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Marktentwicklung: Kaffee- und Tee-Extrakte (CN 2101) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifposten CN 2101 umfasst Auszüge, Essenzen und Konzentrate aus Kaffee, Tee oder Mate sowie Zubereitungen auf deren Grundlage, ferner geröstete Zichorien und andere geröstete Kaffeemittel. Der Warenkreis erstreckt sich über vier Unterpositionen: Kaffeeextrakte (210111), Kaffeezubereitungen (210112), Tee-/Mate-Extrakte (210120) und geröstete Zichorien (210130).

Der hier betrachtete Zeitraum von 2015 bis 2025 war von tiefgreifenden geopolitischen und konjunkturellen Verwerfungen geprägt — von der Nach-Coronazeit über Lieferkettenengpässe bis hin zu den makroökonomischen Schocks des Jahres 2022. Die Daten zeigen, dass die EU im Segment der Kaffee- und Tee-Extrakte eine bemerkenswerte Transformation durchlaufen hat: von einem annähernd ausgeglichenen Handelsverhältnis zu einem zunehmend exportgetriebenen Markt. Im Folgenden werden die wesentlichen Dynamiken in drei Abschnitten analysiert.


1. Exportgetriebenes Wachstum: Die EU als Netto-Exporteurin von Kaffee- und Tee-Extrakten

1.1 Der Außenhandelsüberschuss hat sich nahezu verdreifacht

Im Zeitraum 2015–2025 entwickelte sich die EU im Bereich CN 2101 von einer Position mit einem geringen Handelsüberschuss zu einer klar exportorientierten Marktstellung. Die Handelsdaten belegen dies eindrücklich:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert 1.041 Mrd. € 2.014 Mrd. € +93,5 %
Importwert 701 Mio. € 1.126 Mrd. € +60,5 %
Handelsüberschuss 339 Mio. € 888 Mio. € +161,7 %
Nettorelianzquote −1,5 % −29,3 %

Der Handelsüberschuss stieg von rund 339 Mio. € auf 888 Mio. € an. Die Nettorelianzquote bewegte sich dabei von nahe null (−1,5 %) auf fast −30 % — ein negativer Wert bedeutet hier, dass die EU netto exportiert. Die Union hat sich also von einer Position beinahe ausgeglichenen Handels zu einer starken Netto-Exporteurin entwickelt.

1.2 Preisanstiege trieben den Wert stärker als das Volumen

Ein zentraler Befund ist die Diskrepanz zwischen Mengen- und Wertwachstum. Die Exportmenge wuchs von 105.719 t auf 153.070 t (+44,8 %), während der Exportwert nahezu um 93,5 % stieg. Der durchschnittliche Exportpreis erhöhte sich von 9.844 €/t auf 13.154 €/t (+33,6 %). Auf der Importseite ist diese Dynamik noch ausgeprägter: Die Importmenge stieg lediglich um 6,5 % (von 88.225 t auf 93.922 t), der Importwert hingegen um 60,5 %. Der durchschnittliche Importpreis kletterte von 7.951 €/t auf 11.986 €/t (+50,7 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportmenge 105.719 t 153.070 t +44,8 %
Exportpreis 9.844 €/t 13.154 €/t +33,6 %
Importmenge 88.225 t 93.922 t +6,5 %
Importpreis 7.951 €/t 11.986 €/t +50,7 %

Diese Entwicklung spiegelt zum einen die weltweit gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten wider, die sich in höheren Einstandspreisen niederschlugen. Zum anderen deutet der stärkere Exportmengenzuwachs darauf hin, dass die EU ihre Verarbeitungskapazitäten — insbesondere im Bereich löslicher Kaffeeextrakte — erheblich ausgebaut hat und vermehrt Wertschöpfung aus Drittländerimporten generiert.

