Marktentwicklung: Teigwaren (CN 1902) — 2015–2025
Einleitung
Der Handel der Europäischen Union mit Teigwaren (KN-Code 1902) hat sich zwischen 2015 und 2025 erheblich dynamisiert. Der Warenkorb umfasst sowohl Rohwaren wie Spaghetti und Makkaroni als auch zubereitete Produkte wie Lasagne, Ravioli und Couscous. Die EU ist in diesem Segment ein etablierter Nettoexporteur – allen voran Italien, das mehr als drei Viertel der Ausfuhren bestreitet. Gleichzeitig haben sich die Importe im betrachteten Zeitraum mehr als verdoppelt, was auf eine zunehmende Integration in globale Lieferketten hindeutet. Der vorliegende Bericht analysiert die wesentlichen Handelsdynamiken, Preistrends und Strukturverschiebungen des Zeitraums 2015–2025 und stützt sich dabei durchgängig auf die verfügbaren Eurostat- und Comext-Daten. Weitere interaktive Auswertungen finden sich im EU Trade Dashboard.
1. Der Teigwarenmarkt wächst dynamisch — Produktion und Handel expandieren in allen Segmenten
1.1 Exporte und Importe verzeichnen über den gesamten Zeitraum hinweg kräftiges Wachstum
Der EU-Handel mit Teigwaren zeigt über den Zeitraum 2015–2025 ein durchweg positives Wachstumsmuster. Die Exporte stiegen im Wert von 1,44 Mrd. € auf 2,66 Mrd. € (+84,5 %), bei einem Mengenwachstum von 1,12 Mio. t auf 1,54 Mio. t (+37,9 %). Die Importe wuchsen sogar noch deutlicher: von 398 Mio. € auf 1,05 Mrd. € (+162,7 %) im Wert bzw. von 226.182 t auf 443.422 t (+96,0 %) in der Menge. Das bedeutet, dass die Importe sich in zehn Jahren nahezu verdreifacht haben – ein bemerkenswerter Zuwachs, der sowohl auf gestiegene Nachfrage als auch auf höhere Preise zurückzuführen ist.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert | 1,44 Mrd. € | 2,66 Mrd. € | +84,5 % |
| Exportmenge | 1,12 Mio. t | 1,54 Mio. t | +37,9 % |
| Exportpreis | 1.292 €/t | 1.730 €/t | +33,8 % |
| Importwert | 398 Mio. € | 1,05 Mrd. € | +162,7 % |
| Importmenge | 226.182 t | 443.422 t | +96,0 % |
| Importpreis | 1.761 €/t | 2.360 €/t | +34,0 % |
Bemerkenswert ist, dass die Werte sowohl bei Exporten als auch bei Importen nicht monoton stiegen, sondern 2023/2024 einen Höhepunkt erreichten und 2025 leicht nachgaben. Die Exporte erreichten ihr Maximum bei 2,73 Mrd. € (2023/2024), die Importe bei 1,07 Mrd. € (2024). Die Mengenentwicklung war hingegen konsistenter: Die Importmenge erreichte mit 443.422 t in 2025 ihren höchsten Stand, was darauf hindeutet, dass der leichte Wertrückgang 2025 vor allem preisbedingt war.
1.2 Die EU bleibt ein stabiler Nettoexporteur mit wachsendem Handelsbilanzüberschuss
Die Handelsbilanz der EU weist über den gesamten Betrachtungszeitraum einen positiven Überschuss aus: von 1,05 Mrd. € (2015) auf 1,62 Mrd. € (2025), was einer Steigerung von 54,8 % entspricht. Der Überschuss erreichte seinen Spitzenwert mit 1,69 Mrd. € in 2023/2024. Trotz des stärkeren Importwachstums konnte die EU ihre Nettoexporteur-Position ausbauen, da auch die Exporte kräftig zulegten.
