Marktentwicklung: Schokolade (CN 1806) — 2015–2025
Einleitung
Der Zollcode CN 1806 umfasst Schokolade und andere kakaohaltige Lebensmittelzubereitungen. Der untersuchte Zeitraum von 2015 bis 2025 zeigt eine bemerkenswerte Entwicklung des EU-Außenhandels mit diesem Produkt. Die Europäische Union hat sich in diesem Zeitraum als zunehmend bedeutender Exporteur etabliert, was sich in einem starken Wachstum der Ausfuhren, einer Diversifizierung der Handelspartner und steigenden Preisen widerspiegelt. Dieser Bericht analysiert die wichtigsten Handelsströme, Marktstrukturen und preislichen Dynamiken. Mehr zum Umfang und den Definitionen des Produkts
1. Starker Exportwachstum und steigender Handelsüberschuss
Die EU verzeichnete im betrachteten Zeitraum ein erhebliches Wachstum ihrer Schokoladenexporte, das sowohl auf Mengen- als auch auf Preissteigerungen zurückzuführen ist. Dies führte zu einer signifikanten Ausweitung des Handelsüberschusses und unterstrich die wettbewerbsstarke Position der EU im globalen Schokoladenmarkt.
1.1 Der Exportwert verdoppelte sich nahezu, getrieben durch Preis- und Mengeneffekte
Die EU-Ausfuhren von CN 1806 stiegen im Wert von 5,38 Mrd. EUR im Jahr 2015 auf 10,50 Mrd. EUR im Jahr 2025, was einer Zunahme von 95,1% entspricht. Dieses bemerkenswerte Wachstum wurde durch einen Preisanstieg von durchschnittlich 66,9% (von 5.173 EUR/t auf 8.635 EUR/t) sowie ein moderates Mengenwachstum von 16,9% (von 1,04 Mio. t auf 1,22 Mio. t) ermöglicht. Details zu den Exportentwicklungen
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (Mrd. EUR) | 5,384 | 10,503 | +95,1% |
| Exportmenge (t) | 1.040.686 | 1.216.233 | +16,9% |
| Durchschn. Exportpreis (EUR/t) | 5.173 | 8.635 | +66,9% |
| Importwert (Mrd. EUR) | 1,263 | 2,628 | +108,1% |
| Importmenge (t) | 250.539 | 309.769 | +23,6% |
| Durchschn. Importpreis (EUR/t) | 5.040 | 8.483 | +68,3% |
1.2 Der Handelsüberschuss wuchs überproportional zum Importwachstum
Obwohl auch die Importe von CN 1806 kräftig stiegen (Wert +108,1%, Menge +23,6%), blieb das Exportwachstum dominant. Der positive Handelsbilanzüberschuss der EU erhöhte sich dadurch von 4,12 Mrd. EUR auf 7,87 Mrd. EUR (+91,1%). Die Netto-Importabhängigkeit wurde dabei noch negativer (von -7,9% auf -32,0%), was bedeutet, dass die EU als Nettoexporteur von Schokolade eine immer stärkere Position einnimmt. Gleichzeitig stieg die Exportquote – also der Anteil der Produktion, der exportiert wird – von 10,6% auf 31,7%, was auf eine zunehmende Exportorientierung der EU-Schokoladenindustrie hindeutet.
2. Veränderte Handelsmuster und zunehmende Diversifizierung der Partner
Die Zusammensetzung der wichtigsten Handelspartner für Schokolade (CN 1806) hat sich zwischen 2015 und 2025 deutlich verändert. Neben den etablierten Märkten gewannen neue Regionen an Bedeutung, was zu einer geringeren Konzentration des Handels führte.