1.3 Die EU-Produktion zeigt eine leichte Kontraktion bei steigender Wertschöpfung

Paradoxerweise ging die heimische Produktion im betrachteten Zeitraum leicht zurück: Die Produktionsmenge sank von 475.021 t (2015) auf 393.000 t (2025), ein Rückgang von 17,3 %. Der Produktionswert verringerte sich hingegen nur um 2,6 % (von 3,14 Mrd. € auf 3,06 Mrd. €). Dies impliziert eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Produkten oder eine Effizienzsteigerung in der Verarbeitung — die Wertschöpfung je Tonne Produktionsgut ist gestiegen.


2. Umstrukturierung der Handelspartnerschaften: Neue Lieferanten und expandierende Absatzmärkte

2.1 Vietnam und Indien als dynamische neue Importquellen

Die Importpartnerstruktur hat sich im Jahrzehnt erheblich verschoben. Traditionelle Lieferanten wie das Vereinigte Königreich und Brasilien behaupteten zwar ihre Positionen, doch die stärksten Wachstumsraten verzeichneten südostasiatische und südasiatische Quellen:

Lieferant Importwert 2015 Importwert 2025 Veränderung
Vereinigtes Königreich 237 Mio. € 263 Mio. € +11,0 %
Vietnam 25 Mio. € 218 Mio. € +764,2 %
Indien 34 Mio. € 120 Mio. € +250,5 %
Schweiz 86 Mio. € 164 Mio. € +90,0 %
Brasilien 58 Mio. € 79 Mio. € +36,3 %
Ecuador 92 Mio. € 57 Mio. € −37,8 %
Kolumbien 42 Mio. € 52 Mio. € +23,8 %

Vietnam stieg mit einem Plus von 764 % zum drittgrößten Importpartner der EU auf — ein Beleg für die rasante Entwicklung des vietnamesischen Kaffeeextrakt-Sektors, insbesondere im Segment des löslichen Kaffees. Indien, ebenfalls ein bedeutender Produzent von löslichem Kaffee und Teeextrakten, verfünffachte seine Exporte an die EU nahezu. Ecuador hingegen verlor als Lieferant stark an Bedeutung (−37,8 %), was auf Lieferkettenverschiebungen oder veränderte Handelspräferenzen hindeuten könnte.

2.2 Die Türkei und die USA als neue Wachstumsmärkte für EU-Exporte

Auf der Exportseite expandierten die EU-Ausfuhren in alle Hauptabnehmerländer, mit teils außerordentlich hohen Wachstumsraten:

Abnehmer Exportwert 2015 Exportwert 2025 Veränderung
Vereinigtes Königreich 328 Mio. € 592 Mio. € +80,7 %
Türkei 31 Mio. € 155 Mio. € +401,4 %
USA 48 Mio. € 183 Mio. € +282,1 %
Ukraine 36 Mio. € 91 Mio. € +153,6 %
Serbien 23 Mio. € 52 Mio. € +125,3 %
Australien 106 Mio. € 118 Mio. € +11,3 %
Russland 118 Mio. € 100 Mio. € −15,6 %

Das Vereinigte Königreich blieb mit Abstand der wichtigste Exportmarkt — die EU exportierte 2025 Kaffee- und Tee-Extrakte im Wert von 592 Mio. € dorthin. Die Türkei (+401 %) und die USA (+282 %) entwickelten sich zu den dynamischsten Absatzmärkten. Russland war der einzige bedeutende Abnehmer, bei dem die Exporte rückläufig waren (−15,6 %) — ein Zusammenhang mit den Sanktionen nach 2022 liegt nahe.

2.3 Deutschland und die Niederlande dominieren innerhalb der EU

Bei der Betrachtung der EU-Mitgliedstaaten als Handelsträger zeigt sich eine klare Konzentration. Deutschland exportierte 2025 Extrakte im Wert von 548 Mio. € (+47 % gegenüber 2015), die Niederlande 460 Mio. € (+58 %). Spanien verzeichnete das mit Abstand stärkste relative Wachstum unter den großen Exporteuren: von 117 Mio. € auf 368 Mio. € (+215 %). Spanien ist zudem das EU-Land mit dem höchsten Spezialisierungsindex (RSCA) von 0,51 im Jahr 2025, was auf eine überdurchschnittliche komparative Spezialisierung in diesem Segment hinweist. Polen (RSCA 0,29) und Litauen (0,33) folgen.

