Marktentwicklung: Flechtwaren und Korbwaren (CN 46) — 2015–2025
Einleitung
Der vorliegende Bericht analysiert die Entwicklung des EU-Außenhandels mit Flechtwaren und Korbmacherwaren (CN-Code 46) im Zeitraum 2015 bis 2025. Datengrundlage sind die Jahreswerte des Handels der EU-27 mit Nicht-EU-Ländern, wie sie im Dashboard Produktdefinition & Geltungsbereich hinterlegt sind. Das Kapitel umfasst Geflechte und ähnliche Waren (4601) sowie Korbmacherwaren und andere unmittelbar aus Flechtstoffen hergestellte Erzeugnisse (4602). Die Gesamtbetrachtung offenbart ein massives und strukturelles Handelsbilanzdefizit, das jedoch von einer bemerkenswerten Exportdynamik, einer zunehmenden Diversifizierung der Partnerländer und einem tiefgreifenden strukturellen Wandel der gehandelten Waren begleitet wird.
1. Asymmetrische Dynamik: Starker Exportanstieg bei anhaltend hohem Handelsdefizit
1.1 Die EU ist Nettoimporteur – die Einfuhren stiegen um 43 %, die Ausfuhren verdreifachten sich nahezu
Die Einfuhren entwickelten sich von 382,4 Mio. EUR (2015) auf 548,3 Mio. EUR (2025), ein Anstieg um 43,4 %. Die Ausfuhren legten im selben Zeitraum von 42,5 Mio. EUR auf 164,1 Mio. EUR zu, was einem Wachstum von 286,2 % entspricht. Trotz dieser unterschiedlichen Dynamik verbleibt ein erhebliches Handelsbilanzdefizit, das sich von 339,9 Mio. EUR auf 384,2 Mio. EUR ausweitete (–13,0 %). Die Mengen nahmen bei den Importen um 33,0 % (von 111,9 Tsd. t auf 148,8 Tsd. t) und bei den Exporten um 16,0 % (von 9,3 Tsd. t auf 10,7 Tsd. t) zu.
| Kennzahl (2025) | Importe | Exporte |
|---|---|---|
| Wert (Mio. EUR) | 548,3 | 164,1 |
| Menge (Tonnen) | 148.823 | 10.744 |
| Durchschnittspreis (EUR/t) | 3.684 | 15.265 |
| Allgemeiner Handelsüberblick |
1.2 Die Preisschere zwischen Ein- und Ausfuhren öffnet sich massiv
Der durchschnittliche Importpreis stieg mit +7,8 % nur moderat (von 3.417 auf 3.684 EUR/t). Der Exportpreis hingegen schnellte um 232,7 % in die Höhe (von 4.588 auf 15.265 EUR/t). Diese sich öffnende Schere deutet auf eine zunehmende Verlagerung der EU-Ausfuhren in hochpreisige Segmente hin, während die Einfuhren weiterhin von preisgünstigeren Waren dominiert werden.
1.3 Die führenden Mitgliedstaaten bilden eine stabile Spitzengruppe
Bei den Importen dominierten 2025 die Niederlande (86,6 Mio. EUR), Frankreich (88,6 Mio. EUR) und Deutschland (88,8 Mio. EUR). Im Export führte Italien das Feld mit 49,2 Mio. EUR an, gefolgt von Frankreich (37,5 Mio. EUR) und Spanien (26,3 Mio. EUR). Italiens Exporte verzeichneten mit +2.649,7 % das mit Abstand stärkste Wachstum. Mitgliedstaaten nach Wert
2. Diversifizierung als Antwort auf geopolitische und preisliche Unsicherheiten
2.1 Die Anbieterkonzentration bei Importen nimmt spürbar ab
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) der Importe fiel von 4.708 auf 3.262 (–30,7 %), und auch bei den Exporten sank der HHI von 1.308 auf 1.054 (–19,5 %). Dies belegt eine deutlich breitere Streuung der Handelspartner auf beiden Seiten. Konzentration (HHI)
2.2 Neue Lieferanten aus Asien und Afrika gewinnen Marktanteile
China blieb 2025 mit Einfuhren von 288,9 Mio. EUR der größte außereuropäische Lieferant, wuchs jedoch mit +13,8 % nur unterdurchschnittlich. Dagegen verzeichneten andere Herkunftsländer starke Zuwächse:
| Partner (Import) | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| China | 253,8 | 288,9 | +13,8 % |
| Vietnam | 59,0 | 101,1 | +71,4 % |
| Indonesien | 28,4 | 41,5 | +46,2 % |
| Madagaskar | 5,1 | 36,7 | +619,8 % |
| Bangladesch | 2,9 | 22,4 | +683,4 % |
| Indien | 3,7 | 17,3 | +361,4 % |
| Handelspartner nach Wert |
2.3 Auch auf der Exportseite streut die EU ihre Absatzmärkte breiter
Die Vereinigten Staaten entwickelten sich zum wichtigsten Exportmarkt: Der Wert der Ausfuhren stieg um 2.494,7 % auf 37,4 Mio. EUR. Das Vereinigte Königreich und die Schweiz legten ebenfalls zu, während die Lieferungen nach Tunesien um 82,4 % einbrachen. Auch in die Türkei (+705,8 %) und die Ukraine (+348,7 %) wurde deutlich mehr geliefert.
