Marktentwicklung: Erze und Asche (CN 26) — 2015–2025
Einleitung
Die Produktgruppe „Erze sowie Schlacken und Aschen“ (CN 26) umfasst eine Vielzahl von metallhaltigen Rohstoffen und industriellen Rückständen, die für die EU-Industrie von strategischer Bedeutung sind. Der vorliegende Bericht untersucht die Entwicklung des extra-EU-Handels mit diesen Gütern im Zeitraum 2015 bis 2025 anhand der verfügbaren Jahresdaten. Die Handelsübersicht offenbart drei prägende Dynamiken: eine massive Verteuerung sowohl der Ein- als auch der Ausfuhren bei rückläufigen gehandelten Mengen, eine geopolitische Neuordnung der Liefer- und Absatzmärkte sowie einen beschleunigten Strukturwandel hin zu höherwertigen Produktsegmenten wie Schlacken.
Wert- und Preisexplosion bei rückläufigen Mengen: Der Preis als dominanter Treiber
Importpreise klettern um 94 %, Exportpreise um 98 %
Der EU-Außenhandel mit Erzen, Schlacken und Aschen erlebte in der betrachteten Dekade einen starken Wertzuwachs, der fast ausschließlich auf steigende Preise zurückzuführen ist. Die Exportwerte legten um 97,2 % auf 5,10 Mrd. EUR zu, die Importwerte um 46,1 % auf 26,65 Mrd. EUR (vgl. allgemeine Übersicht). Die Durchschnittspreise stiegen dabei außergewöhnlich: je Tonne Einfuhr um 94,1 % (von 133,70 EUR auf 259,51 EUR) und je Tonne Ausfuhr um 98,4 % (von 163,99 EUR auf 325,42 EUR).
| Indikator | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (Mrd. EUR) | 2,59 | 5,10 | +97,2 % |
| Importwert (Mrd. EUR) | 18,25 | 26,65 | +46,1 % |
| Exportpreis (EUR/t) | 163,99 | 325,42 | +98,4 % |
| Importpreis (EUR/t) | 133,70 | 259,51 | +94,1 % |
| Exportmenge (Mio. t) | 15,76 | 15,66 | –0,6 % |
| Importmenge (Mio. t) | 136,10 | 102,69 | –24,5 % |
Importmengen sinken um ein Viertel, Exportmengen stagnieren nahezu
Im Gegensatz zur Preisentwicklung gingen die eingeführten Mengen deutlich zurück: Die EU importierte 2025 mit 102,7 Mio. Tonnen rund 24,5 % weniger als 2015 (136,1 Mio. Tonnen). Gleichzeitig blieb das Exportvolumen nahezu unverändert bei gut 15,7 Mio. Tonnen (–0,6 %). Die Kombination aus sinkenden Mengen und stark steigenden Preisen – besonders sichtbar bei Eisenerz und Kupfererz – deutet auf eine Verknappungstendenz an den Weltmärkten und eine erfolgreiche Höherbewertung der EU-Exporte hin.
Das Handelsdefizit bleibt tief, aber die Terms-of-Trade verbessern sich
Das bilaterale Handelsdefizit vergrößerte sich im Beobachtungszeitraum von 15,66 Mrd. EUR auf 21,55 Mrd. EUR (–37,6 %), im Extremjahr 2021 betrug es sogar 27,69 Mrd. EUR. Trotz des anhaltenden Ungleichgewichts zeigt der nahezu parallele Anstieg der Ein- und Ausfuhrpreise, dass sich die Terms-of-Trade für die EU nicht verschlechterten; die Exportpreise stiegen nominal sogar etwas stärker als die Importpreise. Die Nettoimportabhängigkeit (mengenbasiert) drehte von 79 % (2015) auf –3,1 % (2024) und signalisiert damit, dass die EU – vor allem aufgrund ihrer großen Eigenproduktion – rechnerisch zum Nettoexporteur dieser Güter geworden ist.
Geopolitische Zäsur: Russland-Importe brechen ein, China wird wichtigster Exportkunde
Der nahezu vollständige Ausfall Russlands als Lieferant
Unter den Top-Handelspartnern sticht der dramatische Rückgang Russlands hervor. Der Einfuhrwert aus der Russischen Föderation sank von 446 Mio. EUR (2015) auf nur noch 4,4 Mio. EUR (2025) – ein Einbruch um 99,0 %. Ein als Angebotsschock identifizierter Einbruch der Menge (–97,8 % gegenüber der Basis 2015‑2022) und ein gleichzeitiger Preisanstieg auf 1.056 EUR/t im Jahr 2025 zeigen die faktische Aussetzung des Handels mit russischen Erzen und Aschen.
China als treibende Exportdestination
Auf der Exportseite entwickelte sich China zum dominierenden Wachstumsmarkt. Die Ausfuhrwerte nach China erhöhten sich um 139,3 % von 907 Mio. EUR auf 2,17 Mrd. EUR. Damit entfielen 2025 rund 42,6 % aller EU-Erzexporte auf dieses eine Land – ein Hinweis auf eine starke und steigende Absatzkonzentration. Weitere wichtige Zielmärkte wie Saudi-Arabien (+78,3 %), das Vereinigte Königreich (+51,2 %) und Ägypten (+157,4 %) bauten ihre Position ebenfalls aus.