2.1 Die Bedeutung traditioneller Partner blieb hoch, doch neue Märkte wuchsen dynamisch
Das Vereinigte Königreich blieb sowohl für Importe als auch Exporte der mit Abstand wichtigste Partner der EU. Die Exporte dorthin stiegen von 1,81 Mrd. EUR auf 3,27 Mrd. EUR (+80,6%). Besonders dynamisch wuchsen jedoch die Exporte in die USA (+186,6%, auf 1,19 Mrd. EUR) und nach Kanada (+154,9%, auf 0,37 Mrd. EUR). Auf der Importseite verzeichneten Lieferanten aus Côte d'Ivoire (+319,2%), der Türkei (+611,9%) und Serbien (+2.555,0%) extremes Wachstum, was auf eine verstärkte Verlagerung von Kakaoverarbeitung und Zwischenprodukten in diese Regionen hindeuten könnte. Zu den wichtigsten Handelspartnern
| Partner (Exporte) | Wert 2015 (Mrd. EUR) | Wert 2025 (Mrd. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 1,812 | 3,272 | +80,6% |
| Vereinigte Staaten | 0,415 | 1,190 | +186,6% |
| Russische Föderation | 0,261 | 0,468 | +79,3% |
| Partner (Importe) | |||
| Vereinigtes Königreich | 0,524 | 0,822 | +56,9% |
| Schweiz | 0,462 | 0,632 | +36,7% |
| Côte d'Ivoire | 0,099 | 0,416 | +319,2% |
2.2 Die Handelskonzentration nahm ab, was auf einen diversifizierteren Markt hindeutet
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI), ein Maß für die Konzentration, sank bei den Importen von 3.150 auf 1.952 Punkte (-38,0%) und bei den Exporten von 1.354 auf 1.239 Punkte (-8,5%). Ein niedrigerer HHI weist auf eine gleichmäßigere Verteilung des Handels auf mehr Partnerländer hin. Diese Diversifizierung reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten und Absatzmärkten und erhöht die Widerstandsfähigkeit der Handelsströme. Details zur Handelskonzentration (HHI)
3. Preissteigerungen und volatile Märkte im Zeitverlauf
Neben dem Mengenwachstum waren es vor allem steigende Preise, die den Wertzuwachs des EU-Schokoladenhandels prägten. Diese Entwicklung war breit angelegt, wies aber in einigen Segmenten und bei bestimmten Partnern eine erhöhte Volatilität auf.
3.1 Die Preise stiegen über alle Produktsegmente hinweg stark an
Die durchschnittlichen Exportpreise erhöhten sich für alle Unterpositionen von CN 1806 zwischen 2015 und 2025 deutlich. Der Preisanstieg war dabei besonders stark bei ungefüllten Tafeln und Riegeln (CN 180632: von 5.481 EUR/t auf 9.708 EUR/t, +77%) sowie bei Bulkware und flüssigen Zubereitungen (CN 180620: von 3.417 EUR/t auf 7.858 EUR/t, +130%). Dieser weit verbreitete Preisanstieg kann auf Faktoren wie gestiegene Kosten für Rohstoffe (Kakao, Zucker, Energie), Inflation und eine verstärkte Nachfrage nach hochwertigen Produkten zurückgeführt werden. Vergleich der Produktsegmente
| Produktsegment (Exportpreise) | Preis 2015 (EUR/t) | Preis 2025 (EUR/t) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| 180632 – Ungefüllte Tafeln/Riegel | 5.481 | 9.708 | +77,1% |
| 180631 – Gefüllte Tafeln/Riegel | 4.576 | 7.856 | +71,6% |
| 180620 – Bulkware/Flüssig (>2kg) | 3.417 | 7.858 | +130,0% |
| 180690 – Sonstige (≤2kg) | 5.921 | 8.983 | +51,7% |
3.2 Bestimmte Handelsbeziehungen wiesen eine hohe Preis- und Mengenvolatilität auf
Obwohl die Handelsströme insgesamt stabil wuchsen, zeigen Volatilitätskoeffizienten (CV), dass einige Partnerschaften großen Schwankungen unterlagen. Hohe Volatilität bei den Importen aus Serbien (CV von 0,881) und der Ukraine (CV von 0,386) sowie bei Exporten in die Ukraine (CV von 0,396) und nach Saudi-Arabien (CV von 0,261) deuten auf marktspezifische Risiken hin. Zudem wurden spezifische Preisschocks identifiziert, wie z.B. ein abnormaler Preisanstieg bei Importen aus den VAE im Jahr 2019 oder ein Preisrückgang bei Exporten nach Panama im Jahr 2020. Diese Ereignisse könnten mit lokalen Angebots- oder Nachfrageverschiebungen zusammenhängen. Zur Volatilität und zu Schocks
Fazit
Der EU-Außenhandel mit Schokolade (CN 1806) entwickelte sich zwischen 2015 und 2025 äußerst dynamisch. Die Europäische Union festigte ihre Position als global führender Nettoexporteur, wobei sich der Handelsüberschuss fast verdoppelte. Dieses Wachstum wurde überwiegend durch deutliche Preissteigerungen (+66,9% bei Exporten) und nur in zweiter Linie durch Mengenwachstum (+16,9%) getrieben. Gleichzeitig diversifizierte sich die Handelslandschaft: Die Abhängigkeit von einzelnen Partnern nahm ab, während neue Absatzmärkte in Übersee an Bedeutung gewannen. Die Preiserhöhungen waren sektorübergreifend und spiegeln globale Kostensteigerungen wider, wenngleich einige Handelsbeziehungen weiterhin durch Volatilität gekennzeichnet sind. Insgesamt zeigt der Bericht einen robusten und expansiven Markt, der trotz globaler Herausforderungen weiterhin starkes Wachstumspotenzial bietet.