Marktentwicklung: Teigwaren ohne Ei (CN 190219) — 2015–2025
Einführung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zeitraum 2015 bis 2025 für den Zollcode CN 190219 — „Teigwaren, weder gekocht oder gefüllt noch in anderer Weise zubereitet, keine Eier enthaltend". Dies umfasst im Wesentlichen rohe, ei-freie Pastaerzeugnisse wie Spaghetti, Makkaroni und Nudeln, die nicht mit Fleisch oder anderen Stoffen gefüllt sind. Die EU ist in diesem Segment ein globaler Schwergewichtsexporteur mit einem ausgeprägten Handelsüberschuss. Im analysierten Zeitraum verzeichnete der Sektor ein deutliches Wachstum bei Exportvolumen und -werten, gepaart mit signifikanten Preissteigerungen und einer zunehmenden Diversifizierung der Handelspartner.
1. Exportdominanz und steigende Wertschöpfung: Die EU als globaler Pasta-Exporteur
Die EU hat ihre Position als weltweit führender Exporteur ei-freier Teigwaren im Betrachtungszeitraum kontinuierlich ausgebaut. Sowohl das Exportvolumen als auch der Exportwert verzeichneten überproportionale Zuwächse, wobei steigende Preise einen erheblichen Teil der Wertsteigerung erklären.
Das Exportvolumen wuchs um über 40 Prozent
Die EU exportierte im Jahr 2015 rund 897.494 Tonnen ei-freier Teigwaren in Nicht-EU-Länder. Bis 2025 stieg dieses Volumen auf rund 1.266.254 Tonnen, was einem Zuwachs von 41,1 % entspricht. Der Höchststand wurde 2022 mit rund 1.337.983 Tonnen erreicht.
Der Exportwert verdoppelte sich nahezu
Noch deutlicher fiel die Wertentwicklung aus: Der Exportwert stieg von rund 959,8 Mio. EUR (2015) auf rund 1.748,0 Mio. EUR (2025), ein Plus von 82,1 %. Der Höchstwert wurde ebenfalls 2022 mit rund 1.788,1 Mio. EUR verzeichnet. Die Differenz zwischen Volumen- (+41,1 %) und Wertwachstum (+82,1 %) spiegelt die erheblichen Preissteigerungen wider.
Preisanstiege trieben die Wertschöpfung
Der durchschnittliche Exportpreis entwickelte sich wie folgt:
| Jahr (ca.) | Exportpreis (EUR/t) | Veränderung gg. 2015 |
|---|---|---|
| 2015 | 1.069 | — |
| 2020 | 998 | −6,6 % |
| 2022 | 1.524 | +42,5 % |
| 2025 | 1.380 | +29,1 % |
Der Exportpreis erreichte 2022 mit rund 1.524 EUR/t seinen Höchststand, was auf die globalen Energie- und Rohstoffpreisschocks nach dem Beginn des Ukraine-Krieges zurückzuführen ist. Bis 2025 sank der Preis wieder leicht, blieb aber deutlich über dem Niveau von 2015.
Italien dominiert die EU-Exporte
Innerhalb der EU entfielen die Exporte fast ausschließlich auf Italien. Italienische Exporte machten 2025 rund 1.536,8 Mio. EUR aus — das entspricht ca. 88 % des gesamten EU-Exportwertes und einem Wachstum von 82,0 % gegenüber 2015. Italien besitzt mit einem Revealed Comparative Advantage (RCA) von 8,54 eine extrem hohe Spezialisierung in diesem Segment.
Auch andere Mitgliedstaaten verzeichneten beachtliches Wachstum, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau:
| Land | Export 2015 (Mio. EUR) | Export 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Italien | 844,6 | 1.536,8 | +82,0 % |
| Deutschland | 7,8 | 37,6 | +380,3 % |
| Griechenland | 16,8 | 36,3 | +116,2 % |
| Belgien | 12,0 | 30,5 | +155,1 % |
| Polen | 5,3 | 11,0 | +109,1 % |
Die EU bleibt ein starker Nettoexporteur
Der Handelsbilanzüberschuss stieg von rund 905,4 Mio. EUR (2015) auf rund 1.617,0 Mio. EUR (2025), ein Plus von 78,6 %. Die EU importierte im selben Zeitraum lediglich Teigwaren im Wert von rund 131,0 Mio. EUR (2025), was nur etwa 7 % des Exportwertes entspricht.
2. Verschiebung der Handelspartnerschaften: Neue Absatzmärkte und Importquellen
Im Zeitraum 2015–2025 veränderte sich die geografische Struktur sowohl der Export- als auch der Importpartner der EU erheblich. Auf der Exportseite gewannen transatlantische Märkte stark an Bedeutung, während auf der Importseite asiatische Länder ein bemerkenswertes Wachstum zeigten.