Die Netto-Importabhängigkeit lag durchgehend im negativen Bereich (2015: −10,3 %; 2025: −12,0 %), was die Exportorientierung des Sektors bestätigt. Ihr Minimum erreichte sie bei −17,7 %, was den stärksten Nettoexport-Überschuss im Verhältnis zur Produktion markiert. Die Handelsintensität stieg im selben Zeitraum von 14,1 % auf 23,0 % (+62,7 %), die Exportquote von 11,9 % auf 17,7 % (+48,2 %). Der Sektor ist somit deutlich internationaler geworden.
1.3 Italien dominiert Produktion und Export, doch neue Akteure gewinnen an Bedeutung
Die EU-Produktion von Teigwaren wuchs im Zeitraum von 5,54 Mrd. kg auf 8,13 Mrd. kg (+46,8 %) mengenmäßig und von 5,85 Mrd. € auf 15,47 Mrd. € (+164,5 %) wertmäßig. Der Produktionswert stieg damit dreimal schneller als die Menge, was auf erhebliche Kosten- und Preissteigerungen sowie eine mögliche Verschiebung hin zu hochwertigeren Produkten hindeutet.
Italien ist der unangefochtene Marktführer. Gemäß den Spezialisierungsdaten für 2025 weist Italien einen RCA-Wert (Revealed Comparative Advantage) von 5,85 auf und produziert 46,9 % des EU-weiten Produktionswerts in diesem Segment. Italiens Exporte im Wert von 2,01 Mrd. € (2025) entsprechen 75,5 % aller EU-Exporte – ein Anteil, der im Vergleich zu 2015 (77,4 %) weitgehend stabil blieb.
Allerdings haben auch andere Mitgliedstaaten ihre Exporte stark ausgebaut, wie die Reporterdarstellung zeigt:
| EU-Mitgliedstaat | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Italien | 1.117 | 2.012 | +80,1 % |
| Belgien | 46 | 96 | +107,9 % |
| Deutschland | 43 | 96 | +124,8 % |
| Frankreich | 81 | 83 | +3,0 % |
| Irland | 12 | 70 | +477,6 % |
| Niederlande | 24 | 49 | +102,8 % |
| Polen | 16 | 38 | +141,3 % |
Besonders auffällig ist der Anstieg Irlands (+477,6 %), der auf eine zunehmende Verarbeitungskapazität oder Re-Export-Aktivitäten hindeuten könnte, sowie Polens Wachstum (+141,3 %), das im Kontext der allgemeinen Industrialisierung der polnischen Lebensmittelproduktion steht.
1.4 Zubereitete Teigwaren sind der am stärksten wachsende Import- und Exportsegment
Die Produktsegment-Analyse offenbart deutliche Strukturverschiebungen. Auf der Importseite dominiert das Segment 190230 (zubereitete Teigwaren) mit einem Mengenanteil von 63,6 % (2025), gefolgt von 190219 (Rohware ohne Ei, 16,8 %) und 190220 (gefüllte Teigwaren, 12,8 %).
Importsegmente nach Menge:
| CN-Code | Beschreibung | 2015 (t) | 2025 (t) | Veränderung | Anteil 2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| 190230 | Zubereitete Teigwaren | 128.294 | 282.102 | +119,9 % | 63,6 % |
| 190219 | Ungekocht, ohne Ei | 42.890 | 74.421 | +73,5 % | 16,8 % |
| 190220 | Gefüllte Teigwaren | 35.099 | 56.769 | +61,7 % | 12,8 % |
| 190240 | Couscous | 14.239 | 26.050 | +83,0 % | 5,9 % |
| 190211 | Ungekocht, mit Ei | 5.661 | 4.080 | −27,9 % | 0,9 % |
Auf der Exportseite dominiert das Segment 190219 (Rohware ohne Ei) mit 82,2 % des Mengenvolumens, was vor allem auf die italienische Massenproduktion von Pasta zurückzuführen ist. Beachtlich ist das Mengenwachstum von 190230 (zubereitete Teigwaren) um 95,4 % bei den Exporten – ein Hinweis auf die steigende Bedeutung von Convenience-Produkten und Fertiggerichten im EU-Export. Gleichzeitig ging Couscous (190240) bei den Exporten um 16,8 % zurück, während die Eierpasta (190211) sowohl im Import (−27,9 %) als auch im Export (−6,5 %) an Volumen verlor.
