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Marktentwicklung: Kakaobohnen und Kakaoprodukte (CN 18) — 2015–2025

Einführung

Der vorliegende Bericht analysiert die Entwicklung des Außenhandels der Europäischen Union mit Kakaobohnen und Kakaozubereitungen (CN‑Code 18) im Zeitraum 2015 bis 2025. Betrachtet wird der Warenverkehr mit Nicht‑EU‑Staaten. Die Produktgruppe umfasst sowohl Rohkakao (Bohnen, Bruch) als auch Halbfertigwaren (Masse, Butter, Pulver) und Endprodukte wie Schokolade. Im Fokus stehen die Dynamik von Werten, Mengen und Preisen, die Struktur der Handelspartner sowie die Auswirkungen auf die Autonomie der europäischen Kakaowirtschaft. Die Analyse stützt sich ausschließlich auf die bereitgestellten Daten des Trade Dashboards.

1. Explodierende Werte — Der Kakaopreis treibt den Handel auf Rekordniveau

Die Importwerte der EU haben sich zwischen 2015 und 2025 nahezu verdreifacht, während sich die Mengen kaum verändert haben.

Die monetäre Expansion des EU‑Kakaohandels ist in erster Linie ein Preiseffekt. Die Gesamtwerte und -mengen zeigen bei den Importen einen Anstieg von 7,30 Mrd. EUR (2015) auf 21,89 Mrd. EUR (2025, +199,9 %). Die dazugehörige Mengenausweitung betrug dagegen lediglich 10,4 % (von 2,27 Mio. auf 2,50 Mio. Tonnen). Auf der Exportseite stiegen die Werte von 6,95 Mrd. EUR auf 16,22 Mrd. EUR (+133,2 %), die Mengen nur um 19,1 % (von 1,51 Mio. auf 1,80 Mio. Tonnen). Der durchschnittliche Importpreis je Tonne kletterte von 3 218 EUR auf 8 745 EUR (+171,8 %), der Exportpreis von 4 611 EUR auf 9 027 EUR (+95,8 %).

Der Einbruch der globalen Kakaopreise in den Jahren 2024 und 2025 hat insbesondere die Einfuhrrechnung der EU dramatisch verteuert.

Die Aufgliederung nach Produktsegmenten offenbart, dass Rohkakaobohnen (1801) mit einem Preisanstieg von 2 830 EUR/t auf 8 077 EUR/t (+185 %) den Importwert auf 12,37 Mrd. EUR trieben. Kakaobutter (1804) verteuerte sich von 4 952 EUR/t auf 14 876 EUR/t (+200 %) und trug 3,51 Mrd. EUR zu den Gesamteinfuhren bei. Auch Kakaomasse (1803) und Kakaopulver (1805) verzeichneten Preissteigerungen von rund 200 %. Die Importpreise für Schokolade (1806) legten moderater zu (von 5 040 EUR/t auf 8 483 EUR/t, +68 %), blieben aber unter den Rohstoffpreisen, was die terms of trade für die EU verschlechterte.

Die Handelsbilanz der EU ist infolge des Preisbooms tief ins Minus gerutscht.

Wies die Bilanz 2015 noch ein Defizit von –0,35 Mrd. EUR auf, so schnellte es 2025 auf –5,68 Mrd. EUR empor (Veränderung –1 539,2 %). Das enorme Importwachstum von Roh- und Halbfertigkakao kann durch die, ebenfalls im Wert gestiegenen, Schokoladeexporte bei weitem nicht ausgeglichen werden.

2. Stabile Beschaffungsmuster — Westafrika bleibt dominant, die Exportabsatzmärkte diversifizieren sich

Die Einfuhren der EU werden von einer kleinen Gruppe westafrikanischer Länder bestimmt, deren Liefermengen auch in volatilen Zeiten bemerkenswert konstant blieben.

Die wichtigsten Lieferanten sind Côte d’Ivoire (2025: 8,21 Mrd. EUR, +199,7 %), Ghana (2,64 Mrd. EUR), Nigeria (2,01 Mrd. EUR) und Kamerun (2,07 Mrd. EUR). Trotz des enormen Preisanstiegs variierten die dorthin gelieferten Mengen kaum – die Variationskoeffizienten der Importmengen liegen für Côte d’Ivoire bei 0,11 und für Ghana bei 0,17, was auf sehr stabile physische Handelsströme hindeutet. Lediglich Ecuador (Mengen‑CV 0,37) und kleinere Lieferanten zeigen eine höhere Volatilität. Die Konzentration der Importe, gemessen am Herfindahl‑Hirschman‑Index (HHI), sank von 1 923 auf 1 817 Punkte (-5,6 %), was auf eine langsame Diversifizierung der Bezugsquellen hindeutet.

