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Marktentwicklung: Fleisch und Fischzubereitungen (CN 16) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifcode 16 umfasst ein breites Spektrum an Zubereitungen von Fleisch, Fisch, Krebstieren, Weichtieren, anderen wirbellosen Wassertieren sowie Insekten – von Wurstwaren über Thunfischkonserven bis zu Kaviarersatz. Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit Nicht‑EU‑Ländern im Zeitraum 2015 bis 2025 auf Basis der verfügbaren Jahresdaten. Die Daten zeigen tiefgreifende Veränderungen: Die chronische Handelslücke hat sich nahezu geschlossen, die Partnerstruktur wurde umgekrempelt und der Wertzuwachs wird überwiegend von steigenden Preisen getragen.

Eine sich schließende Handelslücke: Vom strukturellen Defizit zur nahezu ausgeglichenen Bilanz

Ausfuhrwerte steigen preisgetrieben um fast 50 %, während die Ausfuhrmenge stagniert

Der EU‑Exportwert von Waren des Kapitels 16 kletterte von 3,80 Mrd. EUR im Jahr 2015 auf 5,67 Mrd. EUR im Jahr 2025 – ein Plus von 49,3 %. Die ausgeführte Menge gab im gleichen Zeitraum jedoch um 2,0 % auf 0,97 Mio. Tonnen nach. Folglich erhöhte sich der durchschnittliche Ausfuhrpreis um 52,3 % von 3 834 EUR/Tonne auf 5 841 EUR/Tonne. (Vgl. Allgemeine Handelsübersicht)

Die Einfuhren wachsen moderater – das Handelsbilanzdefizit schrumpft um 92 %

Die Importe legten wertmäßig um 24,3 % auf 5,73 Mrd. EUR zu, während die Einfuhrmenge um 7,8 % auf 1,18 Mio. Tonnen stieg (Preisanstieg: 15,3 % auf 4 846 EUR/Tonne). Dadurch verringerte sich das Handelsbilanzdefizit dramatisch von −813 Mio. EUR (2015) auf −61 Mio. EUR (2025). In den Jahren 2021 und 2023 wurde sogar ein leichter Überschuss erzielt (Maximum 323 Mio. EUR).

Jahr Exportwert (Mio. EUR) Importwert (Mio. EUR) Saldo (Mio. EUR)
2015 3 797 4 610 −813
2025 5 670 5 731 −61
Veränderung +49,3 % +24,3 % +92,4 %

Quelle: Allgemeine Handelsübersicht

Der Indikator der Nettoimportabhängigkeit fällt von 22 % auf unter 3 % – mit methodischen Vorbehalten

Die offizielle Nettoimportabhängigkeit (Net Import Reliance) sank von 21,8 % (2015) auf 2,4 % (2025). Dieser extreme Rückgang um 89,2 % wird allerdings maßgeblich durch einen sprunghaften Anstieg der gemeldeten EU‑Produktionsmenge von 7,95 Mrd. Tonnen (2021) auf 14,84 Mrd. Tonnen (2022) getrieben. Da die Produktionsdaten für die Jahre ab 2022 als qualitativ niedrig eingestuft sind, sollte der Indikator mit Vorsicht interpretiert werden. Die fundamentale Verbesserung der Handelsbilanz ist hingegen robust.

Geografische Neuordnung: Importeure und Exporteure im Wandel

Der Brexit‑Verlust: Das Vereinigte Königreich als Lieferant fällt stark zurück

Das Vereinigte Königreich war 2015 mit 573 Mio. EUR der größte einzelne Lieferant. Bis 2025 brach dieser Wert um 43,4 % auf 325 Mio. EUR ein. Besonders drastisch war der Mengenrückgang von 143 000 Tonnen auf 60 000 Tonnen. Der Einbruch vollzog sich vor allem zwischen 2020 und 2021, als die Einfuhr von 473 Mio. EUR auf 239 Mio. EUR abstürzte – eine direkte Folge des Austritts aus dem EU‑Binnenmarkt und der damit verbundenen Zoll‑ und Grenzkontrollen. (Vgl. Top-Handelspartner)

Ecuador und China avancieren zu den führenden Importquellen

Die Lücke füllten vor allem Ecuador und China. Die Einfuhren aus Ecuador stiegen von 408 Mio. EUR auf 981 Mio. EUR (+140,2 %), jene aus China von 204 Mio. EUR auf 530 Mio. EUR (+160,0 %). Auch Vietnam (+50,6 % auf 363 Mio. EUR) und Marokko (+22,1 % auf 464 Mio. EUR) bauten ihre Position aus. Brasilien hingegen verlor fast die Hälfte seines Lieferwerts (−47,2 % auf 239 Mio. EUR).