2. Preisspitzen im Jahr 2022 offenbaren die Verletzlichkeit des Marktes gegenüber globalen Krisen
2.1 Die Energie- und Inflationsspirale von 2022 hinterlässt deutliche Spuren in den Einheitswerten
Die Preisentwicklung im Teigwarenhandel folgt einem klaren Muster: Nach einem relativ stabilen Preisniveau in den Jahren 2015–2019 stiegen die Einheitswerte ab 2020 deutlich an und erreichten 2022 ihren Höhepunkt. Die Exportpreise kletterten auf bis zu 1.863 €/t, die Importpreise auf bis zu 2.567 €/t – beides historische Höchststände. Bis 2025 gingen die Preise wieder leicht zurück (Exporte: 1.730 €/t; Importe: 2.360 €/t), blieben aber deutlich über dem Vorkrisenniveau.
| Preisindikator | 2015 | Tiefpunkt | Höhepunkt (≈2022) | 2025 |
|---|---|---|---|---|
| Exportpreis (€/t) | 1.292 | 1.203 | 1.863 | 1.730 |
| Importpreis (€/t) | 1.761 | 1.706 | 2.567 | 2.360 |
Die Preiserhöhungen sind sowohl auf gestiegene Energie- und Rohstoffkosten (insbesondere Weizen, Eier, Verpackung) als auch auf Lieferkettenstörungen in Folge der COVID-19-Pandemie und des Ukraine-Kriegs zurückzuführen. Die Getreidepreise stiegen 2022 infolge des russischen Angriffskriegs sprunghaft an, da die Ukraine und Russland bedeutende Weizenexporteure sind. Da Weizen der wichtigste Rohstoff für Teigwaren ist, schlug sich dies unmittelbar in den Handelspreisen nieder.
2.2 Zubereitete und gefüllte Teigwaren zeigen überproportionale Preissteigerungen
Die Preisentwicklung variiert erheblich zwischen den einzelnen Produktsegmenten. Besonders auffällig ist die Preisdynamik bei Exporten von hochwertigen Segmenten:
| Segment | Exportpreis 2015 (€/t) | Exportpreis 2025 (€/t) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| 190220 – Gefüllt | 2.786 | 4.443 | +59,5 % |
| 190230 – Zubereitet | 1.962 | 3.107 | +58,4 % |
| 190211 – Mit Ei | 2.018 | 2.642 | +30,9 % |
| 190240 – Couscous | 1.153 | 1.520 | +31,8 % |
| 190219 – Ohne Ei | 1.069 | 1.380 | +29,1 % |
Gefüllte Teigwaren (Ravioli, Tortellini etc.) erzielten 2025 mit 4.443 €/t den höchsten Exportpreis – fast dreimal so viel wie basische Rohware (190219). Die EU exportiert somit vor allem im Premium-Segment, während die Basis-Rohware preisgünstiger positioniert ist.
Ein bemerkenswerter Befund betrifft das Verhältnis von Import- und Exportpreisen im Segment 190219 (Rohware ohne Ei): Die EU importierte dieses Segment 2025 zu einem Einheitspreis von 1.760 €/t, exportierte es aber nur zu 1.380 €/t. Dies deutet darauf hin, dass importierte asiatische Nudelprodukte (z. B. Ramen, Glasnudeln, Reisnudeln) innerhalb desselben Zollcodes eine höhere Wertschöpfung aufweisen als italienische Massenpasta. Bei zubereiteten und gefüllten Teigwaren kehrt sich dieses Verhältnis um: Die EU exportiert zu deutlich höheren Preisen als sie importiert (190220: Exportpreis 4.443 €/t vs. Importpreis 3.246 €/t), was den Markenwert europäischer Spezialitäten widerspiegelt.
