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Marktentwicklung: Lebensmittelzubereitungen (CN 21) — 2015–2025

Einleitung

Die Produktgruppe CN 21 „VERSCHIEDENE LEBENSMITTELZUBEREITUNGEN“ umfasst eine breite Palette von Erzeugnissen – von Soßen und Würzmitteln über Speiseeis, Kaffee- und Tee-Extrakte bis zu homogenisierten Kinder- und Diätnahrungen. Der vorliegende Bericht analysiert die Entwicklung des EU-Außenhandels mit diesem Segment im Zeitraum 2015 bis 2025 auf Basis der Handelsdaten für den Extra-EU-Handel. Der Fokus liegt auf den zentralen Dynamiken: einem kräftigen, von der Produktion getragenen Wachstum, einer spürbaren Diversifikation der Handelspartner sowie einem deutlichen Preisauftrieb, der mit punktuellen, aber erheblichen Preisschocks einhergeht.

1. Expansion des Handels und festigende Exportstärke

Die Exporte haben sich wertmäßig nahezu verdoppelt, während der Einfuhrzuwachs verhaltener ausfiel

Der Gesamtwert der EU-Ausfuhren in Drittländer stieg von 9.727.706.692,33 EUR im Jahr 2015 auf 18.864.824.969,51 EUR im Jahr 2025 (+93,9 %), die Einfuhren wuchsen im selben Zeitraum von 3.767.272.539,37 EUR auf 6.714.274.454,78 EUR (+78,2 %) (vgl. Allgemeiner Überblick). Die Mengenausweitung war auf der Exportseite (+35,7 %) geringer als das Wertwachstum, was auf deutliche Preissteigerungen hinweist (siehe Tabelle 1).

Jahr Exportwert (EUR) Importwert (EUR) Handelsbilanz (EUR)
2015 9.727.706.692,33 3.767.272.539,37 5.960.434.152,95
2020 12.193.775.420,29 4.722.780.863,15 7.470.994.557,14
2025 18.864.824.969,51 6.714.274.454,78 12.150.550.514,73

Der Handelsbilanzüberschuss hat sich damit mehr als verdoppelt (+103,9 %). Das Mengengerüst bestätigt den Trend: Das Exportvolumen kletterte von 2.682.639,33 Tonnen auf 3.639.519,42 Tonnen, das Importvolumen von 1.003.748,79 Tonnen auf 1.437.789,90 Tonnen.

Die Nettoimportabhängigkeit kehrte sich um – die EU wurde zum immer stärkeren Nettoexporteur

Die Nettoimportabhängigkeit (Importe minus Exporte in Relation zur Marktgröße) ist durchweg negativ und hat sich von −3,34 % (2015) auf −9,09 % (2025) nochmals spürbar in den negativen Bereich verschoben (−172,3 % Veränderung). Das bedeutet, dass die EU in dieser Warengruppe nicht nur Selbstversorger ist, sondern ihren Überschuss kontinuierlich ausbaut.

Die Exportorientierung der Branche nahm spürbar zu

Die Exportneigung (Anteil der Exporte an der heimischen Produktion) erhöhte sich von 7,26 % auf 14,40 % und stützt damit das Bild einer international wettbewerbsfähigen Branche. Die europäische Produktion ihrerseits hat sich im selben Zeitraum stark ausgeweitet: Die Produktionsmenge stieg von 11.106.913.621 kg (2015) auf 18.653.893.397 kg (2024), der Produktionswert von 25.444.053.052 EUR auf 51.897.584.726 EUR (Produktionsmengen und -werte). Das Wachstum des Außenhandels fand also vor dem Hintergrund einer dynamischen Binnennachfrage und eines wachsenden Produktionspotenzials statt.

2. Geografische Neuausrichtung und Diversifizierung der Partner

Importseitig sinkt die Konzentration – China, Serbien und die Ukraine holen massiv auf

Die Herfindahl-Hirschman-Indizes (HHI) für Importe zeigen einen Rückgang von 1.676 (2015) auf 1.089 (2025, −35,0 %), ein klares Zeichen für eine breitere Streuung der Bezugsquellen (Konzentration der Importe). Zwar bleibt das Vereinigte Königreich mit 1,74 Mrd. EUR (2025) der mit Abstand größte Lieferant, doch die Dynamik liegt bei einer Reihe kleinerer, aber schnell wachsender Anbieter.

Partner (Import) 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung (%)
Vereinigtes Königreich 1.305.234.867,84 1.736.676.700,42 33,1
China 181.150.051,18 646.379.370,85 256,8
Serbien 40.533.584,92 206.182.870,68 408,7
Ukraine 21.901.358,24 115.448.666,16 427,1
Thailand 157.520.034,05 289.431.920,75 83,7
USA 488.434.200,66 771.755.430,57 58,0

Daten: Top-Importpartner

Exporteure setzen verstärkt auf die USA und die Schweiz, während das Vereinigte Königreich als Ankermarkt bleibt

Der Export-HHI sank ebenfalls, von 908 auf 728 (−19,8 %), wenngleich weniger stark. Das Vereinigte Königreich baute seine Position als Hauptbestimmungsland mit 4,15 Mrd. EUR weiter aus (+58,9 %). Die größten relativen Zuwächse entfielen jedoch auf die USA (+199,1 %) und die Schweiz (+104,8 %). Auch Norwegen und Saudi-Arabien legten deutlich zu.

