Live-Daten erkunden

Marktentwicklung: Naturasphalt (CN 2714) — 2015–2025

Einführung

Der CN-Code 2714 umfasst Naturbitumen und Naturasphalt; bituminöse oder ölhaltige Schiefer und Sande; Asphaltite und Asphaltgestein. Der Zeitraum 2015 bis 2025 war für den EU-Handel mit diesem Produkt von einer tiefgreifenden Strukturbedeutung geprägt: Die EU wandelte sich von einem Nettoimporteur mit einem Importüberschuss von 43 % zu einer Position nahe der Handelsautarkie. Diese Entwicklung war begleitet von erheblichen Preisauftrieben bei den Exporten, einer drastischen Verschiebung der Handelspartner sowie einem deutlichen Anstieg der inländischen Produktion. Der vorliegende Bericht untersucht die wesentlichen Dynamiken anhand verfügbarer Handels-, Produktions- und Konzentrationsdaten.


1. Vom Nettoimporteur zum ausgeglichenen Handelspartner: Strukturelle Wende im Zeitverlauf

1.1 Rückgang der Importe um zwei Drittel

Die EU-Importe von CN 2714 sanken zwischen 2015 und 2025 sowohl mengen- als auch wertmäßig erheblich:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (EUR) 13.088.868 4.685.508 −64,2 %
Importmenge (t) 38.128 12.117 −68,2 %
Importpreis (EUR/t) 343 387 +12,6 %

Quelle: Allgemeiner Überblick

Die Importpreise blieben dabei relativ moderat (+12,6 %), was darauf hindeutet, dass der Rückgang vor allem mengen- und nicht preisgetrieben war. Die maximale Importmenge im Zeitraum lag bei 95.398 Tonnen — der Tiefststand bei 12.117 Tonnen im Jahr 2025 markiert somit einen Rückgang von über 87 % gegenüber dem Höchstwert.

1.2 Gleichzeitiger Rückgang der Exportmengen — aber starker Preisanstieg

Während die EU-Exportmengen ebenfalls sanken, stieg der Exportwert leicht an, bedingt durch eine Verdreifachung der Exportpreise:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (EUR) 4.939.671 6.831.004 +38,3 %
Exportmenge (t) 15.500 6.408 −58,7 %
Exportpreis (EUR/t) 319 1.066 +234,5 %

Quelle: Allgemeiner Überblick

Der Exportpreis stieg von 319 EUR/t auf 1.066 EUR/t — ein Plus von 234,5 %. Dies ist ein bemerkenswerter Befund: Trotz rückläufiger Mengen erzielte die EU deutlich höhere Erlöse pro Tonne, was auf eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produktspezifikationen oder auf veränderte Marktbedingungen hindeuten könnte.

1.3 Handelsbilanz: Von 8 Mio. EUR Defizit zu Überschuss

Die Nettoimportabhängigkeit sank von 43,4 % im Jahr 2015 auf nahezu null (−0,2 %) im Jahr 2025. Die Handelsbilanz entwickelte sich entsprechend:

Jahr Handelsbilanz (EUR)
2015 −8.149.197
2025 +2.145.496

Dieses Ergebnis unterstreicht die strukturelle Wende: Die EU hat ihre Abhängigkeit von Importen im Bereich Naturasphalt signifikant reduziert.


2. Dramatische Verschiebung der Handelspartner und Importquellen

2.1 Vereinigtes Königreich als dominanter — aber stark schwindender — Importpartner

Das Vereinigte Königreich war über den gesamten Zeitraum der wichtigste EU-Importpartner für CN 2714. Der Importwert sank jedoch um 88,4 %, von 6,1 Mio. EUR auf 0,7 Mio. EUR. Die Volatilitätsanalyse zeigt für den UK-Handel einen Variationskoeffizienten von 1,10 bei Importen und 1,36 bei Exporten, was auf eine erhebliche Schwankungsbreite hindeutet.

