Marktentwicklung: Steinkohlenteeröle (CN 2707) — 2015–2025
Einleitung
Die Zolltarifposition 2707 umfasst Öle und andere Destillationserzeugnisse des Hochtemperatur-Steinkohlenteers sowie ähnliche Erzeugnisse, bei denen die aromatischen Bestandteile gewichtsmäßig gegenüber den unaromatischen überwiegen. Sieben Unterpositionen bilden das Segment: Benzole (CN 270710), Toluole (CN 270720), Xylole (CN 270730), Naphthalin (CN 270740), aromatische Kohlenwasserstoffgemische (CN 270750), Kreosotöle (CN 270791) sowie sonstige Steinkohlenteeröle und -erzeugnisse (CN 270799). Diese Produkte dienen als Rohstoffe und Vorprodukte der chemischen Industrie, als Lösungsmittel sowie in der Teerölverarbeitung.
Der Untersuchungszeitraum 2015–2025 ist von drei zentralen Dynamiken geprägt: einer fundamentalen Transformation der EU vom Nettoimporteur zum dominanten Nettoexporteur, geopolitischen Umbrüchen — insbesondere den Sanktionen gegen Russland und Belarus nach 2022 —, die die Handelsströme radikal umgestaltet haben, sowie einem erheblichen Preisschock im Zuge der globalen Energiekrise, gefolgt von einer bemerkenswerten Diversifizierung der Handelsbeziehungen. Die folgende Analyse stützt sich ausschließlich auf die vorliegenden Handels- und Produktionsdaten und beleuchtet sowohl aggregierte Entwicklungen als auch produktspezifische und partnerspezifische Detaildynamiken.
Produktübersicht: Scope & Definitions — CN 2707
1. Vom Nettoimporteur zum dominanten Nettoexporteur: Explosive Exportexpansion
1.1 Die fundamentale Handelswende der EU
Der Zeitraum 2015–2025 markiert eine außergewöhnliche Transformation der EU-Handelsbilanz bei Steinkohlenteerölen. Während die EU im Jahr 2015 mit einem negativen Handelssaldo von −143 Mio. € noch ein leichter Nettoimporteur war, entwickelte sie sich bis 2025 zu einem ausgeprägten Nettoexporteur mit einem Handelsüberschuss von +5.352 Mio. €. Der Höchstwert des Überschusses wurde 2024 mit rund +6.651 Mio. € erreicht.
Die Tabelle zeigt die Entwicklung von Exporten, Importen und Handelsbilanz über den gesamten Zeitraum (Werte berechnet aus den Unterpositionsdaten):
| Jahr | Exporte (Mio. €) | Importe (Mio. €) | Saldo (Mio. €) | Exp.-Menge (kt) | Imp.-Menge (kt) | Exp.-Preis (€/t) | Imp.-Preis (€/t) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2015 | 1.909 | 2.053 | −144 | 4.522 | 5.249 | 422 | 391 |
| 2016 | 3.458 | 1.633 | +1.825 | 8.954 | 4.981 | 386 | 328 |
| 2017 | 6.478 | 2.371 | +4.107 | 17.917 | 6.154 | 362 | 385 |
| 2018 | 6.064 | 3.362 | +2.702 | 15.924 | 7.943 | 381 | 423 |
| 2019 | 5.032 | 3.906 | +1.126 | 13.196 | 9.893 | 381 | 395 |
| 2020 | 4.319 | 3.738 | +581 | 15.659 | 14.442 | 276 | 259 |
| 2021 | 7.272 | 7.086 | +186 | 18.395 | 17.800 | 395 | 398 |
| 2022 | 11.244 | 6.800 | +4.444 | 18.595 | 10.333 | 605 | 658 |
| 2023 | 9.691 | 4.010 | +5.681 | 18.685 | 6.601 | 519 | 608 |
| 2024 | 11.695 | 5.047 | +6.648 | 22.936 | 8.760 | 510 | 576 |
| 2025 | 10.579 | 5.226 | +5.353 | 23.062 | 9.940 | 459 | 526 |
Zentrale Kennzahlen aus den Daten (Gesamtübersicht):
- Exportwert: +454 % — von 1.909 Mio. € (2015) auf 10.579 Mio. € (2025); Maximum 11.699 Mio. € (2024)
- Importwert: +155 % — von 2.053 Mio. € auf 5.227 Mio. €; Maximum 7.086 Mio. € (2021)
- Handelsbilanz: Wandel von −143 Mio. € zu +5.352 Mio. € (+3.835 %)
- Nettoimportabhängigkeit: Von −1,6 % (2015) auf −136,6 % (2025) — die EU exportiert deutlich mehr als sie produziert und importiert zusammengenommen
1.2 Preisstabilität bei rasantem Volumenwachstum
Ein bemerkenswerter Aspekt der Exportexpansion ist, dass sie primär volumengetrieben war. Die Exportmenge stieg von 4,52 Mio. t auf 23,06 Mio. t (+410 %), während der Exportpreis lediglich von 422 €/t auf 459 €/t zunahm (+8,6 %). Die Preisspanne reichte dabei von 276 €/t (2020, COVID-19-Tiefststand) bis 605 €/t (2022, Energiekrise-Höchststand).
