Marktentwicklung: Mineralische Rohstoffe (CN 25) — 2015–2025
Einleitung
Die Warengruppe CN 25 umfasst ein breites Spektrum mineralischer Rohstoffe, von Salz über Schwefel, Natursteine, Sande, Tonerden, Gips und Kalk bis hin zu Zement. Der vorliegende Bericht analysiert den extra-EU-Handel der Europäischen Union mit diesen Gütern im Zeitraum 2015 bis 2025. Gegenstand sind die Entwicklung von Werten, Mengen und Preisen, die Verschiebung der wichtigsten Handelspartner, Veränderungen der Marktkonzentration sowie aufgetretene Preisschocks. Die Daten stammen aus dem Dashboard zum EU-Handel. Sie zeigen ein von auseinanderlaufenden Mengen- und Preistrends, einer raschen Neuordnung der Lieferantenstruktur und ausgeprägten Preisausschlägen geprägtes Bild.
Wachsende Importmengen bei rückläufigen Exporten: Der EU‑Außenhandel mit Massenrohstoffen driftet auseinander
Die Einfuhrmenge mineralischer Rohstoffe legt um mehr als die Hälfte zu, während die Ausfuhrmenge um über ein Viertel einbricht
Die Handelsübersicht offenbart eine deutliche Asymmetrie: Das Importvolumen stieg von 54,9 Millionen Tonnen (2015) auf 84,0 Millionen Tonnen (2025) – ein Zuwachs von 53 %. Das Exportvolumen sank hingegen im selben Zeitraum von 58,7 auf 43,0 Millionen Tonnen (−26,8 %). Bereits ab 2019 setzte ein kontinuierlicher Rückgang der Ausfuhrmenge ein, während die Einfuhren – mit einem pandemiebedingten Dämpfer 2020 – ab 2021 kräftig expandierten. Die Schere öffnet sich besonders nach 2022, als die Importe auf ein neues Niveau springen und die Exporte ihre Talfahrt fortsetzen.
Der durchschnittliche Importpreis gibt nach, der Exportpreis klettert um fast 40 Prozent – eine Folge der veränderten Produktzusammensetzung
Die gegenläufige Preisentwicklung verstärkt diese Dynamik. Der durchschnittliche Einfuhrpreis sank von 75,9 €/t auf 71,7 €/t (−5,6 %), während der Ausfuhrpreis von 69,6 €/t auf 96,3 €/t stieg (+38,4 %). Die EU importiert zunehmend preisgünstigere Massenschüttgüter – vor allem Feldsteine, Kies und zerkleinerte Steine (KN-Code 2517), deren Menge sich auf 38,8 Millionen Tonnen nahezu verdoppelt hat und die nun fast die Hälfte des gesamten Importvolumens ausmachen (vgl. Produktvergleich). Demgegenüber dominieren im Export hochwertigere Erzeugnisse wie Marmor und andere Werksteine (KN 2515; Einheitspreis 2025 rund 271 €/t), Salz (2501; 226 €/t) und Zement (2523; 107 €/t), deren Stückerlöse im Beobachtungszeitraum kräftig zulegten.
| Kennzahl (Extra-EU) | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importmenge (Mio. t) | 54,9 | 84,0 | +53,0 % |
| Exportmenge (Mio. t) | 58,7 | 43,0 | −26,8 % |
| Importpreis (€/t) | 75,9 | 71,7 | −5,6 % |
| Exportpreis (€/t) | 69,6 | 96,3 | +38,4 % |
| Handelsbilanz (Mrd. €) | −0,09 | −1,88 | — |
Das Handelsdefizit der EU in dieser Warengruppe vervielfacht sich
Infolge der entgegengesetzten Mengen- und Wertbewegungen hat sich die Handelsbilanz dramatisch verschlechtert. Während 2015 nur ein minimales Defizit von 86 Millionen Euro bestand, wies der Saldo 2025 ein Minus von 1,88 Milliarden Euro auf. Der höchste Ausschlag wurde 2022 mit −2,66 Milliarden Euro erreicht, als gleichzeitig Importe teurer Rohstoffe (Phosphate, Industrieminerale) und ein hohes Importvolumen zusammentrafen. Die EU hat sich in diesem Segment vom nahezu ausgeglichenen Händler zu einem strukturellen Nettoimporteur gewandelt.