2.3 Deutliche Preisschocks bei Handelspartnern in der Türkei, Marokko und Südafrika
Die Schockanalyse identifiziert drei bemerkenswerte Preisschocks, die alle im Jahr 2022 auftraten:
| Partnerland | Handelsrichtung | Preisschock (Abweichung) | Preisänderung | Anteil am Gesamtwert |
|---|---|---|---|---|
| Südafrika | Exporte | 775,4 | +52,9 % | 1,4 % |
| Türkei | Importe | 55,4 | +64,3 % | 3,4 % |
| Marokko | Importe | 22,4 | +22,1 % | 4,4 % |
Der extremste Schock betraf die Exportpreise nach Südafrika mit einer abnormalen Abweichung von 775,4 und einem Preisanstieg von 52,9 %. Dies könnte auf eine Verknappung der lokalen Produktion, Währungseffekte (Abschwächung des Rand) oder gezielte Lieferumleitungen zurückzuführen sein. Der türkische Preisschock (+64,3 %) bei den Importen spiegelt die Hyperinflation der türkischen Lira wider, die die Kosten in Euro gerechnet in die Höhe trieb. Die Veränderungen bei den Importen aus Marokko (+22,1 %) sind vermutlich auf gestiegene Produktions- und Transportkosten in Nordafrika zurückzuführen.
2.4 Die Handelsvolatilität variiert stark zwischen den Partnerländern
Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass einige Handelsbeziehungen deutlich instabiler sind als andere. Der Variationskoeffizient (CV) der Importwerte variiert stark:
| Importpartner | CV (Importwert) | Bewertung |
|---|---|---|
| Serbien | 0,712 | Sehr volatil |
| Südkorea | 0,614 | Sehr volatil |
| Vereinigtes Königreich | 0,362 | Volatil |
| China | 0,344 | Moderat |
| Vietnam | 0,293 | Moderat |
| Marokko | 0,291 | Moderat |
| Thailand | 0,243 | Moderat |
| Türkei | 0,170 | Stabil |
| Schweiz | 0,077 | Sehr stabil |
Auf der Exportseite sind die wichtigsten Märkte tendenziell stabiler: Japan (CV 0,090), die Schweiz (0,109) und das Vereinigte Königreich (0,112) weisen niedrige Volatilitätswerte auf. Demgegenüber zeigen Exporte in die Ukraine (CV 0,413) und nach Saudi-Arabien (CV 0,399) eine höhere Schwankungsbreite, was auf politische oder wirtschaftliche Instabilität in diesen Märkten hindeuten kann.
3. Asiatische Lieferanten gewinnen rapide an Marktanteilen, während Italiens Exportdominanz ungebrochen bleibt
3.1 Korea, China und Vietnam verdrängen traditionelle Importpartner
Die Partnerländeranalyse bei Importen zeigt eine dramatische Verschiebung der Importquellen. Während 2015 Thailand (73 Mio. €), die Schweiz (62 Mio. €) und China (61 Mio. €) die wichtigsten Lieferanten waren, hat sich die Rangliste bis 2025 grundlegend verändert:
| Partnerland | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| China | 61 | 203 | +231,1 % |
| Südkorea | 21 | 193 | +835,8 % |
| Thailand | 73 | 132 | +80,0 % |
| Vietnam | 42 | 124 | +196,5 % |
| Schweiz | 62 | 89 | +43,3 % |
| Vereinigtes Königreich | 53 | 53 | −0,7 % |
| Türkei | 13 | 26 | +99,9 % |
Der spektakulärste Anstieg betraf Südkorea: Die Importe stiegen von 21 Mio. € auf 193 Mio. € (+835,8 %), was Südkorea vom Ranglisten-Außenseiter zum zweitgrößten Importpartner machte. Dieser Anstieg ist wahrscheinlich auf den wachsenden europäischen Konsum koreanischer Nudelprodukte (Ramen, Glasnudeln) sowie auf die Handelspräferenzen im Rahmen des EU-Korea-Freihandelsabkommens zurückzuführen. China (+231,1 %) und Vietnam (+196,5 %) verzeichneten ebenfalls außergewöhnliche Zuwächse, die auf die Wettbewerbsfähigkeit asiatischer Produzenten bei Basis- und Spezialnudeln hindeuten.
