Marktentwicklung: Fotografische Erzeugnisse (CN 37) — 2015–2025
Einleitung
Der vorliegende Bericht untersucht die Entwicklung des Außenhandels der Europäischen Union mit Erzeugnissen zu fotografischen oder kinematografischen Zwecken (Zollkapitel 37) im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die Daten zeigen eine grundlegende Transformation: Aus einem stabilen Exportüberschuss wird im letzten Jahr des Betrachtungszeitraums ein Handelsdefizit. Treiber dieser Wende sind ein veränderter Produktmix hin zu hochpreisigen belichteten Platten und Filmen, eine ausgeprägte geografische Neuausrichtung der Handelspartner sowie eine steigende Importabhängigkeit bei gleichzeitig rückläufigen Ausfuhrmengen.
1. Vom Exportüberschuss zum Defizit: Die strukturelle Verschiebung der EU-Handelsbilanz
Die Exportmenge sinkt um fast 40 Prozent, während die Importmenge um mehr als 45 Prozent zulegt.
Die Warengesamtübersicht zeigt gegenläufige Volumenbewegungen. Das Exportvolumen fiel von 142,1 Tsd. Tonnen (2015) auf 86,1 Tsd. Tonnen (2025), was einem Rückgang von 39,4 % entspricht. Die Einfuhrmenge stieg im selben Zeitraum von 54,4 Tsd. auf 79,3 Tsd. Tonnen (+45,6 %). Damit hat sich die physische Handelsbilanz bei diesem Warenkapitel spürbar verschlechtert.
Ein starker Preisanstieg bei den Ausfuhren mindert den Wertverlust, während die Importwerte trotz Preisdämpfung kräftig zulegen.
Die Ausfuhren verteuerten sich im Mittel um 46,8 % (von 10 958 auf 16 083 EUR je Tonne). Dadurch sank der Exportwert nur um 11,1 % (von 1,56 Mrd. auf 1,38 Mrd. EUR). Die Importpreise gaben dagegen leicht nach (–4,0 %, von 19 492 auf 18 714 EUR je Tonne) – der Importwert erhöhte sich dennoch um 39,8 % (von 1,06 Mrd. auf 1,48 Mrd. EUR), getrieben durch die starke Volumenausweitung.
Erstmals im Beobachtungszeitraum dreht die Handelsbilanz 2025 ins Negative.
Der EU-Überschuss im Handel mit CN 37 schmolz von 496 Mio. EUR (2015) auf ein Defizit von –99 Mio. EUR (2025) zusammen. Der Saldo sank um 120 %. Die in der Tabelle zusammengestellten Werte für ausgewählte Jahre belegen den kontinuierlichen Abbau des Überschusses bis hin zum Umschlag in ein Defizit.
| Jahr | Ausfuhr (Mio. EUR) | Einfuhr (Mio. EUR) | Saldo (Mio. EUR) |
|---|---|---|---|
| 2015 | 1 557 | 1 061 | +496 |
| 2020 | 1 330 | 882 | +448 |
| 2025 | 1 384 | 1 483 | –99 |
Quelle: Handelsübersicht
2. Geopolitische Neuordnung: Asien und die USA auf dem Vormarsch, das Vereinigte Königreich und Russland brechen ein
China wird zum dominierenden Lieferanten und wächst auch als Abnehmer überproportional.
Die Einfuhren aus China explodierten um 549,8 % (von 40,2 Mio. auf 261,3 Mio. EUR), während die Ausfuhren nach China um 84,2 % (von 54,2 Mio. auf 99,8 Mio. EUR) stiegen. China ist damit zum zweitgrößten Exportziel und zur drittwichtigsten Importquelle aufgestiegen.
Die Vereinigten Staaten werden zum mit Abstand wichtigsten Handelspartner auf beiden Seiten des Warenverkehrs.
Die US-Importe der EU wuchsen um 144,1 % (von 304,5 Mio. auf 743,4 Mio. EUR) und erreichten 2025 einen Anteil von rund der Hälfte aller Extra-EU-Einfuhren von CN 37. Die Exporte in die USA legten um 27,3 % (von 311,0 Mio. auf 396,0 Mio. EUR) zu, womit die USA auch auf der Ausfuhrseite die Spitzenposition verteidigten.
Das Vereinigte Königreich verliert nach dem Brexit dramatisch an Gewicht.
Die Einfuhren aus dem Vereinigten Königreich brachen um 88,2 % ein (von 385,7 Mio. auf 45,5 Mio. EUR). Die Ausfuhren dorthin sanken um 61,7 % (von 291,8 Mio. auf 111,7 Mio. EUR). Das Vereinigte Königreich fiel von Platz 1 der Lieferanten auf Rang 5 zurück und rückte auch als Abnehmer in die zweite Reihe.
Russland fällt als Exportmarkt infolge der Sanktionen fast vollständig aus.
Die Lieferungen nach Russland schrumpften von 76,2 Mio. EUR (2015) auf 21,7 Mio. EUR (2025), ein Rückgang von 71,5 %. Dieser Einbruch konzentriert sich vor allem auf die Jahre ab 2022 und spiegelt die handelspolitischen Restriktionen wider.
