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Marktentwicklung: Schokoladenmasse (CN 180620) — 2015–2025

Einleitung

CN 180620 erfasst Schokolade und andere kakaohaltige Lebensmittelzubereitungen in Großgebinden (> 2 kg) — darunter Schokoladenblöcke, flüssige und pastenförmige Massen, Granulate sowie Kakaoglasur und Chocolate-Milk-Crumb. Diese Position stellt die industrielle Vorstufe der Schokoladenfertigung dar und wird von Confectionery-Herstellern, Bäckereien und der Lebensmittelindustrie als Rohstoff oder Halbfertigprodukt eingekauft.

Im Zeitraum 2015–2025 durchlief der EU-Außenhandel mit dieser Warengruppe eine bemerkenswerte Transformation: Die Exportwerte vervierfasten sich nahezu, die Importwerte stiegen noch deutlicher, und die Einheitspreise verdoppelten sich — angetrieben von einer globalen Kakao-Preiskrise. Der vorliegende Bericht analysiert die zentralen Handelsdynamiken, die sich verändernde Partnerstruktur sowie die segment- und länderspezifischen Entwicklungen.

Produktübersicht auf dem Trade Dashboard


1. Preisschock und Mengenwachstum: Die Verdopplung der Einheitspreise seit 2022

Die EU bleibt durchgehend Nettoexporteur von Schokoladenmasse

Die EU handelt bei CN 180620 durchgängig im Überschuss. Das Handelsbilanzdefizit (Saldo) lag 2015 bei rund 419 Mio. EUR und stieg bis 2025 auf 975 Mio. EUR — ein Plus von 132,8 %. Die Net-Import-Reliance blieb über den gesamten Zeitraum negativ (zwischen −9,2 % und −21,3 %), was die Stellung der EU als Nettolieferant bestätigt. Der Exportüberschuss erreichte seinen Höhepunkt 2025 bei −14,2 %, nachdem er 2022 mit −21,3 % am stärksten ausgeprägt war.

Indikator 2015 2019 2022 2025 Veränderung (Δ %)
Exporte (Wert, Mio. EUR) 603 847 1.050 1.775 +194,2 %
Importe (Wert, Mio. EUR) 184 363 439 799 +333,4 %
Handelssaldo (Mio. EUR) 419 484 611 975 +132,8 %
Exporte (Menge, t) 176.594 225.113 257.531 225.854 +27,9 %
Importe (Menge, t) 54.725 85.485 108.596 106.039 +93,8 %
Exportpreis (EUR/t) 3.417 3.758 4.071 7.858 +130,0 %
Importpreis (EUR/t) 3.370 4.256 4.039 7.539 +123,7 %

Die Preise verdoppelten sich in drei Jahren — ein globaler Kakao-Preisschock

Die Einheitspreise lagen zwischen 2015 und 2021 vergleichsweise stabil im Bereich von 2.800–4.100 EUR/t. Ab 2022 setzte ein drastischer Preisanstieg ein, der sich 2024 und 2025 exponentiell fortsetzte. Der Exportpreis erreichte 2025 mit 7.858 EUR/t sein Maximum — ein Plus von 130,0 % gegenüber 2015. Der Importpreis folgte einem parallelen Pfad (7.539 EUR/t, +123,7 %). Dieser Preisschock spiegelt den globalen Kakao-Preisboom wider, der durch Missernten in Westafrika (insbesondere Côte d'Ivoire und Ghana), wetterbedingte Ertragseinbrüche und spekulative Positionierung an den Terminmärkten ausgelöst wurde.

Bemerkenswert ist, dass die Handelsmengen trotz der Preisexplosion nicht kollabierten. Die Exportmengen lagen 2025 mit 225.854 t nur leicht unter dem Spitzenwert von 257.531 t (2022), was auf eine relativ preisunelastische Nachfrage seitens der Weiterverarbeitungsindustrie hindeutet. Die Importmengen stiegen sogar weiter auf 106.039 t — ein Indiz dafür, dass die EU ihren Bedarf an industrieller Schokoladenmasse trotz der Verteuerung ausbauen musste.

