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Marktentwicklung: Thunfischkonserven (CN 160414) — 2015–2025

Einleitung

Der Zollcode 160414 erfasst zubereitete oder haltbar gemachte Thunfische, echten Bonito und Pelamide (ganz oder in Stücken, fein zerkleinert ausgenommen). Er umfasst zehn Unterpositionen, darunter Bonito, Gelbflossenthun und diverse Loins-Formate. Der EU-Markt für dieses Produkt ist geprägt von einem hohen Importvolumen bei gleichzeitig begrenzter eigener Exportaktivität. Im Zeitraum 2015–2025 haben sich die EU-Importe von rund 396.000 Tonnen im Wert von ca. 1,58 Mrd. € auf über 525.000 Tonnen im Wert von rund 2,54 Mrd. € entwickelt — ein Wertanstieg von 60,7 %. Die EU-Exporte blieben mit rund 224 Mio. € (2025) im Vergleich dazu klein, sodass der Handelsbilanzdefizit auf über 2,3 Mrd. € anwuchs. Der vorliegende Bericht untersucht die wichtigsten Dynamiken dieses Marktes über den gesamten Beobachtungszeitraum.


1. Importwachstum und zunehmende Konzentration der Lieferantenstruktur

1.1 Starkes Importwachstum bei divergierender Wert- und Mengenentwicklung

Die EU-Importe verzeichneten zwischen 2015 und 2025 einen deutlichen Anstieg. Der Importwert stieg von 1.582.525.846 € auf 2.542.935.808 €, was einem Plus von 60,7 % entspricht. Im gleichen Zeitraum wuchs die importierte Menge von 395.866 Tonnen auf 525.192 Tonnen (+32,7 %). Der durchschnittliche Importpreis erhöhte sich von 3.998 €/t auf 4.842 €/t (+21,1 %). Die Differenz zwischen Wert- und Mengenwachstum zeigt, dass Preissteigerungen einen erheblichen Beitrag zur Wertexpansion leisteten, insbesondere in den Jahren 2022 und 2023, als der durchschnittliche Importpreis mit 5.344 €/t bzw. 5.154 €/t Spitzenwerte erreichte.

1.2 Ecuador als dominierender Lieferant mit rasanter Expansion

Ecuador entwickelte sich im Beobachtungszeitraum zum mit Abstand wichtigsten Importpartner der EU. Der Importwert aus Ecuador stieg von 385.572.600 € (2015) auf 947.410.324 € (2025), was einem Anstieg von 145,7 % entspricht. Ecuador allein machte zuletzt rund 37 % des gesamten EU-Importwertes aus. Dies spiegelt die Position Ecuadors als weltweit führenden Produzenten von Thunfischkonserven wider, insbesondere im Segment des in Pflanzenöl zubereiteten Bonitos.

Weitere relevante Lieferanten und ihre Entwicklung:

Partnerland Importwert 2015 (Mio. €) Importwert 2025 (Mio. €) Veränderung
Ecuador 385,6 947,4 +145,7 %
Papua-Neuguinea 93,0 200,0 +115,1 %
Philippinen 116,3 188,7 +62,2 %
Seychellen 129,7 179,4 +38,3 %
China 33,0 151,7 +360,2 %
Mauritius 150,5 152,9 +1,6 %
Elfenbeinküste 96,7 56,3 −41,7 %

Quelle: Top-Handelspartner nach Werten

1.3 Steigende Konzentration der Importstruktur

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für die Importe nach Wert stieg von 1.028 im Jahr 2015 auf 1.701 im Jahr 2025, was einem Anstieg von 65,5 % entspricht. Dies deutet auf eine zunehmende Konzentration der Importe auf wenige Herkunftsländer hin. Der HHI nach Volumen zeigt ein ähnliches Bild (Anstieg von 1.096 auf 1.790, +63,4 %). Maßgeblich hierfür ist das überproportionale Wachstum Ecuadors und Chinas, während traditionelle Lieferanten wie die Elfenbeinküste an Bedeutung verloren. China verfünffachte seinen Importwert von 33 Mio. € auf 152 Mio. € (+360,2 %) und stieg damit vom Rang eines Nebenakteurs zu einem der sieben wichtigsten Lieferanten auf.