Partner (Export) 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung (%)
Vereinigtes Königreich 2.613.261.784,90 4.152.826.162,83 58,9
USA 618.768.514,59 1.850.688.463,26 199,1
Schweiz 489.514.385,60 1.002.746.083,92 104,8
Türkei 275.961.230,15 585.014.351,86 112,0
Norwegen 253.745.644,63 495.152.604,44 95,1
Saudi-Arabien 267.085.999,40 479.500.201,84 79,5

Daten: Top-Exportpartner

Innerhalb der EU zeigt sich eine starke Spezialisierung der baltischen und mitteleuropäischen Staaten

Die Spezialisierungsanalyse (RSCA 2025) unterstreicht, dass Lebensmittelzubereitungen in Ländern mit ausgeprägter Verarbeitungsindustrie eine hohe Bedeutung haben. Die Top‑5 der spezialisiertesten Berichtsländer sind:

Am unteren Ende liegen Malta (RSCA −0,5959) und Finnland (−0,5345), was die unterschiedlichen Produktionsstrukturen im Binnenmarkt widerspiegelt.

3. Preisauftrieb und Schocks in ausgewählten Märkten

Die aggregierten Exportpreise stiegen stärker als die Importpreise, getrieben von hochwertigen Verarbeitungsprodukten

Der durchschnittliche EU-Exportpreis für CN 21 erhöhte sich von 3.625,44 EUR/t (2015) auf 5.183,15 EUR/t (2025; +43,0 %), der Importpreis von 3.753,10 EUR/t auf 4.669,81 EUR/t (+24,4 %). Die Preisschere macht den Qualitätsvorsprung der EU-Erzeugnisse deutlich. Ein Blick in die Produktunterkategorien zeigt, dass vor allem „Lebensmittelzubereitungen a.n.g.“ (2106) – die mit Abstand größte Untergruppe – den Preisanstieg trug.

Teilkategorie (Export) Preis 2015 (EUR/t) Preis 2025 (EUR/t) Veränderung (%)
2106 – Lebensmittelzubereitungen a.n.g. 4.288,37 6.434,87 50,1
2101 – Kaffee-/Tee-Extrakte 9.844,28 13.153,62 33,6
2103 – Würzsoßen und -mittel 1.895,44 2.854,97 50,6
2105 – Speiseeis 2.968,56 4.251,58 43,2

Die hohen Stückpreise bei Kaffee-/Tee-Extrakten (2101) stechen hervor, doch auch die volumenstärkeren Segmente 2106 und 2103 verbuchten kräftige Anstiege.

Preissprünge auf einzelnen Absatz- und Beschaffungsmärkten zeigen punktuelle Verletzlichkeit

Die automatisierte Schockerfassung identifiziert für den Zeitraum drei außergewöhnliche Preisausschläge (Abnormalität ≥ 7,6):

Markt Fluss Jahr Preisverschiebung (%) Wertanteil (%) Abnormalität
Türkei Import 2023 23,7 4,9 9,1
VAE Export 2022 22,5 2,0 216,3
Nigeria Export 2022 43,0 0,7 7,6

Quelle: Preisschocks

Der Schock in den Vereinigten Arabischen Emiraten (Export) etwa führte zu einem dauerhaft erhöhten Preisniveau, während der Preissprung bei türkischen Importen 2023 von einer Mengenausweitung begleitet war und ebenfalls nahezu vollständig erhalten blieb. Auch der nigerianische Exportmarkt zeigte einen starken Preisanstieg, wenngleich das absolute Handelsvolumen gering ist.

Die Volatilität der Handelsströme variiert erheblich zwischen den Partnern

Die Analyse der Mengenvolatilität (Variationskoeffizient CV) offenbart unterschiedliche Stabilitätsgrade. Besonders ausgeprägt sind die Schwankungen bei den Einfuhren aus Sri Lanka (CV 0,63) und Indonesien (0,35); auch China (0,33) und Serbien (0,32) liegen im oberen Bereich. Dagegen sind die Importe aus der Schweiz (0,04), den USA (0,09) und dem Vereinigten Königreich (0,18) vergleichsweise stabil. Auf der Exportseite stechen die Lieferungen in die USA mit einem hohen CV von 0,42 hervor – getrieben von der kräftigen Mengenausweitung in der zweiten Hälfte des Betrachtungszeitraums –, während das UK-Geschäft (0,07) und jenes mit der Schweiz (0,10) über die Jahre sehr gleichmäßig wuchsen.

Fazit

Der EU-Außenhandel mit Lebensmittelzubereitungen (CN 21) hat sich zwischen 2015 und 2025 zu einer ausgeprägten Erfolgsgeschichte entwickelt. Das wertmäßige Exportvolumen verdoppelte sich fast, die Handelsbilanz wurde zu einem der größten Überschussposten, und die heimische Produktion expandierte parallel. Die Importabhängigkeit ist minimal und nahm weiter ab, während die Exportorientierung der Branche massiv anstieg. Treiber dieser Entwicklung sind eine hohe Wertschöpfungstiefe, die in steigenden Durchschnittspreisen zum Ausdruck kommt, und eine geografisch immer breitere Aufstellung. Die Diversifikation der Lieferanten – besonders die dynamische Entwicklung bei Partnern wie China, Serbien und der Ukraine – senkt das Konzentrationsrisiko. Auf der Abnehmerseite bleiben das Vereinigte Königreich und zunehmend die USA die wichtigsten Anker. Punktuelle Preisschocks in Einzelmärkten mahnen jedoch zur Wachsamkeit; sie zeigen, dass trotz der insgesamt stabilen Grundstruktur angebots- oder nachfrageseitige Verwerfungen – etwa durch geopolitische Ereignisse oder Währungseffekte – schnell zu spürbaren Kostenveränderungen führen können. Insgesamt präsentieren sich die europäischen Lebensmittelzubereitungen als wettbewerbsstarker und robuster Exportblock, der seine globalen Marktanteile kontinuierlich ausbaut.