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Marktentwicklung: Kohlegase (CN 2705) — 2015–2025

Einleitung

Der CN-Code 2705 umfasst Steinkohlengas, Wassergas, Generatorgas, Schwachgas und ähnliche Gase — ausgenommen Erdgas und andere gasförmige Kohlenwasserstoffe. Diese Gase entstehen bei der Vergasung von Kohle oder anderen Festbrennstoffen und finden traditionell Anwendungen in der chemischen Industrie, der Metallurgie und als Stadtgas. Der Analysezeitraum von 2015 bis 2025 umfasst eine Phase tiefgreifender Transformation des europäischen Energiesystems: Die Energiewende, der Kohleausstieg in mehreren Mitgliedstaaten, die COVID-19-Pandemie und die Energiekrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 haben den Markt für diese Produkte grundlegend verändert. Dieser Überblick über die Marktentwicklung zeigt, dass der EU-Außenhandel mit Kohlegasen über den gesamten Zeitraum hinweg einen dramatischen Rückgang erfahren hat — sowohl bei den Volumina als auch bei den Handelswerten.


1. Struktureller Niedergang: Der Zusammenbruch der Handelsvolumina

1.1 Exporte: Von über 56.000 Tonnen auf unter 4 Tonnen

Der Rückgang der EU-Exporte ist das auffälligste Merkmal der gesamten Marktentwicklung. Die exportierte Menge sank von 56.755 Tonnen im Jahr 2015 auf lediglich 3 Tonnen im Jahr 2025 — ein Rückgang von nahezu 100 Prozent. Der Exportwert folgte dieser Trajektorie und brach von 14,2 Mio. EUR auf unter 30.000 EUR zusammen. Auch bei den ergänzenden Mengeneinheiten (1.000 m³) ist ein vergleichbarer Kollaps festzustellen: von 282.357 auf 781 Tausend Kubikmeter.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (EUR) 14.216.876 29.381 −99,8 %
Exportmenge (t) 56.755 3 −100,0 %
Ergänz. Menge (1.000 m³) 282.357 781 −99,7 %

Quelle: Gesamtübersicht

1.2 Importe: Deutlicher, aber weniger extremer Rückgang

Auch die EU-Importe verzeichneten einen erheblichen Rückgang, wenngleich dieser weniger ausgeprägt war als bei den Exporten. Die importierte Menge sank von 25.255 Tonnen im Jahr 2015 auf rund 184 Tonnen im Jahr 2025 (−99,3 %), der Importwert von 5,9 Mio. EUR auf knapp 97.000 EUR (−98,3 %). Bemerkenswert ist jedoch, dass die ergänzende Mengeneinheit bei den Importen mit einem Rückgang von 33.469 auf 21.935 Tausend Kubikmeter (−34,5 %) weit moderater ausfiel als die Massenmenge. Dies deutet darauf hin, dass die verbliebenen Importe ein deutlich geringeres spezifisches Gewicht aufweisen — möglicherweise handelt es sich um Gase mit geringer Dichte oder hochkonzentrierte Spezialprodukte.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (EUR) 5.860.945 97.161 −98,3 %
Importmenge (t) 25.255 184 −99,3 %
Ergänz. Menge (1.000 m³) 33.469 21.935 −34,5 %

Quelle: Gesamtübersicht

1.3 Vom Überschuss zum Defizit: Umkehr der Handelsbilanz

Im Jahr 2015 wies die EU eine positive Handelsbilanz von +8,4 Mio. EUR auf — die Union war also Nettoexporteur von Kohlegasen. Im Jahr 2025 kehrte sich dies um: Die Handelsbilanz betrug −67.780 EUR. Der Wendepunkt lag im Jahr 2020, als die Handelsbilanz erstmals mit −3,4 Mio. EUR ins Negative rutschte. Diese Umkehr spiegelt wider, dass der Verfall der Exporte den Rückgang der Importe zeitlich und mengenmäßig übertraf.


2. Geografische Konzentration und Handelspartnerschaften

2.1 Das Vereinigte Königreich als dominierender Handelspartner

Sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten war das Vereinigte Königreich der mit Abstand wichtigste Partner der EU. Im Jahr 2015 gingen 93 Prozent der EU-Importe aus dem UK ein (5,5 Mio. EUR von 5,9 Mio. EUR gesamt), und 99,7 Prozent der EU-Exporte wurden dorthin geliefert (14,2 Mio. EUR von 14,2 Mio. EUR gesamt). Diese extreme Konzentration spiegelt die historischen Verflechtungen im Energiesektor wider — das UK war bis in die jüngere Vergangenheit ein bedeutender Produzent von Stadtgas und Kohlegasen.

