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Marktentwicklung: Baumwollabfälle (CN 5202) — 2015–2025

Einleitung

Der Handel der Europäischen Union mit Baumwollabfällen (CN 5202), einschließlich Garnabfällen und Reißspinnstoff, unterlag im Zeitraum 2015–2025 erheblichen strukturellen Veränderungen. Obwohl die EU in diesem Segment traditionell ein starker Nettoimporteur ist – das Handelsbilanzdefizit lag im gesamten Zeitraum zwischen rund −54 Mio. € und −104 Mio. € – haben sich Volumina, Preisniveaus, Lieferländer und Konzentrationsgrade deutlich verschoben. Die Daten umfassen alle drei Unterpositionen von CN 5202: Garnabfälle (520210), Reißspinnstoff (520291) sowie sonstige Baumwollabfälle (520299).


1. Mengenrückgang trotz steigender Importwerte: Die Preistreiber-Rolle der Jahre 2021–2022

1.1 Die EU importiert weniger Tonnen, zahlt aber mehr

Der auffälligste Trend im gesamten Beobachtungszeitraum ist die gegenläufige Entwicklung von Mengen und Werten. Die EU-Importe verloren über den Zeitraum 18,6 % ihres Volumens (von 85.422 t auf 69.493 t), während der Importwert gleichzeitig um 14,3 % stieg (von 82,3 Mio. € auf 94,1 Mio. €). Die durchschnittlichen Importpreise erhöhten sich dabei von 964 €/t auf 1.354 €/t (+40,5 %).

Kennzahl 2015 2022 (Peak) 2025 Veränderung 2015→2025
Importmenge (t) 85.422 74.136 69.493 −18,6 %
Importwert (€) 82.337.562 133.555.107 94.120.299 +14,3 %
Importpreis (€/t) 964 1.801 1.354 +40,5 %

Quelle: Allgemeine Übersicht – Handel

1.2 Der Preisschock von 2022 als Wendepunkt

Das Jahr 2022 markiert den Höhepunkt sowohl des Importwerts (133,6 Mio. €) als auch des durchschnittlichen Importpreises (1.801 €/t). In diesem Jahr wurden bei den drei wichtigsten Importlieferanten der EU signifikante Preisschocks festgestellt:

Land Schock-Typ Preissprung 2022 Abnormalitäts-Score Anteil am Importwert
Pakistan Preis +60,7 % 283,3 15,3 %
Türkiye Preis +53,8 % 25,8 49,2 %
Indien Preis

Quelle: Volatilität & Schocks

Der pakistanische Schock zeigt die höchste Abnormalität (283,3), was auf extreme Preisspitzen gegenüber dem historischen Mittelwert hindeutet. Die zugrundeliegenden Ursachen dürften in den weltweiten Baumwollpreisanstiegen 2021/22 (u. a. durch Dürren, Lieferkettenengpässe und erhöhte Nachfrage nach der Pandemie-Erholung) sowie in der dramatischen Wirtschaftskrise Pakistans liegen. Ab 2023 normalisierten sich die Preise wieder, lagen 2025 aber mit 1.354 €/t weiter deutlich über dem Vorkrisenniveau.

1.3 Gleichläufige Entwicklung bei EU-Exporten – mit noch stärkerem Mengenrückgang

Auch die EU-Ausfuhren verloren erheblich an Volumen: von 21.706 t (2015) auf 13.756 t (2025), was einem Rückgang von 36,6 % entspricht. Der Exportwert sank trotz steigender Preise (+47,5 % auf 1.244 €/t) um 6,5 % auf 17,1 Mio. €. Das Handelsbilanzdefizit vergrößerte sich von −64,0 Mio. € auf −77,0 Mio. € (−20,3 %), was den anhaltenden Strukturwandel der EU als Nettoimporteurin in diesem Sektor unterstreicht.


