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Marktentwicklung: Pech und Pechkoks (CN 2708) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit Drittländern für den Zolltarifcode CN 2708 — Pech und Pechkoks aus Steinkohlenteer oder anderen Mineralteeren im Zeitraum 2015 bis 2025. CN 2708 umfasst zwei Untergliederungen: CN 270810 (Pech) und CN 270820 (Pechkoks). Diese Produkte werden überwiegend in der Aluminiumproduktion (als Anodenmaterial), in der Stahlindustrie und in der chemischen Industrie eingesetzt.

Der Untersuchungszeitraum zeigt drei zentrale Entwicklungen: Erstens verwandelte sich die EU von einem bilateral schwankenden Handelspartner zu einem ausgeprägten Nettoexporteur. Zweitens verschob sich die geografische Struktur der Handelspartner radikal — traditionelle Lieferanten wie Japan und das Vereinigte Königreich brachen zusammen, während Kanada zum dominanten Exportmarkt aufstieg. Drittens löste die Energiekrise 2022 massive Preisschocks aus, deren strukturelle Nachwirkungen bis 2025 spürbar bleiben.


1. Vom kleinen Überschuss zum bedeutenden Nettoexporteur

1.1 Die Handelsbilanz durchlief eine dramatische Transformation

Die EU durchlief im betrachteten Zeitraum einen tiefgreifenden Wandel ihrer Handelsbilanz bei CN 2708. Im Jahr 2015 bestand noch ein kleiner Überschuss von rund 3,0 Mio. €; in den Jahren 2016 und 2017 kehrte sich dies jedoch in ein Defizit um — mit einem Tiefstwert von −6,8 Mio. € im Jahr 2016. Ab 2018 setzte dann eine explosionsartige Exportdynamik ein, die die EU in eine Position bleibender und wachsender Überschüsse führte.

Jahr Exporte (Mio. €) Importe (Mio. €) Saldo (Mio. €)
2015 25,8 22,8 +3,0
2016 18,6 25,3 −6,8
2017 21,8 23,3 −1,4
2018 128,5 37,8 +90,7
2019 129,7 33,5 +96,3
2020 85,5 32,6 +53,0
2021 100,4 19,0 +81,3
2022 199,0 16,9 +182,1
2023 247,2 14,8 +232,4
2024 148,8 9,7 +139,1
2025 123,8 10,8 +113,0

Quelle: Allgemeiner Überblick — Handel

Der Wendepunkt lag eindeutig im Jahr 2018, als die Exporte sprunghaft von 21,8 Mio. € auf 128,5 Mio. € stiegen — ein Anstieg von über 490 % in nur einem Jahr. Der Überschuss erreichte seinen Höchstwert 2023 mit 232,4 Mio. €, bevor er 2024 und 2025 aufgrund sinkender Exportwerte wieder leicht zurückging.

1.2 Mengen- und Preiseffekte verstärkten sich gegenseitig

Der Anstieg der Exportwerte (+379,5 % über den Gesamtzeitraum) ergibt sich aus der Kombination von Mengenwachstum und steigenden Preisen. Die Exportmengen verdoppelten sich nahezu von 78.439 t (2015) auf 164.121 t (2025), was einem Plus von 109,2 % entspricht. Die Exportpreise stiegen im gleichen Zeitraum von 329 €/t auf 755 €/t (+129,2 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportmenge 78.439 t 164.121 t +109,2 %
Exportwert 25,8 Mio. € 123,8 Mio. € +379,5 %
Exportpreis 329 €/t 755 €/t +129,2 %
Importmenge 45.616 t 23.493 t −48,5 %
Importwert 22,8 Mio. € 10,8 Mio. € −52,7 %

Dabei ist bemerkenswert, dass die Importe sich gegenläufig entwickelten: Sowohl Mengen (−48,5 %) als auch Werte (−52,7 %) halbierten sich nahezu, während der Importpreis mit −8,1 % (von 501 €/t auf 460 €/t) relativ stabil blieb. Die EU wurde also nicht nur exportstärker, sondern gleichzeitig importärmer.