Im Jahr 2025 beliefen sich die Importe aus dem UK noch auf 95.587 EUR und die Exporte auf 12.751 EUR — beides nur noch ein Bruchteil der Ausgangswerte. Der Ländervergleich zeigt, dass diese Partnerschaft dennoch die Struktur des gesamten Marktes dominierte.

Partner (Importe) 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 5.469.854 95.587 −98,3 %
Schweiz 415.208 18 −100,0 %
Vereinigte Staaten 4.001 478 −88,1 %
Norwegen 596 447 −25,0 %
China 49 257 +427,1 %
Partner (Exporte) 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 14.169.550 12.751 −99,9 %
Färöer-Inseln 135.403 65 −100,0 %
Norwegen 3.861 52 −98,7 %
Kenia 93.236 93.236 0,0 %
Kuba 11.575 3.960 −65,8 %

Quelle: Top-Handelspartner

2.2 Italien als größter EU-interner Importeur

Innerhalb der EU zeigt sich ein bemerkenswertes Muster: Italien war mit großem Abstand der wichtigste Importeur von Kohlegasen, mit einem Importwert von 5,4 Mio. EUR im Jahr 2015 und immer noch 3,5 Mio. EUR im Jahr 2025. Dies ist angesichts der geringen Gesamtvolumina überraschend hohe Werte — es deutet darauf hin, dass Italien als einziges EU-Land noch nennenswerte industrielle Bedarfe an Kohlegasen aufweist. Auch bei den Exporten war Italien 2015 mit 14,2 Mio. EUR der dominierende Exporteur innerhalb der EU, was auf die Rolle des Hafens als Transit- und Lieferzentrum hindeuten könnte.

EU-Reporter (Importe) 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Italien 5.432.397 3.484.167 −35,9 %
Dänemark 418.784 169 −100,0 %
Irland 25.299 90.630 +258,2 %
Frankreich 667 1.563 +134,3 %

Quelle: EU-Mitgliedstaaten

2.3 Veränderung der Handelspartnerstruktur

Während das UK sowohl bei Importen als auch bei Exporten an Bedeutung verloren hat, sind einige kleinere Partner relativ wichtiger geworden. Bei den Importen verzeichnete China ein Wachstum von 49 EUR auf 257 EUR (+427 %), blieb aber in absoluten Zahlen marginal. Irland stieg bei den EU-internen Importen von 25.299 EUR auf 90.630 EUR (+258 %) auf. Bei den Exporten deuten die Daten auf eine leichte Diversifizierung hin, wobei Spanien (+678 %) und die Niederlande (+33 %) an Bedeutung gewannen. Allerdings handelt es sich bei diesen absoluten Zahlen um sehr kleine Beträge, die den Gesamtmarktcharakter der Nischenproduktion widerspiegeln.


3. Preisvolatilität und marktstrukturelle Schocks

3.1 Steigende Einheitspreise trotz Volumenkollaps

Ein besonders bemerkenswertes Phänomen ist die Entwicklung der Einheitspreise. Während die Handelsvolumina kollabierten, stiegen die Preise pro Tonne erheblich an:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportpreis (EUR/t) 250 9.658 +3.756 %
Importpreis (EUR/t) 232 529 +128 %
Exportpreis (EUR/1.000 m³) 50 38 −25 %
Importpreis (EUR/1.000 m³) 175 4 −98 %

Quelle: Gesamtübersicht

Der extreme Anstieg der Exportpreise pro Tonne (von 250 auf 9.658 EUR) steht im Widerspruch zum Rückgang der ergänzenden Mengeneinheit (−25 %). Dies lässt sich dadurch erklären, dass die verbliebenen Exporte aus hochpreisigen Spezialgasen bestehen — möglicherweise für Forschungszwecke, Halbleiterfertigung oder andere Nischenanwendungen, die eine besondere Reinheit oder Zusammensetzung erfordern. Die Gasmengen (in Kubikmetern) blieben dabei relativ stabil, doch das Gewicht nahm drastisch ab, was auf leichtere Gasmischungen hindeutet.