Diversifizierung der Importquellen und konzentrierte Exportmärkte
Während die Exportmärkte eine höhere Konzentration aufweisen – der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) der Ausfuhren stieg von 1 694 auf 2 168 (+28 %) –, blieb die Importseite breiter gestreut (HHI-Importe sank von 950 auf 857, –9,8 %). Brasilien blieb mit 4,19 Mrd. EUR (2025, +2,6 %) der größte Einzellieferant, gefolgt von Kanada (4,02 Mrd., +133,8 %) und Südafrika (2,49 Mrd., +135,8 %). Neue Lieferländer wie Liberia (von 84 Mio. auf 528 Mio. EUR, +529 %) gewannen an Bedeutung und trugen zur Diversifizierung bei. Die hohe Volatilität bei den Mengen aus Russland (CV 0,74), Liberia (CV 0,49) oder den USA (CV 0,49) unterstreicht jedoch die Unsicherheit einzelner Bezugsströme.
Strukturelle Veränderungen: Boom bei Schlackenimporten und hohe Exportspezialisierung
Eisenerz bleibt Schwergewicht, Schlacken- und Aschenimporte wachsen rasant
Der Produktsegmentvergleich zeigt, dass Eisenerz und seine Konzentrate (2601) sowohl ein- als auch ausfuhrseitig wertmäßig dominieren. Die Importe dieses Segments sanken mengenmäßig von 104,8 Mio. Tonnen auf 71,0 Mio. Tonnen (–32,3 %), während der Wert mit 6,48 Mrd. EUR 2025 leicht über dem von 2015 (5,90 Mrd.) lag. Der dramatischste Wandel vollzog sich bei granulierter Schlacke (2618): Die Importmenge explodierte von 0,16 Mio. Tonnen auf 5,96 Mio. Tonnen (+3 720 %), der Wert von 4,8 Mio. auf 226,3 Mio. EUR. Auch Kupfererze (2603) verzeichneten auf der Importseite einen Wertanstieg um 70,4 % auf 9,58 Mrd. EUR, getrieben von einem Preisanstieg um 96,9 % bei nahezu konstanter Menge. Auf der Exportseite fällt der starke Wertanstieg bei Kupfererzen (+176,3 %) und granulierter Schlacke (+261 %) sowie die Verteuerung von Bleierzkonzentraten (2607) auf.
| Produktsegment (CN 26) | Importwert 2015 (Mrd. EUR) | Importwert 2025 (Mrd. EUR) | Exportwert 2015 (Mrd. EUR) | Exportwert 2025 (Mrd. EUR) |
|---|---|---|---|---|
| Eisenerze (2601) | 5,90 | 6,48 | 0,69 | 1,19 |
| Kupfererze (2603) | 5,62 | 9,58 | 0,65 | 1,78 |
| Aluminiumerze (2606) | 0,73 | 0,67 | – | – |
| Schlacke (2618) | 0,005 | 0,226 | 0,032 | 0,117 |
| Zinkerze (2608) | 1,49 | 2,24 | 0,23 | 0,25 |
Schweden, Bulgarien und Finnland: die Export-Spezialisten der EU
Die Spezialisierungsanalyse für 2025 weist Bulgarien (RSCA 0,85), Schweden (0,76) und Finnland (0,66) als die am stärksten auf den Export von CN‑26‑Gütern ausgerichteten Mitgliedstaaten aus. Bulgarien und Schweden erreichen hohe RCA-Werte von 12,1 bzw. 7,3, getragen von einem überdurchschnittlichen Produktionsanteil an ihren Gesamtexporten. Die Rangliste der Melde-länder bestätigt diese Dominanz: Schweden (1,30 Mrd. EUR Export, +71,2 %), Spanien (1,67 Mrd., +144,1 %) und Bulgarien (0,65 Mrd., +233,1 %) sind die führenden EU-Exporteure. Auffällig ist die geringe Spezialisierung großer Volkswirtschaften wie Deutschland (RSCA –0,60) und Frankreich (–0,63), die zwar hohe absolute Handelswerte aufweisen, aber innerhalb ihres Warenkorbes kaum überdurchschnittlich auf Erze und Aschen ausgerichtet sind.
Hohe Produktionsvolatilität bei Erzen und Schlacken in der EU
Die heimische Produktionsmenge schwankte extrem: von 1,25 Mrd. Tonnen (2015) über 1,03 Mrd. Tonnen (2022) auf nur noch 268,5 Mio. Tonnen (2024). Der Produktionswert bewegte sich parallel von 25 Mio. EUR (2015) über temporäre 41 Mio. EUR (2022) auf 8,75 Mio. EUR (2024). Diese starken Ausschläge sind teils auf Rundungs- und Schätzungenauigkeiten zurückzuführen, spiegeln jedoch auch strukturelle Veränderungen im EU-Bergbau und der Stahlverarbeitung wider, die die mengenmäßige Eigenversorgung beeinflussen.
Fazit
Der extra-EU-Handel mit Erzen, Schlacken und Aschen war zwischen 2015 und 2025 von einer nie dagewesenen Preisrallye geprägt, die die nominalen Werte trotz rückläufiger Einfuhrmengen in die Höhe trieb. Gleichzeitig vollzog sich eine tektonische Verschiebung der Handelsströme: Während Russland als Lieferant nahezu komplett ausfiel, gewannen Bezugsquellen wie Kanada, Südafrika und Liberia an Gewicht; China wurde zum mit Abstand wichtigsten Exportkunden. Innerhalb des Warenkorbs etablierten sich hochpreisige Segmente wie Kupfererze und insbesondere Schlacken als Wachstumsfelder. Die EU-Exporte bleiben stark auf wenige Mitgliedstaaten und Zielländer konzentriert, bei zugleich hoher Volatilität der eigenen Produktion. Für die künftige Wettbewerbsfähigkeit wird entscheidend sein, ob die EU den Übergang zu höherwertigen Produkten und einer resilienteren Lieferantenbasis weiter vorantreiben kann.