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Marktentwicklung: Mineralöle und Brennstoffe (CN 27) — 2015–2025

Einleitung

Der Handel der Europäischen Union mit mineralischen Brennstoffen, Mineralölen und verwandten Erzeugnissen (Zollkapitel 27) erlebte zwischen 2015 und 2025 tiefgreifende Veränderungen. Die Jahre waren geprägt von massiven Preisschocks, einer grundlegenden Neuausrichtung der Lieferantenstruktur und einer wachsenden Importabhängigkeit. Dieser Bericht analysiert die wichtigsten Dynamiken anhand der verfügbaren Handelsdaten und beleuchtet die zugrunde liegenden strukturellen Verschiebungen.

Preisschocks und extreme Volatilität als prägende Elemente

Die EU-Importpreise für Energierohstoffe erreichten 2022 einen historischen Höchststand, getrieben von geopolitischen Spannungen.

Die durchschnittlichen Importpreise für Waren des Kapitels 27 stiegen im Beobachtungszeitraum um 52,8 % – von 306,6 EUR pro Tonne im Jahr 2015 auf 468,4 EUR pro Tonne im Jahr 2025. Den stärksten Ausschlag gab es 2022, als der Einfuhrpreis auf 807,6 EUR je Tonne empor schnellte. Allgemeine Übersicht Die Preise für einzelne Produktsegmente zeigen, dass Rohöl (2709) und Erdgas (2711) die stärksten Ausreißer verzeichneten. So kletterte der Importpreis für Erdgas 2022 auf 1 238,9 EUR pro Tonne, verglichen mit 277,2 EUR im Jahr 2019. Produktsegmentvergleich

Die Volatilität der Importmengen war bei wichtigen Partnern wie Russland und den USA besonders hoch.

Die mengenmäßige Volatilität (Variationskoeffizient) der Einfuhren unterschied sich je nach Lieferant stark. Die höchsten Werte wiesen die Importe aus Kolumbien (0,61), der Russischen Föderation (0,53) und den Vereinigten Staaten (0,46) auf, während Lieferungen aus Algerien (0,11) und Saudi-Arabien (0,10) vergleichsweise stetig flossen. Volatilitätsübersicht Dieser Befund spiegelt sowohl die abrupte Reduktion russischer Mengen nach 2022 als auch den raschen Hochlauf amerikanischer Flüssiggaslieferungen wider.

Auch auf der Exportseite traten massive Preisschocks auf, die die Handelsströme verzerrten.

Die Analyse der Preisschocks identifiziert mehrere auffällige Ereignisse. Der Exportpreis für Lieferungen in die Ukraine stieg 2022 um 161,2 % gegenüber dem Basisniveau, jener nach Saudi-Arabien um 119,6 %. Preisschocks Insgesamt lag der EU-Ausfuhrpreis 2022 mit 853,9 EUR je Tonne auf seinem Maximum, bevor er bis 2025 auf 581,0 EUR zurückging. Allgemeine Übersicht

Fundamentaler Wandel der Lieferantenstruktur: Diversifizierung weg von Russland

Die EU-Importe aus Russland brachen nach 2022 um über 80 % ein, während die Einfuhren aus den USA, Norwegen und Kasachstan stark zunahmen.

Der Wert der Importe aus der Russischen Föderation sank von 87,8 Mrd. EUR (2015) auf 17,4 Mrd. EUR (2025) – ein Rückgang um 80,1 %. Im gleichen Zeitraum stiegen die Einfuhren aus den USA um 583,8 % (von 10,4 Mrd. auf 70,9 Mrd. EUR), aus Norwegen um 99,6 % (von 22,6 Mrd. auf 45,0 Mrd. EUR) und aus Kasachstan um 98,1 % (von 14,2 Mrd. auf 28,2 Mrd. EUR). Top-Handelspartner

Handelspartner (Import) 2015 (Mrd. EUR) 2025 (Mrd. EUR) Veränderung
Russische Föderation 87,8 17,4 –80,1 %
Vereinigte Staaten 10,4 70,9 +583,8 %
Norwegen 22,6 45,0 +99,6 %
Kasachstan 14,2 28,2 +98,1 %
Algerien 17,4 24,7 +41,4 %
Vereinigtes Königreich 21,0 22,0 +4,9 %

Die Importkonzentration (HHI) sank deutlich – ein Zeichen für breitere Versorgungsquellen.

Der Herfindahl-Hirschman-Index für die Importe fiel von 1 307 (2015) auf 794 (2025), ein Minus von 39,2 %. Konzentration Diese Abnahme belegt, dass die EU ihre Bezugsquellen breiter gestreut hat und die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten gesunken ist. Mengenseitig vollzog sich eine parallele Entwicklung: Der mengengewichtete HHI der Importe verringerte sich von 1 300 auf 802 (–38,3 %).

Im Exportgeschäft blieb die Partnerstruktur vergleichsweise stabil, mit Ausnahme von Sonderfällen wie Singapur.

Die Exportkonzentration blieb nahezu unverändert (HHI 575 auf 619, +7,6 %). Hauptabnehmer waren durchgehend die Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich, die Schweiz und Gibraltar. Top-Exportpartner Auffällig ist der Rückgang der Ausfuhren nach Singapur (–59,4 %) und Nigeria (–26,3 %), während Lieferungen nach Gibraltar (+113,2 %) und in das Vereinigte Königreich (+40,3 %) zulegten.

Wachsende strategische Verwundbarkeit trotz Ausbaus der eigenen Produktion

Die EU-Produktion von Mineralölen und Brennstoffen stieg mengen- und wertmäßig stark an, getrieben durch hohe Preise.

Die Produktionsmenge wuchs von 84,9 Mrd. Kilogramm (2015) auf 121,4 Mrd. Kilogramm (2024, letzter verfügbarer Wert), ein Plus von 92,0 %. Der Produktionswert vervielfachte sich im selben Zeitraum von 7,7 Mrd. EUR auf 15,5 Mrd. EUR (+524,6 %). Produktionsmengen Dieses Wachstum reflektiert jedoch überwiegend die gestiegenen Marktpreise, da die physische Ausweitung moderater ausfiel.

Die Nettoimportabhängigkeit verschärfte sich massiv und erreichte 2024 einen neuen Tiefstwert.

Die Quote der Nettoimportabhängigkeit, die im Jahr 2015 noch bei +1,2 % (nahezu ausgeglichen) lag, stürzte bis 2024 auf –81,2 % ab. Nettoimportabhängigkeit Gleichzeitig kletterte die Handelsintensität von 31,4 % auf 83,0 % und die Exportneigung von 19,1 % auf 77,4 %. Handelsintensität Diese Kennzahlen verdeutlichen, dass die EU trotz steigender Eigenerzeugung immer stärker auf Einfuhren angewiesen ist und zugleich einen größeren Teil ihrer Produktion exportiert.

Spezialisierte Mitgliedstaaten wie Griechenland und Finnland prägten das Sektorprofil, während große Volkswirtschaften geringere Spezialisierung aufwiesen.

Im Jahr 2025 wiesen Griechenland (RSCA +0,50), Finnland (+0,44), Malta (+0,44) und Litauen (+0,46) die höchste relative Spezialisierung im Bereich Mineralöle und Brennstoffe auf. Spezialisierung Demgegenüber zeigten große Importeure wie Deutschland (–0,32), Italien (–0,33) und Frankreich (–0,07) nur einen unterdurchschnittlichen Spezialisierungsgrad. Auf Länderebene waren die Niederlande sowohl bei den Importen (83,6 Mrd. EUR, +49,2 % gegenüber 2015) als auch bei den Exporten (24,2 Mrd. EUR, +23,6 %) der mit Abstand führende EU-Mitgliedstaat. Top-Mitgliedstaaten

Fazit

Der EU-Handel mit mineralischen Brennstoffen und Ölen durchlief zwischen 2015 und 2025 eine Phase extremer Preisschwankungen, die durch den russischen Angriffskrieg und die Neuordnung der Energiemärkte ausgelöst wurden. Die Importe verlagerten sich drastisch von Russland hin zu den USA, Norwegen und anderen Partnern, was die Lieferantenstruktur diversifizierte und die Konzentration senkte. Gleichzeitig vergrößerte sich die Nettoimportabhängigkeit erheblich, da der eigene Produktionszuwachs nicht mit dem Handelswachstum Schritt halten konnte. Die EU bleibt daher trotz gestiegener eigener Erzeugung und breiterer Bezugsquellen hochgradig verwundbar gegenüber globalen Energiepreisschocks.