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Marktentwicklung: Sonstige Erze (CN 2617) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifcode 2617 erfasst als Restposition alle Erze und ihre Konzentrate, die nicht unter die einzelnen Erz-Überschriften (Eisen, Kupfer, Nickel, Aluminium usw.) fallen. Darunter fallen unter anderem Antimonerze (261710) sowie diverse andere, nicht einzeln genannte Erze (261790). Obwohl CN 2617 mengenmäßig ein Nischenprodukt darstellt, zeigt sich im Zeitraum 2015–2025 ein bemerkenswerter Strukturwandel: Die EU hat ihre Importvolumina drastisch reduziert, während die durchschnittlichen Preise — sowohl bei Importen als auch bei Exporten — um ein Vielfaches gestiegen sind. Gleichzeitig haben sich die Handelspartner geopolitisch verschoben, und die Konzentration der Lieferketten hat deutlich zugenommen. Der Gesamtüberblick auf dem Trade Dashboard liefert die zugrundeliegenden Zeitreihen.


1. Volumeneinbruch und Preisexplosion: Weniger Tonnen, höhere Werte

1.1 Importvolumen bricht um über 80 % ein

Die EU importierte im Jahr 2015 noch rund 10.140 Tonnen sonstiger Erze (CN 2617) aus Drittländern. Bis 2025 sank dieses Volumen auf lediglich 1.924 Tonnen — ein Rückgang von 81,0 %. Der Einbruch verlief nicht linear: 2018 wurde mit 23.845 Tonnen ein Ausreißer nach oben verzeichnet, gefolgt von einem kontinuierlichen Rückgang ab 2019. Der Tiefpunkt wurde 2023 mit nur 1.898 Tonnen erreicht.

Jahr Menge Importe (t) Wert Importe (Mio. €) Ø-Preis Importe (€/t)
2015 10.140 54,4 5.363
2016 9.024 45,3 5.022
2017 4.851 14,5 2.982
2018 23.845 89,2 3.738
2019 7.619 36,4 4.778
2020 5.144 29,8 5.790
2021 3.733 18,7 5.002
2022 4.609 26,9 5.835
2023 1.898 11,8 6.234
2024 2.495 17,4 6.957
2025 1.924 35,4 18.384

Quelle: Handelsübersicht

1.2 Durchschnittliche Importpreise vervierfachen sich

Während die Mengen sanken, stieg der gewichtete Durchschnittspreis der Importe von 5.363 €/t (2015) auf 18.384 €/t (2025) — eine Steigerung von 242,8 %. Der Preisanstieg ist zum Teil auf eine Verschiebung der Produktmix-Zusammensetzung zurückzuführen: Die Antimonerze (261710) verzeichneten einen Preisanstieg von 4.505 €/t auf 21.010 €/t, während die Preise für die übrigen Erze (261790) von 5.590 €/t auf 2.904 €/t fielen. Der starke Preisanstieg bei Antimonerzen — einem kritischen Rohstoff für die Rüstungs-, Elektronik- und Batterieindustrie — spiegelt die global zunehmende Knappheit und die geopolitische Abhängigkeit wider.

1.3 Exportpreise steigen noch stärker, bleiben aber mengenmäßig marginal

Die EU-Exporte sind mit zuletzt nur 94,5 Tonnen (2025) mengenmäßig verschwindend gering. Der Exportwert belief sich auf lediglich 1,9 Mio. €. Gleichwohl stieg der durchschnittliche Exportpreis von 4.369 €/t auf 20.183 €/t (+362,0 %). Dies deutet darauf hin, dass die EU primär hochwertige Spezialerze oder Konzentrate mit besonderer metallurgischer Qualität exportiert, während die Breite der Massenerze über Importe abgedeckt wird. Die Segmentaufschlüsselung nach Unterpositionen bestätigt dieses Bild.