Handelsentwicklung im Dashboard

Die EU-Produktion verdoppelte sich mengenmäßig und vervierfachte sich wertmäßig

Die EU-Inlandsproduktion von CN 180620 stieg von rund 1.003 Mio. kg (2015) auf 1.976 Mio. kg (2025) — ein Plus von 97,1 % mengenmäßig. Im selben Zeitraum vervierfachte sich der Produktionswert nahezu von 1.763 Mio. EUR auf 6.701 Mio. EUR (+280,1 %). Die Differenz zwischen mengen- und wertmäßigem Wachstum unterstreicht den enormen Kostendruck in der Wertschöpfungskette.


2. Neuordnung der Handelsbeziehungen: Serbien als neuer Importpartner und Belgiens Dominanz bei Exporten

Côte d'Ivoire und der Balkan prägen die Importseite

Die Importseite wird von zwei Entwicklungen geprägt:

Erstens festigte Côte d'Ivoire seine Rolle als wichtigster Drittland-Lieferant der EU. Die Importe aus dem westafrikanischen Kakao-Produzenten stiegen von 99 Mio. EUR (2015) auf 392 Mio. EUR (2025), was einem Plus von 294,7 % entspricht. Dies unterstreicht die Abhängigkeit der EU von westafrikanischen Kakaoverarbeitern für industrielle Schokoladenmassen.

Zweitens vollzog sich ein dramatischer Aufstieg Serbiens als Importquelle: von lediglich 198.269 EUR (2015) auf 154,9 Mio. EUR (2025) — ein Anstieg um den Faktor 780. Diese Entwicklung ist im Kontext der zunhmenden Integration der westbalkanischen Lebensmittelindustrie in EU-Lieferketten sowie der Zollpräferenzen im Rahmen des Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens zu sehen.

Rang Importpartner (2025, Wert) 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Δ %
1 Côte d'Ivoire 99 392 +294,7
2 United Kingdom 61 178 +192,9
3 Serbia 0,2 155 +78.023
4 Switzerland 12 26 +123,5
5 Norway 3 13 +330,9
6 Türkiye 0,6 13 +2.149
7 Moldova 1,5 4,5 +198,3

Auch Türkiye (von 0,6 Mio. EUR auf 13,0 Mio. EUR) und Norwegen (von 3,1 Mio. EUR auf 13,3 Mio. EUR) verzeichneten überproportionale Zuwächse bei den EU-Importen.

Das Vereinigte Königreich bleibt größter Exportmarkt — die USA und Kanada gewinnen an Gewicht

Die Exportseite zeigt eine stabilere Partnerstruktur. Das Vereinigte Königreich blieb mit Abstand der wichtigste Abnehmer (2025: 434 Mio. EUR, +130,1 % gegenüber 2015), gefolgt von den USA (247 Mio. EUR, +172,9 %). Kanada verzeichnete mit einem Plus von 268,5 % das stärkste Wachstum unter den Top-Exportzielen (von 20 Mio. EUR auf 75 Mio. EUR).

Rang Exportpartner (2025, Wert) 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Δ %
1 United Kingdom 188 434 +130,1
2 United States 90 247 +172,9
3 Russian Federation 41 107 +161,3
4 Canada 20 75 +268,5
5 China 19 47 +147,5
6 Korea, Republic of 24 47 +93,9
7 Japan 35 39 +9,5

Japan ist mit nur +9,5 % das am schwächsten wachsende Top-Exportziel, was auf eine gewisse Sättigung des hochentwickelten japanischen Marktes hindeuten könnte.

