122,7 Mio. EUR | 209,0 Mio. EUR |
Die Exportpreise für verarbeitete Extrakte liegen mehrfach über den Importpreisen für Rohgummen.
Die Preisunterschiede zwischen 1302 und 1301 unterstreichen die Wertschöpfungstiefe. Der Exportpreis von 1302 stieg von 8.841 EUR/t (2015) auf 16.385 EUR/t (2025), der Importpreis von 5.943 EUR/t auf 6.326 EUR/t. Bei 1301 lagen die Exportpreise bei 3.619 auf 6.201 EUR/t, die Importpreise bei 2.062 auf 2.712 EUR/t. Die EU importiert folglich überwiegend günstige Rohgummen und -harze und exportiert teure, verarbeitete Extrakte und Verdickungsstoffe.
Spaniens und Frankreichs komparative Vorteile spiegeln die Spezialisierung auf hochwertige Verarbeitung wider.
Die Spezialisierungsmatrix für 2025 weist Spanien (RSCA 0,5129; RCA 3,11) und Frankreich (RSCA 0,5073; RCA 3,06) als mit Abstand am stärksten spezialisierte Exporteure aus. Auch Deutschland (RSCA 0,0882) und Irland (RSCA 0,0328) zeigen positive Spezialisierung, während die meisten mittel- und osteuropäischen Länder kaum an diesem Handelssegment partizipieren. Diese Konzentration der Exportstärke korreliert mit der Produktion von hochpreisigen Pflanzenextrakten und Pektinen für die Lebensmittel- und Pharmaindustrie.
Fazit
Der EU-Handel mit Schellack, Gummen, Harzen und Pflanzenextrakten wuchs zwischen 2015 und 2025 wertmäßig kräftig, nahezu ausschließlich getrieben von steigenden Exportpreisen bei relativ konstanten Mengen. Die EU festigte ihren Handelsbilanzüberschuss, indem sie vermehrt preiswerte Rohstoffe importierte und hochpreisig veredelte Produkte exportierte. Die Partnerstruktur wurde durch den meteoritenhaften Aufstieg Vietnams, die wachsende Dominanz Chinas und Indiens sowie das rückläufige Russlandgeschäft tiefgreifend umgestaltet; eine extreme Volatilität in Preisen und Mengen unterstreicht die Anfälligkeit globaler Lieferketten. Die Dominanz der Pflanzenextrakte (1302) und die klare Spezialisierung einiger südeuropäischer und westlicher Mitgliedstaaten auf diese Hochpreissegmente prägen das Handelsmuster. Zukünftig werden geopolitische Unsicherheiten und die Nachfrage nach natürlichen Inhaltsstoffen die weitere Entwicklung bestimmen.