Marktentwicklung: Leder und Häute (CN 41) — 2015–2025
Einleitung
Die Produktgruppe CN 41 umfasst Häute, Felle (andere als Pelzfelle) und Leder in allen Bearbeitungsstufen – von rohen Rinder- und Schafhäuten bis zu zugerichtetem Leder, Sämisch‑ und Lackleder sowie rekonstituiertem Leder. Dieser Bericht untersucht die Entwicklung des Außenhandels der Europäischen Union mit Nicht‑EU‑Ländern im Zeitraum 2015 bis 2025 anhand von Werten, Mengen, Preisen, Partner- und Mitgliedstaaten sowie Produktsegmenten. Die Darstellung stützt sich ausschließlich auf die Daten des Trade‑Dashboards; alle genannten Zahlen entstammen den bereitgestellten JSON‑Feldern.
1. Vom Handelsbilanzdefizit zum strukturellen Exportüberschuss
1.1. Die Handelswerte und ‑mengen schrumpften auf beiden Seiten, doch die Importe brachen sehr viel stärker ein als die Exporte.
Die kumulierten EU‑Ausfuhren sanken von 3,53 Mrd. € (2015) auf 2,19 Mrd. € (2025), ein Rückgang um 37,8 %. Die Ausfuhrmenge ging im selben Zeitraum nur um 17,1 % zurück. Die Einfuhren fielen von 3,74 Mrd. € auf 1,54 Mrd. € (–58,9 %) und die Einfuhrmenge um 37,8 %. Weil die Importe wesentlich kräftiger nachgaben, drehte die Handelsbilanz von einem Defizit (–209 Mio. €) in einen Überschuss von +658 Mio. € – eine Verbesserung um 415 %. Allgemeiner Handelsüberblick
| Kennzahl (EU‑Handel mit Drittländern) | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Ausfuhrwert (Mrd. €) | 3,53 | 2,19 | –37,8 % |
| Ausfuhrmenge (1 000 t) | 605 | 502 | –17,1 % |
| Ausfuhrpreis (€/t) | 5 825 | 4 370 | –25,0 % |
| Einfuhrwert (Mrd. €) | 3,74 | 1,54 | –58,9 % |
| Einfuhrmenge (1 000 t) | 667 | 415 | –37,8 % |
| Einfuhrpreis (€/t) | 5 598 | 3 699 | –33,9 % |
| Handelsbilanz (Mio. €) | –209 | +658 | +415,3 % |
1.2. Die Nettoimportabhängigkeit kehrte sich um: Die EU wurde zum Nettoexporteur von Leder und Häuten.
Der Indikator „Nettoimportabhängigkeit“ (Importe minus Exporte im Verhältnis zum Inlandsverbrauch) fiel von +1,9 % im Jahr 2015 auf –19,1 % im Jahr 2024, was einer prozentualen Änderung von –1 088,7 % entspricht. Die EU deckte ihren Bedarf also zunehmend aus eigener Produktion und erzielte gleichzeitig einen wachsenden Ausfuhrüberschuss. Nettoimportabhängigkeit
1.3. Die Exportneigung der EU‑Lederproduktion stieg deutlich an.
Die Exportneigung (Anteil der Ausfuhren an der Produktion) erhöhte sich von 32,5 % (2015) auf 41,5 % (2024). Gleichzeitig legte die Handelsintensität moderat von 49,8 % auf 53,4 % zu. Beide Kennzahlen belegen, dass die EU‑Lederwirtschaft ihre Produktion stärker auf den Weltmarkt ausrichtete, während die Binnennachfrage relativ zur Produktion zurückging. Exportneigung
2. Neuordnung der Handelspartner – China verliert, Südosteuropa gewinnt
2.1. Ausfuhren nach China und Hongkong brachen ein, während Vietnam, Serbien und andere Länder an Bedeutung gewannen.
Die Exporte nach China, 2015 mit 745 Mio. € der mit Abstand größte Absatzmarkt, schrumpften bis 2025 um 54,1 % auf 342 Mio. €. Die Lieferungen nach Hongkong stürzten sogar um 83,1 % ab, von 467 Mio. € auf 79 Mio. €. Dagegen stiegen die Ausfuhren nach Serbien um 54,6 % auf 166 Mio. €, nach Vietnam um 8,0 % auf 219 Mio. €, und auch die Türkei, Indien und das Vereinigte Königreich blieben wichtige Abnehmer, obwohl sie Einbußen hinnehmen mussten. Top-Exportpartner
| Exportpartner | Wert 2015 (Mio. €) | Wert 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| China | 745,0 | 341,7 | –54,1 % |
