Live-Daten erkunden

Marktentwicklung: Farben und Lacke (CN 32) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Segment Farben, Lacke, Pigmente und verwandte Produkte (Zolltarifnummer 32) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die Betrachtung basiert auf jährlichen Handelsströmen mit Drittländern. Die Daten zeigen eine divergente Entwicklung zwischen Wert und Menge, eine signifikante Umstrukturierung der Handelspartner sowie eine zunehmende Exportorientierung der EU bei gleichzeitig wachsender Importabhängigkeit bei bestimmten Produktsegmenten.

1. Divergenz von Preis- und Mengenentwicklung: Steigende Werte trotz fallender Volumina

Die zentrale Erkenntnis der Marktentwicklung ist eine signifikante Trennung zwischen der Wert- und der Mengenentwicklung bei den Handelsströmen. Während die Exportwerte moderat stiegen, sanken die exportierten Mengen erheblich. Bei den Importen verhielt es sich genau umgekehrt: Die importierten Mengen wuchsen stark, während die durchschnittlichen Importpreise fielen.

1.1 Exporte: Höhere Preise kompensieren den Mengenrückgang

Die EU exportierte im Jahr 2015 Waren der KN 32 im Wert von 12,12 Mrd. EUR. Bis 2025 stieg dieser Wert auf 12,87 Mrd. EUR, was einem Wachstum von 6,2 % entspricht (Gesamtübersicht). Demgegenüber steht ein Rückgang der exportierten Menge um 23,0 %, von 4,10 Mio. Tonnen auf 3,16 Mio. Tonnen. Dies führt zu einem deutlichen Anstieg des durchschnittlichen Exportpreises um 37,9 %, von 2.953 EUR/t auf 4.072 EUR/t. Die EU exportiert also tendenziell weniger Volumen, aber zu höheren Werten, was auf eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Produkten oder eine verbesserte Preisgestaltungskraft hindeuten kann.

1.2 Importe: Mengenwachstum übertrifft Preisentwicklung

Auf der Importseite zeigt sich ein gegensätzlicher Trend. Der Importwert stieg von 6,29 Mrd. EUR (2015) auf 7,64 Mrd. EUR (2025), ein Plus von 21,5 %. Dieses Wachstum wurde jedoch durch ein starkes Mengenwachstum von 45,5 % getrieben (von 1,24 Mio. t auf 1,81 Mio. t). Der durchschnittliche Importpreis sank im selben Zeitraum um 16,5 %, von 5.054 EUR/t auf 4.221 EUR/t. Die EU importiert somit ein deutlich größeres Volumen zu tendenziell niedrigeren Preisen, was auf einen Preiswettbewerb auf dem Importmarkt oder eine Verlagerung der Beschaffung hin zu kostengünstigeren Quellen schließen lässt.

1.3 Produktsegmente als Treiber der Preis-Mengen-Dynamik

Die Analyse der wichtigsten Unterpositionen (nach Importwert 2025) zeigt, dass diese Dynamik segmentübergreifend zu beobachten ist, sich aber in der Intensität unterscheidet.

Segment (KN) Beschreibung Trend Menge (Import, 2015–2025) Trend Preis (Import, 2015–2025)
3206 Anorganische Farbmittel, Pigmente etc. +115,6 % (284.675 t → 614.420 t) +6,9 % (2.500 €/t → 2.672 €/t)
3204 Synthetische organische Farbmittel -15,6 % (198.960 t → 167.880 t) +5,6 % (7.332 €/t → 7.745 €/t)
3208 Lacke auf Polymerbasis (nichtwässrig) -16,4 % (155.800 t → 130.247 t) +42,1 % (4.201 €/t → 5.969 €/t)
3214 Kitte, Spachtelmassen etc. +137,4 % (220.555 t → 523.488 t) -28,4 % (1.728 €/t → 1.238 €/t)

(Datenquelle: Produktsegmentvergleich)

Während bei anorganischen Pigmenten (3206) und Kitten (3214) das Importmengenwachstum die Wertzunahme dominierte, stiegen bei synthetischen Farbmitteln (3204) und insbesondere bei nichtwässrigen Lacken (3208) die Preise überproportional.

2. Geopolitische Umstrukturierung der Handelspartner

Die Handelsbeziehungen der EU im Sektor CN 32 haben sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend verschoben. Traditionelle Partner verloren an Bedeutung, während neue Akteure an Einfluss gewannen.

2.1 Rückgang der Exporte in die Russische Föderation und Brexit-Effekte

Die dramatischste Veränderung zeigt sich bei den Exporten in die Russische Föderation. Diese brachen um 95,1 % ein, von 1,08 Mrd. EUR (2015) auf nur noch 52,3 Mio. EUR (2025) (Top-Handelspartner). Dieser Zusammenbruch ist sehr wahrscheinlich eine direkte Folge der seit 2022 verhängten Sanktionen. Parallel dazu haben die Exporte in die Türkei stark zugelegt (+34,5 %), was auf eine mögliche Umleitung von Handelsströmen oder eine gestärkte regionale Integration hindeutet. Der Brexit hat die Handelsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich nachhaltig gestört. Obwohl es weiterhin der größte Handelspartner bei Im- und Exporten bleibt, sind die Ströme volatiler geworden. Die Exporte sanken um 16,3 % (von 1,88 Mrd. EUR auf 1,58 Mrd. EUR). Auffällig ist ein extremer Preisschock bei den Exporten im Jahr 2022 mit einer abnormalen Preissteigerung von 17 % (Schockereignisse).

