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Marktentwicklung: Suppen und Brühen (CN 2104) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarif 2104 umfasst ein breites Produktspektrum: von Fertigsuppen und Brühen über Zubereitungen zur Herstellung von Suppen bis hin zu fein homogenisierten Lebensmitteln für die Kinder- und Diätverpflegung. Die EU hat sich im Zeitraum 2015 bis 2025 von einem moderaten Nettoexporteur zu einem zunehmend starken Nettoexporteur entwickelt. Während die Exporte um 30,7 % auf 442 Mio. EUR stiegen, sanken die Importe um 18,3 % auf 106 Mio. EUR. Der Handelsüberschuss verbesserte sich von 209 Mio. EUR auf 336 Mio. EUR (+61,2 %). Diese Entwicklung verlief jedoch nicht linear — sie war geprägt von Pandemieeffekten, geopolitischen Umbrüchen und einer fundamentalen Verschiebung innerhalb der Produktsegmente.


1. Stärkende Exportbasis trotz schwankender Nachfrage

1.1 Wachstum der EU-Exporte und steigende Exportneigung

Die EU-Exporte im Segment CN 2104 verzeichneten über den gesamten Betrachtungszeitraum ein robustes Wachstum: Der Ausfuhrwert stieg von 338 Mio. EUR (2015) auf 442 Mio. EUR (2025), das Exportvolumen von 114.760 t auf 133.973 t. Die durchschnittlichen Exportpreise erhöhten sich dabei von 2.949 EUR/t auf 3.302 EUR/t (+12,0 %), was auf eine generelle Preisaufwärtsbewegung und möglicherweise eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produkten hindeutet.

Die Exportneigung — gemessen als Anteil der Exporte an der EU-Produktion — stieg von 4,9 % auf 8,6 % (+73,8 %). Dies ist bemerkenswert und zeigt, dass die EU ihre Wettbewerbsposition auf Drittmärkten erheblich ausgebaut hat. Die Handelsintensität nahm ebenfalls zu (+40,7 %), was auf eine zunehmende Einbindung des Sektors in den globalen Handel hindeutet.

1.2 Der starke Rückgang der Importe — Menge stärker als Preis

Der Importrückgang war sowohl mengen- als auch wertmäßig signifikant: Die Einfuhren sanken im Volumen um 31,7 % (von 36.678 t auf 25.056 t), im Wert um 18,3 % (von 130 Mio. EUR auf 106 Mio. EUR). Der Unterschied zwischen Mengen- und Wertrückgang erklärt sich durch gestiegene Importpreise (+19,7 % auf 4.237 EUR/t). Deutlich wird: Die EU importiert zwar weniger, zahlt aber für die verbleibenden Importe deutlich mehr — ein Hinweis auf Selektionseffekte hin zu hochpreisigen Nischenprodukten.

1.3 Dezentralisierung der Handelsströme

Sowohl bei Importen als auch bei Exporten zeigt der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) einen deutlichen Rückgang der Konzentration. Bei den Importen sank der HHI (Wertbasis) von 2.982 auf 1.626 (−45,5 %), bei den Exporten von 2.286 auf 1.677 (−26,6 %). Die EU bezieht ihre Suppenimporte also aus einer breiteren Palette von Lieferländern als noch zu Beginn des Betrachtungszeitraums, und die Exportziele haben sich ebenfalls diversifiziert.


2. Geopolitische Umbrüche und ihre Spuren im Handel

2.1 Brexit und die Sonderrolle des Vereinigten Königreichs

Das Vereinigte Königreich nimmt eine herausragende Rolle ein: Es ist sowohl das mit Abstand wichtigste Exportziel der EU (172 Mio. EUR in 2025) als auch der größte Importpartner (31 Mio. EUR). Auffällig ist die asymmetrische Entwicklung: Die EU-Exporte ins VK stiegen um 9,7 %, während die Importe aus dem VK um 50,3 % einbrachen (von 61 Mio. EUR auf 31 Mio. EUR). Die Importe waren zudem extrem volatil (Variationskoeffizient 0,40), was die Auswirkungen des Brexits auf Lieferketten und Handelsabwicklungen widerspiegeln dürfte. Das VK war 2015 mit Abstand größter Importeur in die EU; 2025 ist der Abstand zu den anderen Partnern deutlich geschrumpft.

2.2 Russland: Zusammenbruch der Exporte

Ein besonders drastischer Wandel vollzog sich im Handel mit der Russischen Föderation: Die EU-Exporte brachen von 12,8 Mio. EUR auf 2,8 Mio. EUR ein (−78,0 %). Der Variationskoeffizient von 0,60 unterstreicht die hohe Unsicherheit dieses Handelsstroms. Ursächlich sind mit hoher Wahrscheinlichkeit die nach der Invasion der Ukraine 2022 verhängten Sanktionen und Gegensanktionen. Russland war zuvor ein relevanter Abnehmermarkt und fiel innerhalb weniger Jahre als Exportpartner praktisch weg.

2.3 Afrika als neues Wachstumsfeld

Ein bemerkenswerter Gegenpol zum russischen Rückgang bildet das Wachstum der Exporte nach Afrika. Besonders hervorzuheben:

Zielland 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Burkina Faso 8,4 Mio. 25,7 Mio. +207,0 %
Dem. Rep. Kongo 5,0 Mio. 13,2 Mio. +165,0 %
Somalia 4,9 Mio. 8,3 Mio. +70,1 %

Gleichzeitig stiegen die Exporte in die USA von 7,5 Mio. EUR auf 24,4 Mio. EUR (+224,3 %). Diese Umorientierung deutet auf eine strategische Diversifizierung der EU-Ausfuhren hin — weg von geopolitisch instabilen Märkten, hin zu Wachstumsmärkten in Afrika und Nordamerika.

2.4 Preischocks und Lieferkettenstörungen

Die Volatilitätsanalyse identifiziert mehrere bemerkenswerte Preischocks:

  • Serbia (Importe, 2020): Ein außergewöhnlicher Preisanstieg um 81,2 % bei einer Abnormalität von 41,4 — zeitlich korreliert mit den COVID-19-bedingten Handelsstörungen.
  • Ghana (Exporte, 2022): Preisanstieg um 47,9 % — möglicherweise ein Nachhall der globalen Lieferkettenkrise.
  • Norwegen (Exporte, 2023): Ein moderaterer, aber dennoch signifikanter Preisanstieg um 17,8 %.

Besonders volatil waren zudem die Importe aus der Ukraine (CV 0,93) und aus Serbien (CV 0,78) — beides Länder mit hoher geopolitischer und wirtschaftlicher Instabilität.

2.5 Verschiebungen innerhalb der EU-Mitgliedstaaten

Auch innerhalb der EU haben sich die Exportgewichte erheblich verschoben:

Land 2015-Exporte (EUR) 2025-Exporte (EUR) Veränderung
Spanien 85,1 Mio. 155,8 Mio. +83,0 %
Frankreich 42,4 Mio. 41,5 Mio. −2,1 %
Italien 36,7 Mio. 40,0 Mio. +9,0 %
Niederlande 36,0 Mio. 15,9 Mio. −55,8 %
Deutschland 33,9 Mio. 36,4 Mio. +7,5 %
Polen 34,6 Mio. 16,1 Mio. −53,6 %
Kroatien 15,4 Mio. 26,9 Mio. +74,8 %

Spanien hat sich zum unangefochtenen Exportführer entwickelt und seinen Ausfuhrwert nahezu verdoppelt. Demgegenüber verloren die Niederlande und Polen jeweils mehr als die Hälfte ihrer Exporte — eine bemerkenswerte Verschiebung innerhalb des EU-Binnenmarktes, die auf Produktionsverlagerungen oder veränderte Wettbewerbsvorteile hindeuten könnte.


3. Strukturbruch im Segment Kinder- und Diätnahrung (CN 210420)

3.1 Zwei Segmente — zwei völlig unterschiedliche Dynamiken

Der Zollcode 2104 teilt sich in zwei Unterpositionen mit sehr unterschiedlicher Entwicklung auf. Vergleicht man die Segmente, wird ein fundamentaler Strukturbruch deutlich:

Importe nach Segment:

Kennzahl CN 210410 (Suppen/Brühen) CN 210420 (Kinder-/Diätnahrung)
Mengenentwicklung 2015→2025 32.506 t → 23.250 t (−28,5 %) 4.172 t → 1.806 t (−56,7 %)
Wertentwicklung 2015→2025 94,7 Mio. → 100,2 Mio. EUR (+5,9 %) 35,2 Mio. → 5,9 Mio. EUR (−83,2 %)
Preisentwicklung 2015→2025 2.913 → 4.311 EUR/t (+48,0 %) 8.436 → 3.285 EUR/t (−61,1 %)

Exporte nach Segment:

Kennzahl CN 210410 (Suppen/Brühen) CN 210420 (Kinder-/Diätnahrung)
Mengenentwicklung 2015→2025 88.587 t → 109.938 t (+24,1 %) 26.173 t → 24.036 t (−8,2 %)
Wertentwicklung 2015→2025 244,4 Mio. → 337,2 Mio. EUR (+38,0 %) 94,1 Mio. → 105,1 Mio. EUR (+11,8 %)
Preisentwicklung 2015→2025 2.758 → 3.067 EUR/t (+11,2 %) 3.594 → 4.375 EUR/t (+21,7 %)