| Hongkong | 467,2 | 78,8 | –83,1 % |
| Vereinigtes Königreich | 218,0 | 110,6 | –49,3 % |
| Vietnam | 203,0 | 219,2 | +8,0 % |
| Serbien | 107,1 | 165,6 | +54,6 % |
| Indien | 111,3 | 90,4 | –18,7 % |
| Türkei | 101,0 | 74,6 | –26,1 % |
2.2. Einfuhrseitig schrumpften die Rohlederlieferungen aus Lateinamerika, dem Vereinigten Königreich und Asien rapide.
Brasilien, der wichtigste Lieferant, reduzierte seine Lieferungen von 557 Mio. € auf 200 Mio. € (–64,1 %). Das Vereinigte Königreich fiel von 233 Mio. € auf 79 Mio. € (–66,3 %), Paraguay gar um 77,4 %. Die USA, Australien, Neuseeland und die Schweiz verzeichneten ebenfalls deutliche Rückgänge. Dagegen stieg der Anteil der sonstigen Lieferanten, was die verbleibende Importnachfrage auf mehr Schultern verteilt. Top-Importpartner
| Importpartner | Wert 2015 (Mio. €) | Wert 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Brasilien | 557,1 | 199,8 | –64,1 % |
| USA | 330,5 | 179,3 | –45,7 % |
| Vereinigtes Königreich | 233,3 | 78,6 | –66,3 % |
| Neuseeland | 139,7 | 61,5 | –55,9 % |
| Paraguay | 87,7 | 19,9 | –77,4 % |
| Australien | 104,4 | 61,1 | –41,5 % |
| Schweiz | 72,8 | 42,4 | –41,7 % |
2.3. Die Konzentration der Exportmärkte nahm ab, jene der Importquellen hingegen zu.
Der Herfindahl‑Hirschman‑Index (HHI) für die Ausfuhren sank von 871 (2015) auf 664 (2025), was eine breitere Streuung der Exportdestinationen anzeigt. Im Gegensatz dazu stieg der HHI der Einfuhren von 516 auf 609, die Importseite konzentrierte sich also etwas stärker auf wenige Lieferanten. Marktkonzentration
3. Anhaltender Preisverfall, hohe Volatilität und externe Preisschocks
3.1. Die Einfuhrpreise fielen stärker als die Ausfuhrpreise – eine günstige Terms‑of‑Trade‑Entwicklung für die EU.
Der durchschnittliche Ausfuhrpreis sank zwischen 2015 und 2025 um 25,0 % (von 5 825 €/t auf 4 370 €/t), der Einfuhrpreis jedoch um 33,9 % (von 5 598 €/t auf 3 699 €/t). Damit verbilligten sich die EU‑Importe relativ zu den Exporten, was die reale Kaufkraft der Branche verbesserte. Allgemeiner Handelsüberblick
| Preisindikator | 2015 (€/t) | 2025 (€/t) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportpreis | 5 825 | 4 370 | –25,0 % |
| Importpreis | 5 598 | 3 699 | –33,9 % |
| Preisverhältnis (X/M) | 1,04 | 1,18 | +13,5 % |
3.2. Die Liefermengen wichtiger Partner schwankten stark, während die Schweiz äußerst stabile Importmengen lieferte.
Die Volatilität der Einfuhrmengen, gemessen am Variationskoeffizienten (CV), war bei Südafrika (0,446), Bosnien und Herzegowina (0,438) und Argentinien (0,320) besonders hoch. Sehr gering war die Schwankung dagegen bei den Importen aus der Schweiz (CV 0,059). Auf der Exportseite wiesen Hongkong (CV 0,764), das Vereinigte Königreich (CV 0,560) und die Ukraine (CV 0,334) die größten Mengenschwankungen auf, während China mit einem CV von 0,081 ein bemerkenswert stabiles Abnahmevolumen zeigte. Volatilität
3.3. Drei markante Preisschocks belasteten die Importseite: Kolumbien (2023), Argentinien (2022) und Ukraine (2022).
- In Kolumbien schnellte der Importpreis 2023 um 293 % in die Höhe, während die Menge auf ein Zehntel des vorherigen Niveaus einbrach (1,0 % Wertanteil). Anschließend blieb die Menge gering und der Preis auf erhöhtem Niveau.
- Bei Importen aus der Ukraine stieg der Preis 2022 um 45 %, während die Menge um 30 % zurückging; auch 2023/2024 verharrten die Preise deutlich über dem Durchschnitt von 2020/2021 (Wertanteil 2,9 %).
- Argentinien verzeichnete 2022 einen Preissprung von 117 % bei gleichzeitigem Mengenrückgang; auch in den Folgejahren blieb das Preisniveau fast doppelt so hoch wie in der Basisperiode (Wertanteil 5,3 %).
Diese Ereignisse illustrieren, wie punktuelle Angebotsverknappungen oder handelsbedingte Störungen (z. B. durch den Krieg in der Ukraine) die Beschaffungskosten für bestimmte Rohlederqualitäten vorübergehend massiv verteuern können. Preisschocks
Fazit
Der EU‑Handel mit Häuten und Leder durchlief zwischen 2015 und 2025 einen tiefgreifenden Wandel. Die nominalen Handelsströme schrumpften drastisch, jedoch verlief der Rückgang der Importe wesentlich steiler als jener der Exporte. Infolgedessen verwandelte sich das chronische Handelsbilanzdefizit in einen soliden Exportüberschuss, und die EU avancierte zum Nettoexporteur. Treiber dieser Entwicklung waren ein kräftiger Preisverfall bei importierten Rohhäuten, eine Diversifizierung der Exportmärkte weg von China und Hongkong hin zu Ländern wie Vietnam und Serbien sowie eine gestiegene Exportneigung der heimischen Produktion. Gleichzeitig konzentrierten sich die verbliebenen Importe auf weniger Lieferanten, und einzelne Partner (Kolumbien, Argentinien, Ukraine) waren starken Preisausschlägen ausgesetzt. Für die europäische Lederwirtschaft bedeuten diese Trends, dass sie zwar weniger von Rohstoffimporten abhängig ist, aber auf volatile Beschaffungsmärkte angewiesen bleibt und ihre Wettbewerbsfähigkeit zunehmend über hochwertige Veredelungsprodukte und eine breite Streuung der Absatzmärkte sichern muss.