1.3 Die heimische Produktion als Fundament der Exportexpansion

Hinter der Exportexpansion steht ein substanzielles Produktionswachstum in der EU. Die heimische Produktion stieg mengenmäßig von 809.478 t (2015) auf 1.093.561 t (2025), ein Zuwachs von 35,1 %. Der Produktionswert wuchs mit +133,2 % (von 282 Mio. € auf 657 Mio. €) allerdings deutlich stärker, was auf die insgesamt gestiegenen Marktpreise zurückzuführen ist. Der Höchststand der Produktion lag bei 1.447.871 t (mengenmäßig) bzw. 1.000 Mio. € (wertmäßig), was darauf hindeutet, dass die Kapazitäten in Spitzenjahren deutlich stärker ausgelastet waren als 2025.

Die Nettoimportabhängigkeit bestätigt diesen Trend: Sie lag 2015 bei −13,1 % und verschärfte sich bis 2025 auf −26,9 %. Der extremste Wert wurde mit −63,2 % erreicht, als die Exporte die Importe besonders stark übertrafen. Nur in einem kurzen Zeitraum (2016–2017) war die EU mit einem Wert von bis zu +2,0 % leicht nettoimportabhängig — ein Ausnahmezustand, der sich nicht wiederholte.


2. Radikale Neuausrichtung der Handelspartner

2.1 Kanada, Norwegen und Brasilien als neue Exportdominanz

Die geografische Struktur der EU-Exporte hat sich im Zeitraum 2015–2025 grundlegend gewandelt. Drei Länder — Kanada, Norwegen und Brasilien — dominieren 2025 die Exporte mit einem gemeinsamen Anteil von rund 93 % am Gesamtwert.

Partnerland 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Kanada 4,2 81,8 +1.843 %
Norwegen 1,0 22,1 +2.202 %
Brasilien 5,4 11,3 +110 %
Ukraine 1,6 0,003 −99,8 %
Vereinigtes Königreich 0,01 0,17 +1.649 %

Kanada allein machte 2025 rund 66 % der EU-Exporte aus — ein Anteil, der 2015 gerade einmal 16 % betrug. Die maximale Ausfuhr nach Kanada lag bei 143,8 Mio. € (2023). Die Erklärung liegt in der kanadischen Aluminiumindustrie: Kanada ist einer der weltweit größten Aluminiumproduzenten, und Steinkohlenteerpech ist ein essenzieller Rohstoff für die Herstellung von Anoden in der Aluminiumelektrolyse. Die gestiegene Nachfrage Kanadas spiegelt sowohl Kapazitätserweiterungen als auch die Verlagerung von Beschaffungsquellen wider.

Norwegen — ebenfalls ein bedeutender Aluminiumproduzent — folgt dem gleichen Muster mit einem Anstieg von 1,0 Mio. € auf 22,1 Mio. €. Der Höchstwert wurde 2019 mit 32,8 Mio. € erreicht.

2.2 Zusammenbruch traditioneller Importquellen

Auf der Importseite vollzog sich ein ebenso drastischer Wandel. Mehrere langjährige Lieferanten brachen nahezu vollständig weg:

Partnerland 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
Südafrika 5,4 8,7 +60 %
Japan 11,4 0,03 −99,8 %
Vereinigtes Königreich 5,0 0,03 −99,5 %
Russische Föderation 0,4 0,007 −98,3 %
China 0,7 0,05 −92,6 %

Japan war 2015 der mit Abstand wichtigste Importeur (11,4 Mio. €) und ist 2025 praktisch vom EU-Markt verschwunden (0,03 Mio. €). Ähnlich erging es dem Vereinigten Königreich (−99,5 %) und der Russischen Föderation (−98,3 %). Der Rückgang der russischen Lieferungen steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit den Sanktionen nach 2022, während die Rückgänge bei Japan und dem VK auf strukturelle Marktveränderungen — einschließlich gestiegener EU-Eigenproduktion — hindeuten.