Auf der Importseite war die Preisentwicklung volatiler: Der Importpreis kletterte von 391 €/t (2015) auf 526 €/t (2025, +34,5 %), mit einer Spanne von 259 €/t (2020) bis 658 €/t (2022). Seit 2017 liegen die Importpreise mit Ausnahme des Jahres 2020 durchgehend über den Exportpreisen — ein Hinweis darauf, dass die EU tendenziell hochwertigere oder knapper beziehungsweise teurer zu beschaffende Qualitäten importiert und günstigere Standardqualitäten exportiert.
1.3 Produktionsausweitung als Fundament des Exportbooms
Die EU-Inlandsproduktion von CN 2707 stieg im gleichen Zeitraum erheblich an (Produktionsvolumen):
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung | Minimum | Maximum |
|---|---|---|---|---|---|
| Produktionsmenge | 5.227 Mio. kg | 12.312 Mio. kg | +135,6 % | 4.967 Mio. kg | 13.781 Mio. kg |
| Produktionswert | 2.318 Mio. € | 6.551 Mio. € | +182,6 % | 2.202 Mio. € | 9.739 Mio. € |
Die Produktionsausweitung — nahezu Verdopplung der Mengen und Verdreifachung der Werte — bildet die Grundlage für den Exportboom. Gleichzeitig stieg die Exportquote von 44,7 % auf 179,2 %, was bedeutet, dass die EU-Ausfuhren im Jahr 2025 fast das Doppelte der eigenen Produktion ausmachten. Dies deutet auf eine erhebliche Re-Exportaktivität oder die Einbindung importierter Vorprodukte in Exportgüter hin. Die Handelsintensität erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 61,3 % auf 144,9 %.
2. Geopolitische Erdbeben: Sanktionen und die Neuausrichtung der Handelspartner
2.1 Zusammenbruch der russischen und belarussischen Importe
Die einschneidendste Veränderung im EU-Handel mit CN 2707 ist der Zusammenbruch der Importe aus Russland und Belarus — eine direkte Folge der EU-Sanktionen nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022. Die Daten zeigen ein dramatisches Bild (Partnerländer):
| Partnerland | Importe 2015 (Mio. €) | Importe 2025 (Mio. €) | Maximum (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| Russland | 1.060 | 0,09 | 2.804 | −100,0 % |
| Belarus | 2,9 | 0,002 | 560 | −99,9 % |
| Vereinigtes Königreich | 335 | 1.710 | 1.978 | +410,9 % |
| Türkei | 50 | 695 | 746 | +1.297,5 % |
| Norwegen | 53 | 108 | 339 | +103,1 % |
| Vereinigte Staaten | 50 | 374 | 374 | +644,9 % |
Russland war 2015 mit einem Anteil von 51,7 % an den EU-Importen der mit Abstand wichtigste Lieferant. Der Höchstwert der russischen Exporte in die EU wurde mit 2.804 Mio. € erreicht, bevor die Lieferungen nach 2021 praktisch zum Erliegen kamen. Der Importanteil Russlands sank damit von über der Hälfte auf nahezu null.