2. Geopolitische Umstrukturierung der Handelspartner

2.1 Türkei wird dominierender Importpartner — Lateinamerika verliert an Bedeutung

Die größte Verschiebung auf der Importseite betrifft den Aufstieg der Türkei zum mit Abstand wichtigsten Lieferanten. Die Importe aus der Türkei stiegen von 6,6 Mio. € (2015) auf 31,6 Mio. € (2025) — ein Zuwachs von 377 %. Im Gegenzug verloren die traditionellen lateinamerikanischen Lieferanten massiv an Bedeutung:

Partnerland 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Türkei 6,6 31,6 +377 %
Bolivien 34,0 1,7 −95 %
Australien 2,5 0,02 −99 %
Mexiko 5,0 0,003 −100 %
Peru 0,009 0,001 −91 %
Russland 0,001 0,0001 −85 %
Ukraine 0,002 0,21 +9.545 %

Quelle: Top-Handelspartner nach Wert

Bolivien war 2015 mit 34,0 Mio. € der mit Abstand wichtigste Einzellieferant — vermutlich aufgrund von Antimonerzen. Der dortige Rückgang auf 1,7 Mio. € (2025) dürfte mit politischen Verwerfungen, veränderten Exportpolitiken und der Erschöpfung bestimmter Lagerstätten zusammenhängen. Der Aufstieg der Türkei als neuer Hauptlieferant könnte auf die geografische Nähe, günstigere Logistikkosten und eine gesteigertetürkische Bergbauproduktion zurückzuführen sein.

2.2 Chile wird zum wichtigsten Exportziel der EU

Auf der Exportseite fällt der dramatische Aufstieg Chiles als wichtigstes Abnehmerland auf: Von lediglich 20 € (2015) auf 1,7 Mio. € (2025). Chile — selbst ein bedeutender Bergbaustandort — importiert offenbar spezialisierte Erzkonzentrate aus der EU, möglicherweise zur Vervollständigung bestimmter metallurgischer Verfahren. Ein Preisschock bei den Exporten nach Chile im Jahr 2023 (Anstieg um 2.088 %, Abnormalitäts-Score von 209,3, Anteil von 76,1 % am Gesamtwert) unterstreicht die Sonderrolle dieses Handelsstroms.

2.3 Volatilität variiert stark je nach Partner

Die Volatilität der Handelsströme — gemessen am Variationskoeffizienten (CV) — ist bei vielen Partnern extrem hoch, was den Nischencharakter des Produkts widerspiegelt. Besonders volatil waren die Importe aus Peru (CV 3,29), Australien (CV 2,88) und Russland (CV 1,70). Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass einzelne Großlieferungen oder deren Ausbleiben die gesamte Statistik dominieren. Ein bemerkenswerter Preisschock wurde 2021 bei russischen Importen identifiziert (+464 % Anstieg, 21,6 % Wertanteil), zeitlich korrelierend mit der Phase geopolitischer Spannungen vor dem Einmarsch in die Ukraine.


3. Steigende Konzentration und zunehmende Autonomie der EU

3.1 Lieferantenkonzentration nimmt deutlich zu

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 4.223 (2015) auf 8.043 (2025) — ein Anstieg von 90,5 %. Damit bewegt sich der EU-Markt für CN-2617-Importe in Richtung eines hochkonzentrierten Marktes. Die Konzentrationsanalyse zeigt, dass die Abhängigkeit von wenigen Lieferanten — insbesondere der Türkei — zugenommen hat. Auf der Exportseite ist die Konzentration noch stärker gestiegen (HHI von 2.782 auf 8.626, +210 %), was den Nischencharakter der EU-Ausfuhren unterstreicht.

