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Marktentwicklung: Getreide- und Backwaren (CN 19) — 2015–2025

Einleitung

Die vorliegende Analyse untersucht den Außenhandel der Europäischen Union mit Waren des Zollkapitels 19 – „Zubereitungen aus Getreide, Mehl, Stärke oder Milch; Backwaren“ – im Zeitraum 2015 bis 2025. Das Kapitel umfasst ein breites Spektrum verarbeiteter Lebensmittel, von Back‑ und Teigwaren über Malzextrakt und Cerealien bis hin zu Sago. Die Daten belegen eine Phase außergewöhnlicher Expansion: Sowohl Exporte als auch Importe erreichen neue Höchststände, wobei die Ausfuhren besonders stark wachsen und der Handelsüberschuss sich nahezu verdoppelt. Der Bericht gliedert sich in drei thematische Abschnitte, die die Haupttreiber, die strukturellen Verschiebungen sowie die Volatilitäten und Produktdynamiken herausarbeiten.

1. Dynamischer Exportmotor und zunehmende Handelsintensität

Die EU steigert den Ausfuhrwert um fast 75 Prozent, getrieben von Qualitätserzeugnissen und Preiserhöhungen

Der Gesamtwert der EU‑Exporte in Drittländer stieg von 13,35 Mrd. EUR (2015) auf 23,35 Mrd. EUR (2025) – ein Plus von 74,9 % Allgemeine Übersicht. Die ausgeführte Menge nahm im selben Zeitraum um 32,3 % zu, der Durchschnittspreis (Unit Value) um 32,2 %. Die Wertsteigerung beruht also auf einer gesunden Mischung aus Mengenwachstum und höheren Preisen. Besonders ausgeprägt war die Preisrally bei Backwaren (1905), deren Ausfuhrpreis von 2 984 EUR/t auf 4 331 EUR/t (+45,1 %) kletterte, und bei Zubereitungen auf Mehl‑/Milchbasis (1901), die mit 3 857 EUR/t auf 4 561 EUR/t (+18,3 %) ebenfalls deutlich zulegten Produktvergleich.

Die Handelsbilanz verbessert sich dramatisch – Nettoausfuhrüberschuss verdoppelt sich nahezu

Gleichzeitig stiegen die Importe aus Drittstaaten von 2,60 Mrd. EUR auf 4,49 Mrd. EUR (+72,6 %), die importierte Menge sogar um 45,2 %. Dennoch fiel der Importpreis mit +18,9 % moderater aus. In der Folge wuchs der Handelsbilanzüberschuss von 10,75 Mrd. EUR auf 18,86 Mrd. EUR (+75,4 %). Die EU festigte damit ihre Rolle als globaler Nettoexporteur hochwertiger Getreide‑ und Milchzubereitungen.

Indikator 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mrd. EUR) 13,35 23,35 +74,9 %
Importwert (Mrd. EUR) 2,60 4,49 +72,6 %
Handelsbilanz (Mrd. EUR) 10,75 18,86 +75,4 %
Exportmenge (1 000 t) 4 738 6 270 +32,3 %
Importmenge (1 000 t) 1 156 1 679 +45,2 %
Export‑Unit Value (EUR/t) 2 817 3 724 +32,2 %
Import‑Unit Value (EUR/t) 2 250 2 674 +18,9 %

Exportneigung verdreifacht sich – EU‑Produzenten erschließen zunehmend Drittlandsmärkte

Die Exportneigung (Anteil der Ausfuhren am EU‑Produktionswert) kletterte von 5,5 % (2003) auf 16,5 % (2024) und unterstreicht die wachsende Ausrichtung der Branche auf außereuropäische Absatzmärkte Exportneigung. Die EU‑Produktion weitete sich im gleichen Zeitraum wertmäßig um 104,1 % aus (von 55,1 auf 112,4 Mrd. EUR), während die Menge um 38,9 % zunahm – ein klarer Hinweis auf die erfolgreiche Höherpositionierung im Qualitätssegment Produktionsvolumen.

2. Diversifizierung der Handelspartner und Spezialisierung der Mitgliedstaaten

Importseitig sinkt die Konzentration drastisch – neue Lieferanten wie die Ukraine, China und die Türkei gewinnen an Bedeutung

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importwerte fiel von 3 166 (2015) auf 1 739 (2025) – ein Rückgang um 45,1 % Konzentration. Das Vereinigte Königreich bleibt zwar größter Einzellieferant, sein Anteil schrumpfte jedoch zugunsten dynamisch wachsender Partner. Besonders sticht die Ukraine hervor: Ihre Lieferungen vervielfachten sich um 618,9 % (von 35 Mio. auf 251 Mio. EUR), gefolgt von China (+199,1 %), Vietnam (+191,0 %) und der Türkei (+183,9 %).

Importpartner (Top 7) Wert 2015 (Mio. EUR) Wert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 1 399 1 709 +22,2 %
Türkei 125 355 +183,9 %
Schweiz 360 322 -10,5 %
China 108 322 +199,1 %
Thailand 109 215 +97,7 %
Ukraine 35 251 +618,9 %
Vietnam 59 171 +191,0 %

Exportseitig dominieren weiterhin traditionelle Märkte, doch die USA und China sorgen für zusätzliche Dynamik

Der Export‑HHI stieg leicht von 925 auf 1 028 (+11,1 %), bleibt also auf moderatem Niveau. Das Vereinigte Königreich als wichtigster Kunde baute seine Bezüge um 83,4 % aus (3,35 auf 6,14 Mrd. EUR). Die USA steigerten ihre Importe um 202,5 % auf 2,53 Mrd. EUR, China um 92,1 % auf 2,69 Mrd. EUR Top-Handelspartner. Einziger rückläufiger Top‑Markt ist die Russische Föderation (-11,4 %), vor allem nach den Sanktionen 2022.