Quelle: Koncentration – HHI

1.4 Spanien und die Niederlande als stärkste Importmärkte innerhalb der EU

Innerhalb der EU ist die Importlandschaft ungleich verteilt. Spanien war 2025 mit einem Importwert von 825 Mio. € der mit Abstand größte Importeur (+104,5 % gegenüber 2015). Die Niederlande verzeichneten mit +134,7 % das stärkste relative Wachstum (von 152 Mio. € auf 357 Mio. €) und überholten damit Frankreich, das mit nur 4,1 % Wachstum (299 Mio. € → 311 Mio. €) an relativer Bedeutung verlor. Portugal stieg von 20 Mio. € auf 67 Mio. € (+232,3 %).

EU-Staat Importe 2015 (Mio. €) Importe 2025 (Mio. €) Veränderung
Spanien 403,1 824,6 +104,5 %
Italien 334,3 482,3 +44,3 %
Frankreich 299,1 311,5 +4,1 %
Niederlande 152,0 356,7 +134,7 %
Deutschland 194,0 270,6 +39,4 %
Portugal 20,1 67,0 +232,3 %
Belgien 33,0 40,5 +22,7 %

Quelle: EU-Mitgliedstaaten als Berichterstatter


2. Preisentwicklung, Preisschocks und Segmentverschiebungen

2.1 Nachhaltiger Preisdruck bei gleichzeitiger Mengenausweitung

Der durchschnittliche Importpreis stieg im Beobachtungszeitraum um 21,1 % von 3.998 €/t auf 4.842 €/t, wobei der Preisanstieg nicht linear verlief. Bis 2019 lag der Preis weitgehend stabil bei rund 3.932–4.107 €/t, bevor er 2020 auf 3.932 €/t sank (mögliche pandemiebedingte Nachfrageschwäche). Ab 2021 setzte ein deutlicher Preisanstieg ein, der 2023 mit 5.154 €/t seinen Höhepunkt erreichte, bevor der Preis 2025 wieder auf 4.842 €/t sank. Der Exportpreis entwickelte sich deutlich dynamischer: von 4.715 €/t (2015) auf 7.599 €/t (2025), was einem Anstieg von 61,2 % entspricht. Dies reflektiert die Verlagerung der EU-Exporte hin zu höherwertigen Segmenten.

2.2 Preisstöße bei den wichtigsten Lieferanten

Im Datensatz wurden drei signifikante Preisstöße identifiziert:

Ereignis Land Jahr Abnormalität Preisveränderung Anteil am Gesamtwert
Export-Preisschock Libyen 2017 130,6 +30,0 % 6,1 %
Import-Preisschock Philippinen 2022 35,6 +30,4 % 9,8 %
Import-Preisschock Ecuador 2022 30,6 +27,3 % 38,0 %

Quelle: Angebotsstöße

Besonders bemerkenswert ist der simultane Preisschock bei Ecuador und den Philippinen im Jahr 2022, der zusammen fast die Hälfte des EU-Importwertes betraf. Dies führte zu einem sprunghaften Anstieg der durchschnittlichen Importpreise auf 5.344 €/t — dem höchsten Wert im gesamten Beobachtungszeitraum. Der Schock bei Ecuador (Abnormalität 30,6, Preisveränderung +27,3 %) war besonders gravierend, da Ecuador 2022 bereits 38 % des EU-Importwertes stellte. Ursächlich dürften Lieferkettenstörungen, gestiegene Frachtkosten und die Nachwirkungen der COVID-19-Pandemie auf die globale Fischereiindustrie gewesen sein.

Der Export-Preisschock bei Libyen (2017, Abnormalität 130,6) war in seiner statistischen Ausprägung der stärkste aller beobachteten Ereignisse, betraf jedoch nur 6,1 % des Exportwertes und spiegelt die politisch instabile Lage des Landes wider.

2.3 Volatilitätsunterschiede zwischen Handelspartnern

Die Volatilität der Importströme (gemessen am Variationskoeffizienten) variierte erheblich:

  • Thailand (CV: 0,545) und China (CV: 0,472) wiesen die höchste Volatilität auf — beide Länder sind geprägt von stark schwankenden Liefermengen und Preisen, was auf ihre Rolle als Verarbeitungsdrehscheiben mit globalen Rohstoffbezügen hindeutet.
  • Ghana (CV: 0,098) und Mauritius (CV: 0,116) zeigten die stabilsten Importströme, was auf langfristige Lieferbeziehungen und konstante Produktionskapazitäten schließen lässt.

