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Marktentwicklung: Uranerze und Thoriumerze (CN 2612) — 2015–2025

Einleitung

Die Handelsströme der Europäischen Union im Bereich Uranerze und Thoriumerze (KN-Code 2612) sind über den Zeitraum 2015 bis 2025 von einer bemerkenswerten Diskontinuität zwischen Mengen- und Wertentwicklung geprägt. Obwohl die EU ein Nettoimporteur bleibt — das Handelsbilanzdefizit betrug 2025 noch −19.987 EUR —, haben sich sowohl die Lieferantenstruktur als auch die Preisdynamik grundlegend verändert. Der vorliegende Bericht analysiert die wichtigsten Trends auf Basis der verfügbaren Jahresdaten der EU-Außenhandelsstatistik, wobei der Schwerpunkt auf der Erklärung der zentralen Marktdynamiken liegt.

Übersicht & Definitionen auf dem Trade Dashboard


1. Dramatischer Rückgang der Importmengen bei steigenden Einheitswerten

1.1 Die EU-Importe von Uranerzen sind mengenmässig um 84 % eingebrochen

Der auffälligste Trend im Zeitraum 2015–2025 ist der drastische Rückgang der importierten Mengen. Die Gesamtimportmenge sank von 8.995 t (2015) auf 1.440 t (2025), was einem Rückgang von 84,0 % entspricht. Besonders die Jahre 2018 bis 2022 zeigen ein ausserordentlich niedriges Mengenniveau, das teilweise unter 1 t pro Jahr lag.

1.2 Der Importwert entwickelte sich weit weniger stark als die Mengen

Trotz des massiven Mengenrückgangs fiel der Importwert lediglich von 30.831 EUR (2015) auf 23.022 EUR (2025) — ein Minus von nur 25,3 %. Dieses Auseinanderfallen von Mengen- und Wertentwicklung ist auf einen dramatischen Anstieg der durchschnittlichen Einfuhrpreise zurückzuführen.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importmenge (t) 8.995 1.440 −84,0 %
Importwert (EUR) 30.831 23.022 −25,3 %
Durchschnittspreis (EUR/t) 3.417 15.901 +365,3 %

Handelsübersicht auf dem Trade Dashboard

1.3 Die Segmentdaten bestätigen: Uranerze dominieren, Thorium ist marginal

Die Aufschlüsselung nach Unterpositionen zeigt, dass Uranerze (261210) mit Abstand den grössten Teil der Importe ausmachen. Die Uranerz-Importmengen folgen dem Gesamttrend und sind von 8.957 t (2015) auf 1.024 t (2025) gesunken. Thoriumerze (261220) spielen mengenmässig eine untergeordnete Rolle — die höchste gemeldete Menge betrug lediglich 1,8 t (2018) bzw. 0,416 t (2025). Die Einheitspreise der Uranerze variieren dabei stark: von 280 EUR/t (2016) bis 44.307 EUR/t (2024), was auf eine heterogene Zusammensetzung der Lieferungen (Erze vs. Konzentrate) hindeutet.

Segment Importmenge 2015 (t) Importmenge 2025 (t) Durchschnittspreis 2015 (EUR/t) Durchschnittspreis 2025 (EUR/t)
261210 – Uranerze 8.957 1.024 2.490 20.145
261220 – Thoriumerze 0,021 0,416 3.421 5.454

Produktsegmentvergleich auf dem Trade Dashboard


2. Strukturwandel bei den Lieferanten: Zunehmende Konzentration und geopolitische Umorientierung

2.1 Traditionelle Lieferanten verlieren an Bedeutung

Die Zusammensetzung der wichtigsten Importpartner hat sich zwischen 2015 und 2025 erheblich verschoben. Der Vereinigtes Königreich, das 2015 noch Importe im Wert von 6.483 EUR lieferte, ist 2025 mit lediglich 61 EUR praktisch vom EU-Markt verschwunden (−99,1 %). Auch Südafrika, das 2015 mit 12.186 EUR der zweitwichtigste Partner war, verlor an Bedeutung (−31,6 %). Spanien als Einfuhrerland verzeichnete ebenfalls einen Rückgang von 15.261 EUR auf 1.440 EUR (−90,6 %).

2.2 Zentralasiatische und afrikanische Quellen gewinnen an Gewicht

Demgegenüber traten neue bzw. ausgebautere Lieferbeziehungen hervor. Usbekistan meldete 2025 Importe im Wert von 15.560 EUR und erscheint damit als neuer, relevanter Anbieter. Namibia steigerte seine Lieferungen von 2.707 EUR auf 4.227 EUR (+56,2 %). Niger schwankte zwar stark im Zeitverlauf, stellte aber in Spitzenjahren (z. B. 11.684 EUR in einem Vorjahr) einen bedeutenden Lieferanten dar.

Partnerland 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Südafrika 12.186 8.339 −31,6 %
Usbekistan 15.560 15.560 0,0 %
Niger 86 2.318 +2.595 %
Namibia 2.707 4.227 +56,2 %
Vereinigtes Königreich 6.483 61 −99,1 %
Vereinigte Staaten 9 466 +5.078 %
Schweiz 150 56 −62,6 %

Länderübersicht auf dem Trade Dashboard

2.3 Der Herfindahl-Index zeigt zunehmende Konzentration bei Importen nach Wert

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 2.957 (2015) auf 4.964 (2025), was auf eine spürbar höhere Konzentration der Einfuhren auf wenige Partnerländer hindeutet. Hingegen sank der HHI nach Volumen von 6.285 auf 2.861 — ein scheinbarer Widerspruch, der sich durch die stark gesunkenen und ungleichmässig verteilten Mengen erklären lässt. Bei den Exporten war die Konzentration bereits 2015 hoch (HHI 5.157) und erreichte 2025 mit 8.371 ein noch deutlich höheres Niveau.