3.2 Zwei signifikante Preisschocks im Handelspartner UK

Die Volatilitätsanalyse identifizierte zwei außergewöhnliche Preisschocks, die beide das Vereinigte Königreich betrafen:

  1. Importpreisschock 2020: Im Jahr 2020 stieg der Importpreis aus dem UK um 2.014 Prozent mit einer Abnormalität von 111,5 — ein außerordentlich hoher Wert, der auf ein singuläres Ereignis hindeutet. Dies fiel zeitlich mit dem Beginn der COVID-19-Pandemie zusammen, die zu massiven Störungen in Logistik und Produktion führte. Denkbar ist auch, dass die Brexit-Übergangsphase (das UK verließ die EU am 31. Januar 2020) zu Handelsverwerfungen und plötzlichen Preisbereinigungen führte.

  2. Exportpreisschock 2023: Ein weiterer Preisschock mit einer Verschiebung von 460 Prozent trat 2023 bei den Exporten in das UK auf. Die Abnormalität von 28,5 war geringer als beim ersten Schock, aber dennoch hoch. Dies könnte mit der anhaltenden Energiekrise und der Neuordnung der Energiehandelsbeziehungen nach dem russischen Überfall auf die Ukraine zusammenhängen, die auch zu einer Umstrukturierung der Gasversorgungsketten führte.

Quelle: Volatilität und Schocks

3.3 Marktstruktur: Von Konzentration zur Fragmentierung bei Exporten

Die Herfindahl-Hirschman-Indizes (HHI) zeigen eine gegenläufige Entwicklung bei Importen und Exporten:

HHI (Wertbasis) 2015 2025 Veränderung
Importe 8.675 9.770 +12,6 %
Exporte 9.934 3.469 −65,1 %

Quelle: Marktkonzentration

Die Importe blieben hochkonzentriert — das UK dominierte den Markt durchgehend, und der HHI stieg sogar leicht an, da kleinere Partner aus dem Markt ausschieden. Bei den Exporten hingegen sank der HHI von fast 10.000 (quasi-Monopol) auf rund 3.500, was einer stärkeren Fragmentierung entspricht. Dieses Paradoxon — geringere Konzentration bei gleichzeitigem Kollaps der Gesamtvolumina — lässt sich dadurch erklären, dass Italien seinen quasi-monopolistischen Anteil an den EU-Exporten verlor, während kleinere EU-Länder in geringem Umfang weiter exportierten.

3.4 Spezialisierung innerhalb der EU

Die Spezialisierungsanalyse für das Jahr 2025 zeigt, dass Estland mit einem RSCA-Wert von 0,98 am stärksten auf Kohlegase spezialisiert ist — bei einem RCA-Wert von 107 deutet dies auf absolute Nischenspezialisierung hin. Die Niederlande folgen mit einem RSCA von 0,63 und einem RCA von 4,35, was auf eine gewisse, wenn auch untergeordnete Spezialisierung hindeutet. Große Volkswirtschaften wie Deutschland, Frankreich und Tschechien weisen hingegen extrem niedrige Spezialisierungswerte auf (RSCA nahe −1,0), was deren marginale Rolle in diesem Marktsegment bestätigt.


Schlussfolgerung

Der EU-Außenhandel mit Kohlegasen (CN 2705) hat im Zeitraum 2015–2025 einen nahezu vollständigen Zusammenbruch erlebt. Die Handelsvolumina sanken um über 99 Prozent, und die einst positive Handelsbilanz kehrte sich ins Negative um. Diese Entwicklung ist das Ergebnis mehrerer überlagernder Faktoren: der systematischen Verdrängung von Kohlegasen durch Erdgas, erneuerbare Energien und Wasserstofftechnologien; der Stilllegung historischer Gaswerke in ganz Europa; der regulatorischen Rahmenbedingungen des europäischen Green Deal und der nationalen Kohleausstiegspläne.

Die verbliebenen Handelsaktivitäten konzentrieren sich auf hochspezialisierte Nischenprodukte mit erheblich höheren Einheitspreisen und werden vor allem zwischen dem Vereinigten Königreich und wenigen EU-Staaten abgewickelt, wobei Italien als größter innerer Markt hervorsticht. Die hohe Volatilität und die identifizierten Preisschocks unterstreichen, dass dieser Markt zunehmend dünn und anfällig für singuläre Ereignisse geworden ist. Angesichts des fast vollständigen Volumenkollapses ist davon auszugehen, dass Kohlegase in der EU-Handelsstatistik künftig nur noch als Kuriosum einer vergangenen Energiesäule erscheinen werden.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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