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Marktentwicklung: Zucker und Zuckerwaren (CN 17) — 2015–2025

Einführung

Dieser Bericht untersucht den extra‑EU‑Handel mit Zucker und Zuckerwaren der Kombinierten Nomenklatur (KN) 17 über den Zeitraum 2015 bis 2025. Das Warenkapitel umfasst Rohr‑ und Rübenzucker (1701), andere Zucker und Sirupe (1702), Melassen (1703) sowie Zuckerwaren ohne Kakao (1704). Ausgewertet werden die jährlichen Handelsströme der Europäischen Union mit Nicht‑EU‑Partnern. Das Jahrzehnt war von einem kräftigen nominalen Exportwachstum, stark steigenden Durchschnittspreisen, erheblichen geopolitischen Verschiebungen im Partnermix sowie hoher Preis‑ und Mengenvolatilität geprägt.

1 Wertwachstum trotz stagnierender Mengen – die Preisdynamik dominiert das EU‑Außengeschäft

1.1 Die Ausfuhrwerte kletterten um 69,2 Prozent, während die Exportmenge nur um 8,9 Prozent zulegte.

Die europäischen Exporte von Zucker und Zuckerwaren expandierten vor allem wert‑ und preisseitig. Zwischen 2015 und 2025 stieg der Ausfuhrwert um 69,2 %, die ausgeführte Menge dagegen lediglich um 8,9 % (siehe Tabelle 1). Der implizite Durchschnittspreis je Tonne erhöhte sich um 55,3 %, von 882 EUR auf 1 370 EUR. Besonders hohe Preise wurden 2024 mit 1 768 EUR/t erreicht; das Mengenmaximum lag mit 5,4 Mio. t im Jahr 2018.

Tabelle 1: EU‑Exporte Zucker und Zuckerwaren (KN 17), 2015 vs. 2025

Indikator 2015 2025 Veränderung
Ausfuhrwert (Mrd. EUR) 2,98 5,03 +69,2 %
Ausfuhrmenge (Mio. t) 3,37 3,67 +8,9 %
Durchschnittspreis (EUR/t) 882 1 370 +55,3 %

Quelle: Handelsüberblick

1.2 Die Importe entwickelten sich gegenläufig: Wertplus von 9,9 Prozent bei einem Mengenrückgang von 31,0 Prozent.

Auf der Einfuhrseite stieg der Wert um 9,9 %, während die Menge um fast ein Drittel (−31,0 %) fiel (Tabelle 2). Daraus resultierte ein Preisanstieg von 59,3 % (von 476 EUR/t auf 759 EUR/t). Der Handelsbilanzüberschuss der EU vervielfachte sich von 903 Mio. EUR auf 2,76 Mrd. EUR (+205,3 %).

Tabelle 2: EU‑Importe Zucker und Zuckerwaren (KN 17), 2015 vs. 2025

Indikator 2015 2025 Veränderung
Einfuhrwert (Mrd. EUR) 2,07 2,28 +9,9 %
Einfuhrmenge (Mio. t) 4,35 3,00 −31,0 %
Durchschnittspreis (EUR/t) 476 759 +59,3 %
Handelsbilanz (Mrd. EUR) 0,90 2,76 +205,3 %

Quelle: Handelsüberblick

1.3 Die heimische Zuckerproduktion schrumpfte mengenmäßig, wurde aber wertmäßig teurer.

Die EU‑Produktion von Zucker (nach PRODCOM) verringerte sich von 33,7 Mio. t (2015) auf 27,8 Mio. t (2024), ein Rückgang um 17,5 %. Gleichzeitig stieg der Produktionswert von 22,2 Mrd. EUR auf 26,9 Mrd. EUR (+21,5 %). Dies spiegelt die höheren Weltmarktpreise und eine Verlagerung zu höherwertigen Erzeugnissen wider (vgl. Produktionsmengen).

2 Geopolitische und handelspolitische Verschiebungen formen die Partnerlandschaft

2.1 Das Vereinigte Königreich bleibt wichtigster Exportkunde, doch die USA und Israel holen auf.

Das Vereinigte Königreich ist mit 1,12 Mrd. EUR (2025) der größte Exportmarkt, legte aber nur moderat zu (+26,8 %). Sehr dynamisch entwickelten sich die Lieferungen in die USA (+137,9 % auf 643 Mio. EUR) und nach Israel (+109,4 % auf 232 Mio. EUR) (Tabelle 3).