Belgien dominiert den EU-Export; Kroatien und Ungarn werden zu bedeutenden Importeuren

Auf der Mitgliedstaatenebene zeigt sich eine klare Konzentration der Exporte: Belgien war 2025 mit 1.069 Mio. EUR der mit Abstand größte EU-Exporter (+244,0 %), was die zentrale Rolle Belgiens als Drehkreuz der europäischen Schokoladenindustrie (insbesondere durch Hafenstädte wie Antwerpen und Brügge) widerspiegelt. Italien verzeichnete das stärkste relative Exportwachstum unter den Top-Reportern (+517,0 %), von 31 Mio. EUR auf 191 Mio. EUR.

Auf der Importseite überraschen Kroatien (von 21.000 EUR auf 55 Mio. EUR) und Ungarn (von 271.000 EUR auf 39 Mio. EUR) mit exponentiellem Wachstum — ein Hinweis auf die Industrialisierung der Schokoladenverarbeitung in Südost- und Mitteleuropa.

Die Handelskonzentration sinkt — Märkte werden diversifizierter

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) sank sowohl bei Importen als auch bei Exporten:

Indikator 2015 2025 Δ %
HHI Importe (Wert) 4.040 3.294 −18,5 %
HHI Importe (Volumen) 4.092 2.895 −29,3 %
HHI Exporte (Wert) 1.376 996 −27,7 %
HHI Exporte (Volumen) 1.530 1.116 −27,1 %

Die Exporte sind dabei strukturell deutlich diversifizierter als die Importe (HHI ~1.000 vs. ~3.300). Der Rückgang der Importkonzentration spiegelt das Hinzutreten neuer Lieferanten wie Serbien und Türkiye wider.


3. Segmentunterschiede: Hochwertige Kakaobutter-Massen und Kakaoglasur als Wachstumstreiber

18062010 (Kakaobutter ≥ 31 %) bleibt das dominierende Segment — sowohl bei Im- als auch Exporten

Die Produktaufschlüsselung zeigt, dass 18062010 — Schokoladenmassen mit hohem Kakaobuttergehalt (≥ 31 Gew.-%) — das mengen- und wertmäßig größte Subsegment darstellt:

Importe nach Subsegment (Wert, Mio. EUR):

Subsegment 2015 2019 2022 2025 Δ %
18062010 (Kakaobutter ≥ 31 %) 118 124 169 375 +218,3
18062095 (Kakaobutter < 18 %) 23 49 37 126 +458,7
18062070 (Chocolate-Milk-Crumb) 5 24 42 84 +1.589,9
18062030 (Milchfett 25–31 %) 24 23 31 82 +235,2
18062050 (Kakaobutter 18–31 %) 10 20 24 98 +845,1
18062080 (Kakaoglasur) 4 9 11 34 +696,1

Exporte nach Subsegment (Wert, Mio. EUR):

Subsegment 2015 2019 2022 2025 Δ %
18062010 (Kakaobutter ≥ 31 %) 342 411 566 1.186 +247,1
18062095 (Kakaobutter < 18 %) 87 95 127 171 +96,2
18062030 (Milchfett 25–31 %) 87 108 117 210 +141,4
18062070 (Chocolate-Milk-Crumb) 41 43 63 90 +119,5
18062080 (Kakaoglasur) 28 44 54 82 +189,9
18062050 (Kakaobutter 18–31 %) 18 26 28 35 +97,7

Chocolate-Milk-Crumb und Kakaoglasur zeigen überproportionales Importwachstum

Das stärkste relative Wachstum bei den Importen verzeichnete das Subsegment 18062070 (Chocolate-Milk-Crumb): von 5 Mio. EUR auf 84 Mio. EUR (+1.589,9 % mengenmäßig: von 1.826 t auf 17.438 t). Dieses Subsegment, das als Zwischenprodukt insbesondere in der Milchschokoladenherstellung verwendet wird, wurde ab 2020 in deutlich größeren Mengen importiert — die Mengen stiegen von 1.826 t (2015) auf 22.884 t im Pandemiejahr 2020 und stabilisierten sich danach bei 15.000–18.000 t.

Auch 18062050 (Kakaobutter 18–31 %) und 18062080 (Kakaoglasur) verzeichneten bei den Importen ein starkes Wachstum (beide über +696 %). Die Kakaoglasur-Importe explodierten 2025 regelrecht auf 7.832 t und 34 Mio. EUR — mehr als eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr (2024: 2.421 t / 9,8 Mio. EUR).