Südafrika hat als einziger relevanter Lieferant seine Position behaupten und ausbauen können: von 5,4 Mio. € auf 8,7 Mio. €. Damit entfielen 2025 rund 80 % der EU-Importe auf Südafrika allein. Südafrikas Pechkoksproduktion profitiert von der dortigen großen Steinkohleindustrie und exportiert vor allem Pechkoks (CN 270820), der in der EU als Zuschlagstoff für die Stahl- und Gießereiindustrie nachgefragt wird.

2.3 Zunehmende geografische Konzentration auf beiden Seiten

Die Veränderungen der Handelspartner führten zu einer deutlichen Zunahme der Marktkonzentration, gemessen am Herfindahl-Hirschman-Index (HHI):

Seite HHI 2015 HHI 2025 Veränderung
Importe (Wert) 3.529 6.540 +85 %
Exporte (Wert) 1.259 4.778 +280 %

Beide HHI-Werte liegen deutlich über der Schwelle von 2.500, die in der Wettbewerbsökonomie als „hohe Konzentration" gilt. Die Importe waren 2015 bereits recht konzentriert (HHI 3.529) und sind dies 2025 noch stärker (6.540). Bemerkenswert ist jedoch die Entwicklung auf der Exportseite: Der HHI stieg von 1.259 auf 4.778 — ein Anstieg um 280 %. Die EU-Ausfuhren waren 2015 noch relativ breit gestreut, werden aber zunehmend von wenigen Abnehmern dominiert. Dies birgt ein Konjunktur- und Abhängigkeitsrisiko: Ein Nachfragerückgang in Kanada oder Norwegen hätte erhebliche Auswirkungen auf die gesamte EU-Exportposition.

Innerhalb der EU zeigt die Spezialisierungsanalyse für 2025, dass Belgien mit einem RCA-Wert von 8,64 und einem RSCA von 0,79 der mit Abstand spezialisierteste Exporteur ist. Belgien exportierte 2025 Waren im Wert von 101,4 Mio. € — trotz eines nahezu unveränderten Niveaus gegenüber 2015. Die belgischen Exporte machen damit den Großteil der EU-Gesamtausfuhren aus, was Belgiens Rolle als zentraler Produktions- und Logistikstandort (Hafen Antwerpen) für Teererzeugnisse unterstreicht. Poland folgt als zweitgrößter EU-Exporteur mit 20,5 Mio. € (+37 % gegenüber 2015).


3. Der Preisschock von 2022 und seine strukturellen Folgen

3.1 Massive Preissprünge bei Schlüsselabnehmern im Jahr 2022

Die Energiekrise des Jahres 2022 — ausgelöst durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und die damit verbundenen Lieferunterbrechungen fossiler Energieträger — traf den Markt für Steinkohlenteerpech unmittelbar und heftig. Die Schwellenanalyse identifiziert drei signifikante Preisschocks bei den EU-Exporten im Jahr 2022:

Zielland Schocktyp Abnormalität Preissprung Anteil am Exportwert
Kanada Preis 298,2 +111,4 % 68,6 %
Norwegen Preis 18,9 +100,8 % 15,6 %
Vereinigtes Königreich Preis 36,2 +65,7 % 5,9 %

Der Schock nach Kanada — mit einer Abnormalität von 298,2 — ist außergewöhnlich hoch. Die Exportpreise nach Kanada verdoppelten sich nahezu innerhalb eines Jahres. Angesichts des 68,6%igen Anteils am Gesamtwert betraf dieser Schock die gesamte EU-Exportposition.

3.2 Segmentunterschiede: Pech und Pechkoks reagierten unterschiedlich

Die beiden Unterkategorien von CN 2708 reagierten auf die Krise in unterschiedlicher Ausprägung. Die Analyse der Produktsegmente zeigt:

Exportpreise (€/t):

Jahr CN 270810 (Pech) CN 270820 (Pechkoks)
2020 562 229
2021 577 250
2022 1.163 537
2023 1.218 680
2024 792 352
2025 753 873

Pech (CN 270810) verzeichnete 2022 einen Preisanstieg von 577 €/t auf 1.163 €/t (+102 %), der bis 2023 auf 1.218 €/t weiterstieg. Pechkoks (CN 270820) stieg von 250 €/t auf 537 €/t (+115 %), mit einem späteren Spitzenwert von 873 €/t erst 2025 — ein deutlich verzögerter Anstieg.