Quelle: Volatilitätsindikatoren

2.4 Segmentanalyse: Bonito dominiert die Importe, Gelbflossenthun verliert an Boden

Die detaillierte Aufschlüsselung nach Produktunterpositionen zeigt eine klare Segmentstruktur bei den Importen (Mengen in 2025):

Unterposition Beschreibung Menge 2015 (t) Menge 2025 (t) Wert 2025 (Mio. €)
16041421 Echter Bonito (Pflanzenöl) 96.609 159.949 746,4
16041428 Echter Bonito (sonstige) 78.565 135.514 582,2
16041426 Loins von echtem Bonito 55.612 101.659 473,6
16041436 Loins von Gelbflossenthun 54.727 60.700 356,4
16041438 Gelbflossenthun (sonstige) 46.181 28.873 162,9
16041431 Gelbflossenthun in Pflanzenöl 18.270 20.381 129,9
16041446 Loins von Thunfischen (übrige) 11.868 11.768 61,9

Quelle: Produktsegment-Vergleich

Echter Bonito (einschließlich der Pflanzenöl- und sonstigen Varianten sowie der Loins-Formate) machte 2025 rund 76 % der importierten Menge und ca. 70 % des Importwertes aus. Besonders auffällig ist das Wachstum des Segments 16041421 (Echter Bonito in Pflanzenöl): +65,5 % mengenmäßig und +118,6 % wertmäßig. Demgegenüber sank die Menge bei 16041438 (Gelbflossenthun, sonstige) von 46.181 t auf 28.873 t (−37,5 %), was auf eine Verlagerung der Nachfrage hin zu Loins-Formaten und Premiumsegmenten hindeutet.


3. Strukturelle Verschiebungen: Produktion, Autonomie und Exportbasis

3.1 Starke Expansion der EU-Binnenproduktion

Die EU-Produktion von CN 160414 wuchs im Beobachtungszeitraum spürbar. Die Produktionsmenge stieg von 882.302 Tonnen (2015) auf 960.000 Tonnen (2025), was einem Plus von 8,8 % entspricht. Noch deutlicher fiel der Wertanstieg aus: von 3,81 Mrd. € auf 8,04 Mrd. € (+111,3 %). Die Diskrepanz zwischen Mengen- und Wertwachstum (Faktor 111,3 % vs. 8,8 %) verdeutlicht eine signifikante Aufwertung der Produktion — die EU verarbeitet zunehmend hochwertigere Thunfischprodukte.

3.2 Sinkende Importabhängigkeit trotz gestiegener Einfuhren

Die Netto-Importabhängigkeit sank von 28,9 % (2015) auf 21,0 % (2025), was einem Rückgang von 27,2 % entspricht. Dieses auf den ersten Blick kontraintuitive Ergebnis — steigende Importe bei sinkender Abhängigkeit — erklärt sich durch das überproportionale Wachstum der EU-Binnenproduktion. Die EU produziert zwar mehr Thunfischkonserven als zuvor, deckt aber einen wachsenden Anteil ihres Bedarfs über die eigene Verarbeitungskapazität.

Ebenso sanken die Handelsintensität (von 33,7 % auf 24,9 %, −26,1 %) und die Exportneigung (von 4,0 % auf 2,8 %, −30,8 %). Der Salienz-Score für die Exportneigung (78,0) übersteigt denjenigen der Handelsintensität (51,2), was darauf hindeutet, dass der Rückgang der Exportneigung der dominantere strukturelle Trend ist.