Im Exportgeschäft behaupten sich das Vereinigte Königreich und die USA als führende Abnehmer, während die Lieferungen in aufstrebende Märkte kräftig zulegen.

Die wichtigsten Exportmärkte sind das Vereinigte Königreich (2025: 4,18 Mrd. EUR, +89,7 % gegenüber 2015) und die Vereinigten Staaten (1,98 Mrd. EUR, +228,3 %). Starkes Wachstum verzeichnen auch die Russische Föderation (1,01 Mrd. EUR, +170,2 %), die Schweiz (1,19 Mrd. EUR, +161,6 %) und die Türkei (0,90 Mrd. EUR, +260,2 %). Die Ukraine exportierte die EU 2025 Waren im Wert von 0,53 Mrd. EUR, ein Anstieg um 502,8 %. Die Export‑HHI sank von 1 256 auf 1 013 (-19,4 %), die Absatzstruktur wird also diverser. Innerhalb der EU sind die Niederlande und Deutschland sowohl auf der Import- als auch auf der Exportseite die mit Abstand größten Handelsdrehkreuze.

3. Vertiefte weltwirtschaftliche Integration und wachsende Rohstoffabhängigkeit

Die Nettoimportabhängigkeit der Europäischen Union hat sich im letzten Jahrzehnt dramatisch erhöht.

Die Nettoimportabhängigkeitsquote (definiert als negativer Wert, wenn die Einfuhren die Ausfuhren übersteigen) fiel von –5,9 % im Jahr 2015 auf –22,7 % im Jahr 2024. Die Kennzahl erreichte 2022 mit –26,6 % ihren Tiefststand. Gleichzeitig kletterte die Exportneigung (Anteil der Ausfuhren an der heimischen Produktion) von 12,9 % auf 39,7 %. Beide Entwicklungen belegen eine tiefere internationale Verflechtung der EU‑Kakaowirtschaft, doch die Importe wuchsen schneller als die Ausfuhren und die Eigenproduktion, sodass der EU‑Markt zunehmend auf Lieferungen aus Drittstaaten angewiesen ist.

Das Produktionsvolumen der EU‑Kakaoverarbeitung nahm zwar zu, konnte aber mit der Importdynamik nicht Schritt halten.

Die heimische Produktionsmenge (erfasst über Prodcom‑Daten) erhöhte sich von 6,32 Mio. Tonnen (2015) auf 7,40 Mio. Tonnen (2024), ein Plus von rund 17 %. Der Produktionswert stieg im selben Zeitraum von 23,31 Mrd. EUR auf 32,36 Mrd. EUR (+38,8 %). Allerdings fiel der Wertzuwachs der Importe (rund +200 %) ungleich stärker aus.

Das Exportportfolio der EU wird von Schokolade und kakaohaltigen Lebensmittelzubereitungen dominiert, während die Importstruktur vom Rohkakao geprägt ist.

Im Jahr 2025 entfielen 10,50 Mrd. EUR der Ausfuhren auf Schokolade (1806), das sind knapp 65 % aller Kakaowaren‑Exporte. Bei den Einfuhren stellten Kakaobohnen (1801) mit 12,37 Mrd. EUR (56 %) den mit Abstand größten Posten, gefolgt von Kakaobutter (1804, 3,51 Mrd. EUR) und Kakaomasse (1803, 3,04 Mrd. EUR). Diese Asymmetrie — der Export hochverarbeiteter Güter bei gleichzeitigem Massenimport von Rohstoffen — macht die EU‑Kakaowirtschaft besonders anfällig für Preisschocks an den Rohstoffmärkten.

Schlussfolgerung

Der EU‑Handel mit Kakaoprodukten hat sich im Zeitraum 2015–2025 grundlegend gewandelt. Ein noch nie dagewesener Anstieg der Rohstoffpreise ließ die nominalen Handelsströme explodieren und bescherte der Union ein historisch hohes Handelsdefizit von –5,7 Mrd. EUR. Die physischen Warenströme blieben indes weitgehend stabil, und die Konzentration der Lieferanten ist moderat rückläufig. Westafrika behauptet seine Rolle als unverzichtbarer Rohstofflieferant, während Schokoladeprodukte aus der EU weltweit gefragt sind. Die entscheidende Herausforderung liegt in der gestiegenen Importabhängigkeit: Die EU verarbeitet und exportiert zwar mehr Kakaoerzeugnisse als je zuvor, muss die dafür benötigten Rohstoffe jedoch zu stark gestiegenen Preisen am Weltmarkt beschaffen. Ohne eine nachhaltige Stabilisierung der Kakaopreise oder eine Steigerung der inländischen Wertschöpfung wird dieser strukturelle Druck auf die Handelsbilanz bestehen bleiben.