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Marktentwicklung: Metallhaltige Rückstände (CN 2620) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarif CN 2620 umfasst Schlacken, Aschen und Rückstände, die Metalle, Arsen oder deren Verbindungen enthalten — mit Ausnahme solcher aus der Eisen- und Stahlherstellung. Die Warengruppe ist heterogen und wird auf 8- und 10-stelliger Ebene nach dem vorherrschenden Metall (Zink, Blei, Kupfer, Aluminium etc.) differenziert. Für die EU ist dieser Warenstrom sowohl rohstoffstrategisch als auch umweltpolitisch von Bedeutung, da es sich bei diesen Materialien sowohl um Sekundärrohstoffe als auch um potenzielle Abfälle handelt. Der Produktüberblick auf CN-2620-Ebene zeigt, dass der EU-Außenhandel mit diesem Produkt im Zeitraum 2015–2025 ein beachtliches Volumenwachstum verzeichnete — allerdings bei gleichzeitig rückläufigen Einheitspreisen und sich verschiebenden Handelsstrukturen.


1. Kräftiges Volumenwachstum bei fallenden Durchschnittspreisen

1.1 Die EU-Importe verdoppelten sich mengenmäßig

Die importierte Menge stieg von 290.991 t im Jahr 2015 auf 562.684 t im Jahr 2025, was einem Anstieg von 93,4 % entspricht. Der Importwert entwickelte sich moderater — von 339 Mio. EUR auf 500 Mio. EUR (+47,5 %) — was auf die gleichzeitig sinkenden Einheitspreise zurückzuführen ist. Der durchschnittliche Importpreis fiel von 1.165 EUR/t (2015) auf 889 EUR/t (2025), ein Rückgang von 23,7 %. Besonders auffällig war der Preisrückgang im Jahr 2020, als der Importpreis auf 803 EUR/t sank — den niedrigsten Wert im gesamten Betrachtungszeitraum —, gefolgt von einem temporären Anstieg auf 1.064 EUR/t im Krisenjahr 2022.

1.2 EU-Exporte wuchsen mengenmäßig noch stärker, aber mit Preisverfall

Die exportierte Menge mehr als sicherte sich: von 132.306 t (2015) auf 287.996 t (2025), ein Plus von 117,7 %. Der Exportwert stieg von 332 Mio. EUR auf 527 Mio. EUR (+59,0 %). Allerdings sank der Exportdurchschnittspreis drastisch — von 2.506 EUR/t auf 1.830 EUR/t (−27,0 %). Damit liegen die Exportpreise zwar weiterhin deutlich über den Importpreisen (Faktor 2,1 im Jahr 2025), doch hat sich diese Preisschere im Vergleich zu 2015 (Faktor 2,2) leicht geschlossen.

1.3 Die Handelsbilanz kehrte sich um

Die Handelsbilanz bewegte sich im Betrachtungszeitraum zwischen einem Tief von −137 Mio. EUR und einem Hoch von +64 Mio. EUR. Im Jahr 2015 betrug das Defizit noch −7,5 Mio. EUR; 2025 wurde ein Überschuss von +26,8 Mio. EUR verzeichnet. Dieser Umschwung ist darauf zurückzuführen, dass die EU zunehmend mengenintensive, aber preisgünstigere Materialien importiert und gleichzeitig höherwertige Rückstände (insbesondere auf Basis 262099) exportiert.

Indikator 2015 2025 Veränderung
Importwert (Mio. EUR) 339 500 +47,5 %
Importmenge (t) 290.991 562.684 +93,4 %
Importpreis (EUR/t) 1.165 889 −23,7 %
Exportwert (Mio. EUR) 332 527 +59,0 %
Exportmenge (t) 132.306 287.996 +117,7 %
Exportpreis (EUR/t) 2.506 1.830 −27,0 %
Handelsbilanz (Mio. EUR) −7,5 +26,8