Auch Belarus, das zeitweise Importe im Wert von bis zu 560 Mio. € in die EU lieferte, wurde vollständig vom Markt verdrängt. Die Handelskonzentration (HHI) der Importe sank infolgedessen von 3.772 auf 1.843 (−51,1 %) — ein Übergang von einem hochkonzentrierten zu einem moderat diversifizierten Importmarkt. Die Volatilitätsanalyse bestätigt die extreme Instabilität: Belarus weist einen Variationskoeffizienten von 1,50 auf, Russland von 0,72.
2.2 Aufstieg neuer Lieferanten: Vereinigtes Königreich, Türkei und USA
Der Wegfall russischer und belarussischer Lieferungen wurde durch eine Umorientierung auf andere Partnerländer kompensiert. Am auffälligsten ist der Aufstieg des Vereinigten Königreichs zum wichtigsten EU-Importpartner mit 1.710 Mio. € im Jahr 2025 (32,7 % der Importe). Es ist anzumerken, dass die Zunahme teilweise auf den Brexit zurückzuführen sein dürfte: Handelsströme mit dem UK, die bis Ende 2020 als intra-EU-Handel erfasst wurden, erscheinen seit 2021 in den Extra-EU-Statistiken. Gleichwohl zeigt der starke Anstieg über den reinen Statistikeffekt hinaus eine substantielle Zunahme der Handelsverflechtung.
Die Türkei verfünfzehnfachte ihre Exporte in die EU von 50 Mio. € auf 695 Mio. € und ist damit zum viertwichtigsten Importpartner aufgestiegen. Die USA steigerten ihre Lieferungen um 645 % auf 374 Mio. €. Norwegen blieb mit 108 Mio. € ein bedeutender, wenn auch schwankender Lieferant (Variationskoeffizient 0,88).
2.3 Wandel der Exportdestinationen: Von China weg, hin zu neuen Routen
Auch auf der Exportseite vollzog sich eine tektonische Verschiebung. China, 2015 mit 621 Mio. € noch der zweitwichtigste Exportmarkt der EU, brach auf lediglich 7 Mio. € (−98,8 %) zusammen. Mögliche Ursachen sind der Aufbau chinesischer Eigenkapazitäten sowie geopolitische Handelsverschiebungen.
Gleichzeitig wuchsen andere Destinationen massiv an (Partnerländer Exporte):
| Destination | Exporte 2015 (Mio. €) | Exporte 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vorräte/Verprov. (extra-EU) | 1,6 | 2.989 | +185.421 % |
| Nicht spezifiziert (extra-EU) | 1,0 | 1.714 | +179.455 % |
| Gibraltar | 16 | 993 | +5.987 % |
| Singapur | 479 | 790 | +65,2 % |
| USA | 223 | 737 | +230,1 % |
| Vereinigtes Königreich | 159 | 608 | +282,5 % |
Besonders hervorzuheben ist das explosive Wachstum der Kategorien „Vorräte und Verproviantierung" (2.989 Mio. €) sowie „nicht spezifizierte Gebiete" (1.714 Mio. €). Zusammen mit Gibraltar (993 Mio. €) machen diese drei Kategorien 2025 rund 54 % der EU-Ausfuhren aus. Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um Schiffs- und Luftfahrtbunkerungen, Freizonentransaktionen und statistische Restkategorien — ein Hinweis darauf, dass ein erheblicher Teil der EU-Exporte nicht eindeutig einem Endverbraucherland zugeordnet werden kann. Die Exportkonzentration (HHI) sank entsprechend von 1.960 auf 945 (−51,8 %), was eine deutlich diversifiziertere Exportstruktur widerspiegelt.
Auf EU-Mitgliedstaatenebene zeigt sich eine bemerkenswerte Verschiebung der Exportaktivität. Die Niederlande blieben mit 4.016 Mio. € (2025) der größte Exporteur (+298 %), gefolgt von Belgien (2.197 Mio. €, +3.348 %), Spanien (1.837 Mio. €, +744 %) und Dänemark (462 Mio. €, Anstieg von praktisch null). Frankreich und Schweden verfünffachten bzw. verachtfachten ihre Ausfuhren (EU-Reporter).