Preissteigerungen fielen je nach Segment sehr unterschiedlich aus

Die Einheitspreise stiegen nicht in allen Segmenten gleich stark an. Besonders auffällig ist die Dynamik bei 18062050 (Importpreis: von 3.060 EUR/t auf 8.730 EUR/t, +185 %) und 18062010 (Importpreis: von 3.438 EUR/t auf 9.024 EUR/t, +163 %). 18062070 (Chocolate-Milk-Crumb) blieb mit 4.826 EUR/t das preiswerteste Importsegment, was den geringeren Kakaoanteil in dieser Zubereitung widerspiegelt.

Belgien als Spezialisierungsführer; Irland und Finnland ohne relevante Exporte

Die Spezialisierungsanalyse (RSCA) (für 2025) zeigt:

Land RSCA RCA Anteil am EU-Export (CN 180620)
Belgien 0,65 4,71 39,9 %
Slowakei 0,23 1,60 3,4 %
Polen 0,12 1,28 8,5 %
Frankreich 0,11 1,24 9,7 %
Italien 0,09 1,21 9,7 %

Belgien (RSCA 0,65, RCA 4,71) ist der mit Abstand am stärksten auf CN 180620 spezialisierte EU-Mitgliedstaat — ein Ergebnis, das die traditionsreiche belgische Schokoladenindustrie und die Funktion Belgiens als Umverteilungszentrum im EU-Schokoladenhandel bestätigt. Am unteren Ende weisen Irland (RSCA −0,98), Finnland (−0,97) und Luxemburg (−0,92) praktisch keine Exportkomparativvorteile für dieses Produkt auf.


Schlussfolgerung

Der EU-Außenhandel mit Schokoladenmasse (CN 180620) hat sich zwischen 2015 und 2025 sowohl in der Dimension als auch in der Struktur erheblich verändert. Drei zentrale Befunde lassen sich zusammenfassen:

  1. Die Preisevolution als dominante Dynamik. Der massive Preisanstieg ab 2022 — Einheitspreise verdoppelten sich in drei Jahren auf über 7.500 EUR/t — ist das strukturbildende Merkmal der jüngsten Handelsentwicklung. Ursache ist die globale Kakao-Preiskrise infolge westafrikanischer Missernten. Obwohl die Mengen weniger stark reagierten, führte die Preisexplosion dazu, dass die Handelswerte ein Vielfaches des Ausgangsniveaus erreichten.

  2. Geographische Diversifizierung und neue Akteure. Während Côte d'Ivoire und das Vereinigte Königreich ihre Positionen als Top-Partner stabilisierten, traten mit Serbien, Kroatien, Ungarn und Türkiye neue, zuvor marginale Akteure in den Vordergrund. Die sinkende HHI-Konzentration (Importe: −18,5 %; Exporte: −27,7 %) belegt eine messbare Diversifizierung der Handelsströme. Gleichzeitig festigte sich Belgiens Rolle als EU-weiter Exportführer mit einem Marktanteil von fast 40 %.

  3. Segmentgetriebene Wachstumsmuster. Nicht alle Teilprodukte entwickelten sich gleich. Chocolate-Milk-Crumb (18062070) und die mittleren Kakaobutter-Segmente (18062050) verzeichneten bei Importen überproportionales Wachstum, während 18062010 bei Exporten dominiert blieb. Die Preisanstiege fielen segmentabhängig sehr unterschiedlich aus, was auf differenzierte Kakaopreistransmissionsmechanismen in der Verarbeitungskette hindeutet.

Insgesamt zeigt der Markt für CN 180620 eine robust wachsende EU-Industrie, die trotz gravierender Rohstoffpreisschwankungen ihre Exportbasis ausweiten konnte — allerdings zu deutlich höheren Kosten und mit sich verändernden Handelsmustern.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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