2. Strukturelle Verschiebungen bei Handelspartnern und Produktsegmenten

2.1 Die Importpartnerlandschaft wurde deutlich diverser

Während 2015 die USA (96 Mio. EUR), Norwegen (32 Mio. EUR) und das Vereinigte Königreich (28 Mio. EUR) die wichtigsten Importpartner der EU waren, verschob sich die Rangliste bis 2025 erheblich. Die Partneranalyse zeigt folgende Entwicklungen:

Partnerland Importwert 2015 (Mio. EUR) Importwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Kanada 19 54 +180 %
USA 96 129 +34 %
Türkei 3 53 +1.581 %
Vereinigtes Königreich 28 47 +68 %
Norwegen 32 11 −64 %
Schweiz 15 13 −17 %
Südafrika 5 9 +104 %

Besonders bemerkenswert ist der exponentielle Anstieg der Importe aus der Türkei (+1.581 %), die sich von einem Nischenlieferanten zu einem der wichtigsten Importpartner entwickelte. Auch Kanada gewann stark an Bedeutung. Norwegen hingegen verlor seine Position als zweitwichtigster Importpartner — die Importe fielen um 64 % auf 11 Mio. EUR. Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe sank leicht von 1.201 auf 1.128, was eine geringfügig höhere Diversifizierung der Bezugsquellen bestätigt.

2.2 Exportziele verlagerten sich stark nach Asien-Pazifik

Auf der Exportseite zeigt die Länderanalyse eine bemerkenswerte geografische Neuausrichtung:

Exportpartner Exportwert 2015 (Mio. EUR) Exportwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Norwegen 36 45 +24 %
Vereinigtes Königreich 10 36 +248 %
Australien ~0 37
Indien 4 23 +444 %
USA 5 2 −66 %
Türkei 3 6 +81 %
Schweiz 0,4 0,04 −91 %

Australien stieg von praktisch null Exporten (2015: 1 EUR) auf 37 Mio. EUR (2025) zum drittwichtigsten Exportziel auf. Indien verfünffachte seine Importe aus der EU. Die HHI-Exportkonzentration sank deutlich von 3.070 auf 2.210, was eine klare Diversifizierung der Absatzmärkte signalisiert.

2.3 Die wichtigsten Produktsegmente entwickelten sich gegenläufig

Die Produktaufschlüsselung zeigt bei den Importen eine bemerkenswerte Verschiebung:

CN-Code Beschreibung Menge 2015 (t) Menge 2025 (t) Veränderung
262099 Sonstige metallhaltige Rückstände 113.583 120.222 +6 %
262019 Überwiegend Zink enthaltend 31.820 215.900 +578 %
262030 Überwiegend Kupfer enthaltend 69.321 52.515 −24 %
262040 Überwiegend Aluminium enthaltend 29.883 136.711 +358 %
262029 Überwiegend Blei enthaltend 28.964 15.567 −46 %
262011 Galvanisationsmatte „Hartzink" 16.898 21.749 +29 %

Die mengenmäßig dominierende Position von CN 262099 blieb zwar erhalten, wurde aber 2025 von CN 262019 (zinkhaltige Rückstände, 215.900 t) und CN 262040 (aluminiumhaltige Rückstände, 136.711 t) überholt. Kupfer- und bleihaltige Rückstände verloren hingegen an Volumen. Dies spiegelt den steigenden Bedarf an Zink- und Aluminium-Sekundärrohstoffen wider, der mit der Energiewende und dem wachsenden Recycling-Sektor zusammenhängt.


3. Wachsende Rohstoffabhängigkeit trotz Exportstärke

3.1 Die Nettoundportabhängigkeit erreichte historische Höchststände

Der Indikator für Nettoundportabhängigkeit stieg von 55,1 % (2015) auf 76,9 % (2025) — den höchsten Wert im gesamten Betrachtungszeitraum. Dieser Anstieg um 39,6 % ist bemerkenswert, weil er parallel zu einem positiven Handelsbilanzsaldo verläuft. Die Erklärung liegt in der mengenmäßigen Dominanz der Importe: Die EU importierte 2025 rund 563.000 t, exportierte aber nur 288.000 t. Die höherwertigen Exporte (höherer Preis je Tonne) können mengenmäßig die Importe nicht ausgleichen. In einem Jahr (2021) sank die Nettoundportabhängigkeit sogar auf −8,1 %, als die EU vorübergehend mengenmäßig Nettoexporteur war — ein Ausreißer, der sich nicht wiederholte.