Partner Import 2015 (Mio. EUR) Import 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Ecuador 408 981 +140,2 %
China 204 530 +160,0 %
Marokko 380 464 +22,1 %
Vietnam 241 363 +50,6 %
Thailand 453 466 +2,8 %
Brasilien 452 239 −47,2 %
Ver. Königreich 573 325 −43,4 %

Quelle: Top-Handelspartner

Auf der Exportseite bleibt das Vereinigte Königreich dominant, doch die USA, die Schweiz und die Ukraine gewinnen rasant an Bedeutung

Das Vereinigte Königreich ist mit 3,22 Mrd. EUR (2025) und einem Anteil von über 55 % weiterhin der mit Abstand größte Exportmarkt. Dennoch legten andere Zielmärkte stark zu: Die Ausfuhren in die USA explodierten um 193,8 % auf 454 Mio. EUR, in die Schweiz um 52,0 % auf 327 Mio. EUR und in die Ukraine um 523,0 % auf 98 Mio. EUR. Der Herfindahl‑Hirschman‑Index der Exportkonzentration sank von 3 859 auf 3 396 (−12,0 %), was eine leichte Diversifizierung signalisiert. (Vgl. Konzentrationsmaße)

Innerhalb der EU verschieben sich die Gewichte: Polen und Spanien legen zu, Deutschland und Dänemark verlieren an Boden

Bei den Importeuren innerhalb der EU übernahm Spanien die Spitzenposition (674 Mio. EUR → 1,26 Mrd. EUR, +86,4 %), gefolgt von den Niederlanden (+19,7 %) und Italien (+23,7 %). Deutschland verzeichnete als einziges der großen Importländer einen Rückgang (−8,3 %). Auf der Exportseite stach Polen mit einem Wertzuwachs von 181,3 % auf 984 Mio. EUR hervor, während Italien seine Ausfuhren mehr als verdoppelte (+110,5 %). Irland und Deutschland blieben nahezu stabil. (Vgl. Top‑Melderländer)

Preisdynamik als Haupttreiber: Wertschöpfungstiefe und sektorale Schocks

Die aggregierten Einheitswerte klettern sowohl bei Exporten (+52 %) als auch bei Importen (+15 %)

Der Anstieg des Handelswerts geht fast vollständig auf höhere Preise zurück. Während die Exportmenge praktisch stagnierte, erhöhte sich der durchschnittliche Exportpreis um 52,3 %. Auch importseitig legte der Einheitspreis um 15,3 % zu, obwohl die Menge um 7,8 % wuchs. Diese Schere erklärt, warum sich die Handelsbilanz deutlich verbesserte: Die EU erzielte für ihre Ausfuhren eine immer höhere Wertschöpfung pro Tonne.

Fischzubereitungen (1604) dominieren die Einfuhr, Fleischzubereitungen (1602) und Würste (1601) die Ausfuhr

Die Warengruppenstruktur unterstreicht die Komplementarität des Handels:

Besonders auffällig sind die Preisunterschiede: Der Exporteinheitswert für Fleischzubereitungen (1602) erreichte 2025 mit 5 314 EUR/Tonne nahezu das Niveau des Importpreises für Fischzubereitungen (4 951 EUR/Tonne). Gegenüber 2015 hat sich der Exportpreis für Fleischzubereitungen um 47,9 % erhöht. (Vgl. Produktvergleich)

Preisschocks 2022: Sprunghafte Verteuerung bei Importen aus Ecuador, China und den Philippinen

Im Jahr 2022 erlebte der EU‑Importmarkt eine Reihe synchroner Preis‑Shocks. Für Lieferungen aus Ecuador schnellte der Einheitspreis um 26,3 % gegenüber dem Referenzniveau 2020‑2021 empor, bei China um 24,6 % und bei den Philippinen gar um 29,9 %. Die Preise blieben danach erhöht, wenngleich sich die Anstiege teilweise wieder abschwächten. Diese Schocks fielen mit globalen Lieferkettenengpässen und stark gestiegenen Rohstoff‑ und Transportkosten zusammen. (Vgl. Preisschocks)

Volatilitätsmuster: Brasilien und das Vereinigte Königreich bei den Importen besonders unstet, Exporte in die Ukraine und nach Angola hochgradig schwankungsanfällig

Der Variationskoeffizient der Einfuhrmengen zeigt Brasilien (CV = 0,574) und das Vereinigte Königreich (CV = 0,421) als extrem schwankungsanfällige Bezugsquellen. Dagegen erwiesen sich Lieferungen aus Marokko (CV = 0,086) und Thailand (CV = 0,116) als sehr stabil. Auf der Exportseite ragten Angola (CV = 0,507), Kanada (CV = 0,366) und die Ukraine (CV = 0,363) mit hohen Schwankungen heraus, während die Ausfuhren nach Norwegen (CV = 0,053) und Nordmazedonien (CV = 0,043) über den gesamten Zeitraum nahezu konstant blieben. (Vgl. Volatilitätsbalken)

Schlussfolgerung

Der Handel der EU mit Fleisch‑ und Fischzubereitungen hat sich im letzten Jahrzehnt grundlegend gewandelt. Das ehemals hohe Handelsbilanzdefizit wurde nahezu eliminiert, getragen von einer starken Preis‑Performance der Exporte bei gleichzeitig moderatem Importwachstum. Geografisch hat sich die Importstruktur vom Vereinigten Königreich und Brasilien hin zu Ecuador und China verschoben, während das Vereinigte Königreich als Exportziel seine überragende Stellung behielt, jedoch durch neue Wachstumsmärkte wie die USA und die Ukraine ergänzt wurde. Die Produktstruktur zeigt eine ausgeprägte Arbeitsteilung: Die EU importiert vor allem Fisch‑ und Meeresfrüchtezubereitungen und exportiert hochpreisige Fleisch‑ und Wurstwaren. Die kräftigen Preissteigerungen – besonders der Preisschock 2022 – unterstreichen, dass Wertschöpfung und Marktmacht auf den internationalen Märkten die Mengenentwicklung zunehmend überlagern. Die extremen Ausschläge der Produktionsstatistik ab 2022 mahnen allerdings zur Vorsicht bei der Interpretation der formalen Selbstversorgungsgrade; entscheidend bleibt der Befund einer deutlich robusteren Außenhandelsposition.