Asiatische Länder (China, Südkorea, Thailand, Vietnam) machten 2025 zusammen rund 625 Mio. € bzw. 60 % der gesamten EU-Importe aus – ein Anteil, der 2015 noch bei deutlich unter 50 % lag. Die traditionellen europäischen Partner Schweiz und Vereinigtes Königreich verloren hingegen relativ an Bedeutung.
3.2 Das Vereinigte Königreich und die USA bleiben die wichtigsten Exportmärkte, doch die Wachstumsdynamik verschiebt sich
Die Exportpartneranalyse zeigt eine stabile Rangfolge der Top-Abnehmerländer, aber mit unterschiedlichen Wachstumsraten:
| Exportpartner | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 462 | 816 | +76,8 % |
| Vereinigte Staaten | 281 | 696 | +147,5 % |
| Schweiz | 100 | 163 | +63,4 % |
| Japan | 82 | 93 | +13,0 % |
| Kanada | 43 | 96 | +124,2 % |
| Australien | 37 | 77 | +107,6 % |
| Israel | 23 | 43 | +89,1 % |
Das Vereinigte Königreich bleibt mit Abstand der wichtigste Exportmarkt (816 Mio. €, +76,8 %), was auf die geographische Nähe, kulturelle Verflechtungen und die nachhaltige Popularität italienischer Küche im Vereinigten Königreich zurückzuführen ist. Die Vereinigten Staaten verzeichneten jedoch das mit Abstand stärkste absolute Wachstum: von 281 Mio. € auf 696 Mio. € (+147,5 %). Die USA sind damit der dynamischste Wachstumsmarkt für EU-Teigwaren und haben ihren Anteil an den EU-Exporten von 19,5 % auf 26,1 % ausgeweitet.
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) bei den Exporten stieg von 1.536 auf 1.729 (+12,6 %), was eine zunehmende Konzentration auf wenige Schlüsselmärkte signalisiert. Die Kombination aus UK und USA allein repräsentierte 2025 bereits 56,8 % der EU-Exporte (2015: 51,4 %). Japan als drittgrößter Abnehmer zeigte mit nur +13,0 % das schwächste Wachstum unter den Top-7-Partnern, was auf einen ausgereiften Markt mit geringem Margenwachstum hindeuten könnte.
3.3 Die Niederlande werden zum wichtigsten EU-Importeur und verdrängen Deutschland
Auch innerhalb der EU verschiebt sich die Importstruktur erheblich. Deutschland war 2015 mit 96 Mio. € der größte EU-Importer von Teigwaren aus Drittländern, wurde aber bis 2025 von den Niederlanden überholt:
| EU-Mitgliedstaat (Importeur) | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Niederlande | 58 | 265 | +356,0 % |
| Deutschland | 96 | 195 | +102,3 % |
| Frankreich | 64 | 137 | +113,0 % |
| Österreich | 25 | 63 | +152,5 % |
| Irland | 38 | 53 | +38,9 % |
| Belgien | 24 | 37 | +53,5 % |
| Italien | 15 | 42 | +174,3 % |
Die Niederlande verzeichneten mit +356,0 % das mit Abstand stärkste Wachstum und stiegen vom viertgrößten zum größten Importeur auf. Dies ist wahrscheinlich auf die Rolle der Häfen Rotterdam und Amsterdam als Einfuhrdrehscheibe für asiatische Waren zurückzuführen, die anschließend in andere EU-Länder re-exportiert werden. Österreich (+152,5 %) und Italien (+174,3 %) verzeichneten ebenfalls überproportionale Zuwächse, wobei Italiens Importwachstum als traditionellem Pasta-Produzenten bemerkenswert ist – es könnte auf Rohstoffimporte (Weizenprodukte) oder auf den wachsenden Markt für asiatische Nudelprodukte in Italien hindeuten.