2. Umbruch der Handelspartner: Konzentration der Importe, Diversifizierung der Exporte

2.1 Türkiye und Indien gewinnen, Pakistan verliert dramatisch

Die Zusammensetzung der wichtigsten Importpartner der EU hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend verändert:

Herkunftsland Importwert 2015 (€) Importwert 2025 (€) Veränderung
Türkiye 35.809.798 50.300.943 +40,5 %
Indien 14.802.053 28.540.711 +92,8 %
Pakistan 19.305.525 4.846.678 −74,9 %
Mauritius 1.377.492 2.058.828 +49,5 %
USA 961.998 1.725.521 +79,4 %
El Salvador 904.146 1.195.998 +32,3 %

Quelle: Top-Handelspartner nach Wert

Türkiye festigte seine Position als mit Abstand wichtigster Lieferant (50,3 Mio. €, ca. 53 % des Importwerts). Indien konnte seinen Anteil nahezu verdoppeln und wurde zum zweitwichtigsten Partner. Der dramatische Rückgang Pakistans (−74,9 %) ist bemerkenswert: von 19,3 Mio. € auf nur noch 4,8 Mio. €. Dies steht im Zusammenhang mit der oben beschriebenen Preisinstabilität, der pakistanischen Wirtschaftskrise sowie möglichen Handelsumlenkungen.

2.2 Zunehmende Importkonzentration

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für die Importkonzentration nach Wert stieg von 2.783 (2015) auf 3.819 (2025) – ein Anstieg um 37,2 %. Der HHI nach Volumen stieg sogar um 60,4 % auf 3.804. Damit hat sich der EU-Importmarkt für Baumwollabfälle spürbar konzentriert, was das zunehmende Übergewicht von Türkiye und Indien bei gleichzeitigem Rückgang Pakistans und anderer kleinerer Lieferanten widerspiegelt.

Kennzahl (HHI) 2015 2025 Veränderung
Importe (Wert) 2.783 3.819 +37,2 %
Importe (Volumen) 2.372 3.804 +60,4 %
Exporte (Wert) 3.407 2.155 −36,8 %
Exporte (Volumen) 2.421 1.738 −28,2 %

Quelle: Konzentrationsanalyse (HHI)

2.3 Exporte: Verschiebung weg von traditionellen Partnern

Bei den EU-Exporten zeigt sich ein gegenläufiges Bild: Die Konzentration nahm ab (HHI von 3.407 auf 2.155), was auf eine Diversifizierung der Absatzmärkte hindeutet. Traditionelle Märkte wie das Vereinigte Königreich (−65,0 %) und Hongkong (−90,8 %) verloren stark an Bedeutung, während die USA zu einem bedeutenden Abnehmer aufstiegen (von 480.204 € auf 3.296.246 €, +586 %). Vietnam entwickelte sich von einem praktisch bedeutungslosen Partner (10 € in 2015) zu einem relevanten Markt (672.558 €).

Bestimmungsland Exportwert 2015 (€) Exportwert 2025 (€) Veränderung
Vereinigtes Königreich 6.413.244 2.246.365 −65,0 %
Schweiz 8.475.613 6.432.067 −24,1 %
USA 480.204 3.296.246 +586,4 %
Russland 124.568 145.826 +17,1 %
Türkiye 222.538 123.525 −44,5 %

Quelle: Top-Handelspartner nach Wert (Exporte)

2.4 Innerhalb der EU: Deutschland als zentraler Dreh- und Angelpunkt

Deutschland hat seine Rolle als wichtigstes EU-Mitgliedsland im Baumwollabfallhandel massiv ausgebaut:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
dt. Importe (€) 8.382.028 31.873.324 +280,3 %
dt. Exporte (€) 6.672.216 10.683.367 +60,1 %

Quelle: EU-Mitgliedsstaaten nach Wert

Deutschland stieg damit vom viertgrößten zum mit Abstand größten Importeur innerhalb der EU auf. Gleichzeitig zeigen Spezialisierungsindizes (RSCA = 0,20), dass Deutschland auch eine komparative Exportstärke in diesem Segment besitzt. Belgien (RSCA = 0,62) und Bulgarien (RSCA = 0,44) sind die am stärksten spezialisierten EU-Exporter von Baumwollabfällen.


