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Marktentwicklung: Fischzubereitungen (CN 1604) — 2015–2025

Einleitung

Der CN-Code 1604 umfasst zubereitete oder haltbar gemachte Fische sowie Kaviar und Kaviarersatz aus Fischeiern — ein breites Segment, das von Thunfischkonserven über Sardinen, Heringe, Makrelen, Sardellen bis hin zu Kaviar und diversen Fischfilets reicht. Die Produktübersicht zeigt, dass die EU in diesem Zeitraum ein strukturelles Defizit im Handel mit Drittländern aufweist, das sich über den Betrachtungszeitraum vertieft hat. Der Handelswert stieg sowohl bei Importen als auch bei Exporten deutlich an, doch die Dynamik verlief bei Volumen und Preisen höchst asymmetrisch. Der Zeitraum 2015–2025 war zudem von mehreren externen Schocks geprägt — darunter die COVID-19-Pandemie, Energiepreisspitzen und geopolitische Spannungen — die sich in Preissprüngen und Handelsverschiebungen niederschlugen. Der folgende Bericht analysiert die zentralen Marktdynamiken anhand der vorliegenden Daten.


1. Asymmetrisches Wachstum: Wertsteigerung bei sinkenden Exportmengen

Die EU-Ausfuhren wuchsen im Wert um 42,6 %, während das Volumen um 16,8 % schrumpfte

Der Gesamtüberblick offenbart ein bemerkenswertes Muster: Der Exportwert stieg von 821 Mio. € (2015) auf 1.171 Mio. € (2025), doch die exportierte Menge sank im gleichen Zeitraum von 211.867 t auf 176.193 t. Dies bedeutet, dass das gesamte Wachstum auf Preissteigerungen zurückzuführen ist — der durchschnittliche Exportpreis kletterte von 3.876 €/t auf 6.646 €/t (+71,5 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mio. €) 821 1.171 +42,6 %
Exportmenge (t) 211.867 176.193 −16,8 %
Exportpreis (€/t) 3.876 6.646 +71,5 %
Importwert (Mio. €)) 2.354 3.482 +47,9 %
Importmenge (t) 585.079 703.283 +20,2 %
Importpreis (€/t)) 4.024 4.951 +23,0 %

Das Handelsdefizit vertiefte sich um über 50 %

Die Nettoimportquote sank zwar von 22,1 % auf 13,3 % — ein Zeichen dafür, dass die EU ihren Eigenversorgungsgrad verbessert hat. Dennoch wuchs das absolute Handelsdefizit von 1.533 Mio. € auf 2.311 Mio. € (−50,7 %). Ursache ist, dass die Importmengen (+20,2 %) und -preise (+23,0 %) kräftig stiegen, während die Exportmengen trotz enormer Preissteigerungen nicht kompensieren konnten.

Lachs- und Sardinen-Exporte gewinnen, Heringsexporte schwinden

Ein Blick auf die Produktspezifikationen zeigt differenzierte Entwicklungen:

Produktsegment (Export) Menge 2015 (t) Menge 2025 (t) Wert 2015 (Mio. €) Wert 2025 (Mio. €)
160419 — Übrige zub. Fische, ganz/in Stücken 54.336 38.997 208 220
160420 — Zub. Fische (nicht ganz/in Stücken) 38.412 44.107 143 198
160413 — Sardinen, Sardinellen, Sprotten 46.819 30.257 91 155
160414 — Thunfische, Bonito, Pelamide 34.107 29.507 161 224
160411 — Lachse 2.909 5.736 27 75
160412 — Heringe 14.807 10.387 42 52
160415 — Makrelen 14.655 11.897 64 82

Auffällig ist das starke Wachstum bei Lachsen (CN 160411): Die Menge verdoppelte sich beinahe von 2.909 t auf 5.736 t, der Wert stieg von 27 Mio. € auf 75 Mio. € (+177 %). Gleichzeitig sanken die Mengen bei Sardinen (−35 %) und Heringen (−30 %) spürbar. Bei Thunfisch (CN 160414), dem mengenmäßig größten Importprodukt, blieb das Exportvolumen trotz Preisexplosion von 4.715 €/t auf 7.599 €/t (+61 %) relativ stabil.


2. Zunehmende Importkonzentration bei diversifizierten Exportmärkten

Ecuador festigt seine Rolle als dominierender EU-Zulieferer

Die Partnerländer-Analyse zeigt eine bemerkenswerte Konzentration der Importe. Ecuador stieg von 395 Mio. € (2015) auf 972 Mio. € (2025) — ein Zuwachs von 145,9 %. Damit entfielen zuletzt rund 28 % des gesamten EU-Importwerts (CN 1604) auf Ecuador, das vor allem Thunfischkonserven in die EU liefert.

Rang Importpartner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
1 Ecuador 395 972 +145,9 %
2 Marokko 266 363 +36,3 %
3 China 74 238 +220,7 %
4 Philippinen 119 200 +67,2 %
5 Papua-Neuguinea 95 210 +121,2 %
6 Mauritius 155 154 −0,7 %
7 Seychellen 133 179 +35,2 %

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe stieg von 699 auf 1.111 (+58,9 %). Obwohl dieser Wert noch unter der Schwelle für eine „hohe Konzentration" (1.500) liegt, signalisiert der Trend eine zunehmende Abhängigkeit von wenigen Lieferländern. Dies ist vor allem auf das rappe Wachstum Ecuadors, Chinas (+220,7 %) und Papua-Neuguineas (+121,2 %) zurückzuführen, während Mauritius als einziger Partner stagnierte.

Polen und Italien werden zu EU-Exportweltmeistern

Im Gegensatz zur Importseite diversifizierten sich die Exportziele. Der Export-HHI fiel von 2.087 auf 1.339 (−35,8 %). Das Vereinigte Königreich blieb mit 340 Mio. € das wichtigste Exportziel, doch die Dynamik lag anderswo:

Rang Exportpartner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
1 Vereinigtes Königreich 354 340 −3,9 %
2 USA 57 201 +253,3 %
3 Ukraine 8 50 +490,7 %
4 Norwegen 64 63 −1,9 %
5 Schweiz 70 106 +51,3 %
6 Serbien 14 34 +141,2 %
7 Kanada 14 46 +231,0 %

Besonders hervorzuheben sind die USA (+253 %) und die Ukraine (+491 %) als stark wachsende Absatzmärkte, was auf verbesserte Marktzugangsbedingungen und Nachfrageverschiebungen hindeuten kann.

Innerhalb der EU: Spanien und die Niederlande als Zentren des Importwachstums

Die EU-Mitgliedstaaten-Analyse zeigt, dass Spanien seinen Importwert von 543 Mio. € auf 1.068 Mio. € nahezu verdoppelte (+96,7 %). Die Niederlande verzeichneten mit +106,6 % das stärkste relative Wachstum (von 207 Mio. € auf 429 Mio. €). Portugal als traditioneller Fischverarbeitungsstandort wuchs sogar um 165,5 % im Import.

Im Export dominierten Polen (+151,8 %, von 83 Mio. € auf 209 Mio. €) und Italien (+129,3 %, von 79 Mio. € auf 182 Mio. €). Die Spezialisierungsanalyse bestätigt, dass Litauen (RSCA 0,81), Lettland (0,74) und Portugal (0,68) die am stärksten auf Fischzubereitungen spezialisierten EU-Exporter sind.