3. Preisspitzen, Handelsdiversifizierung und segmentale Konzentration
3.1 Der Preisschock von 2022 und seine Nachwirkungen
Die Energiekrise des Jahres 2022, ausgelöst durch den russischen Überfall auf Ukraine und die darauffolgenden Sanktionen, verursachte einen massiven Preisschock bei Steinkohlenteerölen. Der durchschnittliche EU-Importpreis stieg von 398 €/t (2021) auf 658 €/t (2022) — ein Anstieg um 65 %. Der Exportpreis kletterte von 395 €/t auf 605 €/t (+53 %). Beide Werte stellen die Höchststände im gesamten Untersuchungszeitraum dar.
Die Volatilitäts- und Schockanalyse identifiziert drei signifikante Preisschocks:
| Ereignis | Typ | Richtung | Jahr | Abnormalität | Preisänderung | Anteil am Wert |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Malaysia | Preis | Exporte | 2022 | 22,8 | +365,9 % | 3,1 % |
| Marokko | Preis | Exporte | 2017 | 16,5 | +238,7 % | 4,7 % |
| USA | Preis | Importe | 2022 | 10,9 | +67,2 % | 6,0 % |
Der Malaysien-Schock (2022) und der US-Importpreisschock (2022) stehen im direkten Zusammenhang mit der globalen Energiekrise. Der Marokko-Schock (2017) könnte auf regionale Angebotsengpässe oder Sonderspezifikationen zurückzuführen sein.
Seit 2022 haben sich die Preise zwar abgeschwächt, liegen aber 2025 mit 459 €/t (Exporte) bzw. 526 €/t (Importen) noch deutlich über dem Vorkrisenniveau von 2019 (381 €/t bzw. 395 €/t). Der COVID-19-Einbruch 2020 markiert mit 276 €/t (Exporte) bzw. 259 €/t (Importen) den Preisboden des Jahrzehnts — eine Phase kollabierender Nachfrage und Überangebots.
3.2 Deutlicher Rückgang der Handelskonzentration
Die Herfindahl-Hirschman-Indizes (HHI) für Importe und Exporte zeigen eine signifikante Diversifizierung der Handelsbeziehungen (Konzentrationsanalyse):
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| HHI Importe (Wert) | 3.772 | 1.843 | −51,1 % |
| HHI Importe (Volumen) | 4.687 | 1.701 | −63,7 % |
| HHI Exporte (Wert) | 1.960 | 945 | −51,8 % |
| HHI Exporte (Volumen) | 2.148 | 982 | −54,3 % |
Ein HHI-Wert über 2.500 gilt gemeinhin als hochkonzentriert. Die Importseite fiel von einem hochkonzentrierten Niveau (3.772, dominiert durch Russland) in einen moderat diversifizierten Bereich (1.843). Die Exportseite erreichte mit 945 bereits ein niedrig konzentriertes Niveau. Diese Entwicklung ist sowohl eine Folge der erzwungenen Umorientierung weg von Russland als auch des Wachstums vieler kleinerer Handelspartner.
Im Inneren der EU zeigen sich bei der Spezialisierung deutliche Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten:
| Land | RSCA | RCA | Anteil Produktion | Anteil Gesamthandel |
|---|---|---|---|---|
| Finnland | 0,69 | 5,40 | 5,4 % | 1,0 % |
| Litauen | 0,66 | 4,87 | 3,0 % | 0,6 % |
| Schweden | 0,55 | 3,48 | 8,4 % | 2,4 % |
| Dänemark | 0,34 | 2,03 | 3,5 % | 1,7 % |
| Belgien | 0,28 | 1,79 | 15,2 % | 8,5 % |
Belgien ist mit 15,2 % der EU-Produktion der größte einzelne Erzeuger innerhalb der spezialisierten Länder, während Finnland und Litauen relativ zu ihrer Wirtschaftsgröße die stärkste Spezialisierung aufweisen. Deutschland hingegen, 2015 noch der größte EU-Importeur (727 Mio. €), verlor diese Position und reduzierte seine Importe um 63 % auf 266 Mio. € — ein Hinweis auf eine Verschiebung der europäischen Verarbeitungskapazitäten.