Die USA wurden zum wichtigsten Exportwachstumsmarkt
Während das Vereinigte Königreich traditionell der größte einzelne Exportmarkt blieb (2025: 358,7 Mio. EUR), entwickelten sich die USA zum dynamischsten Wachstumsmarkt:
| Exportziel | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 223,0 | 358,7 | +60,9 % |
| USA | 199,5 | 509,2 | +155,2 % |
| Japan | 78,5 | 90,0 | +14,6 % |
| Schweiz | 38,1 | 70,3 | +84,5 % |
| Kanada | 31,2 | 77,8 | +149,6 % |
| Australien | 29,4 | 56,6 | +92,7 % |
| China | 20,0 | 28,2 | +41,0 % |
Die Exporte in die USA stiegen von 199,5 Mio. EUR auf 509,2 Mio. EUR — ein Zuwachs von 155,2 %. Im Jahr 2025 überholten die USA damit das Vereinigte Königreich als wichtigsten einzelnen Exportpartner der EU nach Wert. Auch Kanada (+149,6 %) und Australien (+92,7 %) verzeichneten sehr starkes Wachstum, was auf eine zunehmende globale Nachfrage nach europäischer Pasta, insbesondere in Übersee, hindeutet.
Auf der Importseite: Korea und Vietnam als neue Akteure
Die EU-Importe ei-freier Teigwaren blieben im Vergleich zu den Exporten gering, wuchsen aber prozentual stärker: Der Importwert stieg von 54,4 Mio. EUR auf 131,0 Mio. EUR (+141,0 %), das Importvolumen von 42.890 t auf 74.421 t (+73,5 %).
Besonders auffällig ist das Wachstum zweier asiatischer Lieferanten:
| Importquelle | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Korea, Republik | 1,2 | 33,1 | +2.579,2 % |
| Vietnam | 3,5 | 17,6 | +408,0 % |
| Türkei | 11,7 | 16,8 | +43,4 % |
| China | 9,4 | 14,4 | +53,2 % |
| Thailand | 9,2 | 10,9 | +19,3 % |
| Serbien | 1,9 | 5,5 | +184,2 % |
| Vereinigtes Königreich | 9,8 | 9,5 | −3,0 % |
Die Importe aus Südkorea stiegen von nur 1,2 Mio. EUR auf 33,1 Mio. EUR — ein Anstieg um fast das 26-fache. Dies spiegelt vermutlich das wachsende Interesse an asiatischen Nudelprodukten in Europa wider, möglicherweise verstärkt durch die Popularität koreanischer Küche. Vietnam (+408,0 %) und Serbien (+184,2 %) entwickelten sich ebenfalls zu relevanten Lieferanten. Die Importkonzentration (HHI) sank von 1.456 auf 1.282 (−11,9 %), was eine Diversifizierung der Importquellen bestätigt.
Die Exportkonzentration nahm hingegen zu
Während sich die Importseite diversifizierte, stieg die Exportkonzentration: Der HHI-Wert der Exporte erhöhte sich von 1.128 auf 1.391 (+23,3 %). Ursache hierfür ist das überproportionale Wachstum der Exporte in die USA, was die Konzentration auf wenige große Zielmärkte verstärkte. Der Exportanteil der USA am Gesamtwert stieg von ca. 21 % auf ca. 29 %.
Preispreiseffekte auf den Handelsströmen
Die Analyse der Preisvolatilität zeigt signifikante Preisschocks im Zeitraum 2021–2022:
| Schockereignis | Jahr | Typ | Wertanteil | Preissprung |
|---|---|---|---|---|
| Exporte in die USA | 2022 | Preis | 30,6 % | +42,4 % |
| Exporte nach Südafrika | 2022 | Preis | 1,9 % | +53,7 % |
| Importe aus China | 2021 | Preis | 17,7 % | +19,5 % |
Der Preisschock bei US-Exporten 2022 ist besonders relevant, da die USA den größten Einzelanteil am Exportwert haben (30,6 %). Die Preiserhöhung um 42,4 % fiel zeitlich mit den globalen Lieferkettenstörungen und Energiepreisanstiegen nach 2021 zusammen.
3. Produktionswachstum und wachsende Autarkie der EU
Die EU-Produktion ei-freier Teigwaren verzeichnete im Betrachtungszeitraum ein beachtliches Wachstum. Gleichzeitig blieb die EU ein starker Nettoexporteur, und ihre Importabhängigkeit entwickelte sich stabil.