3.2 Der Kollaps der Importe im Segment 210420

Der dramatischste Befund des gesamten Berichtszeitraums ist der Zusammenbruch der EU-Importe im Bereich der homogenisierten Kinder- und Diätnahrung (CN 210420). Die eingeführten Mengen fielen von 4.172 t (2015) auf nur noch 1.806 t (2025) — ein Rückgang von 56,7 %. Der Importwert brach sogar um 83,2 % ein, da parallel dazu der Importpreis von 8.436 EUR/t auf 3.285 EUR/t (−61,1 %) kollabierte.

Der Höhepunkt der Importe war 2019 mit 6.688 t und 68,7 Mio. EUR erreicht. Ab 2020 setzte ein steiler Rückgang ein — die Einfuhren halbierten sich nahezu innerhalb eines Jahres (2020: 4.391 t, 2021: 1.492 t). Dies könnte auf mehrere Faktoren zurückzuführen sein: COVID-19-bedingte Unterbrechungen globaler Lieferketten für Babynahrung, verschärfte EU-Regularien (etwa im Bereich der Kontaminantengrenzwerte) sowie eine zunehmende Eigenproduktion innerhalb der EU.

3.3 Preisdivergenz als Strukturindikator

Besonders auffällig ist die Preisentwicklung in den beiden Segmenten — und zwar in entgegengesetzte Richtungen:

  • Bei den Importen stieg der Preis für Suppen/Brühen (210410) um 48 %, während er für Kinder-/Diätnahrung (210420) um 61 % einbrach.
  • Bei den Exporten stiegen die Preise in beiden Segmenten, aber stärker bei 210420 (+21,7 % vs. +11,2 %).

Der Preisverfall bei den 210420-Importen ist bemerkenswert. Er deutet darauf hin, dass die verbleibenden Importe zunehmend aus kostengünstigeren Produktionsländern stammen — möglicherweise aus Thailand (Importe +29,8 %) oder der Türkei (+12,6 %), während hochpreisige Importe aus traditionellen Lieferländern weggefallen sind.

3.4 Wachsende EU-Produktion als Gegenpol

Die EU-Inlandsproduktion stieg im gleichen Zeitraum erheblich: von 1,22 Mrd. kg auf 1,59 Mrd. kg (+30,3 %) mengenmäßig und von 3,68 Mrd. EUR auf 5,17 Mrd. EUR (+40,8 %) wertmäßig. Der Anstieg der Produktionswerte überproportional zur Menge spiegelt Inflation, aber auch eine Qualitäts- und Produktspektrum-Aufwertung wider. Die stärkste Spezialisierung aufweisen die Slowakei (RSCA 0,65) und Rumänien (RSCA 0,56), während Länder wie Irland (RSCA −0,93) und Bulgarien (RSCA −0,92) kaum in diesem Segment exportieren.


Fazit

Der EU-Handel mit Suppen, Brühen und homogenisierten Lebensmittelzubereitungen (CN 2104) hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend gewandelt. Die EU hat ihre Position als Nettoexporteur kontinuierlich gestärkt: Der Netto-Importanteil sank von −2,4 % auf −7,0 %, was einem Zuwachs der Exportabhängigkeit von 199 % entspricht. Diese Stärkung wurde jedoch nicht durch eine gleichmäßige Expansion erzielt, sondern durch drei gleichzeitige Entwicklungen:

  1. Eine Exportdiversifizierung weg von Russland und hin zu afrikanischen Märkten und den USA, gepaart mit dem enormen Wachstum Spaniens als Exportnation.
  2. Den weitgehenden Rückzug des Vereinigten Königreichs als Importlieferant infolge des Brexits, wodurch die EU-Importbasis sowohl kleiner als auch breiter gestreut wurde.
  3. Den Strukturbruch im Segment der Kinder- und Diätnahrung (210420), dessen Importe um über 80 % kollabierten — zugunsten einer wachsenden Eigenproduktion und eines steigenden Exportanteils.

Die wachsende Exportneigung und die steigende Handelsintensität deuten darauf hin, dass der Sektor zunehmend international wettbewerbsfähig ist. Gleichzeitig bleibt die Abhängigkeit vom britischen Markt als Hauptexportziel ein konzentratives Risiko. Die Zukunftsentwicklung dürfte maßgeblich davon abhängen, ob die afrikanischen Wachstumsmärkte stabil bleiben und ob die EU-Produzenten ihre Kostenvorteile in der Kinder- und Diätnahrung gegen wachsende Konkurrenz aus Asien verteidigen können.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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