3.2 Italien übernimmt die Rolle Belgiens als führender EU-Importeur

Innerhalb der EU hat sich die Importstruktur erheblich verschoben. Belgien — 2015 mit 43,5 Mio. € der mit Abstand größte EU-Importeur — reduzierte seine Importe auf 3,2 Mio. € (2025, −93 %). Italien hingegen steigerte seine Importe von 9,6 Mio. € auf 31,5 Mio. € (+227 %) und wurde damit zum dominierenden Importeur in der EU:

EU-Mitgliedstaat 2015 Importe (Mio. €) 2025 Importe (Mio. €) Veränderung
Italien 9,6 31,5 +227 %
Belgien 43,5 3,2 −93 %
Spanien 0,8 0,3 −65 %
Irland 0,4 0,1 −69 %
Deutschland 0,04 0,05 +42 %
Niederlande 0,004 0,03 +769 %

Quelle: EU-Mitgliedstaaten nach Importen

Italiens Rolle als Haupteinfuhrhafen für Erze — bedingt durch die Nähe zu türkischen Lieferwegen und die starke metallverarbeitende Industrie — erklärt diesen Shift teilweise. Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass Spanien (RSCA 0,68) und Portugal (RSCA 0,64) die höchste komparative Spezialisierung bei CN-2617 aufweisen, während Deutschland (RSCA −0,97) und Italien (RSCA −0,85) trotz hoher absoluter Handelswerte keine Spezialisierung in diesem Segment besitzen — ein Hinweis darauf, dass diese Länder die Erze primär als Vorleistungen für ihre breit aufgestellte Industrie importieren.

3.3 Nettounerlässlichkeit der Importe sinkt — EU-Produktion wächst

Die Nettounerlässlichkeit für Importe sank von 93,5 % (2015) auf 34,5 % (2025). Dieser Rückgang um 63 Prozentpunkte ist beachtlich und geht einher mit einem starken Anstieg der EU-eigenen Produktion: Die EU-Produktionsvolumina stiegen von 5.547 kg auf 26.500 kg (+378 %), der Produktionswert sogar von 2,4 Mio. € auf 24,0 Mio. € (+914 %). Allerdings sind die absoluten Produktionsmengen mit 26,5 Tonnen weiterhin gering — der starke prozentuale Anstieg startet von einer sehr niedrigen Basis. Die sinkende Nettounerlässlichkeit dürfte daher primär auf den Rückgang der Importvolumina zurückzuführen sein, nicht auf eine substanzielle Importsubstitution.


Schlussfolgerung

Der EU-Handel mit sonstigen Erzen (CN 2617) hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental verändert. Drei Entwicklungen dominieren:

  1. Quantitativer Rückgang bei steigenden Preisen: Die Importmengen sanken um 81 %, während sich die durchschnittlichen Preise mehr als vervierfachten. Dies deutet auf eine gezielte Reduktion der Mengenimporte hin — weg von volumenstarken Standarderzen, hin zu spezialisierten, hochpreisigen Konzentraten. Der Preisexplosion bei Antimonerzen (von 4.505 auf 21.010 €/t) kommt hier besondere Bedeutung zu, da Antimon als kritischer Rohstoff für Verteidigung und Hochtechnologie eingestuft wird.

  2. Geopolitische Neuordnung: Die Türkei hat Bolivien, Australien und Mexiko als Hauptlieferant abgelöst. Diese Konzentration birgt neue Abhängigkeitsrisiken — der HHI für Importe stieg auf über 8.000. Gleichzeitig wurde Chile zum wichtigsten Exportziel der EU, was auf Spezialhandelsbeziehungen im Bergbausektor hindeutet.

  3. Scheinbare Autonomiezunahme mit Einschränkungen: Die sinkende Nettounerlässlichkeit (von 93,5 % auf 34,5 %) signalisierter eine geringere Importabhängigkeit, ist aber methodisch mit Vorsicht zu interpretieren — sie spiegelt zum Teil einfach das gesunkene Handelsvolumen wider, nicht zwingend eine gesteigerte Versorgungssicherheit.

Für die Rohstoffstrategie der EU bleibt CN 2617 ein sensibles Segment: Die zunehmende Konzentration auf wenige Lieferanten, die hohe Volatilität der Handelsströme und die strategische Bedeutung von Antimonerzen erfordern eine fortlaufende Beobachtung im Kontext der EU Critical Raw Materials Agenda.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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