Exportpartner (Top 7) Wert 2015 (Mio. EUR) Wert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 3 351 6 144 +83,4 %
USA 838 2 535 +202,5 %
China 1 398 2 686 +92,1 %
Schweiz 584 1 088 +86,2 %
Norwegen 425 677 +59,1 %
Saudi‑Arabien 702 743 +5,8 %
Russische Föderation 426 378 -11,4 %

Italien, Polen und die Niederlande führen die EU‑Exportoffensive an; Polen verzeichnet den stärksten Zuwachs

Die Ausfuhren innerhalb der EU werden von einer kleinen Gruppe hochspezialisierter Mitgliedstaaten getragen. Italien, mit einem Wert von 2,06 Mrd. EUR (2015) auf 4,23 Mrd. EUR (2025) gestiegen (+104,6 %), ist der größte Exporteur, dicht gefolgt von den Niederlanden und Frankreich. Besonders bemerkenswert ist Polen: Sein Exportwert wuchs um 208,9 % (von 562 Mio. auf 1,74 Mrd. EUR) Top‑Berichterstatter. Die höchste Spezialisierung (RSCA 2025) weisen Lettland (0,314), Italien (0,272), Griechenland (0,247), Kroatien (0,229) und Polen (0,164) auf Spezialisierung. Deutschland und die Niederlande sind dagegen als große Produzenten mit breitem Industriespektrum weniger auf Kapitel 19 spezialisiert.

3. Preisschocks, volatile Mengenströme und ein Wandel im Produktmix

Das Jahr 2022 bringt deutliche Preissprünge, insbesondere bei Backwaren und Teigwaren

Die im JSON identifizierten Preisschocks fanden alle um das Jahr 2022 herum statt. Bei den EU‑Exporten nach Südafrika schnellte der Durchschnittspreis um 44,4 % in die Höhe (Abnormalität 56,1), bei Ausfuhren in die Vereinigten Arabischen Emirate um 27,7 % (Abnormalität 7,8) Preisschocks. Importseitig traf es Lieferungen aus Serbien mit einem Preisanstieg von 17,3 %. Diese Ausschläge reflektieren die weltweiten Rohstoff‑ und Energiepreissteigerungen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, die sich in den höher veredelten Produkten des Kapitels 19 unmittelbar niederschlugen.

Die Importmengen einzelner Partner schwanken stark – Ukraine und China mit höchster Volatilität

Die Variationskoeffizienten (CV) der jährlichen Importmengen offenbaren eine hohe Unstetigkeit bei mehreren aufstrebenden Lieferanten Volatilität. Die Ukraine erreicht einen CV von 0,406, China 0,324, Vietnam 0,279. Bei den Exporten fällt vor allem die Russische Föderation mit einem CV von 0,342 auf – Ausdruck der politisch bedingten abrupten Lieferrückgänge. Die verlässlichsten Ströme verzeichnen dagegen das Vereinigte Königreich (Export‑CV 0,088) und Norwegen (0,068).

Volatilität (CV, Menge) Importe Exporte
Sehr hoch (>0,3) Ukraine (0,41), China (0,32), Vietnam (0,28) Russische Föderation (0,34), USA (0,25)
Moderat (0,1–0,3) Türkei (0,17), Thailand (0,23) China (0,20), Schweiz (0,11)
Gering (<0,1) Vereinigtes Königreich (0,14), Schweiz (0,13) Vereinigtes Königreich (0,09), Norwegen (0,07)

Backwaren (1905) und Teigwaren (1902) treiben das Ausfuhrwachstum, während Volumen bei Cerealien-Zubereitungen (1904) rückläufig sind

Die Aufschlüsselung nach Unterkapiteln zeigt eine klare Gewichtsverlagerung Produktsegment.

Die EU erhöht also gezielt den Absatz hochwertiger Back‑ und Teigwaren, während sie bei Importen vor allem bei Teigwaren und Backwaren eine wachsende Nachfrage bedient.

Fazit

Die EU‑Handelsbilanz für Getreide‑ und Backwaren erlebte zwischen 2015 und 2025 einen beispiellosen Aufschwung. Die Exporte legten wertmäßig um fast drei Viertel zu, der Überschuss verdoppelte sich nahezu, und die Exportneigung der europäischen Produzenten erreichte ein neues Hoch. Diese Entwicklung wurde von einem kräftigen Preisauftrieb begleitet, der insbesondere bei Back‑ und Teigwaren durchschlug und in den Preisschocks des Jahres 2022 kulminierte. Gleichzeitig diversifizierte die EU ihre Importquellen spürbar: Neue Partner wie die Ukraine, China, Vietnam und die Türkei gewannen schnell an Gewicht, während die Konzentration auf etablierte Lieferanten deutlich abnahm. Innerhalb der EU stützen sich die Exporte stark auf die hochspezialisierten Länder Italien, Polen, die Niederlande und Frankreich, wobei Polen das mit Abstand größte Wachstumstempo vorlegte. Die analysierten Daten zeichnen das Bild einer Branche, die ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit durch Qualitätsorientierung und Diversifikation kontinuierlich ausbaut, wenngleich geopolitische Verwerfungen und volatile Rohstoffmärkte weiterhin Risikofaktoren bleiben.