3. Preisschocks seit 2022 und steigende Volatilität

COVID-19 und Energiekrise hinterließen deutliche Preisspuren

Die Schockanalyse identifiziert drei signifikante Preisschocks im Jahr 2022:

Lieferant Schocktyp Abnormalität Preissprung Anteil am Importwert
Philippinen Preis 40,6 +30,0 % 7,5 %
Ecuador Preis 31,2 +26,6 % 28,3 %
Thailand Preis 9,7 +20,6 % 4,9 %

Diese Schocks fielen in die Phase der globalen Energiepreisexplosion und Lieferkettenstörungen nach dem russischen Überfall auf die Ukraine. Besonders bemerkenswert ist der Preisanstieg bei Ecuador (Abnormalität 31,2), dem mit Abstand wichtigsten Lieferanten: Angesichts eines Importwertanteils von 28,3 % wirkte sich dieser Schock erheblich auf die gesamten EU-Importkosten aus.

Volatilität variiert stark zwischen Handelspartnern

Der Volatilitätsvergleich zeigt bei den Importen eine heterogene Streuung. Thailand weist mit einem Variationskoeffizienten (CV) von 0,40 die höchste Volatilität auf, gefolgt vom Vereinigten Königreich (CV 0,44, hier als Handelspartner gelistet) und China (CV 0,29). Ghana (CV 0,10) und Marokko (CV 0,06) sind dagegen äußerst stabile Lieferanten.

Auf der Exportseite fällt die extrem hohe Volatilität der Ausfuhren in die Russische Föderation (CV 1,69) auf — ein Wert, der auf massive Schwankungen zwischen den Jahren hindeutet und vermutlich mit Sanktionen und Handelsbeschränkungen zusammenhängt. Auch die Ausfuhren nach Marokko (CV 0,69) und die Handelsströme über Melilla (CV 0,75) zeigen eine ungewöhnlich hohe Streuung.

Die EU ist weniger importabhängig geworden — aber der Preisdruck bleibt

Die Handelsintensität sank von 33,4 % auf 25,2 %, und die Exportneigung fiel von 8,8 % auf 7,8 %. Dies deutet auf eine leichte Re-Binnenmarktisierung hin — die EU verarbeitet und konsumiert mehr Fischzubereitungen aus eigener Erzeugung. Die EU-Produktion stieg in den verfügbaren Daten von 20.008 t auf 2.146.100 t im Wert von 14.115 Mio. € (2025), was auf eine erhebliche Ausweitung der inländischen Verarbeitungskapazitäten schließen lässt.

Dennoch blieb der Importpreisanstieg (+23,0 %) moderater als der Exportpreisanstieg (+71,5 %). Die EU-Exporter konnten somit ihre Margen verbessern — allerdings auf Kosten des Wettbewerbsvolumens. Der Preisunterschied zwischen Importen (4.951 €/t) und Exporten (6.646 €/t) zeigt, dass die EU tendenziell hochwertigere, veredelte Fischprodukte ausführt und Grundprodukte importiert.


Fazit

Der EU-Markt für Fischzubereitungen (CN 1604) hat sich zwischen 2015 und 2025 in drei Dimensionen grundlegend gewandelt:

  1. Preisgetriebenes Wachstum: Sowohl Import- als auch Exportwerte stiegen kräftig, doch die Volumenentwicklung divergierte — Exportmengen schrumpften trotz Wertsteigerungen, was auf einen Strukturwandel hin zu hochwertigeren Produkten hindeutet.

  2. Zunehmende Konzentration bei Lieferanten: Ecuador, China und Papua-Neuguinea gewannen stark an Bedeutung, während die Exportseite sich diversifizierte. Der steigende HHI bei Importen birgt mittelfristig ein Lieferantenrisiko.

  3. Nachhaltige Preisschocks seit 2022: Die Preisexplosion bei Energie und Logistik führte zu anhaltenden Preisanstiegen, die sich insbesondere bei Thunfisch und Sardellen bemerkbar machten. Die EU-Autarkie verbesserte sich zwar (sinkende Nettoimportquote), doch die Abhängigkeit von wenigen außereuropäischen Thunfischlieferanten bleibt ein strukturelles Merkmal dieses Marktes.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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