Die EU-Produktion wuchs sowohl mengen- als auch wertmäßig erheblich
Die EU-Produktion ei-freier Teigwaren (PRODCOM 10.73.11.50) entwickelte sich wie folgt:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Produktionsmenge | 2.884.717 t | 4.800.000 t | +66,4 % |
| Produktionswert | 2.042.973 Tsd. EUR | 6.600.000 Tsd. EUR | +223,1 % |
Das Produktionsvolumen stieg um 66,4 %, der Produktionswert jedoch um 223,1 %. Dies zeigt, dass die Wertschöpfung pro Einheit erheblich zunahm — bedingt durch Produktmix-Verschiebungen hin zu hochwertigeren Spezialteigwaren sowie durch generelle Preissteigerungen bei Rohstoffen und Energie.
Die Nettoimportabhängigkeit blieb auf niedrigem Niveau
Der Netto-Importreliance-Indikator blieb über den gesamten Zeitraum negativ, was die Rolle der EU als Nettoexporteur bestätigt:
- 2015: −29,4 %
- 2025: −33,6 %
- Minimum (stärkster Überschuss): −49,2 %
Der negative Wert nahm in absoluten Betrag leicht zu (von −29,4 % auf −33,6 %), was bedeutet, dass die EU ihren Exportüberschuss im Verhältnis zur Gesamtproduktion ausgebaut hat. Die maximale Ausprägung wurde mit −49,2 % zu einem nicht näher spezifizierten Zeitpunkt erreicht, was auf eine Periode besonders starker Exporte hindeutet (vermutlich 2022).
Die Handelsintensität und Exportneigung stiegen
Sowohl die Handelsintensität als auch die Exportneigung nahmen im Betrachtungszeitraum zu:
| Indikator | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Handelsintensität | 24,5 % | 28,5 % | +16,4 % |
| Exportneigung | 23,7 % | 27,1 % | +14,2 % |
Die Handelsintensität erreichte ihren Höchststand mit 35,6 % (vermutlich 2022), was die erhöhte globale Nachfrage in diesem Jahr widerspiegelt. Der leichte Rückgang bis 2025 gegenüber dem Spitzenwert deutet auf eine Normalisierung hin.
Produktsegmente: Hartweizen dominiert den Export
Die Aufschlüsselung nach Unterpositionen zeigt eine klare Segmentierung:
- CN 19021910 (ohne Weichweizenmehl/-grieß, ohne Ei): Dominierende Exportposition mit rund 1.160.819 Tonnen (2025) im Wert von 1.567,0 Mio. EUR — ca. 90 % der Exportmenge.
- CN 19021990 (mit Weichweizenmehl/-grieß, ohne Ei): Kleinere Position mit rund 105.435 Tonnen (2025) im Wert von 181,0 Mio. EUR.
Auf der Importseite war das Verhältnis ausgewogener: CN 19021910 machte 2025 rund 43.214 Tonnen (58 % der Importmenge) und CN 19021990 rund 31.207 Tonnen (42 %) aus. Der Importpreis von CN 19021990 (2.271 EUR/t) lag deutlich über dem von CN 19021910 (1.391 EUR/t), was auf hochwertigere Softwheat-Produkte oder geringere Mengeneffizienz bei kleineren Lieferanten hindeuten könnte.
Schlussfolgerung
Die Handelsentwicklung der EU im Segment ei-freier Teigwaren (CN 190219) im Zeitraum 2015–2025 lässt sich als eine Geschichte von robustem Wachstum, struktureller Verschiebung und steigender Wertschöpfung zusammenfassen. Drei zentrale Ergebnisse sind hervorzuheben:
Erstens hat die EU ihre dominante Stellung als globaler Nettoexporteur weiter ausgebaut. Der Handelsüberschuss stieg von 905 Mio. EUR auf 1.617 Mio. EUR. Italien bleibt der unangefochtene Produktions- und Exportschwerpunkt mit einem Anteil von nahezu 90 % am EU-Exportwert. Die EU-Produktion wuchs mengenmäßig um 66 % und wertmäßig um über 223 %.
Zweitens verschob sich die geografische Struktur der Handelsströme. Auf der Exportseite wurden die USA zum wichtigsten Wachstumsmarkt (+155 %), wodurch sich die Exportkonzentration erhöhte. Auf der Importseite führten südkoreanische und vietnamesische Lieferanten ein bemerkenswertes Wachstum herbei, sodass die Importquellen diversifizierter wurden.
Drittens sorgten globale Preisschocks — insbesondere 2021/2022 — für deutliche Preissteigerungen, die den Exportwert stärker ansteigen ließen als das Volumen. Die EU zeigt sich trotz dieser Volatilität als strukell robust, mit einer stabilen bis leicht gestiegenen Nettoexportposition und einer Handelsintensität, die 2022 temporär auf über 35 % stieg.