Neue Schwergewichte im Partnermix: Türkei und Norwegen dominieren die Importe, das Vereinigte Königreich führt die Exportliste an
Die Importe aus der Türkei verzeichnen ein Plus von 170 Prozent und überschreiten erstmals die Milliardengrenze
Die Partnerstruktur hat sich grundlegend verschoben. Die Einfuhren aus der Türkei stiegen von 394 Millionen Euro (2015) auf 1,06 Milliarden Euro (2025; +169,8 %) und machen das Land zum mit Abstand führenden Lieferanten. Bereits 2022 war der Wert auf 1,14 Milliarden Euro geschnellt. Norwegen folgt mit 718 Millionen Euro (+51,8 %). Beide Länder zusammen decken rund 28 % der EU‑Importe dieser Warengruppe ab.
Neben der Türkei gewinnen auch Bosnien‑Herzegowina und Norwegen stark an Bedeutung, während Lieferungen aus Russland und Belarus einbrechen
Die bosnischen Importe verfünffachten sich nahezu (+344,9 %) von 20 Millionen auf 88 Millionen Euro. Die Ukraine legte um 39 % zu, wobei der Verlauf starken jährlichen Schwankungen unterlag (Standardabweichungskoeffizient 0,30). Gleichzeitig sind traditionelle Lieferungen aus Russland und Belarus – die in der Volatilitätsanalyse mit Variationskoeffizienten von 0,39 bzw. 0,62 als besonders instabil ausgewiesen werden – deutlich rückläufig. Die Angebotskonzentration auf der Importseite, gemessen am Herfindahl‑Hirschman‑Index, erhöhte sich von 641 (2015) auf 761 (2025; +18,7 %), vor allem getrieben durch das Gewicht der Türkei und Norwegens (Konzentrationsanalyse).
Auf der Exportseite baut das Vereinigte Königreich seine Spitzenposition aus, die USA und Norwegen legen kräftig zu
Das Vereinigte Königreich bleibt der wichtigste Absatzmarkt und steigerte die EU‑Ausfuhren von 471 Millionen auf 675 Millionen Euro (+43,3 %). An zweiter Stelle steht die Schweiz mit einem moderaten Zuwachs von 12,5 %. Besonders dynamisch entwickelten sich die Exporte in die USA (+27,3 %) und nach Norwegen (+56,7 %). Demgegenüber sanken die Lieferungen nach Israel (−19,0 %) und Brasilien (−23,3 %). Die Exportkonzentration nahm mit einem HHI‑Anstieg von 518 auf 739 (+42,6 %) noch stärker zu als bei den Importen, was auf eine zunehmende Ausrichtung auf wenige Schlüsselmärkte hindeutet.