3.4 Exportkonzentration steigt, während Importquellen sich leicht diversifizieren
Die Konzentrationsanalyse zeigt einen gegenläufigen Trend bei Importen und Exporten:
| Indikator | 2015 (HHI) | 2025 (HHI) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importkonzentration (Wert) | 1.181 | 1.172 | −0,7 % |
| Exportkonzentration (Wert) | 1.536 | 1.729 | +12,6 % |
| Importkonzentration (Menge) | 1.134 | 1.172 | +3,4 % |
| Exportkonzentration (Menge) | 1.291 | 1.476 | +14,3 % |
Der Import-HHI blieb mit Werten um 1.170 nahezu unverändert und liegt unter der Schwelle von 1.500, die eine moderate Konzentration markieren würde. Die Importquellen sind somit weiterhin relativ diversifiziert – trotz des rasanten Wachstums einzelner asiatischer Partner. Der Export-HHI stieg hingegen auf 1.729 an und liegt damit im Bereich moderater Konzentration. Dies ist im Wesentlichen auf Italiens unangefochtene Dominanz zurückzuführen, die trotz eines gewissen Beitrags neuer Exporteure (Irland, Polen, Belgien) kaum an Boden verloren hat. Die Spezialisierungsdaten bestätigen dies: Italien weist mit einem RCA von 5,85 und einem RSCA von 0,71 die mit Abstand höchste Spezialisierung in der EU auf, gefolgt von Litauen (RCA 3,40) und Lettland (RCA 3,10), die jedoch mengenmäßig nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Schluss
Der EU-Teigwarenmarkt hat sich zwischen 2015 und 2025 tiefgreifend gewandelt. Die Handelsvolumina haben sich nahezu verdoppelt, die Handelsintensität ist von 14 % auf 23 % gestiegen und die EU hat ihre Position als weltweit führender Nettoexporteur von Teigwaren gefestigt. Italiens Dominanz – sowohl in der Produktion als auch im Export – bleibt ungebrochen, doch neue Akteure wie Irland, Polen und Belgien gewinnen an Gewicht.
Die Jahre 2021 und 2022 markieren eine Zäsur: Die globalen Preissteigerungen infolge von Pandemie-Folgen und dem Ukraine-Krieg schlugen sich in historischen Preisspitzen nieder, die sich erst 2024/2025 teilweise normalisierten. Gleichzeitig hat sich die Importstruktur der EU grundlegend verschoben: Asiatische Lieferanten – insbesondere Südkorea, China und Vietnam – haben traditionelle Partner wie das Vereinigte Königreich und die Schweiz als Importquellen weit überholt. Südkorea allein verachtfachte seine Exporte in die EU von 21 Mio. € auf 193 Mio. €.
Für die Zukunft stellen sich mehrere Fragen: Wird das Importwachstum aus Asien weiter anhalten und die Nettoexportposition der EU unter Druck setzen? Kann sich die EU im Premium-Segment (gefüllte und zubereitete Teigwaren) gegenüber der wachsenden asiatischen Konkurrenz behaupten? Und wie werden sich mögliche Handelspolitische Spannungen – etwa im Rahmen von Anti-Dumping-Verfahren oder Zollanpassungen – auf die bestehenden Lieferketten auswirken? Die Daten deuten darauf hin, dass der EU-Teigwarenmarkt trotz seiner Größe und Stabilität anfällig für externe Schocks bleibt und sich in einem strukturellen Wandel befindet, der sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringt.