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Marktentwicklung: Teer (CN 2706) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit dem Produkt CN 2706 – Teer aus Steinkohle, Braunkohle oder Torf und andere Mineralteere – im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die Untersuchung basiert auf den verfügbaren Handelsdaten und zielt darauf ab, die wesentlichen Dynamiken im Import-, Export- und Preisverhalten zu identifizieren. Die EU agiert in diesem Markt sowohl als bedeutender Exporteur als auch als Importeur, wobei sich die Handelsströme und Marktbeziehungen über den betrachteten Zeitraum erheblich verändert haben.

Der dramatische Strukturwandel: Exportkollaps und importgetriebene Nachfrage

Der Handel der EU mit CN 2706 hat zwischen 2015 und 2025 eine fundamentale Transformation erfahren, die sich in einem starken Rückgang der Exporte und einer geglätteten, aber preisverfallenen Zunahme der Importe äußert.

Der Zusammenbruch des EU-Exportsektors

Die Exporte der EU sind im betrachteten Zeitraum sowohl mengen- als auch wertmäßig eingebrochen. Das Exportvolumen sank von 27.933 Tonnen (2015) auf 5.898 Tonnen (2025), was einem Rückgang von 78,9 % entspricht. Der Exportwert folgte diesem Trend und fiel von 12,4 Mio. EUR auf 5,0 Mio. EUR (−59,7 %), wobei der Höchstwert von 41,3 Mio. EUR im Jahr 2018 erreicht wurde. Dieser Einbruch deutet auf einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit oder eine strukturelle Verschiebung der Nachfrage in den Destinationländern hin. (Gesamtübersicht)

Steigende Importmengen bei fallenden Preisen

Gleichzeitig sind die Importmengen dramatisch gestiegen. Sie vervierfachten sich nahezu von 40.374 Tonnen im Jahr 2015 auf 135.329 Tonnen im Jahr 2025 (Anstieg um 235,2 %). Der Importwert folgte diesem Trend nicht; er sank um 68,0 % von 12,2 Mio. EUR auf 3,9 Mio. EUR. Dieses Muster lässt sich durch den massiven Einbruch des durchschnittlichen Importpreises erklären, der von 300 EUR/t im Jahr 2015 auf nur noch 29 EUR/t im Jahr 2025 fiel (−90,4 %). Der Markt wird somit von einem Angebotsüberfluss zu niedrigen Preisen geprägt. (Gesamtübersicht)

Vom Überschuss zum hohen Defizit

Die Konvergenz aus einbrechenden Exporten und steigenden Importmengen hat die Handelsbilanz drastisch verschoben. Während die EU 2015 noch einen leichten Überschuss von 0,1 Mio. EUR verzeichnete, weist sie 2025 ein Defizit von 1,1 Mio. EUR aus. Die Handelsbilanz schwankte im Zeitraum stark und erreichte 2018 mit einem Überschuss von 38,0 Mio. EUR ihren Höhepunkt, bevor sie in die roten Zahlen kippte. (Gesamtübersicht)

Umwälzung der Handelspartnerschaften: Neue Lieferanten und veränderte Abnehmer

Hinter den aggregierten Zahlen verbergen sich tiefgreifende Veränderungen in den bilateralen Handelsbeziehungen der EU, die auf geopolitische und wirtschaftliche Verlagerungen hindeuten.

Das Ende der türkischen und russischen Importdominanz und der Aufstieg Osteuropas

Die einst dominierende Stellung der Türkei als wichtigstem Importpartner der EU (2015: 10,7 Mio. EUR) ist vollständig zusammengebrochen; 2025 meldete die EU keine Importe mehr aus der Türkei. Ebenso fielen die Importe aus Russland (2015: 0,4 Mio. EUR) auf null. An ihre Stelle traten osteuropäische Nachbarländer. Die Importe aus der Ukraine stiegen um 142,8 % auf 2,1 Mio. EUR, und jene aus Bosnien und Herzegovina verzeichneten einen spektakulären Anstieg um 9.453 % auf 1,8 Mio. EUR. Dies deutet auf eine regionale Umorientierung der Lieferketten hin. (Top-Partner nach Wert)

Globale Verlagerungen bei den Exportmärkten

Auch die Exportziele der EU haben sich verändert. Traditionelle Märkte wie Kanada (−33,8 %) und die USA (−48,8 %) verloren an Bedeutung. Besonders drastisch war der Rückgang der Exporte nach China, die von 2,8 Mio. EUR auf praktisch null fielen. Gleichzeitig etablierte sich Südkorea als neuer, wichtiger Abnehmer mit einem Anstieg um 1.701 % auf 2,2 Mio. EUR im Jahr 2025. Innerhalb der EU waren die Niederlande (über Belgien) und Deutschland die wichtigsten Exportländer, wobei nur Deutschland seine Exporte steigern konnte (+32,7 %). (Top-Partner nach Wert)

Zunehmende Konzentration bei Exporten, Dezentralisierung bei Importen

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) misst die Marktconcentration. Für die EU-Importe ist der HHI von 7.727 (2015) auf 4.980 (2025) gesunken (−35,6 %), was eine Diversifizierung der Importquellen anzeigt. Im Gegensatz dazu ist der HHI für die Exporte von 1.899 auf 3.319 gestiegen (+74,7 %), was auf eine höhere Konzentration der Exporte auf weniger Abnehmerländer hindeutet. (Konzentration (HHI))

Preisvolatilität und marktprägende Schocks

Der Markt für CN 2706 zeichnete sich durch extreme Preisschwankungen und spezifische Schockereignisse aus, die den Handelsverlauf nachhaltig prägten.

Hohe und asymmetrische Volatilität bei Schlüsselpartnern

Die Volatilität, gemessen am Variationskoeffizienten (CV), war bei vielen Handelspartnern sehr hoch. Bei den Importen aus dem Vereinigten Königreich betrug der CV 1,77, bei jenen aus Russland 1,11 und bei der Ukraine 0,87. Auf der Exportseite war die Volatilität insbesondere in den Handelsbeziehungen mit den USA (CV: 1,03), der Ukraine (1,27) und Argentinien (3,08) extrem hoch. Diese Volatilität spiegelt die Instabilität und die geringe Kontinuität in diesen Handelsströmen wider. (Volatilitätsanalyse)

Prägnante Schockereignisse: Ukraine 2020 und China/USA 2022

Drei bemerkenswerte Schockereignisse lassen sich in den Daten identifizieren:

  1. Ukraine-Importpreisschock (2020): Die Importpreise aus der Ukraine stiegen 2020 abnormal um 1.869,7 % und machten in diesem Jahr 28,1 % des gesamten EU-Importwertes aus. Dieser extreme Anstieg weist auf eine massive Angebotsverknappung oder Nachfrageverschiebung hin.
  2. China-Exportpreisschock (2022): Die Exportpreise nach China stiegen 2022 sprunghaft um 60,3 %, was zu einem abnormalen Anstieg der Exportwerte in diesen Markt führte.
  3. USA-Exportpreisschock (2022): Ein noch stärkerer Preisschock (+115,2 %) trat 2022 im Handel mit den USA auf, was den Exportwert in diesem Partnerland stark erhöhte und zu einer temporären Erholung der Exporte führte. (Analyse der Schocks)

Marktstruktur und Spezialisierung innerhalb der EU

Innerhalb der EU zeigt sich eine klare Spezialisierung bei der Produktion/Exportfähigkeit von Teer. Polen weist mit einem Revealed Symmetric Comparative Advantage (RSCA) von 0,79 die höchste Spezialisierung auf, gefolgt von Finnland (0,71) und der Slowakei (0,52). Im Gegensatz dazu haben große Volkswirtschaften wie Spanien (RSCA: −0,99) und Frankreich (−0,93) eine klare Despezialisierung, was ihre Rolle als Nettoimporteure unterstreicht. (Spezialisierung)

Schluss

Zusammenfassend hat sich der EU-Markt für Teer (CN 2706) im Zeitraum 2015–2025 von einem exportorientierten Sektor zu einem stark importabhängigen Markt gewandelt. Der Exportsektor ist kollabiert, während die Importmengen – getrieben von extrem niedrigen Weltmarktpreisen – explodiert sind. Die Handelsbeziehungen haben sich geopolitisch neu ausgerichtet: Lieferanten wie die Türkei und Russland haben an Bedeutung verloren, während osteuropäische Länder (Ukraine, Bosnien und Herzegovina) und neue Exportmärkte (Südkorea) hinzugekommen sind. Der Markt ist durch hohe Preisvolatilität und spezifische regionale Schocks gekennzeichnet. Die Zukunft der EU-Produktion in diesem Segment scheint begrenzt, wobei sich die Union zunehmend auf Importe und einen hochspezialisierten Kreis von EU-Exportländern verlässt.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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