3.2 Spezialisierung und Produktionsvolumen deuten auf eine Bifurkation hin

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass innerhalb der EU eine deutliche Arbeitsteilung besteht. Finnland (RSCA: 0,90, RCA: 19,4) und Griechenland (RSCA: 0,58) sind die am stärksten spezialisieren Exporteure, während große Volkswirtschaften wie Deutschland, Frankreich und Italien in diesem Segment unterdurchschnittlich auftreten. Die EU-Produktion (inkl. Intra-EU) belief sich 2025 auf ca. 2,08 Mrd. kg (2,08 Mio. t) mit einem Produktionswert von 121 Mio. EUR — gegenüber 1,90 Mrd. kg bzw. 100 Mio. EUR im Basisjahr. Die Produktion wuchs also mengenmäßig um 9,4 % und wertmäßig um 21 %, blieb aber deutlich hinter dem Wachstum des Außenhandelsvolumens zurück.

3.3 Lieferkettenrisiken durch Volatilität und Preisschocks

Die Volatilitätsanalyse identifiziert mehrere anfällige Handelsströme. Bei den Importen weisen die Türkei (Variationskoeffizient CV: 1,30) und Nigeria (CV: 1,30) die höchste Volatilität auf, gefolgt von Saudi-Arabien (0,92) und Südafrika (0,87). Bei den Exporten sind die USA (CV: 1,79), Australien (1,71) und Thailand (1,14) die volatilsten Partner.

Zudem wurden drei signifikante Preisschocks identifiziert:

Schock Jahr Typ Preisänderung Abnormalität
Australien (Export) 2022 Preis +297,5 % 99,6
USA (Export) 2023 Preis +419,9 % 21,1
Südafrika (Import) 2018 Preis +113,5 % 12,4

Der Australien-Schock 2022 fiel mit dem globalen Rohstoffboom nach Beginn des Ukraine-Kriegs zusammen. Der extreme Preisanstieg bei Exporten in die USA (2023) deutet auf eine Verschiebung in Richtung hochwertigerer Spezialrückstände hin, die nur zu deutlich höheren Preisen abgesetzt werden konnten. Die Exportneigung (Export Propensity) sank im Zeitraum von 623 % auf 240 %, was bedeutet, dass der EU-Außenhandel mit CN 2620 relativ zur Produktion an Bedeutung verloren hat.


Fazit

Der EU-Außenhandel mit metallhaltigen Rückständen (CN 2620) hat sich zwischen 2015 und 2025 sowohl in der Größenordnung als auch in der Struktur erheblich verändert. Drei zentrale Trends dominieren:

Erstens: Massives Volumenwachstum bei sinkenden Preisen. Sowohl Import- als auch Exportmengen haben sich mehr als verdoppelt, während die Durchschnittspreise um 20–27 % sanken. Dies deutet auf eine zunehmende Verlagerung hin zu mengenorientierten, preisgünstigeren Materialströmen — insbesondere bei zink- und aluminiumhaltigen Rückständen.

Zweitens: Strukturelle Umorientierung der Handelspartner. Neue, stark wachsende Partner wie die Türkei (Importe), Australien und Indien (Exporte) haben die traditionell westlich-europäisch geprägte Handelsstruktur aufgebrochen. Die Konzentration der Handelsbeziehungen (HHI) ist sowohl bei Importen als auch bei Exporten gesunken, was auf eine robustere Diversifizierung hindeutet.

Drittens: Steigende Rohstoffabhängigkeit trotz positiver Handelsbilanz. Die Nettoundportabhängigkeit erreichte mit 76,9 % einen historischen Höchststand. Obwohl die EU in Werttermen einen Handelsüberschuss erzielt, ist sie mengenmäßig zunehmend auf Drittlandimporte angewiesen — ein Umstand, der angesichts der geopolitischen Rohstoffrisiken und der hohen Volatilität bei einigen Lieferantenländern als strategische Herausforderung zu bewerten ist.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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