Marktentwicklung: Pralinen (CN 180690) — 2015–2025
Einleitung
Der Zollcode CN 180690 erfasst Schokolade und andere kakaohaltige Lebensmittelzubereitungen in Behältnissen oder unmittelbaren Umschließungen mit einem Inhalt von ≤ 2 kg — ausgenommen Tafeln, Stangen, Riegel sowie Kakaopulver. Es handelt sich dabei um einen Sammelcode (Residualposition), der unter anderem Pralinen, gefüllte und ungefüllte Schokoladeerzeugnisse, kakaohaltige Zuckerwaren, Brotaufstriche und Getränkezubereitungen umfasst. Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der EU mit Drittländern im Zeitraum 2015 bis 2025 und beleuchtet die zentralen Dynamiken von Export, Import, Preisentwicklung und Marktstruktur.
1. Preisgetriebenes Exportwachstum bei stagnierenden Mengen
Die Exportwerte haben sich fast verdoppelt, während die Mengen nur moderat stiegen
Die EU-Exporte in die Drittländer entwickelten sich im Untersuchungszeitraum äußerst dynamisch in monetärer Hinsicht, während die physischen Mengen nur geringfügig zulegten:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (EUR) | 2,998 Mio. | 4,707 Mio. | +57,0 % |
| Exportmenge (t) | 506.332 | 523.947 | +3,5 % |
| Durchschnittspreis (EUR/t) | 5.921 | 8.983 | +51,7 % |
Diese Diskrepanz zwischen Wert- und Mengenentwicklung ist das dominante Merkmal des gesamten Zeitraums. Der Preisanstieg von rund 52 % erklärt nahezu das gesamte Exportwachstum. Die Exportmenge erreichte ihr Maximum mit 557.260 Tonnen im Jahr 2022, sank danach jedoch wieder — während der Wert weiter stieg.
Auch die Importpreise stiegen im gleichen Maße
Die EU-Importe entwickelten sich in ähnlicher Weise: Der Importwert wuchs von 624 Mio. EUR auf 891 Mio. EUR (+42,8 %), während die Menge sogar leicht sank (von 117.021 t auf 110.214 t, −5,8 %). Der Importpreis kletterte von 5.336 EUR/t auf 8.088 EUR/t (+51,6 %). Der Preisanstieg ist somit kein exportseitiges Phänomen, sondern ein marktweiter Trend.
Die EU ist ein Nettoexporteur mit wachsendem Handelsbilanzüberschuss
Der Handelsbilanzüberschuss belief sich 2015 auf 2,373 Mrd. EUR und stieg bis 2025 auf 3,815 Mrd. EUR (+60,8 %). Die EU exportiert somit ein Vielfaches des Importvolumens an Schokoladenerzeugnissen der Position 180690.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Handelsbilanz (Mio. EUR) | 2.373 | 3.815 | +60,8 % |
| Nettoimportquote | −8,8 % | −43,7 % | — |
Die negative Nettoimportquote zeigt, dass die EU 2015 noch nahezu ausgeglichen war (nur geringer Nettoexport), sich bis 2025 jedoch stark als Nettoexporteur positioniert hat. Der Exportanteil an der Produktion (Exportpropensity) stieg von 10,8 % auf 37,1 % — ein Anstieg um 243 %, der auf eine zunehmende Exportorientierung der europäischen Schokoladenindustrie hindeutet.
2. Preissteigerungen auf allen Produktebenen — Kakaokrise und Inflation als Treiber
Säuntliche Subprodukte verzeichnen massive Preisanstiege
Die Preisanstiege sind nicht auf einzelne Produktsegmente beschränkt, sondern betreffen alle Unterkategorien von CN 180690. Die folgende Tabelle zeigt die Exportpreisentwicklung der wichtigsten Subprodukte:
| Subprodukt | Exportpreis 2015 (EUR/t) | Exportpreis 2025 (EUR/t) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| 18069019 — Pralinen, nicht-alkoholhaltig | 8.202 | 12.308 | +50,1 % |
| 18069039 — Ungefüllte Schokolade (o. Tafeln/Riegel) | 6.618 | 11.061 | +67,1 % |
| 18069031 — Gefüllte Schokolade (o. Tafeln/Riegel/Pralinen) | 5.792 | 11.091 | +91,5 % |
| 18069050 — Kakaohaltige Zuckerwaren | 4.675 | 7.182 | +53,6 % |
| 18069090 — Übrige kakaohaltige Zubereitungen | 5.237 | 8.398 | +60,3 % |
| 18069060 — Kakaohaltige Brotaufstriche | 3.795 | 4.948 | +30,4 % |
| 18069070 — Getränkezubereitungen | 4.550 | 6.143 | +35,0 % |
Besonders auffällig ist der Preisanstieg bei gefüllter Schokolade (+91,5 %) und ungefüllter Schokolade außerhalb von Tafeln und Riegeln (+67,1 %). Die Durchschnittspreise begannen ab 2021/2022 besonders stark zu steigen — ein Zeitraum, der mit der globalen Kakaopreiskrise und der europäischen Inflationswelle zusammenfällt.