Kennzahl (HHI) 2015 2025 Veränderung
Importe (nach Wert) 2.957 4.964 +67,9 %
Importe (nach Volumen) 6.285 2.861 −54,5 %
Exporte (nach Wert) 5.157 8.371 +62,3 %

Konzentrationsanalyse auf dem Trade Dashboard

2.4 Frankreich wird zum dominierenden Einfuhrland innerhalb der EU

Auf der Ebene der EU-Mitgliedstaaten hat sich Frankreich als wichtigstes Einfuhrland etabliert: Mit 20.432 EUR im Jahr 2025 (+126,9 % gegenüber 2015) entfiel der grösste Teil der EU-Importe auf Frankreich. Italien (+802,3 %) und Polen (+139,9 %) verzeichneten ebenfalls starke Zuwächse, während Irland (−90,1 %), Deutschland (−88,5 %) und Spanien (−90,6 %) stark an Bedeutung verloren. Diese Verschiebung spiegelt die veränderte nukleare Infrastruktur innerhalb der EU wider — Frankreich betreibt die grösste Anzahl an Kernkraftwerken und hat seinen Bedarf offenbar konsolidiert.

EU-Mitgliedstaaten auf dem Trade Dashboard


3. Marginale Exportaktivität der EU und hohe Volatilität in den Handelsströmen

3.1 Die EU exportiert nur geringe Mengen — 2025 markiert einen Ausreisser

Die EU ist bei CN 2612 eindeutig ein Nettoimporteur. Die Exportmengen blieben über den gesamten Zeitraum äusserst gering und lagen zwischen 0,002 t und 1,025 t. Dennoch verzeichnete der Exportwert 2025 einen Spitzenwert von 3.035 EUR, was vor allem auf die stark gestiegenen Einheitspreise (4.229 EUR/t) und möglicherweise auf Transithandel zurückzuführen ist. Der grösste einzelne Exportpartner 2025 war China mit 31.070 EUR — ein Wert, der auf einen punktuellen Grossexport hindeutet und das Gesamtergebnis massiv verzerrt.

3.2 Die Handelsbilanz bleibt durchgehend negativ, hat sich aber verbessert

Die EU-Handelsbilanz bei CN 2612 war über den gesamten Zeitraum negativ. Sie verbesserte sich von −30.795 EUR (2015) auf −19.987 EUR (2025), was einer Verbesserung von 35,1 % entspricht. Diese Verbesserung ist jedoch weniger auf steigende Exporte als vielmehr auf den Rückgang der Importe zurückzuführen. In einem einzigen Jahr (vermutlich einem der letzten Jahre, basierend auf dem Maximalwert von +873 EUR) wurde nahezu eine ausgeglichene Bilanz erreicht.

Jahr Handelsbilanz (EUR)
2015 −30.795
2025 −19.987
Minimum −30.795
Maximum +873

Handelsübersicht auf dem Trade Dashboard

3.3 Hohe Volatilität und sporadische Schocks kennzeichnen den Markt

Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass mehrere Handelspartner sehr unregelmässige Lieferungen aufweisen. Der Variationskoeffizient (CV) ist bei mehreren Partnern nicht berechenbar, weil Lieferungen nur in einzelnen Jahren gemeldet wurden. Bei den Importen weisen das Vereinigtes Königreich (CV 2,37), die Vereinigten Staaten (CV 1,98) und China (CV 1,87) die höchste Schwankungsintensität auf. Bei den Exporten liegen die CV-Werte der Schweiz (1,00) und des Vereinigten Königreichs (1,16) ebenfalls über 1,0, was auf eine hohe Irregularität hindeutet.

Drei Schockereignisse wurden identifiziert:

  • Kanada (Exporte der EU): Kompletter Einbruch um −100 % im Jahr 2018, was auf die Einstellung einer Lieferbeziehung hindeutet.
  • Benin (Importe der EU): Rückgang um −100 % in 2016.
  • Ecuador (Importe der EU): Rückgang um −100 % in 2018.

Diese Ereignisse waren mengen- und wertmässig klein, illustrieren jedoch die grundsätzlich fragile und punktuelle Natur der Handelsbeziehungen in diesem Segment.

Volatilitätsanalyse auf dem Trade Dashboard

Schockereignisse auf dem Trade Dashboard


Fazit

Der EU-Handel mit Uran- und Thoriumerzen (CN 2612) ist zwischen 2015 und 2025 durch drei zentrale Dynamiken geprägt: erstens einen drastischen Rückgang der Importmengen um 84 % bei gleichzeitigem Anstieg der Einheitspreise um 365 %; zweitens eine geopolitische Umorientierung der Lieferantenstrukturen mit wachsender Bedeutung Zentralasiens und Afrikas sowie einer zunehmenden Konzentration; und drittens eine marginale Exportaktivität der EU mit hoher Volatilität und punktuellen Ausreisser-Ereignissen. Frankreich hat sich als zentraler Einfuhrhafen innerhalb der EU etabliert, während die Gesamtabhängigkeit der EU von Drittländern trotz der Mengenreduktion angesichts der strategischen Bedeutung von Uranerzen für die Energieversorgung weiterhin hoch bleibt. Die hohen und stark schwankenden Einheitspreise spiegeln sowohl die geringen Handelsvolumina als auch die Heterogenität der gehandelten Produkte (Rohere versus Konzentrate) wider.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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