Die Verschiebungen der Handelspartner führt zu einer steigenden Konzentration beider Handelsströme. Der Herfindahl-Hirschman-Index der Einfuhrpartner erhöhte sich von 2 854 (2015) auf 3 565 (2025), jener der Ausfuhrpartner von 890 auf 1 069. Die Partner- und Konzentrationsübersicht unterstreicht diese Entwicklung.
| Partner | Einfuhr 2015 (Mio. EUR) | Einfuhr 2025 (Mio. EUR) | Veränderung | Ausfuhr 2015 (Mio. EUR) | Ausfuhr 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| USA | 304,5 | 743,4 | +144,1 % | 311,0 | 396,0 | +27,3 % |
| China | 40,2 | 261,3 | +549,8 % | 54,2 | 99,8 | +84,2 % |
| Japan | 279,3 | 400,8 | +43,5 % | 28,7 | 45,1 | +57,3 % |
| Vereinigtes Königreich | 385,7 | 45,5 | –88,2 % | 291,8 | 111,7 | –61,7 % |
| Russland | – | – | – | 76,2 | 21,7 | –71,5 % |
Quelle: Top-Handelspartner
3. Produktmix im Wandel: Belichtete Hochpreisplatten werden zum beherrschenden Werttreiber
Die Einfuhren von belichteten und entwickelten Platten und Filmen (KN 3705) explodieren im Wert.
Der Teilbereich 3705 – belichtete und entwickelte Platten und Filme, mutmaßlich vor allem für die Halbleiterfertigung genutzte Fotomasken – stieg als Importwert von 109,8 Mio. EUR (2015) auf 562,3 Mio. EUR (2025). Das ist ein Zuwachs um mehr als 400 %. Der Mengenrückgang (–66 % auf 0,13 Tsd. Tonnen) bei gleichzeitig rasantem Preisanstieg (Einheitswert 2015: 277 Tsd. EUR/Tonne; 2025: 4,18 Mio. EUR/Tonne) belegt den hochspezialisierten Charakter dieser Produkte. 3705 trägt mittlerweile mehr als ein Drittel zum gesamten Einfuhrwert bei.
Auch die Ausfuhren von 3705 legen zu, können das Importwachstum aber nicht ausgleichen.
Die Exporte von 3705 stiegen von 83,4 Mio. EUR (2015) auf 279,0 Mio. EUR (2025) – ein kräftiges Plus, das jedoch hinter dem Importboom zurückbleibt. Der Saldo in dieser Kategorie drehte von einem geringen Defizit (–26 Mio. EUR) auf ein starkes Minus von –283 Mio. EUR. Die Einheitswerte auf der Ausfuhrseite lagen 2025 bei 629 Tsd. EUR/Tonne, was ebenfalls auf hochwertige, maßgeschneiderte Produkte hindeutet.
Sensibilisierte unbelichtete Platten (3701) bleiben ein stabiles Exportstandbein, verlieren aber an Volumen.
Die Ausfuhr von 3701 sank mengenmäßig von 54,2 Tsd. auf 40,2 Tsd. Tonnen (–25,9 %), wertmäßig jedoch nur von 650,6 Mio. auf 592,6 Mio. EUR (–8,9 %), weil der durchschnittliche Exportpreis von 12,0 Tsd. auf 14,8 Tsd. EUR/Tonne stieg. Die Einfuhr von 3701 legte hingegen deutlich zu (Menge +268 %, Wert +90 %) und erreichte 2025 ein Volumen von 65,1 Tsd. Tonnen bzw. 449,6 Mio. EUR. Damit wird auch dieser Teilbereich zunehmend importabhängig.
Die Produktsegmentanalyse zeigt, dass der gesamte Warenwert von CN 37 heute wesentlich durch 3705 geprägt wird, während die traditionellen Massenprodukte wie sensibilisierte Papiere (3703) und Rollfilme (3702) an Bedeutung verlieren.
| Unterposition | Einfuhrwert 2015 (Mio. EUR) | Einfuhrwert 2025 (Mio. EUR) | Ausfuhrwert 2015 (Mio. EUR) | Ausfuhrwert 2025 (Mio. EUR) |
|---|---|---|---|---|
| 3701 | 236,4 | 449,6 | 650,6 | 592,6 |
| 3705 | 109,8 | 562,3 | 83,4 | 279,0 |
| 3707 | 573,0 | 398,9 | 436,3 | 273,5 |
| 3703 | 40,5 | 5,6 | 106,1 | 112,0 |
Quelle: Produktsegmentvergleich
Fazit
Der EU-Handel mit fotografischen und kinematografischen Erzeugnissen hat sich im letzten Jahrzehnt grundlegend gewandelt. Aus einem robusten Exportüberschuss ist ein Defizit geworden, weil die Nachfrage nach hochpreisigen belichteten Platten und Filmen – mutmaßlich fotolithografische Masken für die Halbleiterfertigung – insbesondere aus den USA und China sprunghaft gestiegen ist. Gleichzeitig hat das Vereinigte Königreich durch den Brexit seine Rolle als wichtiger Lieferant und Abnehmer eingebüßt, und Russland ist als Zielmarkt fast vollständig entfallen. Die Ausfuhrmengen gehen zurück, während die Importvolumina wachsen. Die Konzentration auf wenige Partner nimmt zu, und die Spezialisierung der EU-Länder variiert stark: Während Belgien, die Niederlande und Deutschland ausgeprägte komparative Vorteile aufweisen (siehe Spezialisierungsanalyse), spielen andere Mitgliedstaaten kaum eine Rolle. Die Entwicklung hängt künftig entscheidend von der Dynamik der globalen Halbleiterlieferketten ab.