Marktentwicklung: Bleierze und Konzentrate (CN 2607) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Entwicklung des EU-Handels mit Bleierzen und ihren Konzentrate (KN-Code 2607) im Zeitraum 2015 bis 2025. Die Betrachtung umfasst das Handelsvolumen, die wichtigsten Partnerländer, die Marktstruktur sowie preisliche und mengenmäßige Volatilität. Die Daten zeigen eine signifikante Transformation des Marktes, gekennzeichnet durch sinkende Volumina, steigende Preise und eine Neuausrichtung der Handelsströme, die auf veränderte Produktions- und Nachfragebedingungen hindeuten.
1. Schrumpfende Volumina, steigende Preise: Ein struktureller Wandel im EU-Handel
Der EU-Handel mit Bleierzen war über den gesamten Zeitraum von einem deutlichen Rückgang der Handelsvolumina geprägt, der durch einen kräftigen Preisanstieg, insbesondere bei den Exporten, kompensiert wurde.
Die EU-Importe sind mengenmäßig deutlich zurückgegangen
Die importierte Menge sank von 382.573 Tonnen im Jahr 2015 auf 210.927 Tonnen im Jahr 2025, was einem Rückgang von 44,9 % entspricht. Der Importwert fiel entsprechend von 923,6 Mio. EUR auf 683,6 Mio. EUR (−26,0 %). Dieser Trend zeigt eine reduzierte physische Abhängigkeit der EU von ausländischen Bleierzen.
Die Exportmengen schrumpften noch stärker, während die Exportpreise explodierten
Die exportierte Menge von Bleierzen aus der EU erlitt einen drastischen Rückgang von 356.197 Tonnen (2015) auf nur 125.958 Tonnen (2025) (−64,6 %). Der Exportwert sank hingegen nur moderat um 7,4 % (von 157,9 Mio. EUR auf 146,2 Mio. EUR). Dies ist auf einen enormen Anstieg der durchschnittlichen Exportpreise zurückzuführen, die sich von 443 EUR/t auf 1.161 EUR/t mehr als verdoppelten (+161,9 %).
Die Handelsbilanz blieb durchgehend negativ, verbesserte sich aber
Die EU weist bei Bleierzen durchgehend ein Handelsdefizit auf, da die Importe die Exporte bei weitem übersteigen. Dieses Defizit verbesserte sich jedoch von -765,7 Mio. EUR (2015) auf -537,4 Mio. EUR (2025), was auf den unterschiedlichen Rückgang der Import- und Exportvolumina zurückzuführen ist. Die allgemeine Handelsentwicklung veranschaulicht diese Dynamik.
2. Umstrukturierung der Handelspartnerschaften: Neue Akteure gewinnen an Bedeutung
Die Zusammensetzung der wichtigsten Handelspartner der EU hat sich zwischen 2015 und 2025 erheblich verändert. Traditionelle Lieferanten verloren an Gewicht, während neue Akteure in Lateinamerika an Bedeutung gewannen.
Bei den Importen zeichnet sich eine Diversifizierung von traditionellen zu neuen Partnern ab
- Mexiko blieb der größte Lieferant, sein Anteil sank jedoch von 351,5 Mio. EUR auf 268,1 Mio. EUR (−23,7 %).
- Peru und Marokko verloren extrem an Bedeutung (−87,6 % bzw. −99,9 %).
- Deutliche Zuwächse verzeichneten dagegen Bolivien (+114,4 %), Argentinien (+88,8 %) und die USA (+65,6 %). Die Entwicklung der wichtigsten Handelspartner zeigt diese Verschiebung.
Die EU exportiert verstärkt nach Asien, weniger nach Nordamerika und Nordeuropa
- China blieb mit 99,1 Mio. EUR (2025) der mit Abstand wichtigste Exportmarkt, obwohl der Wert um 22,0 % sank.
- Die Exporte nach Südkorea (+326,4 %) und Vietnam (+81,9 %) stiegen stark an.
- Die Exporte nach Kanada, Australien und Norwegen brachen dagegen nahezu vollständig ein (−100 %).
Innerhalb der EU verschieben sich die Rollen der Mitgliedstaaten
Die Importe konzentrieren sich stark auf Belgien (464,6 Mio. EUR, 2025), das jedoch ebenfalls einen Rückgang verzeichnete. Bei den Exporten stiegen Spanien (von 9,0 Mio. EUR auf 74,7 Mio. EUR, +728,5 %) und Portugal (+539 %) zu wichtigen Exporteuren auf, während traditionelle Exporteure wie die Niederlande und Polen an Bedeutung verloren. Die Daten nach EU-Ländern illustrieren diesen Wandel.
3. Zunehmende Marktkonzentration und Preisvolatilität
Die Märkte für Bleierze zeigen Merkmale zunehmender Konzentration und spezifischer Versorgungsrisiken, die durch ein Preis-Schockereignis unterstrichen werden.
Die Importkonzentration ist leicht gestiegen, was auf weniger diversifizierte Bezugsquellen hindeutet
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 1.937 im Jahr 2015 auf 2.172 im Jahr 2025 (+12,1 %). Dieser Wert liegt am oberen Ende des moderat konzentrierten Bereichs und deutet auf eine etwas weniger diversifizierte und damit potenziell anfälligere Versorgungslage hin. Die Konzentrationsmetriken bestätigen diesen Trend.
Mehrere Handelspartner weisen eine hohe Handelsvolatilität auf
Insbesondere bei den Importen aus Ländern wie Bolivien, Peru und Chile (Koeffizient der Variation > 0,7) sowie bei Exporten nach Norwegen, Indien und dem Vereinigten Königreich (CV > 1,7) sind die Handelsströme stark schwankend. Dies erhöht die Planungsunsicherheit für EU-Unternehmen.
Ein signifikanter Preis-Schock bei Importen aus Nordmazedonien wurde 2017 identifiziert
Im Jahr 2017 stiegen die Importpreise aus Nordmazedonien abnormal um 31,9 % bei einer hohen Abweichung von 4,9 Standardabweichungen. Dieser erkannte Preis-Schock machte damals 11,6 % des gesamten Importwerts aus und unterstreicht die Preissensitivität des Marktes.
Schlussfolgerung
Im Zeitraum 2015 bis 2025 durchlief der EU-Markt für Bleierze eine Phase der tiefgreifenden Anpassung. Physische Handelsvolumina – sowohl bei Importen als auch insbesondere bei Exporten – sind deutlich geschrumpft. Diese Entwicklung, gepaart mit stark steigenden Exportpreisen, führte zu einer gewissen Verbesserung des Handelsdefizits. Die Handelsbeziehungen haben sich geografisch neu ausgerichtet: Die EU bezieht ihre Erze zunehmend aus südamerikanischen Staaten wie Bolivien und Argentinien und exportiert verstärkt nach Asien, insbesondere nach Südkorea und Vietnam. Diese Verschiebung geht einher mit einer leichten Zunahme der Konzentration der Importquellen und einer bei einigen Partnern hohen Volatilität, was gewisse Versorgungsrisiken birgt. Insgesamt deutet die Entwicklung auf einen Markt hin, der sich an eine sich verändernde globale Nachfrage- und Angebotsstruktur anpasst, mit einer tendenziell geringeren physischen, aber potenziell wertvolleren Position der EU im globalen Handel mit Bleierzen. Die Nettoimportabhängigkeit ist dabei von 44,5 % auf 35,2 % gesunken.