| Hauptpartner (Import) | Wert 2015 (Mio. €) | Wert 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Türkei | 394 | 1 064 | +169,8 % |
| Norwegen | 473 | 718 | +51,8 % |
| Vereinigtes Königreich | 391 | 462 | +18,4 % |
| Ukraine | 199 | 276 | +39,0 % |
| Bosnien-Herzegowina | 20 | 88 | +344,9 % |
Preisschocks und geopolitische Brüche: 2022 als Zäsur für die mineralischen Rohstoffmärkte
Die Inflations- und Energiekrise 2022 führt zu sprunghaften Preisanstiegen bei Phosphaten, Industriemineralen und Zement
Die Schockereignisse konzentrieren sich um das Jahr 2022. Die Einfuhrpreise aus Ägypten schnellten um 65,4 % hoch (v. a. Phosphatdünger‑Vorprodukte), die aus Marokko um 54,2 %. Auf der Ausfuhrseite verteuerten sich Lieferungen nach Israel sprunghaft um 71,1 %, nach Kamerun um 50,7 % und nach Marokko bereits 2021 um 81,2 %. Diese Preissprünge spiegeln die durch Energiepreise und Logistikengpässe befeuerte Inflation in der Grundstoffindustrie wider. Die anschließende Rückkehr der Preise auf niedrigere Niveaus (vgl. Einfuhrpreis Ägypten 2023‑2024: 68,15 €) zeigt, dass es sich überwiegend um temporäre Schocks handelte, deren Nachwirkungen aber in der Importrechnung der Jahre 2022 und 2023 deutlich spürbar blieben.
Die Volatilität der Handelsströme nimmt zu, insbesondere bei kleineren Partnern wie Algerien, Ghana und Weißrussland
Die Mengenlieferungen aus Algerien (CV 0,54), Ghana (0,74) und der Elfenbeinküste (0,54) schwankten extrem. Bei den Exporten weist Algerien mit einem Variationskoeffizienten von 1,34 die mit Abstand höchste Instabilität auf; hier brachen die Ausfuhrmengen nach 2015 drastisch ein. Auch die Lieferungen nach Ghana (−72 % Menge zwischen 2017 und 2022) und in die Elfenbeinküste zeigen starke Ausschläge, die oft mit Projektgeschäften und politischen Konstellationen zusammenhängen. Die hohen Volatilitäten unterstreichen die Notwendigkeit einer Diversifizierung, insbesondere bei lagerfähigen Rohstoffen wie Salz und Gips.
Die EU‑Mitgliedstaaten bleiben unterschiedlich spezialisiert: Kroatien, Lettland und Griechenland weisen die höchsten RCA‑Werte auf
Die Spezialisierungskarte für 2025 zeigt, dass vor allem kleinere Volkswirtschaften komparative Vorteile bei mineralischen Rohstoffen besitzen. Kroatien (RSCA 0,64), Lettland (0,60) und Zypern (0,49) sind überdurchschnittlich auf diese Produkte spezialisiert. Die großen Handelsnationen Spanien (RSCA 0,24) und Griechenland (0,33) weisen ebenfalls eine positive Spezialisierung auf, während Deutschland (−0,01) und Italien (−0,20) trotz hoher absoluter Exportwerte keine relative Spezialisierung zeigen – ein Hinweis darauf, dass die Branche hier eher innerindustriell verflochten ist. Die geringste Spezialisierung verzeichnen Malta (−1,00) und Irland (−0,66).
Fazit
Der extra-EU-Handel mit mineralischen Rohstoffen hat sich zwischen 2015 und 2025 tiefgreifend gewandelt. Die Europäische Union importiert heute erheblich größere Mengen, vor allem kostengünstige Massenschüttgüter für den Bau- und Industriesektor, während sie gleichzeitig weniger Tonnage, dafür aber wertvollere Produkte wie Naturwerksteine und Salz exportiert. Dadurch ist das Handelsdefizit auf annähernd zwei Milliarden Euro angewachsen. Die Lieferantenstruktur wurde neu geordnet: Die Türkei und Norwegen dominieren die Importe, das Vereinigte Königreich und die USA sind die wichtigsten Exportmärkte. Gleichzeitig hat die Konzentration auf beiden Seiten zugenommen, und die Preisschocks des Jahres 2022 haben die Verwundbarkeit gegenüber Energiepreisen und geopolitischen Ereignissen offengelegt. Für die Rohstoffversorgung der EU bedeutet dies, dass Diversifizierung und strategische Partnerschaften weiter an Bedeutung gewinnen werden, um die aus einer hohen Partner- und Produktkonzentration resultierenden Risiken abzufedern.