2.4 Die Marktkonzentration hat abgenommen — sowohl bei Importen als auch Exporten

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) sank bei den Importen von 1.649 auf 1.378 (−16 %) und bei den Exporten von 1.392 auf 1.170 (−16 %). Das bedeutet, dass sich die Handelsströme auf mehr Partnerländer verteilen — ein Zeichen für eine Diversifizierung der Lieferketten und Absatzmärkte. Diese Entwicklung erhöht die Widerstandsfähigkeit des Marktes gegenüber partnerspezifischen Schocks.


3. Preisschocks und Marktvolatilität: Die Jahre 2022/23 als Wendepunkt

3.1 Preispreisspitzen bei Kaffeeimporten aus Schlüssellieferländern

Das Jahr 2022 markierte einen deutlichen Einschnitt in der Preisentwicklung. Die Schockerkennung identifiziert drei signifikante Preisschocks im Importbereich:

Lieferant Schocktyp Abnormität Preisänderung Anteil am Importwert
Indien Preis 18,5 +31,6 % 10,0 %
Brasilien Preis 12,6 +59,6 % 8,3 %
Ecuador Preis 6,8 +48,6 % 7,8 %

Der brasilianische Preisschock mit einer Preissteigerung von 59,6 % ist besonders bemerkenswert und spiegelt die globale Kaffeepreiskrise wider, die durch Dürreperioden in Brasilien, gestiegene Frachtkosten und Energiepreisanstiege nach dem Ausbruch des Ukraine-Konflikts ausgelöst wurde. Der hohe Abnormitätswert von 12,6 deutet auf eine statistisch sehr außergewöhnliche Preisentwicklung hin.

3.2 Geringere Volatilität bei traditionellen Partnern, höhere bei neuen Lieferanten

Die Volatilitätsanalyse nach Variationskoeffizient (CV) zeigt ein differenziertes Bild der Handelsbeziehungen:

Importpartner mit niedriger Volatilität (stabile Beziehungen):

Partner CV
Schweiz 0,064
Sri Lanka 0,115
Brasilien 0,143

Importpartner mit hoher Volatilität:

Partner CV
Malaysia 0,887
Ukraine 0,972
Vietnam 0,556

Traditionelle Kaffeelieferanten wie Brasilien und die Schweiz weisen sehr stabile Handelsbeziehungen auf (CV < 0,15). Demgegenüber zeigen neuere oder geopolitisch exponierte Partner wie die Ukraine und Malaysia deutlich höhere Schwankungen. Vietnam, trotz seines explosionsartigen Wachstums, zeigt eine moderate bis hohe Volatilität (CV 0,56) — ein Indiz dafür, dass die Handelsbeziehung noch nicht vollständig konsolidiert ist.

Auf der Exportseite fallen die Türkei (CV 0,46) und die USA (CV 0,51) als Zielmärkte mit vergleichsweise hoher Volatilität auf, während Australien (0,09) und Norwegen (0,06) besonders stabile Absatzmärkte darstellen.

3.3 Segmentanalyse: Kaffeeextrakte dominieren, Zichorien zeigen stärkstes Wachstum

Die Aufschlüsselung nach Unterpositionen offenbart markante Unterschiede in der Entwicklung der einzelnen Segmente:

Importe nach Segment (2015 vs. 2025):

Segment Menge 2015 Menge 2025 Δ Mengen Wert 2015 Wert 2025 Δ Wert Δ Preis
210111 – Kaffeeextrakte 60.047 t 59.667 t −0,6 % 515 Mio. € 827 Mio. € +60,6 % +61,5 %
210112 – Kaffeezubereitungen 16.589 t 17.569 t +5,9 % 108 Mio. € 170 Mio. € +57,2 % +48,3 %
210120 – Tee-/Mate-Extrakte 10.679 t 11.709 t +9,6 % 73 Mio. € 110 Mio. € +51,2 % +38,0 %
210130 – Zichorien 909 t 4.978 t +447,6 % 5 Mio. € 18 Mio. € +261,3 % −34,0 %