3. Segmentanalyse: Baumwollabfälle dominant, Garnabfälle mit hoher Volatilität

3.1 Sonstige Baumwollabfälle (520299) als mengen- und wertdominante Unterkategorie

Die Position 520299 (Abfälle von Baumwolle, ausgenommen Garnabfälle und Reißspinnstoff) dominiert den EU-Handel mit einem Anteil von ca. 90 % an der Importmenge und ca. 93 % am Importwert. Der Importpreis dieser Unterkategorie lag 2025 bei 1.369 €/t – zwischen 2015 (1.008 €/t) und dem Höchststand 2022 (1.851 €/t) schwankte er stark.

Unterkategorie Imp.-Menge 2025 (t) Imp.-Wert 2025 (€) Imp.-Preis 2025 (€/t) Preisveränderung 2015→2025
520299 – Sonstige Baumwollabfälle 63.680 87.171.027 1.369 +35,9 %
520291 – Reißspinnstoff 3.822 5.634.428 1.474 +158,4 %
520210 – Garnabfälle 1.991 1.314.844 660 −8,9 %

Quelle: Produktsegment-Vergleich

3.2 Reißspinnstoff (520291): Starkes Preiswachstum

Reißspinnstoff verzeichnete mit +158,4 % das stärkste Preiswachstum aller drei Unterkategorien (von 571 €/t auf 1.474 €/t). Das Importvolumen ging dabei um 46,3 % zurück (von 7.120 t auf 3.822 t). Der Exportpreis war besonders volatil: Er schwankte zwischen 456 €/t (2015) und 1.154 €/t (2023), mit einem Variationskoeffizienten, der auf erhebliche Marktunsicherheit hindeutet.

3.3 Garnabfälle (520210): Kleinste, aber unregelmäßigste Kategorie

Garnabfälle bleiben mengenmäßig die kleinste Unterkategorie (1.991 t Importe, 493 t Exporte in 2025). Bemerkenswert ist die extreme Schwankung bei den Exportpreisen: von 167 €/t (2024) bis 3.461 €/t (2025). Diese Diskontinuität dürfte auf geringe Handelsvolumina und damit einhergehende statistische Effekte zurückzuführen sein, da schon kleinere Lieferungen die Durchschnittspreise stark verschieben können.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Baumwollabfälle (CN 5202) hat sich zwischen 2015 und 2025 von einem mengenorientierten hin zu einem zunehmend preisgetriebenen Markt gewandelt. Drei zentrale Entwicklungen prägen das Bild:

  1. Strukturelle Mengenkontraktion: Sowohl Importe (−18,6 %) als auch Exporte (−36,6 %) verloren erheblich an Volumen, was auf einen langfristigen Rückgang der Baumwollverarbeitung in der EU sowie veränderte globale Recyclingströme hindeuten dürfte.

  2. Preisniveau-Shift nach 2021: Die Preise für Baumwollabfälle haben sich 2022 sprunghaft erhöht und sich seitdem nur teilweise normalisiert. Der Importpreis 2025 (1.354 €/t) lag noch immer 40 % über dem Niveau von 2015.

  3. Zunehmende Lieferantenkonzentration: Der Importmarkt konzentrierte sich zunehmend auf Türkiye und Indien, während Pakistan an Bedeutung verlor. Gleichzeitig diversifizierten sich die EU-Exportmärkte, wobei die USA als neuer Hauptabnehmer aufstiegen.

Die anhaltende Handelsbilanzunterlegenheit (−77 Mio. € in 2025) unterstreicht, dass die EU auf absehbare Zeit auf Importe von Baumwollabfällen angewiesen bleibt – insbesondere aus Türkiye und Indien, die zusammen rund 84 % des Importwerts ausmachen.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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