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Marktentwicklung: Rohbaumwolle (CN 52) — 2015–2025

Einleitung

Der vorliegende Bericht analysiert den Außenhandel der Europäischen Union mit Waren der Zollkapitelgruppe CN 52 (BAUMWOLLE) von 2015 bis 2025. Die Gruppe umfasst Rohbaumwolle, Abfälle, Garne und Gewebe – von unverarbeiteter Baumwolle bis zu hochwertigen textilen Flächengebilden. Die Daten zeigen einen rückläufigen mengenmäßigen Handel, steigende Preise und eine deutliche Verbesserung der Handelsbilanz. Zugleich verschieben sich die Handelsströme erheblich: Einige traditionelle Lieferanten verlieren an Bedeutung, während neue Partner aufholen. Innerhalb der EU verändern sich die Rollen der Mitgliedstaaten, und ein massiver Preisschock im Jahr 2022 prägt das gesamte Baumwollgeschäft. Der Bericht stützt sich ausschließlich auf die vom Dashboard bereitgestellten Zahlen und erläutert deren Hintergründe.

1. Schrumpfendes Handelsvolumen bei steigenden Preisen und verbesserter Handelsbilanz

Der EU-Außenhandel mit Baumwollprodukten schrumpft mengenmäßig, die Einfuhrpreise ziehen an

Zwischen 2015 und 2025 ist die importierte Menge an CN-52-Waren um 30,2 % zurückgegangen, die exportierte Menge um 14,0 %. Gleichzeitig stiegen die Importpreise um 6,4 % und die Exportpreise um 5,0 %. (Quelle: Handelsüberblick)

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importmenge (t) 822.891 574.420 -30,2 %
Exportmenge (t) 405.098 348.457 -14,0 %
Importpreis (EUR/t) 3.779 4.020 +6,4 %
Exportpreis (EUR/t) 5.618 5.899 +5,0 %

Das Handelsbilanzdefizit reduziert sich um über zwei Drittel

Das Handelsbilanzdefizit der EU für Baumwollprodukte verbesserte sich von –834 Mio. Euro im Jahr 2015 auf –254 Mio. Euro im Jahr 2025 – ein Rückgang um 69,6 %. Die Kombination aus einem deutlich stärkeren Rückgang der Importwerte (–25,7 %) gegenüber den Exportwerten (–9,7 %) führte zu dieser deutlichen Verbesserung. (Quelle: Handelsbilanz)

Höhere Preise kompensieren den Mengenrückgang nicht vollständig

Trotz der Preissteigerungen sank der Gesamtwert der Importe von 3,11 Mrd. Euro auf 2,31 Mrd. Euro. Die Exportwerte gingen von 2,28 Mrd. Euro auf 2,06 Mrd. Euro zurück. Die Preiseffekte konnten den Volumeneffekt also nur teilweise ausgleichen. Dies deutet auf eine strukturell geringere Nachfrage oder eine effizientere Nutzung hin, etwa durch eine Verlagerung der Textilproduktion in Drittländer, die weniger EU‑Baumwollvorprodukte nachfragen.

2. Geografische Neuausrichtung: Wichtige Verschiebungen bei Partnerländern

Importe aus den traditionellen Lieferanten Türkei, Pakistan und Indien gehen zurück

Die EU‑Importe aus den drei größten Bezugsquellen – Türkei, Pakistan und Indien – verzeichneten bis 2025 Wertrückgänge. Die Einfuhren aus der Türkei sanken um 6,8 %, aus Pakistan um 15,9 % und aus Indien um 17,1 %. Auch China (–23,4 %) und Ägypten (–31,6 %) verloren an Bedeutung. (Quelle: Top-Partner Importe)

Importpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Türkei 820 764 -6,8 %
Pakistan 552 464 -15,9 %
Indien 413 343 -17,1 %
China 427 327 -23,4 %
Ägypten 151 104 -31,6 %

Usbekistan und Brasilien gewinnen als Lieferanten an Bedeutung

Gegen den Trend legten die Importe aus Usbekistan um 46,8 % auf 53 Mio. Euro und aus Brasilien um 16,9 % auf 20 Mio. Euro zu. Hier spiegelt sich die Erschließung alternativer Beschaffungsquellen wider, nicht zuletzt durch die Diversifizierung der textilen Lieferketten.

EU‑Exporte verlagern sich nach Ägypten, Bangladesch und Pakistan

Auf der Ausfuhrseite brechen die Lieferungen in die Türkei (–28,9 %) und nach Indonesien (–36,2 %) ein. Dem gegenüber stehen kräftige Zuwächse nach Ägypten (+98,4 %), Bangladesch (+56,2 %) und Pakistan (+231,4 %). (Quelle: Top-Partner Exporte) Diese Verschiebung zeigt eine Neuausrichtung der europäischen Textilausfuhren auf Wachstumsmärkte in der Bekleidungsproduktion.

Exportpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Türkei 303 216 -28,9 %
Ägypten 64 127 +98,4 %
Bangladesch 18 28 +56,2 %
Pakistan 10 32 +231,4 %

Mitgliedstaaten mit stark unterschiedlicher Entwicklung: Österreichs Ausfuhren explodieren, Deutschland bricht ein

Auf Länderebene stechen die Verschiebungen innerhalb der EU hervor. Italiens Importe sanken um 26,5 %, Deutschlands sogar um 47,2 %, während Portugal seine Einfuhren um 25,0 % steigerte. Bei den Exporten wuchs Österreich um 106,1 % und wurde zum zweitgrößten Ausfuhrland nach Italien. Deutschlands Exporte halbierten sich hingegen (–47,2 %). (Quelle: Top-Melder)

Mitgliedstaat (Export) 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Italien 628 508 -19,0 %
Griechenland 293 317 +8,3 %
Österreich 160 330 +106,1 %
Deutschland 312 165 -47,2 %

Diese Daten verdeutlichen eine regional sehr unterschiedliche Entwicklung, die mit unterschiedlichen industriellen Spezialisierungen und logistischen Vorteilen zusammenhängen dürfte.

3. Struktureller Wandel: Spezialisierung, Konzentration und Preisschocks

Portugal und Italien bleiben hochspezialisiert, während die Produktion in der EU einbricht

Im Jahr 2025 weisen Portugal (RSCA 0,6288) und Italien (0,5167) die höchste Spezialisierung im Baumwollbereich auf. (Quelle: Spezialisierung) Gleichzeitig ist die EU‑Produktion in dem Zeitraum drastisch zurückgegangen: Die produzierte Menge sank von 1,83 Mrd. kg (2003) auf 1,14 Mrd. kg (2024), der Produktionswert sogar von 7,84 Mrd. Euro auf 2,77 Mrd. Euro – ein Minus von 64,6 %. (Quelle: Produktionsvolumina) Die EU wird damit immer abhängiger von Einfuhren, insbesondere von Rohbaumwolle und Halbfertigwaren.

Lieferantenkonzentration auf Importseite nimmt zu, Exportseite bleibt breit gestreut

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) der Importkonzentration stieg von 1459 auf 1957 (+34,1 %), was eine engere Bündelung der Einfuhren auf wenige Hauptlieferanten anzeigt. Der HHI der Exporte blieb dagegen nahezu unverändert bei rund 580 (+1,5 %). (Quelle: Konzentration) Die Ausfuhren verteilen sich also weiterhin auf viele Abnehmer, während die Importe sich auf weniger Partner konzentrieren.

Das Jahr 2022 bringt massive Preisschocks auf nahezu allen Beschaffungs- und Absatzmärkten

Die Analyse der Preisschocks offenbart einen markanten, synchronen Preissprung im Jahr 2022. Bei den Importen stiegen die Einstandspreise aus Pakistan sprunghaft um 47,3 %, aus der Türkei um 43,2 %, aus China um 34,4 % und aus Indien um 55,9 %. Auch bei den EU‑Exporten kam es zu teils drastischen Preisausschlägen: +46,2 % in die Schweiz (2018), +32,1 % nach Tunesien (2022), +185,9 % nach China (2021) sowie ein Schub von 59,0 % nach Bangladesch (2022). (Quelle: Preisschocks) Diese Schocks sind auf eine Kombination aus Ernteausfällen, gestörten Lieferketten und spekulativen Effekten während der globalen Rohstoffpreiskrise zurückzuführen.

Die EU wandelt sich vom Nettoexporteur zum leichten Nettoimporteur von Baumwolle

Die Nettodiktion der EU hat sich im betrachteten Gesamtzeitraum gedreht. Am Anfang (2003) war die EU noch Nettoexporteur von Baumwollerzeugnissen (–2,07 % Nettoimportabhängigkeit), im Jahr 2024 lag sie mit +1,57 % im leichten Nettoimport. (Quelle: Nettoimportabhängigkeit) Die Handelsintensität stieg von 9,0 % auf 12,3 %, während die Exportneigung mit knapp 5,8 % stabil blieb. (Quelle: Handelsintensität) Die EU bleibt damit ein vergleichsweise offener, aber selbst nicht mehr dominanter Produzent.

Fazit

Der EU‑Außenhandel mit Rohbaumwolle und Baumwollerzeugnissen durchlief von 2015 bis 2025 einen tiefgreifenden Wandel. Die Mengen schrumpften zweistellig, während die Preise anzogen und das Handelsbilanzdefizit kräftig sank. Die Einfuhr konzentriert sich zunehmend auf wenige Lieferanten, wobei die Türkei, Pakistan und Indien an Bedeutung verlieren, während Usbekistan und Brasilien aufholen. Die Ausfuhr verlagert sich von der Türkei nach Ägypten, Bangladesch und Pakistan. Innerhalb der EU verloren Deutschland und Italien Marktanteile, während Österreich und Portugal ihre Positionen ausbauten. Die heimische Produktion brach massiv ein, was die Importabhängigkeit leicht erhöhte. Das Jahr 2022 markiert einen synchronen Preisschock, der die Branche nachhaltig prägte. Insgesamt bleibt Baumwolle ein strategisch wichtiges Handelsgut für die EU, wobei hochwertige Gewebe die Exportseite dominieren und die Versorgung mit Rohbaumwolle und Garnen zunehmend aus diversifizierten Quellen gedeckt wird.