Die Preistransmission war am stärksten bei Premiumsegmenten
Pralinen (CN 18069019) bilden sowohl mengen- als auch wertmäßig das größte Exportsegment: 2025 wurden 137.000 Tonnen im Wert von 1,686 Mrd. EUR exportiert. Der Exportpreis für Pralinen lag 2025 bei 12.308 EUR/t — ein Niveau, das weit über dem Durchschnitt aller CN-180690-Produkte (8.983 EUR/t) liegt. Dies spiegelt die Positionierung des Segments als qualitativ hochwertiges Premiumprodukt wider.
Die Produktion wuchs preisgetrieben
Die EU-Produktion verzeichnete im gleichen Zeitraum ein Mengenwachstum von 1,605 Mrd. kg auf 2,104 Mrd. kg (+31,1 %) und ein Wertwachstum von 7,779 Mrd. EUR auf 11,501 Mrd. EUR (+47,8 %). Auch hier übertrifft der Wertzuwachs den Mengenzuwachs, was die breitbasige Inflation in der Wertschöpfungskette bestätigt.
3. Geopolitische Umwälzungen im Handelspartnerspektrum
Das Vereinigte Königreich bleibt der mit Abstand wichtigste Handelspartner
Sowohl bei Importen als auch bei Exporten nimmt das Vereinigte Königreich eine dominante Stellung ein:
| Richtung | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| EU-Exporte nach UK (Mio. EUR) | 979 | 1.461 | +49,2 % |
| EU-Importe aus UK (Mio. EUR) | 332 | 415 | +24,9 % |
Trotz des Brexits blieb die Handelsbeziehung intakt — wenn auch mit leicht veränderten Rahmenbedingungen. Der Export nach UK wuchs preisgetrieben stärker als der Import.
Die USA sind zum zweitwichtigsten Exportmarkt aufgestiegen
Der US-Markt entwickelte sich dynamisch: EU-Exporte in die USA stiegen von 187 Mio. EUR auf 473 Mio. EUR (+153,2 %). Damit sind die USA von Platz 5 zum zweitwichtigsten Exportmarkt der EU aufgestiegen. Auch die EU-Importe aus den USA wuchsen stark (+89,6 %), bleiben aber mit 45 Mio. EUR deutlich unter dem Exportniveau.
Ukraine und Türkei als neue Importquellen mit starkem Wachstum
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung der Importe aus der Ukraine: von 14 Mio. EUR (2015) auf 83 Mio. EUR (2025) — ein Anstieg von 489 %. Die Importe aus der Türkei vervierfachten sich nahezu von 22 Mio. EUR auf 72 Mio. EUR (+232 %). Beide Länder profitieren von komparativen Kostenvorteilen und — im Fall der Ukraine — von erleichterten Handelsbedingungen im Rahmen der EU-Unterstützungspolitik seit 2022.
Russland verliert als Handelspartner an Bedeutung
Die Exporte nach Russland sanken von 136 Mio. EUR auf 125 Mio. EUR (−7,6 %), wobei der Höchstwert 2019 mit 179 Mio. EUR erreicht wurde. Die Importe aus Russland halbierten sich nahezu von 17 Mio. EUR auf 9 Mio. EUR (−47,6 %). Diese Entwicklung spiegelt die Sanktions- und Handelsbeschränkungsmaßnahmen nach 2022 wider.
Exportdestinationen diversifizieren sich leicht
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Exporte sank leicht von 1.284 auf 1.212 (−5,6 %), was eine geringfügig diversifiziertere Exportbasis anzeigt. Die Importkonzentration sank stärker: von 3.617 auf 2.738 (−24,3 %), was vor allem auf die neuen Importquellen Ukraine und Türkei zurückzuführen ist.
Schlussfolgerung
Der EU-Handelsmarkt für CN 180690 hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend gewandelt. Die drei zentralen Erkenntnisse lauten:
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Preisgetriebenes Wachstum: Der überwiegende Teil des Export- und Importwertwachstums ist auf massive Preisanstiege (+50–90 % je nach Segment) zurückzuführen, nicht auf Mengenwachstum. Die ab 2021/2022 einsetzende Kakaokrise und die allgemeine Inflation haben die gesamte Wertschöpfungskette verteuert.
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Stärkere Exportorientierung der EU: Die EU hat ihre Position als Nettoexporteur im Segment Pralinen und Schokoladenerzeugnisse deutlich ausgebaut. Der Exportanteil an der Produktion stieg von unter 11 % auf über 37 %. Deutschland, Italien und Polen sind die größten Exporteure innerhalb der EU, während Polen, Bulgarien und Itellen über die höchste Spezialisierung verfügen.
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Geopolitische Neuausrichtung des Partnerportfolios: Der Handel mit Russland geht zurück, während die Ukraine und die Türkei als neue Importquellen stark an Bedeutung gewinnen. Die USA entwickeln sich zum wichtigsten Wachstumsmarkt für EU-Exporte. Das Vereinigte Königreich bleibt trotz Brexit der dominante Handelspartner in beide Richtungen.