Marktentwicklung: Mineralische Rohstoffe (CN 25) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union (EU) im Zeitraum 2015 bis 2025 für die Warengruppe CN 25, welche eine breite Palette mineralischer Rohstoffe umfasst, darunter Salz, Schwefel, diverse Steine und Erden sowie Gips, Kalk und Zement. Die Daten unterscheiden zwischen dem Handel mit Drittländern (außerhalb der EU) und der EU-internen Produktion. Die Analyse zeigt eine klare Verschiebung hin zu höheren Importmengen und -werten, verbunden mit einer Stagnation der Exportmengen und einer deutlichen Verschlechterung der Handelsbilanz. Im Zentrum stehen die veränderten Handelsströme, die sich wandelnde Zusammensetzung der Handelspartner sowie die zunehmende Konzentration und Spezialisierung des Marktes.
1. Strukturelle Verschiebung: Wachsende Importabhängigkeit bei stagnierender Exportmenge
Die zentrale Dynamik im betrachteten Zeitraum ist ein deutlicher Anstieg der EU-Importe, während die Exportmengen merklich gesunken sind. Dies führt zu einem sich stark vertiefenden Handelsdefizit und einer erhöhten Importabhängigkeit.
1.1. Der EU-Handelsüberschuss verwandelt sich in ein wachsendes Defizit
Im Jahr 2015 wies die EU einen nahezu ausgeglichenen Handel mit CN-25-Waren auf, mit einem geringfügigen Defizit von -86 Mio. EUR. Bis 2025 hat sich dieses Defizit jedoch auf rund -1,88 Mrd. EUR vertieft. Diese Verschlechterung um über 2.000 % resultiert aus divergierenden Wachstumspfaden der Importe und Exporte (Handelsbilanz und Gesamtentwicklung).
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung (in %) |
|---|---|---|---|
| Exportwert (Mrd. EUR) | 4,08 | 4,14 | +1,4 % |
| Importwert (Mrd. EUR) | 4,17 | 6,02 | +44,5 % |
| Handelsbilanz (Mrd. EUR) | -0,09 | -1,88 | -2.080,8 % |
1.2. Steigende Importmengen und -preise gegenüber fallenden Exportmengen bei steigenden Preisen
Die Importe sind sowohl mengen- als auch preisgetrieben stark gewachsen. Die importierte Menge stieg um 53 %, während der durchschnittliche Importpreis nur leicht um 5,6 % sank. Bei den Exporten hingegen fiel die exportierte Menge um 26,8 %, was nur durch einen deutlichen Preisanstieg von 38,5 % kompensiert werden konnte, um den Gesamtwert leicht zu erhöhen. Dies deutet auf eine verminderte Wettbewerbsfähigkeit der EU-Produktion in volumenbasierten Segmenten hin (Preis- und Mengenentwicklung).
| Strom | Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung (in %) |
|---|---|---|---|---|
| Importe | Menge (Mio. t) | 54,93 | 84,03 | +53,0 % |
| Preis (EUR/t) | 75,90 | 71,67 | -5,6 % | |
| Exporte | Menge (Mio. t) | 58,69 | 42,97 | -26,8 % |
| Preis (EUR/t) | 69,56 | 96,31 | +38,5 % |
2. Veränderte Handelspartnerlandschaft: Aufstieg der Türkei und Osteuropas
Die Zusammensetzung der wichtigsten Handelspartner hat sich signifikant verändert. Traditionelle Partner behalten ihre Bedeutung, während neue Zulieferer aus dem Nahen Osten und Osteuropa stark an Gewicht gewonnen haben.
2.1. Die Türkei wird zum dominanten Importpartner der EU
Am markantesten ist der Aufstieg der Türkei zum wichtigsten CN-25-Exporteur in die EU. Der Importwert aus der Türkei stieg um fast 170 % von 394 Mio. EUR (2015) auf über 1,06 Mrd. EUR (2025). Damit hat sie Norwegen als wichtigsten Einzellieferanten überholt (Top-Importpartner nach Wert).
2.2. Die Ukraine festigt ihre Rolle als Zulieferer, während das Vereinigte Königreich größter Abnehmer bleibt
Die Ukraine hat ihre Exporte in die EU um 39 % gesteigert. Für die EU-Landwirtschaft ist sie insbesondere als Lieferant von mineralischen Düngemitteln (CN 2510: Calciumphosphate) von Bedeutung. Auf der Exportseite bleibt das Vereinigte Königreich der mit Abstand wichtigste Markt für EU-Exporteure, obwohl das Handelsvolumen nach dem Brexit volatile Muster zeigt (Top-Exportpartner nach Wert).
| Partner (Importe) | Wert 2015 (Mio. EUR) | Wert 2025 (Mio. EUR) | Veränderung (in %) |
|---|---|---|---|
| Türkei | 394 | 1.064 | +169,8 % |
| Norwegen | 473 | 718 | +51,8 % |
| Ukraine | 199 | 276 | +39,0 % |
| Partner (Exporte) | |||
| Vereinigtes Königreich | 471 | 675 | +43,3 % |
| Schweiz | 330 | 371 | +12,5 % |
| USA | 286 | 364 | +27,3 % |
3. Zunehmende Konzentration und nationale Spezialisierung
Der Markt zeigt eine Tendenz zur Konzentration, sowohl bei den Handelsströmen als auch bei der Spezialisierung einzelner EU-Mitgliedstaaten in der Produktion.
3.1. Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) zeigt steigende Marktkonzentration
Die Konzentration des Handels hat sowohl bei Importen als auch bei Exporten zugenommen. Der HHI für Importe nach Wert stieg von 641 auf 761, bei Exporten sogar von 518 auf 739. Dies bedeutet, dass sich der Handel zunehmend auf weniger Partnerländer konzentriert, was das Potenzial für Lieferrisiken birgt (Handelskonzentration (HHI)).
3.2. Kleine Mitgliedstaaten weisen die höchste komparative Spezialisierung auf
Die Analyse der Revealed Symmetric Comparative Advantage (RSCA) zeigt, dass kleinere EU-Länder wie Kroatien, Lettland und Zypern die höchste Spezialisierung im Export von CN-25-Waren aufweisen. Dies spiegelt wider, dass einige Länder ihre Produktion auf bestimmte Nischen (z.B. bestimmte Steine oder Salz) ausgerichtet haben. Im Gegensatz dazu haben große Volkswirtschaften wie Deutschland und Frankreich einen negativen Spezialisierungsindex, was auf einen komparativen Vorteil im Import dieser Rohstoffe hindeutet (Spezialisierung nach Land).
Fazit
Der EU-Markt für mineralische Rohstoffe (CN 25) hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend verändert. Aus einer annähernd ausgeglichenen Handelsbilanz wurde ein strukturelles Defizit, getrieben durch einen starken Anstieg der Importe – insbesondere aus der Türkei – und einen Rückgang der exportierten Mengen. Gleichzeitig hat sich die Handelsstruktur konzentriert, und innerhalb der EU zeigt sich eine zunehmende Spezialisierung der Produktion in bestimmten Mitgliedstaaten. Diese Entwicklungen deuten auf eine wachsende Abhängigkeit der EU von externen Lieferketten für diese grundlegenden Rohstoffe hin, was strategische Implikationen für die industrielle Widerstandsfähigkeit und Versorgungssicherheit der Union haben könnte.