3.3 Spezialisierungsmuster innerhalb der EU

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt eine klare Rangfolge:

Staat RSCA RCA Anteil an EU-Produktion Anteil am EU-Gesamthandel
Spanien 0,786 8,348 48,4 % 5,8 %
Portugal 0,758 7,274 10,1 % 1,4 %
Italien 0,195 1,484 11,9 % 8,0 %
Niederlande 0,132 1,304 18,9 % 14,5 %
Lettland 0,019 1,039 0,3 % 0,3 %

Spanien ist mit einem RCA-Wert von 8,35 und einem RSCA von 0,79 bei weitem der am stärksten spezialisierte EU-Mitgliedstaat. Es vereinigt 48,4 % der EU-Produktion und 48 % der EU-Importe auf sich. Portugal folgt mit ebenfalls hohem Spezialisierungsgrad (RSCA: 0,76). Auf der anderen Seite des Spektrums weisen Irland (RSCA: −0,998), Estland (−0,995) und Finnland (−0,988) praktisch keine Produktionskapazität in diesem Segment auf.

3.4 Rückläufige Exporte und verschwindende Spanische Exklaven

Der EU-Export von CN 160414 sank mengenmäßig von 34.107 Tonnen (2015) auf 29.507 Tonnen (2025, −13,5 %), während der Wert dank gestiegener Preise von 161 Mio. € auf 224 Mio. € anwuchs (+39,5 %). Die Exportstruktur veränderte sich dabei fundamental:

Bestimmungsland Export 2015 (Mio. €) Export 2025 (Mio. €) Veränderung
Vereinigtes Königreich 41,1 26,6 −35,3 %
Kanada 6,5 26,3 +304,0 %
Schweiz 15,9 19,2 +21,0 %
Melilla 12,4 1,8 −85,4 %
Ceuta 9,8 0,9 −90,4 %
Libyen 7,9 9,1 +14,9 %
Saudi-Arabien 9,6 10,0 +4,4 %

Quelle: Handelspartner – Exporte

Auffällig ist der dramatische Rückgang der Ausfuhren nach Melilla (−85,4 %) und Ceuta (−90,4 %), den spanischen Exklaven in Nordafrika. Diese waren 2015 noch bedeutende Exportziele und dürften als Umschlagplätze nach Nord- und Westafrika gedient haben. Der HHI für Exporte sank im gleichen Zeitraum von 1.006 auf 622 (−38,2 %), was eine Diversifizierung der Exportmärkte signalisiert — allerdings auf einem deutlich niedrigeren Volumen.

Innerhalb der EU verschob sich die Exportführung: Italien (+155,8 %) überholte Spanien und Portugal, während Deutschland seine Exporte um 64,9 % reduzierte.

3.5 Rückläufiges Handelsbilanzdefizit trotz steigender Importe

Das Handelsbilanzdefizit vertiefte sich nominal von −1,42 Mrd. € auf −2,32 Mrd. € (2025). Der Salienz-Score von 78,0 für die Exportneigung zeigt, dass die EU in diesem Segment primär ein Konsumentenmarkt bleibt. Die Spanne zwischen Importpreis (4.842 €/t) und Exportpreis (7.599 €/t) im Jahr 2025 deutet jedoch darauf hin, dass die EU verstärkt hochwertigere, weiterverarbeitete Thunfischprodukte exportiert — ein Hinweis auf eine zunehmende Wertschöpfungskette innerhalb der Union.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Thunfischkonserven (CN 160414) hat sich im Zeitraum 2015–2025 durch drei zentrale Trends charakterisieren lassen: erstens ein starkes Importwachstum (+60,7 % im Wert), das jedoch durch eine wachsende Binnenproduktion relativiert wird; zweitens eine zunehmende Konzentration auf wenige Lieferanten, insbesondere Ecuador, bei gleichzeitigem Aufstieg Chinas als neuem bedeutenden Partner; und drittens eine nachhaltige Aufwertung der Produktions- und Exportstruktur hin zu premium- und loins-basierten Segmenten. Trotz der nominal vertieften Handelsbilanzlücke ist die Netto-Importabhängigkeit der EU von 28,9 % auf 21,0 % gesunken, was auf eine Stärkung der europäischen Verarbeitungskapazität hindeutet. Die im Jahr 2022 gleichzeitig auftretenden Preisstöße bei Ecuador und den Philippinen unterstreichen jedoch die anhaltende Verwundbarkeit der EU gegenüber Lieferkettenstörungen in den wichtigsten Herkunftsländern — ein Risiko, das angesichts der zunehmenden Konzentration der Importe weiterhin aufmerksam zu beobachten bleibt.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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