Noch dramatischer war die Preisentwicklung bei den Importen von Pech (CN 270810): Der Importpreis schoss 2022 auf 1.650 €/t — ein Anstieg von 267 % gegenüber dem Vorjahr (450 €/t). Dieser extreme Ausschlag deutet auf eine akute Angebotsverknappung auf dem Weltmarkt hin, die sich bei den Importen stärker auswirkte als bei den Exporten.

3.3 Nachhaltige Veränderungen der Handelsströme nach 2022

Die Krise von 2022 hat nicht nur vorübergehende Preiseffekte ausgelöst, sondern dauerhafte strukturelle Verschiebungen bewirkt:

  • Exportmengen: Die EU-Exporte erreichten 2023 mit 207.262 t ihren Höchstwert, sanken danach jedoch auf 164.121 t (2025) — unter das Vor-Krisen-Niveau von 2021 (184.926 t). Die Preiseffekte der Krise haben die Nachfrage nach EU-Pech in einigen Märkten offenbar nachhaltig gedämpft.

  • Exportpreise: Nach dem Höchststand von 1.193 €/t (2023) sind die Preise bis 2025 auf 755 €/t gefallen, was immer noch deutlich über dem Vorkrisenniveau von 576 €/t (2021) liegt. Der Markt hat sich also nicht vollständig „normalisiert", sondern ein neues Preisniveau etabliert.

  • Pechkoks-Exporte (CN 270820): Die Exportmengen von Pechkoks kollabierten nahezu — von 19.189 t (2021) auf nur 561 t (2024), bevor sie 2025 leicht auf 2.204 t erholten. Gleichzeitig explodierte der Pechkoks-Exportpreis 2025 auf 873 €/t, was darauf hindeutet, dass die EU ihre Pechkoks-Produktion zunehmend für den heimischen Markt oder für höhewertige Anwendungen zurückhält.

  • Importe: Die EU-Importe fielen von 38.137 t (2020) auf 23.493 t (2025). Besonders die Importe von Pech (CN 270810) brachen ein — von 7.075 t (2020) auf 3.225 t (2025). Die EU hat ihre Importabhängigkeit somit auch in diesem Segment weiter reduziert.


Schlussfolgerung

Der Markt für Pech und Pechkoks (CN 2708) hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend transformiert. Die EU entwickelte sich von einem bilateral ausgeglichenen Handelspartner mit kurzfristigen Defiziten (2016–2017) zu einem substanziellen Nettoexporteur mit Überschüssen von über 100 Mio. € jährlich. Diese Entwicklung wurde durch das Zusammenspiel von gesteigerter heimischer Produktion (+35 % mengenmäßig), steigenden Weltmarktpreisen und einer schrumpfenden Importnachfrage ermöglicht.

Die geografische Neuausrichtung ist dabei die auffälligste strukturelle Veränderung: Kanada wurde zum dominanten Exportmarkt mit einem Anteil von 66 %, während traditionelle Importquellen wie Japan und das Vereinigte Königreich praktisch vom EU-Markt verschwanden. Diese Konzentration birgt Chancen — durch stabile, langfristige Handelsbeziehungen mit der nordamerikanischen Aluminiumindustrie — aber auch Risiken, insbesondere eine erhöhte Verwundbarkeit gegenüber konjunkturellen Schwankungen in wenigen Schlüsselmärkten.

Die Energiekrise 2022 markierte einen Wendepunkt, der Preiseffekte und Handelsstromverschiebungen auslöste, die bis 2025 nachwirken. Die EU hat ihre Position als Produzent und Exporteur trotz der Turbulenzen behauptet, wenngleich die Mengen und Preise 2024–2025 unter den Spitzenwerten von 2022/2023 liegen. Die hohe Konzentration auf der Exportseite (HHI 4.778) und die Abhängigkeit von Südafrika auf der Importseite (80 % Anteil) stellen die zentralen strategischen Herausforderungen für die kommende Periode dar.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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