2.4 Preisschocks bei China (2022) und der Türkei (2017) als mögliche Katalysatoren
Im Jahr 2022 ereignete sich ein Preisschock bei chinesischen Importen: Der Durchschnittspreis stieg um 45,4 % über das Basisniveau, bei nur geringfügig erhöhter Menge (+4,9 %). Anschließend normalisierte sich der Preis weitgehend. Diese Episode fiel mit dem Import-Höchststand von 796,1 Mio. EUR zusammen und dürfte die Suche nach alternativen Lieferquellen beschleunigt haben. Bereits 2017 gab es einen starken Preisschock bei Ausfuhren in die Türkei (+57,2 %), verbunden mit einer dauerhaft höheren Absatzmenge. Preis-Schockereignisse
3. Vom Massengut zum Hochpreissegment: Die Transformation des EU-Außenhandels mit Korb- und Flechtwaren
3.1 Korbmacherwaren (4602) dominieren Ein- und Ausfuhren
Die Unterposition 4602 (Korbmacherwaren, Fertigerzeugnisse) machte 2025 sowohl wert- als auch mengenmäßig den größten Teil des Handels aus. In der Einfuhr entfielen 446,7 Mio. EUR (81,5 % des Importwerts) auf 4602, in der Ausfuhr sogar 155,5 Mio. EUR (94,8 % des Exportwerts). Produktsegmentvergleich
3.2 Im Export explodierten die Preise für Fertigwaren, während Importpreise nahezu stagnieren
Der durchschnittliche Ausfuhrpreis für Unterposition 4602 stieg von 4.459 auf 22.651 EUR/t (+408 %). Bei Geflechten (4601) lag der Exportpreis 2025 mit 4.061 EUR/t sogar unter dem Niveau von 2015 (4.819 EUR/t). Im Gegensatz dazu verharrte der Importpreis für 4602 bei 5.283 EUR/t (+22,1 % seit 2015) und für 4601 bei 1.472 EUR/t (–16,5 %). Die EU exportiert somit zunehmend hochwertige Korbmacherwaren, während sie preisgünstige Vorerzeugnisse und einfachere Fertigprodukte importiert.
| Segment | Flow | Wert 2015 (Mio. EUR) | Wert 2025 (Mio. EUR) | Preis 2015 (EUR/t) | Preis 2025 (EUR/t) |
|---|---|---|---|---|---|
| 4602 | Import | 312,1 | 446,7 | 4.326 | 5.283 |
| 4602 | Export | 30,1 | 155,5 | 4.459 | 22.651 |
| 4601 | Import | 70,1 | 94,2 | 1.762 | 1.472 |
| 4601 | Export | 11,8 | 15,8 | 4.819 | 4.061 |
3.3 Spezialisierung: Kleinere und östliche Mitgliedstaaten mit komparativem Vorteil
Im Jahr 2025 wiesen Litauen (RSCA 0,37), Dänemark (RSCA 0,34), Polen (RSCA 0,29), die Niederlande und Spanien (je RSCA 0,28) eine überdurchschnittliche Spezialisierung im Handel mit Flecht- und Korbwaren auf. Große Importländer wie Deutschland (RSCA –0,27) oder Belgien (–0,35) zeigten dagegen keine komparativen Vorteile in diesem Segment. Spezialisierte Berichtsstaaten
Fazit
Der EU-Handel mit Flecht- und Korbwaren ist im letzten Jahrzehnt durch drei tiefgreifende Veränderungen gekennzeichnet. Erstens wuchsen die Exporte preis- und wertmäßig weit stärker als die Importe, auch wenn das Nettodefizit strukturell hoch bleibt. Zweitens vollzog sich eine deutliche Diversifizierung der Liefer- und Absatzmärkte, ausgelöst unter anderem durch einen Preisschock in China 2022 und die Neuausrichtung der Exportströme in die USA. Drittens verlagerte sich der EU-Export systematisch in hochpreisige Korbmacherwaren (4602), deren Durchschnittserlös sich mehr als verfünffacht hat. Diese Aufwertung bei gleichzeitiger Spezialisierung einiger Mitgliedstaaten zeigt, dass die Branche das Potenzial besitzt, aus einem traditionell defizitären und volatilen Segment herauszuwachsen.