2.2 Aufstieg Chinas und der Türkei als Importquellen

Während die Exporte nach Russland kollabierten, gewannen andere Partner deutlich an Bedeutung für die EU-Importe.

  • China steigerte seine Exporte in die EU um 47,2 % (von 759 Mio. EUR auf 1,12 Mrd. EUR) und ist nun der zweitwichtigste Importlieferant.
  • Die Türkei verzeichnete ein sogar noch stärkeres Wachstum von 201,4 % (von 85 Mio. EUR auf 256 Mio. EUR).
  • Serbien verfünffachte seine Exporte in die EU nahezu (+408,1 %).

Diese Verschiebung spiegelt eine Diversifizierung der Lieferketten und möglicherweise Kostenvorteile in diesen Regionen wider. Die Konzentration der EU-Importe (gemessen am Herfindahl-Hirschman-Index, HHI) ist dadurch tatsächlich gesunken, was auf eine breitere Streuung der Bezugsquellen hindeutet (Konzentration HHI).

2.3 Inner-EU-Verschiebungen bei der Handelsabwicklung

Auch innerhalb der EU haben sich die Handelsströme verlagert. Belgien hat sich als zentraler Import-Hub stark etabliert, sein Anteil an den EU-Importen (nach Wert) stieg von 293 Mio. EUR auf 1,17 Mrd. EUR (+297,6 %) (Top-Importeure in der EU). Gleichzeitig sanken die deutschen Importe um 25,1 %. Dies kann auf logistische Umstrukturierungen innerhalb des EU-Binnenmarktes hindeuten.

3. Steigende Exportquote und gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit der EU

Trotz der Herausforderungen hat die EU ihre Position als globaler Exporteur im Bereich Farben und Lacke gefestigt und ihre Handelsintensität erhöht.

3.1 Zunehmende Exportorientierung der EU-Industrie

Die Exportquote der EU-Produktion im Sektor CN 32 ist von 25,6 % (2015) auf 34,9 % (2025) gestiegen (Exportquote). Dieser Anstieg um 36,4 % ist bemerkenswert und deutet darauf hin, dass ein immer größerer Teil der in der EU produzierten Güter auf den Weltmarkt gebracht wird. Parallel dazu nahm auch die allgemeine Handelsintensität (Importe + Exporte in Relation zur Produktion) von 36,8 % auf 46,0 % zu (Handelsintensität). Die EU ist also sowohl in der Beschaffung als auch im Absatz stärker in den Welthandel integriert.

3.2 Produktionswachstum als Fundament

Hinter dieser steigenden Exportquote steht ein stabiles Produktionswachstum in der EU. Der Produktionswert (basierend auf PRODCOM-Daten) stieg von 25,8 Mrd. EUR (2015) auf 38,6 Mrd. EUR (2025), ein Plus von 49,6 % (Produktionsvolumen). Die produzierte Menge nahm um 12,9 % zu. Die EU-Industrie konnte also nicht nur die verlorenen Exportmengen kompensieren, sondern auch den heimischen Bedarf decken und darüber hinaus produzieren.

3.3 Deutschland als unangefochtener Leader mit spezialisierter Nische

Deutschland ist mit großem Abstand der führende Exporteur und Produzent der EU. Es hält einen Anteil von 28,5 % an der EU-Produktion und 33,5 % an den EU-Exporten (nach Wert) (Spezialisierung). Obwohl sein Exportwert leicht um 5,0 % sank, blieb seine dominante Stellung unangetastet. Die Liste der spezialisiertesten Produzenten zeigt, dass neben Deutschland auch Belgien, Luxembourg und Slowenien eine hohe relative Spezialisierung (RCA > 1) aufweisen, während einige mittel- und osteuropäische Länder wie Ungarn und die Slowakei eine unterdurchschnittliche Spezialisierung haben.

Fazit

Die Entwicklung des EU-Handels mit Farben und Lacken (CN 32) zwischen 2015 und 2025 war von tiefgreifenden strukturellen Veränderungen geprägt. Das Marktgeschehen wird durch den Gegentrend von steigenden Exportpreisen bei fallenden Exportmengen und fallenden Importpreisen bei steigenden Importmengen dominiert. Geopolitische Ereignisse wie Sanktionen gegen Russland und der Brexit haben die traditionellen Handelsströme erheblich umgeleitet und zu einer Diversifizierung der Importpartner geführen. Trotz dieser Umbrüche hat die EU ihre Wettbewerbsposition gestärkt: Die heimische Produktion wuchs, und die Exportquote erreichte ein neues Höchstniveau. Die Branche zeigt sich damit als widerstandsfähig und anpassungsfähig an veränderte Rahmenbedingungen, auch wenn die zunehmende Handelsintensität neue Abhängigkeiten mit sich bringt.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

Wenn Sie Beratung zur europäischen Handelspolitik benötigen oder Vertretung für Ihre Interessen in Brüssel, kontaktieren Sie mich bitte unter support@tradedashboard.eu. Sie finden meinen Lebenslauf unter dieser Adresse.