Exporte nach Segment (2015 vs. 2025):

Segment Menge 2015 Menge 2025 Δ Mengen Wert 2015 Wert 2025 Δ Wert Δ Preis
210111 – Kaffeeextrakte 66.137 t 86.101 t +30,2 % 763 Mio. € 1.480 Mio. € +94,1 % +49,2 %
210112 – Kaffeezubereitungen 24.464 t 48.835 t +99,6 % 121 Mio. € 292 Mio. € +140,8 % +20,6 %
210120 – Tee-/Mate-Extrakte 12.767 t 12.314 t −3,5 % 147 Mio. € 206 Mio. € +40,4 % +45,7 %
210130 – Zichorien 2.351 t 5.821 t +147,6 % 10 Mio. € 36 Mio. € +244,7 % +39,3 %

Kaffeeextrakte (210111) bleiben mit Abstand das dominierende Segment: Sie repräsentieren 2025 etwa 73 % des Import- und 74 % des Exportwertes. Bemerkenswert ist, dass die Importmenge in diesem Segment trotz Wertzuwächses von 60 % nahezu stagnierte — die gesamte Wertschöpfung entstand durch Preissteigerungen.

Die Kaffeezubereitungen (210112) verzeichneten auf Exportseite ein Verdoppeln der Mengen (+99,6 %) und eine Verdreifachung des Wertes (+140,8 %), was auf eine verstärkte Veredelungstätigkeit in der EU hindeutet.

Das Segment der gerösteten Zichorien (210130) zeigt das mit Abstand dynamischste Wachstum: Die Importmengen stiegen um fast 448 %, die Exportmengen um 148 %. Dies kann als Hinweis auf eine wachsende Nachfrage nach kaffeealternativen Getränken und funktionellen Lebensmitteln interpretiert werden.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Kaffee- und Tee-Extrakte (CN 2101) hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental gewandelt. Die wichtigsten Erkenntnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Die EU hat sich zu einer starken Netto-Exporteurin entwickelt. Der Handelsüberschuss wuchs von 339 Mio. € auf 888 Mio. €, die Nettorelianzquote sank auf −29 %. Dies reflektiert sowohl den Ausbau europäischer Verarbeitungskapazitäten als auch die steigende globale Nachfrage nach hochwertigen Kaffee- und Teeextrakten.

  2. Preiseffekte überwogen Mengeneffekte. Besonders auf der Importseite stagnierten die Mengen bei gleichzeitig stark steigenden Werten. Die durchschnittlichen Importpreise stiegen um über 50 %, was globale Rohstoffpreisanstiege, Energiekosten und die Nachwirkungen der Lieferkettenkrise 2022 widerspiegelt.

  3. Die Handelspartnerschaften haben sich diversifiziert. Vietnam und Indien sind zu bedeutenden Importquellen aufgestiegen, während die Türkei und die USA zu wichtigen Exportmärkten wurden. Die sinkende HHI-Konzentration belegt eine breitere Streuung der Handelsströme, was die Resilienz des Marktes erhöht.

  4. Das Zichoriensegment zeigt das stärkste Wachstum, was auf veränderte Konsumgewohnheiten und eine steigende Nachfrage nach koffeinfreien Alternativen hindeuten könnte. Kaffeeextrakte bleiben jedoch mit großem Abstand das volumen- und wertdominanteste Segment.

  5. Spanien und die Niederlande haben ihre Rolle als Export-Hubs erheblich ausgebaut. Spanien zeigt mit einem Plus von 215 % beim Exportwert und einem RSCA von 0,51 die bemerkenswerteste Spezialisierungsdynamik innerhalb der EU.

Die Daten legen nahe, dass der Markt für CN 2101-Produkte in den kommenden Jahren weiterhin vom Zusammenspiel globaler Rohstoffpreise, der Nachfrageentwicklung in aufstrebenden Märkten und der europäischen Wertschöpfungskette geprägt sein wird.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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