Tabelle 3: Top‑5‑Exportpartner der EU (KN 17), 2015 vs. 2025

Partner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 882 1 119 +26,8 %
Vereinigte Staaten 270 643 +137,9 %
Israel 111 232 +109,4 %
Schweiz 173 249 +43,8 %
Norwegen 146 229 +57,1 %

Quelle: Top‑Handelspartner

2.2 Auf der Importseite verdrängen Brasilien und die Ukraine klassische Lieferanten.

Brasilien avancierte mit einem Importwert von 336 Mio. EUR (+317,6 %) zum führenden Lieferanten. Die Ukraine steigerte ihre Lieferungen um fast 600 % auf 191 Mio. EUR. Dagegen brachen Importe aus Kuba (−99,9 %) und Mauritius (−49,1 %) ein, auch Indien (−55,3 %) und Russland (−75,8 %) verloren stark an Bedeutung (Tabelle 4).

Tabelle 4: Top‑5‑Importpartner der EU (KN 17), 2015 vs. 2025

Partner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Brasilien 80 336 +317,6 %
Vereinigtes Königreich 465 320 −31,3 %
Ukraine 28 191 +587,4 %
Mauritius 143 73 −49,1 %
Indien 49 22 −55,3 %

Quelle: Top‑Handelspartner

2.3 Die Konzentration der Handelspartner nahm ab – die Exportstruktur diversifizierte sich stärker als die Importstruktur.

Der Herfindahl‑Hirschman‑Index (HHI) für die Exporte fiel von 1 182 (2015) auf 840 (2025), ein Rückgang um 28,9 %. Die Importkonzentration verringerte sich nur leicht von 769 auf 741 (−3,6 %) und blieb sprunghaft, mit einem Höchststand von 1 138 im Jahr 2018 (Konzentration). Die EU‑Ausfuhren verteilten sich somit breiter, während die Importe weiter von wenigen großen Akteuren abhingen.

3 Hohe Volatilität und Preisschocks – Zucker und Zuckerwaren bleiben ein unruhiger Markt

3.1 Extreme Mengenschwankungen kennzeichneten die Importe aus Brasilien, der Ukraine und Indien.

Die Variationskoeffizienten (CV) der jährlichen Einfuhrmengen belegen die Instabilität wichtiger Beschaffungsquellen: Die Ukraine erreichte einen CV von 0,91, Indien 0,78, Kuba 0,86 und Brasilien 0,54 (Volatilität). Auch die Exportmengen nach Ägypten (CV 0,98) oder in den Libanon (0,74) unterlagen starken Ausschlägen.

3.2 Mehrere Preisschocks trafen Import‑ und Exportströme – besonders ausgeprägt waren die Jahre 2021/2022.

Die Analyse identifiziert markante Preisereignisse. So sprang der Einfuhrpreis aus dem Vereinigten Königreich 2021 um 98,2 % bei gleichzeitigem Mengeneinbruch; ähnliche Schocks traten bei Importen aus Marokko (+149,4 % 2022) und den USA (+126,1 % 2021) auf. Im Exportgeschäft ragen Preissprünge nach Indien (2022, +38,3 %), Sri Lanka (2019, +320,9 %) und in die Schweiz (2023, +57,4 %) heraus (Preisschocks). Diese Ereignisse stehen häufig im Zusammenhang mit Ernteausfällen, Handelsrestriktionen oder geopolitischen Spannungen.

3.3 Die Nettoimportabhängigkeit sank, die Exportorientierung wuchs deutlich.

Die EU war im gesamten Zeitraum Nettoexporteur. Die Nettoimportabhängigkeit (NIR) fiel von −2,8 % (2015) auf −9,6 % (2024), d. h. die Eigenversorgung nahm relativ zum Verbrauch weiter zu (Nettoimportabhängigkeit). Gleichzeitig stieg die Exportquote (Anteil der Ausfuhren an der Produktion) von 7,8 % auf 17,8 % (+127,7 %), die Handelsintensität verdoppelte sich von 12,3 % auf 24,7 % (Exportorientierung). Die EU‑Zuckerwirtschaft agiert damit immer stärker auf dem Weltmarkt.

Schlussfolgerung

Das Jahrzehnt 2015–2025 brachte eine fundamentale Neuausrichtung des EU‑Außenhandels mit Zucker und Zuckerwaren. Treiber waren steigende globale Zuckerpreise, die das nominale Handelsvolumen aufblähten, während die Mengenströme teils stagnierten oder schrumpften. Geopolitische Verwerfungen – der Brexit, der Krieg in der Ukraine, Sanktionen und der Niedergang traditioneller Lieferländer – verschoben die Handelsgewichte drastisch. Brasilien und die Ukraine stiegen zu zentralen Rohzuckerlieferanten auf, die USA und Israel wurden zu Wachstumsmärkten für europäische Erzeugnisse. Zugleich war der Markt von außerordentlich hoher Preis‑ und Mengenvolatilität geprägt. Die EU hat ihre Nettoexportposition ausgebaut und die Abhängigkeit von Drittlandsimporten weiter reduziert, bleibt jedoch anfällig für Schocks auf wenigen, volatilen Beschaffungsmärkten.