3.3 CN 270799 als dominierende Produktsegmentgruppe
Innerhalb der sieben Unterpositionen von CN 2707 dominiert CN 270799 (sonstige Steinkohlenteeröle und -erzeugnisse) sowohl auf der Import- als auch auf der Exportseite mit großem Abstand (Produktsegmente):
Importe 2025 nach Unterposition (Wertanteil):
| Unterposition | Menge (t) | Wert (Mio. €) | Anteil am Wert | Preis (€/t) |
|---|---|---|---|---|
| CN 270799 | 7.937.177 | 3.901 | 74,6 % | 491 |
| CN 270750 | 1.793.624 | 1.196 | 22,9 % | 667 |
| CN 270710 | 128.340 | 71 | 1,4 % | 550 |
| CN 270730 | 72.588 | 52 | 1,0 % | 719 |
| Sonstige | — | 7 | 0,1 % | — |
Exporte 2025 nach Unterposition (Wertanteil):
| Unterposition | Menge (t) | Wert (Mio. €) | Anteil am Wert | Preis (€/t) |
|---|---|---|---|---|
| CN 270799 | 21.223.829 | 9.433 | 89,2 % | 444 |
| CN 270750 | 1.596.712 | 1.003 | 9,5 % | 628 |
| CN 270730 | 157.495 | 105 | 1,0 % | 668 |
| CN 270710 | 54.403 | 34 | 0,3 % | 618 |
| Sonstige | — | 4 | 0,04 % | — |
CN 270799 allein repräsentiert 2025 rund 75 % der Import- und 89 % der Exportwerte. Die Dominanz dieses Segmentes hat im Zeitverlauf zugenommen: 2015 betrug der Exportanteil von CN 270799 noch 23 % (440 Mio. € von 1.909 Mio. €), 2025 sind es 89 %. Die Exportmenge von CN 270799 wuchs von 1,72 Mio. t auf 21,22 Mio. t — eine Verzwölffachung. CN 270750 (aromatische Kohlenwasserstoffgemische) ist das zweitwichtigste Segment, verlor aber insbesondere bei den Exporten an Bedeutung: von 72 % des Exportwertes (2015) auf 9,5 % (2025).
Die Preisunterschiede zwischen den Segmenten sind erheblich. Kreosotöle (CN 270791) erzielten bei Exporten im Jahr 2025 lediglich 21 €/t — ein dramatischer Rückgang gegenüber 642 €/t im Jahr 2015, der auf Veränderungen in der Qualitätsmischung oder Marktbedingungen hindeuten könnte. Xylole (CN 270730) und aromatische Mischungen (CN 270750) werden mit 667–719 €/t zu deutlich höheren Preisen gehandelt.
Fazit
Der EU-Markt für Steinkohlenteeröle (CN 2707) hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend gewandelt. Die drei zentralen Befunde lauten:
Erstens vollzog die EU eine bemerkenswerte Transformation vom Nettoimporteur zum dominanten Nettoexporteur. Die Exporte wuchsen um 454 % auf über 10,5 Mrd. €, getrieben vor allem von einer Verdopplung der inländischen Produktionskapazitäten und einer stark gesteigerten Exportquote. Die Handelsbilanz verbesserte sich um fast 5,5 Mrd. €.
Zweitens haben geopolitische Ereignisse — insbesondere die Sanktionen gegen Russland und Belarus — die Handelsströme radikal umstrukturiert. Russlands Anteil an den EU-Importen sank von über 50 % auf nahezu null. Neue Lieferanten wie das Vereinigte Königreich, die Türkei und die USA haben diese Lücke teilweise geschlossen. Auf der Exportseite verloren traditionelle Märkte wie China an Bedeutung, während statistische Restkategorien (Bunkering, Freizonen) nun über die Hälfte der Ausfuhren ausmachen.
Drittens führten Preisschocks — insbesondere der Energiekrise 2022 — zu vorübergehenden Verdoppelungen der Handelspreise, bevor sich diese bis 2025 wieder abschwächten. Gleichzeitig sank die Handelskonzentration um über 50 %, was eine breitere Diversifizierung der Handelsbeziehungen signalisiert. Die Dominanz des Segmentes CN 270799 hat dabei weiter zugenommen.
Für die Zukunft ist zu beobachten, ob die Preise weiter auf das Vorkrisenniveau zurückkehren, ob sich die neuen Handelsrouten konsolidieren und wie sich die erhebliche Exportaktivität in statistischen Restkategorien auf die tatsächliche Wertschöpfung in der EU auswirkt.