Ein bemerkenswerter Preisschock wurde 2020 bei den UK-Importen festgestellt (+129,8 % Anstieg, Abnormalität 28,5), ein weiterer 2021 bei den UK-Exporten (+301,1 %, Abnormalität 21,5). Diese Schocks fielen zeitlich mit dem Brexit und der COVID-19-Pandemie zusammen.

2.2 Türkei: Extremer Ausreißer mit kurzfristigem Volumenspike

Die Türkei zeigt ein außergewöhnliches Handelsmuster. Obwohl der reguläre Handel gering war (2015: 62.493 EUR, 2025: 60.647 EUR), betrug der Maximalwert im Zeitraum 48.982.581 EUR — ein Ausreißer, der durch das Ausreißerbereinigungsverfahren berücksichtigt wurde. Der Variationskoeffizient von 1,95 für die türkischen Importe bestätigt die extreme Volatilität.

2.3 Russische Föderation: Von Relevanz zu Marginalität

Die Importe aus Russland fielen von einem Spitzenwert von 6.006.382 EUR auf lediglich 27 EUR im letzten Berichtsjahr — ein Rückgang von praktisch 100 %. Der Variationskoeffizient von 2,24 ist der höchste aller Handelspartner, was die Instabilität dieser Handelsbeziehung im Kontext der geopolitischen Ereignisse ab 2022 widerspiegelt.

2.4 Neue und stabilisierende Handelsströme

Demgegenüber entwickelten sich einige Handelsbeziehungen stabil oder wachsend:

Partner Richtung 2015 2025 Veränderung
Schweiz Exporte 191.118 473.608 +147,8 %
Grönland Exporte 204.540 445.591 +117,8 %
Bosnien-Herzegowina Importe 69.197 216.867 +213,4 %
Schweiz Importe 10.169 85.472 +740,5 %

Quelle: Handelspartner nach Wert

2.5 Importkonzentration nimmt ab

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert sank von 3.427 auf 2.054 (−40,1 %). Der HHI für Exporte blieb dagegen mit 1.620 → 1.658 nahezu unverändert. Die abnehmende Importkonzentration deutet auf eine Diversifizierung der Bezugsquellen hin, auch wenn das absolute Volumen stark rückläufig ist.


3. Produktsegmente, inländische Produktion und Spezialisierungsmuster

3.1 CN 271490 dominiert den Handel

Der CN-Code 2714 gliedert sich in zwei Unterpunkte:

  • 271490: Naturbitumen und Naturasphalt; Asphaltite und Asphaltgestein
  • 271410: Schiefer und Sande, bituminös oder ölhaltig

Die Aufschlüsselung nach Produktsegmenten zeigt, dass CN 271490 sowohl bei Importen als auch bei Exporten dominiert:

Importe nach Segment:

Segment 2015 Menge (t) 2025 Menge (t) 2015 Wert (EUR) 2025 Wert (EUR)
271490 36.928 12.027 12.569.739 4.616.133
271410 1.200 90 519.129 68.400

Exporte nach Segment:

Segment 2015 Menge (t) 2025 Menge (t) 2015 Wert (EUR) 2025 Wert (EUR)
271490 12.107 6.035 4.316.181 5.884.073
271410 3.392 372 623.490 946.930

CN 271410 zeigt extreme Preisschwankungen bei den Exporten: Der Preis kletterte von 184 EUR/t (2015) auf 3.472 EUR/t im Jahr 2022, sank dann auf 2.545 EUR/t (2025). Diese enormen Preisausschläge sind wahrscheinlich auf geringe Handelsvolumina und damit verbundene statistische Verzerrungen zurückzuführen.

3.2 Steigende inländische Produktion als Schlüsselfaktor

Die EU-Produktion von CN 2714 stieg im Zeitraum erheblich an:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge (kg) 1.197.715.000 2.040.000.000 +70,3 %
Produktionswert (EUR) 35.098.219 136.000.000 +287,5 %

Quelle: Produktionsvolumen

Die Produktionsmenge wuchs um 70 %, der Produktionswert sogar um 288 %. Der Produktionspreis (abgeleitet aus Wert/Menge) stieg von ca. 0,029 EUR/kg auf 0,067 EUR/kg, was eine Verdopplung der Wertschöpfung pro produzierter Einheit bedeutet. Diese gesteigerte inländische Produktion ist der wesentlichste Erklärungsfaktor für den Rückgang der Importabhängigkeit.

3.3 Spezialisierungsmuster innerhalb der EU

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt ein heterogenes Bild innerhalb der EU:

Am stärksten spezialisierte EU-Länder (nach RSCA):

Land RSCA RCA Produktionsanteil am CN 2714 Anteil am EU-Gesamthandel
Lettland 0,886 16,61 5,5 % 0,3 %
Kroatien 0,881 15,87 6,5 % 0,4 %
Belgien 0,729 6,37 53,9 % 8,5 %
Slowenien 0,568 3,63 3,6 % 1,0 %
Portugal 0,546 3,40 4,7 % 1,4 %

Am wenigsten spezialisierte große EU-Länder:

Land RSCA RCA Produktionsanteil am CN 2714 Anteil am EU-Gesamthandel
Deutschland −0,938 0,032 0,7 % 21,2 %
Tschechien −0,942 0,030 0,1 % 4,8 %
Dänemark −1,000 0,000 0,0 % 1,7 %

Belgien dominiert die EU-Produktion mit einem Anteil von 53,9 %, gefolgt von Kroatien und Lettland. Deutschland hingegen — obwohl es 21,2 % des EU-Gesamthandels ausmacht — produziert lediglich 0,7 % des CN-2714-Volumens und ist damit auf Importe angewiesen.

3.4 Handelsintensität und Exportneigung sinken stark

Die Handelsintensität sank von 54,9 % auf 7,2 % (−86,9 %), und die Exportneigung fiel von 14,0 % auf 3,8 % (−72,7 %). Diese Kennzahlen bestätigen, dass der EU-Markt für Naturasphalt eine zunehmend nach innen gerichtete Struktur entwickelt hat — die gestiegene inländische Produktion verdrängt sowohl Importe als auch den Bedarf an Exporten.


Fazit

Die EU hat im Zeitraum 2015–2025 eine bemerkenswerte Transformation im Handel mit Naturasphalt (CN 2714) durchlaufen. Der zentrale Befund ist der Übergang von einer Nettoimportabhängigkeit von über 43 % zu einer nahezu ausgeglichenen Handelsbilanz. Dies wurde primär durch einen 70-prozentigen Anstieg der inländischen Produktion ermöglicht, der den rückläufigen Importbedarf kompensierte.

Gleichzeitig vollzog sich eine qualitative Verschiebung: Während die Exportmengen sanken, stiegen die Exportpreise um 235 % — ein Hinweis darauf, dass die EU möglicherweise auf höherwertige Nischenprodukte setzt. Die Handelsbeziehungen unterlagen erheblichen Erschütterungen, insbesondere im Verhältnis zum Vereinigten Königreich, zur Türkei und zur Russischen Föderation. Die abnehmende Importkonzentration (HHI −40 %) deutet auf eine Diversifizierung der verbleibenden Bezugsquellen hin.

Insgesamt hat sich der EU-Markt für Naturasphalt von einem importabhängigen zu einem weitgehend autarken Markt entwickelt, in dem die Binnenerzeugung — allen voran in Belgien, Kroatien und Lettland — die dominierende Rolle übernommen hat.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

Wenn Sie Beratung zur europäischen Handelspolitik benötigen oder Vertretung für Ihre Interessen in Brüssel, kontaktieren Sie mich bitte unter support@tradedashboard.eu. Sie finden meinen Lebenslauf unter dieser Adresse.